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#trending: Cristiano Ronaldos “erbärmlicher” Jubel, Büro-Eulen, die Lafontaines und Syrien, der Echo-Skandal und die schwindende Erinnerung an den Holocaust

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Guten Morgen! Ich habe ja noch nie verstanden, warum sich irgendjemand außer der sich selbst beweihräuchernden deutschen Musikindustrie für die Echo-Verleihung interessiert. Ein Preis, der vor allem darauf basiert, wer kommerziell erfolgreich war? Und nicht etwa, wer die besten künstlerischen Leistungen abgeliefert hat? Ein Witz. Man stelle sich vor, die Oscars würden an die größten Blockbuster verliehen. Wie langweilig wäre das! Insofern ist die Industrie wahrscheinlich sogar froh über den Skandal um die Rapper Kollegah und Farid Bang. Denn aus welchem anderen Grund sollte man sonst über die blutleere Veranstaltung sprechen?

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#trending // News & Themen

Erneut führen zwei Crime-Stories die Social-Media-News-Charts des Tages an. Der Mordfall vom Jungfernstieg, bei dem ein Mann seine Ex-Frau und Tochter erstochen hat, bescherte dem Hamburger Abendblatt Platz 1: 15.000 Interaktionen gab es für den Artikel “Doppelmord am Jungfernstieg: Vater ersticht Ex-Frau und Kind”. Auf Rang 2 folgt der Auftakt eines Gerichtsprozesses in einem erschütternden Fall von Kindesmissbrauch: RTL Next sammelte mit “Mutter verkauft Sohn (9) an Pädophile: Erster mutmaßlicher Täter in Freiburg vor Gericht” 14.000 Interaktionen auf Facebook und Twitter ein.

Auf dem dritten Platz findet sich ein Kommentar der Welt, der zeigt, wie sehr der Fußball-Weltstar Cristiano Ronaldo polarisiert: “Warum Ronaldos Jubel einfach nur erbärmlich ist” dreht sich um seinen Oberkörper-Entblößungs-Macho-Posen-Jubel, nachdem ein umstrittener Elfmeter in der Nachspielzeit seinen Club Real Madrid vor einer Blamage im heimischen Stadion gegen Juventus Turin bewahrt hat. Autor Jens Bierschwale argumentiert: “Die Selbstdarstellung in entsprechender Pose war ihm mal wieder wichtiger als eine faire Geste, die die Italiener ob der dramatischen Ereignisse in den Schlussminuten und ob der respektablen Reaktion ihrer Fans im Hinspiel allemal verdient gehabt hätten. Stattdessen: ein erbärmlicher, ein charakterloser Jubel.” 10.200 Likes & Co. gab es dafür – u.a. durch ein Facebook-Post des Ex-Handballers Stefan Kretzschmar.

#trending // Social Media

Manchmal reicht ein ein Foto von einem Büro, um einen viralen Hit zu landen. UCLA-Professor Michael Lens, der auf Twitter überschaubare 1.400 Follower hat, postete ein Foto aus dem Büro eines Kollegen und sammelte in 24 Stunden sagenhafte 145.000 Likes und Retweets ein. Warum? Sehen sie selbst:

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#trending // Politik

Die Lafontaines haben sich am Donnerstag auf Facebook nochmal dem Syrien-Konflikt gewidmet – und damit viele Reaktionen generiert. Oskar Lafontaine schrieb unter der Headline “Das moralische Weltgericht – Verlogene Kriegstreiber” u.a. Sätze wie “Spätestens seit der Brutkasten-Lüge (erster Irakkrieg) und der Massenvernichtungswaffen-Lüge (zweiter Irakkrieg) weiß man, dass der größte Schurkenstaat der Welt, die USA, schamlos lügt, um Kriege vom Zaun zu brechen” und “Theresa May, die mit dem Rücken zur Wand steht und schamlose Lügen verbreitet, um ihre Haut zu retten” und “Emmanuel Macron, der in Afrika die Kolonialpolitik Frankreichs unter geänderten Vorzeichen fortsetzt.” “Wo bleibt die Friedensbewegung?” fragt Lafontaine und sammelt 14.600 Likes, Reactions, Shares und Kommentare ein. So viele wie kein anderer Post deutscher Politiker, Politikerinnen und Parteien am Donnerstag.

Lafontaines Frau Sahra Wagenknecht ergänzt: “Zwar hat Kanzlerin Merkel inzwischen versichert, dass die Bundesregierung sich nicht an militärischen Aktionen gegen Syrien beteiligen wird. Aber warum werden dann US-Flugzeugträger von einer deutschen Fregatte begleitet? Warum wird die Bundeswehr nicht umgehend aus der Konfliktregion abgezogen?” und erreicht mit 10.300 Interaktionen Platz 3.

#trending // Entertainment

Die Echo-Verleihung hat den erwarteten Skandal erzeugt. Die Rapper Kollegah und Farid Bang haben den Echo in der Kategorie “Hip-Hop/Urban National” gewonnen – trotz Song-Zeilen wie “Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen”. Und das auch noch am Jom haScho’a, dem israelischen Gedenktag für die Opfer der Shoa. Ein peinlicheres Bild hätte der Preis der deutschen Musikindustrie wohl kaum abgeben können.

Auf Twitter kamen am Abend laut Talkwalker rund 40.000 Tweets zum Hashtag #Echo2018 zusammen. Neben Künstlern und Fans, die sich über Auftritte bei der Gala freuten – Liam Payne, Shawn Mendes und andere – sorgte das Berlin Ramer Institute des American Jewish Committee für einen der Top-Tweets des Tages zur Show: “Schändlich! Heute wird in Israel und weltweit #YomHashoah begangen, der Tag des Gedenkens an Holocaust und Heldentum. Beim #ECHO2018 sind heute zwei Rapper für einen Preis nominiert, die sich u.a. über Auschwitz-Häftlinge hermachen und z.T. #Antisemitismus verbreiten.” Nachdem die Rapper den Preis gewannen, twitterte auch Bild-Chef Julian Reichelt ähnliches: “Am Holocaust-Gedenktag bekommen zwei Rapper in Deutschland den Echo für ihre antisemitischen Zeilen. Wieso stehen die Gäste bei sowas nicht auf und gehen raus? Wie kann man das bei der Aftershow noch feiern? Man kann sich nur dafür schämen.

Diskutiert wurde ansonsten vor allem über die Rede von Campino, in der er die Rapper wegen ihrer antisemitischer Textzeile angriff. “Dieser Moment wenn dir Campino sagt wie Scheiße du bist“, twitterte “Maulwolf One” und zeigte ein Foto des Rap-Duos. Nutzer @Anke4you schrieb: “Campino macht dem Gangsta Rap ne Ansage. Bin ja nicht immer seiner Meinung, aber hier hat er mal Recht. Homophoben, Juden u. Frauenverachtenden Mist brauchen wir nicht, Kollega“. Beide Tweets sammelten Hunderte von Likes und Retweets ein. Doch auch Campino wurde kritisiert – u.a. weil er seine Rede nicht spontan formulierte, sondern von Zetteln ablas: “Punk ist nicht tot. Punk liest politische Statements beim ECHO ab“, twitterte Benny Illinger und erzeugte Kommentare wie “Wenn der Punk vom Zettel liest, dann ist er tot” oder “Punk war nie toter als in diesem Moment”.

#trending // Worldwide

In den USA sorgte der Holocaust-Gedenktag für ganz andere Schlagzeilen. Ein Artikel der New York Times, der sich u.a. damit beschäftigt, dass 41% der US-Amerikaner nicht wissen, was Auschwitz war – und 66% der 18- bis 34-Jährigen – und der daher konstatiert: “Holocaust Is Fading From Memory” sorgte für viele Diskussionen. Mit mehr als 285.000 Facebook- und Twitter-Interaktionen war er sogar der erfolgreichste US-Artikel des gesamten Tages in den sozialen Netzwerken.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Hamburger Abendblatt – “Doppelmord am Jungfernstieg: Vater ersticht Ex-Frau und Kind” (15.000 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: WAZ – “Urteil: Gericht verbietet erstmals Löschung von Facebook-Kommentar” (2.100 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Der Spiegel – “Süße Sucht” [über Zucker]

Google-SuchbegriffEcho 2018 (200.000+ Suchen)

Wikipedia-SeiteBonnie & Clyde Garage Apartment(34.200 Abrufe) [wegen einer Verlinkung auf der Wikipedia-Startseite]

Youtube-Video: BUSHIDO – “Samra – Rohdiamant (prod. Bushido)

Song (Spotify): Capital Bra – “5 Songs in einer Nacht” (431.900 Stream-Abrufe aus Deutschland am Mittwoch)

Musik (Amazon): Bushido – “XX (Ltd. Fanbox)” (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): “Star Wars: Die letzten Jedi” (Blu-ray)

Game (Amazon)PSN Card-Aufstockung | 10 EUR

Buch (Amazon): “Bürgerliches Gesetzbuch BGB” (Taschenbuch)

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

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Mehr Social-Media-Trends und -Themen lesen Sie in meiner nachmittäglichen Kolumne in der Handelsblatt-10-App. Erhältlich für iOS und Android.

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