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Trotz “Auschwitzinsassen”-Zeile: Kollegah und Farid Bang bleiben auch nach massiver Kritik an Songtext für den Echo nominiert

Die beiden Rapper Farid Bang (l) und Kollegah bleiben für den Echo nominiert
Die beiden Rapper Farid Bang (l) und Kollegah bleiben für den Echo nominiert

Trotz heftiger Kritik an ihrer Texte sowie Antisemitismusvorwürfen bleiben die Rapper Kollegah und Farid Bang für die Echo-Verleihung an diesem Donnerstag in zwei Kategorien nominiert. Die künstlerische Freiheit sei in dem Text "nicht so wesentlich übertreten", dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre, erklärte der Ethik-Beirat der Veranstaltung.

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Kollegah und Farid Bang sind mit dem Album “Jung, brutal, gutaussehend 3” für den Echo nominiert. Darauf finden sich zwei Bonus-Tracks mit den Zeilen: „Mit dem Sprengstoffgürtel auf das Splash-Gelände“, „Nach einem Schlag denkst du, dich hätt ein Lkw überfahr’n. Als wärst du aufm Weihnachtsmarkt“ und „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen.“

Kollegah teilte gegen Medien aus

Nachdem die Bild über diese Textpassagen berichtet und damit eine Debatte um Gewaltverherrlichung und möglichen Antisemitismus der beiden Rapper ausgelöst hatte, schaltete sich auch der Ethik-Beirat des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI), der die Preise in Berlin vergibt, ein und kündigte an, den Fall prüfen zu wollen. Dabei gehe es darum, ob die Grenze „zwischen künstlerischer Freiheit und gesellschaftlich nicht hinnehmbaren Äußerungen überschritten wurde“, teilte der BVMI auf seiner Internetseite mit. Während Farid Bang sich daraufhin via Facebook gegenüber eine Auschwitz-Überlebenden entschuldigte und erklärte, dass Kollegah und er sich von „jeglicher Form des Antisemitismus oder Hass gegen Minderheiten“ distanzieren, holte Kollegah zum großen Gegenschlag aus. Bei YouTube veröffentlichte er ein achtminütiges Video, in dem er mit der „Meinungsmache“ der deutschen „Mainstream-Medien” abrechnet und verkündet, das Volk habe es satt, „sich verarschen zu lassen.“

Künstlerische Freiheit nicht wesentlich übertreten
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Nach Abschluss der Prüfung kam der Ethik-Beirat zu der Einschätzung, dass es sich bei den Textpassage zwar um einen “absoluten Grenzfall” handle. Die künstlerische Freiheit sei in dem Text jedoch “nicht so wesentlich übertreten”, dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre. Kollegah und Farid Bang bleiben also für den Musikpreis nominiert.

Doch auch nach dieser Entscheidung dürfte die Diskussion nicht beendet sein. Die Debatte werde “voraussichtlich auch ein Thema in der Sendung sein”, erklärte Echo-Geschäftsführerin Rebecka Heinz. In welcher Form, sei noch unklar. Nach einem Jahr Pause wird die 27. Verleihung des Musikpreises wieder live im Fernsehen übertragen (Vox, 20.15 Uhr). Zuletzt war 2013 die Band Frei.Wild nachträglich von der Nominierungsliste gestrichen worden. Ihr wurde Nähe zur rechten Szene vorgeworfen.

Einer generellen Veränderung der Auswahl der Nominierten, um ähnliche Vorfälle zu vermeiden, steht Rebecka Heinz allerdings skeptisch gegenüber. “Der Echo ist seit seiner Entstehung ein Publikumspreis, bei dem abgebildet wird, welche Künstler im vergangenen Jahr am erfolgreichsten waren.” Diese Anforderungen würden die beiden Rapper mit ihrem gemeinsamen Album “Jung, brutal, gutaussehend 3” genauso wie alle anderen Nominierten erfüllen, so Heinz.

Der Echo wird in 22 Kategorien mit jeweils 5 Nominierten vergeben. Für die Nominierung sind die Verkaufszahlen entscheidend. Bei der Preisvergabe fließt aber seit dem vergangenen Jahr das Votum einer rund 500-köpfigen Fachjury zu 50 Prozent in das Ergebnis ein.Während der Show gilt das Motto “von Musikern für Musiker”, erklärt Geschäftsführerin Heinz. Verschiedene Künstler, darunter Judith Holofernes und Die Lochis, werden durch die Verleihung führen und ihre Kollegen auszeichnen.

Mit Material der Dpa

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