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Wochenrückblick: Kollegah & Co – wo ist die Bundesprüfstelle, wenn man sie mal braucht?

Ein Schnitzel für die Kanzlerin, Rap-Rüpel, Mr.Zuckerberg in Washington, Tom Buhrow
Ein Schnitzel für die Kanzlerin, Rap-Rüpel, Mr.Zuckerberg in Washington, Tom Buhrow

Die Rap-Rüpel Kollegah und Farid Bang wurde tatsächlich mit einem Echo ausgezeichnet. Eine schäbige Entscheidung. Facebook-Chef Mark Zuckerberg gab US-Politikern Nachhilfe in Sachen Internet. Der WDR ist wegen Belästigungsvorwürfen unter Druck und die Bild wusste, wer noch so anwesend war, als die Kanzlerin ein Schnitzel aß. Die MEEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne

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Bei der diesjährigen Echo-Verleihung lief alles planmäßig. Helene Fischer wurde ausgezeichnet, die “Gangsta Rapper” Kollegah und Farid Bang benahmen sich daneben, Campino war moralisch. Ich bin kein Fan von Campino oder seiner Schlager-Punk-Truppe, aber dass er als einziger den Mumm hatte, wenigstens ein schlecht vom Blatt abgelesenes Statement gegen das menschenverachtende Gesülze von Kollegah & Co vorzubringen, muss man ihm anrechnen. Dass sich die Herren Gangster dann hinterher über ihn lustig machten und sich hinter dem Ethikrat des Echo versteckten, zeigt, was da eigentlich für Mi-Mi-Mimosen in den Baggy-Klamotten stecken. Verbieten sollte man diesen Rap-Rotz meiner Meinung nach nicht, auszeichnen sollte man das Zeug aber auch nicht. Wo ist eigentlich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, wenn man sie mal braucht? In den 80er Jahren wurde alles mögliche indiziert, teilweise bis über die Grenzen jeder Lächerlichkeit hinaus (zum Beispiel diverse Titel der Ärzte oder der Film “Mad Max 2”). Teilweise wurden diese Indizierungen mittlerweile wieder aufgehoben. Die Lieder von Kollegah und anderen so genannten Gangsta-Rappern sind tatsächlich verrohend und jugendgefährdend. Statt dass sie auf dem Index landen, werden sie in Primetime-TV-Shows mit Preisen ausgezeichnet. Man sollte doch klarmachen, dass derartiger Mist nicht zum gesellschaftlich akzeptierten Kanon gehört. Indem man diesen Typen auch noch einen Preis hinterherwirft, wird diese Form des menschenverachtenden Umgangs geadelt und zur Norm erklärt, während andererseits Gesetze erlassen werden, die Hassrede bei Facebook bekämpfen sollen.

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Facebook, Facebook, war da was? Yes: Mr. Zuckerberg ging nach Washington und sagte vor Senat und Kongress aus. Die ganze Anhörung war durchaus interessant aber mehr wegen der Inszenierung, weniger wegen der Inhalte. Erschreckend war freilich teils schon, wie wenig Ahnung die US-Politiker vom Internet im Allgemeinen und von Facebook im Besonderen hatten. Wie zur Hölle kann eine Online-Firma Geld verdienen, obwohl sie ihre Dienstleistungen wie Facebook gratis anbietet, wollte einer der Fragesteller von Zuck wissen. Anzeigen? Never heard of. Dieses Video fasst die geballte Inkompetenz einiger Fragesteller bei den Zuckerberg-Anhörungen durchaus amüsant zusammen:

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Der WDR hat ein Problem. Diese Woche haben das Recherchebüro Correctiv und der stern schon zwei Fälle von sexueller Belästigung und Machtmissbrauch beim größten ARD-Sender aufgeschrieben. Die Fälle sind bei weitem nicht so krass wie die Vorwürfe, die in der Zeit gegen Regisseur Dieter Wedel erhoben wurden, aber verstörend genug. Irritierend ist vor allem, wie tapsig der Sender damit umgeht. Der Korrespondent, der mehrere Frauen behelligt haben soll, wird erst nach der Veröffentlichung in den Medien freigestellt. Vorher wurde offenbar kein Anlass gesehen. Außerdem wurde nun eine externe Kanzlei beauftragt, die Fälle zu klären. Warum nicht schon vorher? Bekannt war das ja. Intendant Tom Buhrow zieht sich auf die Position zurück, alles richtig gemacht und von nix gewusst zu haben. Ob er das halten kann? Falls noch weitere Fälle folgen sollten, könnte es noch unangenehmer für die WDR-Spitze werden, als es ohnehin schon ist.

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Ganz ohne Facebook-Überwachung sondern durch old-school Herumlungern in Lokalitäten hat die Bild herausgefunden, was die Kanzlerin die Woche über so gemacht hat. Zum Beispiel war sie im Berliner Promi-Lokal Borchardt und hat Schnitzel gegessen. Die Bild Zeitung hat dies dankenswerterweise in ihrer “Klatsch-Kolumne” protokolliert. Weil man schon mal da war, hat die Bild auch gleich noch rapportiert, wer an jenem Abend, als die Kanzlerin im Borchardt Schnitzel aß, auch noch zugegen war: Milliardär Hans Georg Näder (Otto Bock Prothesen) in Begleitung von „Teppichluder“ Janina, Maybrit Illner und Ex-Telekom Chef René Obermann, Ex-„German Wunderkind“ Lars Windhorst, Schauspielerin Mimi Fiedler (Stuttgart-“Tatort”) mit ihrem Freund, dem TV-Produzenten Otto Steiner, sowie Ex-ZDF-Unterhaltungschef Manfred Teubner. Einmal ins Borchardt schlappen, gucken wer da ist. Zack: Artikel fertig. Fast wie früher bei “Kir Royal”. Die Kanzlerin saß laut Bild im Borchardt übrigens da, wo sie immer sitzt: am Kanzlerinnen-Tisch. Wo auch sonst?

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast “Die Medien-Woche” spreche ich diesmal mit meinem Kollegen Christian Meier (Welt) über den Echo für Kollegah, die WDR-Affäre und Mark Zuckerbergs Anhörungen. Feiner Hör-Stoff zum Wochenende!

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