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The Disconnect: Ein neues Online-Magazin, das man allerdings nur offline lesen kann

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Durch Push-Mitteilungen und Nachrichten von Freunden werden Leser immer wieder von Texten abgelenkt. Das neue Online-Magazin The Disconnect macht seinen Namen alle Ehre und gibt - dank eines einfachen technischen Kniffs - den Zugang zu seinen Inhalten erst dann frei, nachdem die Internetverbindung gekappt wurde. Was steckt dahinter und was für Folgen hat dieses Experiment?

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Wer Zeitungen oder gar Bücher digital liest, wer Nachrichtenseiten besucht, der wird das kennen: Man liest einen spannenden Text und schwups ploppt eine Push-Nachricht auf. Pling – Neuer Tweet von dieser Person – Pling – neue WhatsApp-Nachricht von jener Person – Pling – Eilmeldung von Spiegel Online, ach und – Pling – da folgt schon die von der Süddeutschen. Schon ist man nicht mehr auf den Artikel konzentriert, sondern überfliegt die frische – scheinbar wichtigere – Meldung.

Das Web-Magazin The Disconnect möchten das nun ändern und macht sich dafür wenige Zeilen Programmiercode zu nutzen. In der praktischen Umsetzung sieht das dann folgendermaßen aus: Beim Öffnen der Seite lädt der Browser die komplette Seite herunter. Angezeigt wird sie aber noch nicht, denn man wird zu allererst aufgefordert die Verbindung zum Internet zu trennen. Ist dies geschehen, bekommt der Besucher die volle Seite zu sehen.

Die Besonderheit liegt dabei eher beim Zwang. Natürlich kann man sich die FAZ oder die Zeit herunterladen und dann das Gerät in den Flugmodus versetzen. Aber das muss nicht zwingend gemacht werden. Im Gegensatz zu solchen Offline-Online-Seiten. Der Nutzer trennt ganz bewusst die Netzverbindung – mit allen Folgen. Will der Leser zum Beispiel etwas nachschlagen, muss er erst wieder online gehen. Chris Bolin, einer der Macher von The Disconnect, sagt gegenüber Columbia Journalism Review (CJR), dass die Idee offline zu gehen, Ähnlichkeit mit einer Paywall habe – mit einer “Pay-Attention wall”.

Aufforderung zum Offline-Gehen der Webseite von Chris Bolin, einem der Macher von The Disconnect

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Die Technologie dahinter ist simpler als man sich vielleicht vorstellt. Diese Webseiten machen sich sogenannte Online- und Offline-Events zu nutze. Diese werden eigentlich dazu genutzt, damit eine Webseite richtig reagiert, wenn der Nutzer plötzlich keine Netzverbindung mehr hat, weil er zum Beispiel in ein Funkloch geraten ist.

Webseiten, die diese Technologie nutzen, können natürlich nicht mit zahlreichen hochauflösenden Bildern oder Grafiken versehen sein, Videos enthalten oder zu externen Webseiten verlinken. Das bedeutet aber nicht, dass sie optisch schlecht aussehen müssen, wie The Disconnect zeigt, dass aus Reportagen, Fiktion und Poesie besteht und dem Leser eine “Pause von der ständigen Ablenkung und unermüdlichen Werbung” bieten möchte. Der enge Rahmen könnte auch zu Kreativität anspornen.

Bei The Disconnect können Autoren eigene Stücke einreichen. Das einzige Kriterium ist, dass es etwas mit mit Popkultur oder Technologie zutun hat. Interpretieren kann man diese Ausrichtung, wie man will, schreiben die Macher selbst. Das Thema der ersten Ausgabe ist “Menschen und unsere Technologie”. Bolin sagt im CJR, dass jeder Text in dieser Ausgabe eine Begegnung mit Technik beschreibt, “unabhängig davon ob beabsichtigt oder irrelevant, ob konstruktiv oder vernichtend”.

Ob Nutzer diese Technologie öfters verbaut haben möchten, ist eher fraglich. Zudem jeder, der sich eine ablenkungsfreie Zeit nehmen möchte, auch einfach in die Einstellungen seines Mobilgeräts wechseln kann.

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