Partner von:
Anzeige

“Wir Männer sind wirklich ein verdammt spannendes Geschlecht”: Bernd Ulrich kontert in der Zeit auf Jens Jessens “Wutausbruch”

Bernd Ulrich (l.) kontert auf Jens Jessens “Wutrede” in der Zeit
Bernd Ulrich (l.) kontert auf Jens Jessens "Wutrede" in der Zeit

In der vergangenen Woche veröffentlichte die Wochenzeitung Die Zeit eine umstrittene "Wutrede" des Journalisten Jens Jessen, in der er mit einem, wie er es nennt, "totalitären Feminismus" abrechnet. Eine Woche später kommt mit Bernd Ulrich ebenfalls in der Zeit ein Gegenredner zu Wort, der auf Jessens Argumente mit persönlichen Erfahrungen zu Sexismus und Feminismus kontert.

Anzeige

Er sei Jens Jessen dankbar, schreibt Bernd Ulrich in der aktuellen Zeit. Schließlich habe sich Jessen in seinem Text “mutwillig so viele Blößen gegeben”, dass auch “Ulrichs” darin locker Platz hätten. “Darüber wird dann also zu reden sein, über seine und meine Wut, die Verletzungen, die Ungeduld, die Ängste und all das”, so Ulrich.

Für seine radikalen Aussagen wurde Jens Jessen in der vergangenen Woche scharf kritisiert. So schrieb er beispielsweise von einem „feministischen Volkssturm“ und einem „Zusammentreiben und Einsperren aller Männer ins Lager der moralisch Minderwertigen“. Zum anderen stellte er den „totalitären Feminismus“ auf eine Stufe mit der Ausgrenzung von Muslimen: „Jeder Muslim ein potenzieller Terrorist, jeder Mann ein potenzieller Vergewaltiger.“ Männer stünden generell unter Generalverdacht, so Jessen, und hätten im „Geschlechterkampf“ keine Chance mehr. Für die „neuen Feministinnen“ gebe es keine schuldlosen Männer, im Gegenteil: Sie hätten etwas gegen Männer und ihre allgegenwärtigen Perspektiven“. In den sozialen Netzwerken wurden zahlreiche Stimmen gegen den Zeit-Autoren laut und auch etliche Kollegen widersprachen Jessen in eigenen Texten.

Sexismus und sexuelle Übergriffe: “Bin oft aus allen Wolken gefallen”

Nun legt auch die Zeit selbst, wie schon unter Jessens Wutrede angekündigt, mit einer Entgegnung nach. Darin erläutert Bernd Ulrich: “Jens Jessen sehnt sich in seinem Text unübersehbar nach einer Gemeinschaft der wenigen vernünftigen Feministinnen mit den vielen vernünftigen und anständigen Männern gegen die wirklich bösen Buben in dieser ganzen Mann-Frau-Sache. Ich teile diese Sehnsucht, weiß aber zugleich, es ist das Kind in mir, das so denkt.” Ulrich fragt sich, ob es die Männer nicht freier mache, und gleichzeitig erwachsener, freiwillig “in die Verantwortung für das Patriarchat einzutreten, als ständig alle Vorhaltungen zurückzuweisen und zu schreien: ‘Ich war’s nicht, Weinstein ist es gewesen!?'”

Während Jens Jessen von seinen Kritikern vor allem vorgeworfen wurde, keine eigenen Beispiele genannt zu haben und zu sehr zu verallgemeinern, schlägt Ulrich einen grundsätzlich anderen Tonfall an: Sein Text ist stark von ihm als Person geprägt; er berichtet von seiner Pubertät, sexuellen Unsicherheiten, seinem sich weiterentwickelnden Frauenbild, seiner sich ebenso weiterentwickelnden Männlichkeit – und zieht daraus persönliche Schlussfolgerungen bezüglich Gleichberechtigung und Feminismus. Jessen habe behauptet, sexualisierte Gewalt sei auf dem Rückzug, nur mehr etwas, das aus einer tiefen Vergangenheit gelegentlich und vorläufig in unsere lichte Gegenwart rage, so Ulrich. Doch sein persönliches Erleben sei ein grundlegend anderes, schreibt der Autor: “Mein Eindruck in letzter Zeit war eher, dass es mehr männliche Gewalt gegen Frauen und Mädchen gibt, auch in liberalen und gebildeten Kreisen, als ich es mir jahrelang einzureden versuchte. Ich habe viel rumgefragt, nicht zuletzt angestoßen von der #MeToo-Debatte, und bin dann oft aus allen Wolken gefallen.”

“Feminismus beeinflusst unsere Selbstbestimmung”

Bernd Ulrich schließt seinen Text mit einem optimistischen beziehungsweise konstruktivem Ausblick: Männlichkeit sei etwas, das sich ändern kann. “Wir können an unserer Männlichkeit arbeiten, und ‘der’ Feminismus leistet seinen Beitrag dazu, er bestimmt uns nicht, sondern beeinflusst unsere Selbstbestimmung.” Man könne den Feminismus auch zurückweisen und müsse dies auch dürfen, aber man bringe sich damit um viele Möglichkeiten und Ideen, so Ulrich: “Wir Männer sind wirklich ein verdammt spannendes Geschlecht, mal sehen, was noch draus wird.”

Zumindest in den sozialen Netzwerken erntet Ulrichs Entgegnung viel Lob. Die Schauspielerin und Politikerin der PARTEI, Samira El Ouassil, bezeichnete den beispielsweise Artikel als einen “der differenziertesten Texte über Feminismus & Männlichkeit”.

Anzeige

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Dass Männer ebenso Opfer des Patriarchats sind, kann man natürlich ignorieren und sich stattdessen anbiedernd in die Rolle des Frauenretters und Machtverteilers schmeißen. Grüne und Katholiken sind eben suspekt.

    1. Sie meinen wohl in bezug auf die hiesige Debatte, dass Männer heute vielfach Opfer des Staatsfeminismus u damit zusammenhängendem Machtmissbrauch sind.

      1. Nein, sie sind Opfer ihres eigenen Patriarchats. “Echte Frauen stehen auf echte Männer. Daran wird sich nichts ändern – und das ist gut so.” sagt doch schon alles und dann wundern die sich, warum so viele Männer sich das Leben nehmen?

      2. Es geht in diesen autoritätssüchtigen, totalitären Systemen immer darum Schuldige zu finden, fertig zu machen, zu verurteilen, absoluten Gehorsam u Unterwürfigigkeit zu fordern u alles aus dem Weg zu räumen was Kritik äussert. Wurscht wie man das System nennt.

      3. Da die Mehrzahl heutiger Frauen leider in irgendeiner Form neurotisch, hysterisch, bipolar, paranoid, solipsistisch, empathielos, narzistisch und/oder schizophren ist, sowie unter massiven Minderwertigkeitskomplexen, irrationalem Perfektionismus, und dem ewigen Gefühl, nicht zu genügen, leidet, woraus endlose externe Validierungsbedürfnisse erwachsen, welche kurz- oder langfristig jede Beziehung zerstören, haben die echten Männer nur eine sehr geringe Auswahl an akzeptablen, d.h. stabilen und verlässlichen, Partnerinnen. Ein Teil der Männer, die trotz besseren Wissens immer wieder versuchen, mit diesen kaum-noch-Menschen zusammenzuleben, bringen sich dann halt um, weil männliches Verantwortungsbewußtsein zu tief in Genen und Kultur verankert ist. Die Natur der Frau (emotionaler Vampirismus, Verbrauchertum) steht nun mal, zumindest im Durchschnitt, in einem stark destruktiven Verhältnis zur Natur des Mannes (Erschaffer & Beschützer). Die meisten Frauen sind seelische schwarze Löcher, die das Licht und die Enrgie ihrer Männer aufsaugen und in einer Partnerschaft nichts bieten können außer “sich selbst”.

  2. Fickbarer wird Ulrich durch das Geschleime auch nicht.
    Two-Baggers bleiben Two-Baggers. Ob sie sich nun Frauenversteher oder Feministin nennen.

    Echte Frauen stehen auf echte Männer. Daran wird sich nichts ändern – und das ist gut so.

    1. “chte Frauen stehen auf echte Männer. Daran wird sich nichts ändern – und das ist gut so.” Dann ist es auch gut so, dass die echten Männer im Krieg sterben gehen und keine Hilfe bekommen. Nur Schwächlinge bestehen auf Hilfe.

      1. Echte Frauen brauchen keine Männer, die für sie in den Krieg ziehen und im Krieg sterben.
        Nur männliche u weibliche Schwachköpfe stehen auf Kriege.

  3. Ich halte ebenfalls den Artikel von Jessen für misslungen. Er versäumt es, seine Ideologiekritik zu begründen.

    Er hätte einfach nur die Geschichte der Idee, derzufolge sexuelle Gewalt ein strukturelles Problem des Patriarchates sei, bedenken müssen – da wäre er unvermeidbar auf die sehr prägende Susan Brownmiller gestossen.

    “[rape is] nothing more or less than a conscious process of intimidation by which all men keep all women in a state of fear.” – Susan Brownmiller: “Against Our Will: Men, Women and Rape”

    Vergewaltigung ist demzufolge also ein politischer Akt des Terrors, willentlich getragen von allen Männern, gegen alle Frauen.

    Das ist die geistige Wurzel sowohl der Vorstellung, dass es bei sexueller Gewalt “niemals um Sexualität, sondern immer um Macht” ginge, als auch der Vorstellung, dass sexuelle Gewalt und unerwünschte Komplimente nur graduelle Unterschiede ein und des selben Phänomens seien.

    Es gibt also gute Gründe dafür, diesem Diskurs vorzuwerfen, er klage Männer als Kollektiv an. Bernd Ulrich unternimmt auch gar nicht erst den Versuch, diesen Vorwurf zu entkräften. Er plädiert vielmehr dafür, die Generalklage anzunehmen.

    Konstruktiv oder Verantwortungsvoll ist das sicher nicht. Es ist auch nicht das Gegenteil von “kindisch”, sich gegen ein derart krudes Weltbild zu wenden.

    Wenn die von #meetoo beklagten Missstände tatsächlich Substanz haben, dann ist es die Aufgabe der ganzen Gesellschaft, Lösungen zu finden. Und um solche Lösungen zu finden, muss man das Problem mit einem Mindestmass an Differenziertheit betrachten.

    Es ist “kindisch” und verantwortungslos, denjenigen den Diskurs zu überlassen, die sexuelle Gewalt und unerwünschte sexuelle Avancen in einen Topf werfen und diesen mit der Aufschrift “Patriarchat” versehen.

      1. Ich schrieb: “Wenn die Missstände tatsächlich Substanz haben”.

        Wenn man, wie Bernd Ulrich es tut, annimmt, dass es tatsächlich Missstände gibt, dann wäre der einzig konstruktive Weg hin zu einer Lösung eine differenzierte Betrachtungsweise.

        Bernd Ulrich bevorzugt stattdessen offenbar lieber ein Schuldbekenntnis aufgrund seines Geschlechtes, mit dem Gelöbnis, an einer “besseren Männlichkeit” zu “arbeiten”. Er hat offenbar das Brownmillersche Credo verinnerlicht und meint, die Welt würde besser, wenn seine “Komplizenschaft mit dem Patriarchat” kündigt.

      2. Ich weiß ja nicht was Herr Ulrich alles dafür bekommt, und welcher berufliche Aufstieg ihm gar noch versprochen wurde, sodass er von Missständen ausgeht und ein Schuldbekenntnis samt Gelöbnis ablegt.

        Vielleicht geht er ja auch hinkünftig den Weg des Geläuterten im Büßergewand. Man kann nie wissen was in einem Menschen vor sich geht und wozu er imstande ist, wenn er zur Einsicht kommt.

    1. Wir sollten also über Terror sprechen. Und über die deutsche patriarchalische Gesellschaft, den deutschen Patriarchen-Staat, wo Frauen konsequent und mit tagtäglicher Gewalt massivst unterdrückt werden.

      1. Das ist in etwa das zugrundeliegende Mindset.

        Es ist nicht so, dass die Mehrheit der #meetoo-Aktivistinnen so denkt, aber die als feministische Selbstverständlichkeiten übernommenen Interpretationsmuster beruhen darauf.

        Feminismus hat eben eine Geschichte, und die wird eben sehr selten kritisch reflektiert. Jedenfalls dann nicht, wenn es um die bösen Männer geht.

      2. Der böse weiße Mann? Sie meinen also diese Männerangst, die aufgrund der vollständigen Versklavung und Entmündigung der Frau allgegenwärtig sei, zumindest auch unbewußt?

        Ja, das spür ich ganz stark.

  4. Der heitere Herr Ulrich, der keinen Rechtsstaat braucht, sollte freundlicherweise einen eklatanten Missstand beheben und seinen Chefredakteurstellvertreterposten räumen.
    Das wäre ein Zeichen von verdammt guter Selbsterkenntnis und Klugheit.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia