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#trending: Münster, Chico, von Storch und Lerche, Ted Nugent und ein gestohlener Wackerstein

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Guten Morgen! Da bin ich wieder. Nach einer Woche Oster-Urlaub an der niederländischen Nordseeküste mit Strandspaziergängen, Kibbeling und Ostereiersuche in den Dünen geht es weiter mit #trending. Und damit direkt wieder auf den Boden der Social-Media-Tatsachen - mit den schlimmen Geschehnissen in Münster, einem mörderischen Hund, für dessen Schicksal sich Menschen einsetzen und diversem mehr.

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#trending // News & Themen

Dei Amokfahrt von Münster war natürlich das große Wochenend-Thema in den sozialen Netzwerken. Als sich die Nachricht am Samstagnachmittag verbreitete, sammelten viele deutsche Medien große Mengen an Interaktionen auf Facebook und Twitter ein: Spiegel Online 46.400, Bild mit zwei URLs zum selben Artikel 40.000 und 21.300, die Welt 20.800, RP Online 13.800, die Süddeutsche Zeitung 8.400, Focus Online 7.500 und tagesschau.de 7.000. Acht Artikel bzw. URLs, die allesamt in der Samstags-Top-Ten der Social-Media-News-Charts von 10000 Flies (Offenlegung: Ich bin Mitbetreiber) landeten.

Am Sonntag schaffte es zudem ein Kommentar zum Thema mit 13.600 Interaktionen auf die vorderen Plätze: “Ob Jens oder Ali mordet” von Detlef Esslinger auf SZ.de. Tenor: “Niemand hat von dem Mann mit dem sehr amerikanischen Namen Stephen Paddock, der im vergangenen Oktober in Las Vegas ein Massaker anrichtete, auf andere Menschen mit psychischen Problemen geschlossen. Zu Recht (und ‘psychisch anfällig’ ist wohl das Mindeste, was sich über ihn sagen ließ). Niemand wird nun von Jens R. auf andere schließen. Ein Anrecht auf so viel Menschenverstand und Anstand haben aber auch alle, die zum Beispiel mit Vornamen Radouane heißen – sie haben nichts zu schaffen mit dem Islamisten selbigen Vornamens, der neulich in Südfrankreich vier Menschen, darunter einen Polizisten, erschoss.”

#trending // Social Media

Das zweite große Thema des Wochenendes war Chico. Dabei handelt es sich um einen Staffordshire-Terrier-Mischling, der in der vergangenen Woche in Groß-Buchholz, einem Stadtteil von Hannover, offenbar seine beiden Besitzer tot biss. Im Anschluss gab es wilde Diskussionen darum, ob das Tier nach der Tat eingeschläfert werden soll oder nicht. Noch am Samstag titelte RTL Next “Hannover: Chicos Schicksal ist besiegelt: ‘Der Hund wird definitiv zeitnah eingeschläfert’” und sammelte damit 18.300 Interaktionen ein, darunter viele von Tierfreunden, die den Hund verteidigten. Eine Petition auf change.org hatten bis Sonntagabend 240.000 Leute “unterschrieben”. Offenbar mit Erfolg, denn der Tierschutzverein Hannover meldete am Sonntagabend, dass der Hund nun doch weiter leben kann – ein Facebook-Post, der innerhalb von vier Stunden über 80.000 Likes, Reactions, Shares und Kommentare einsammelte. Die Hannoversche Allgemeine berichtete parallel und erreichte mit 17.500 Interaktionen Platz 1 der deutschsprachigen journalistischen Artikel vom Sonntag.

Chico wird NICHT eingeschläfert! Wir sind stolz, dass wir die ersten sind, die Euch diese Botschaft verkünden dürfen….

Gepostet von Tierschutzverein Hannover am Sonntag, 8. April 2018

#trending // Politik

Die Vorfälle von Münster führten leider auch wieder zu allerlei Geschmacklosigkeiten aus den Reihen von Politikern der AfD. Besonders perfide war dabei wohl der Tweet von Beatrix von Storch, der am Wochenende schon in vielen Medien besprochen wurde. Die Bundestagsabgeordnete twitterte kurz nach dem Bekanntwerden erster Schlagzeilen aus Münster – und damit deutlich bevor auch nur halbwegs echte Fakten bekannt wurden: “WIR SCHAFFEN DAS!” – verbunden mit einem grimmigen Emoticon. Von Storch verband also die Amokfahrt direkt mit Angela Merkel, obwohl sich später heraus stellte, dass die Tat nichts mit islamistischem Terror zu tun hatte. Spiegel-Online-Autor Arno Frank kommentierte dazu in drastischer Sprache: “Was früher nach zwölf Bier an der Pissrinne hinterm Bierzelt geblökt worden sein mag, das ist heute in Ton und Inhalt offizielles Statement einer Bundestagsabgeordneten. Früher verpufften Verblendungen wirkungslos in Peinlichkeit, heute strahlen sie ab und werden infektiös.

Doch von Storch war nicht allein. So postete Dirk Lerche, der für die AfD im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns sitzt, um 17.03 Uhr auf Facebook: “Danke Frau Merkel , es mußte ja wieder soweit kommen…… Das ist das Land in dem man gut und gern leben kann. Wer ist nur ‘man’ ???” Als dann klar wurde, dass kein Flüchtling oder Migrant der Täter war, wurde aus dem ersten Satz “Danke Frau Merkel , es mußte ja wieder soweit kommen……” der Satz “Mein Mitgefühl den Verletzten und Hinterbliebenen.” (Nachzusehen u.a. im Bearbeitungsverlauf des Facebook-Posts). Und auch Jörg Meuthen wusste sofort, in welchen Kreisen der Täter zu suchen ist – auch wenn er es etwas verklausulierter formulierte: “Alles Weitere ist im Moment noch unklar, daher möchte ich an dieser Stelle keinerlei Wertung der Ereignisse vornehmen, obwohl das Muster des Anschlags eine eindeutige Sprache spricht.

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#trending // Entertainment

Der Gitarrist Ted Nugent hat laut Wikipedia im Laufe seiner Karriere 35 Millionen Alben verkauft. Die meisten davon wohl in den Jahren 1975 bis 1980, als er mit allen seinen sechs Platten in die US-Top-30 kam. Etwas, das ihm in den 38 Jahren mit keinem einzigen Album mehr gelang. Heute ist Nugent aus anderen Gründen bekannt: wegen seiner extremen politischen Meinungen. Nugent sitzt im Board der NRA, ist großer Freund liberaler Waffengesetze, lehnt so ziemlich alles andere Liberale aber ab. In einem Interview mit Alex Jones von Infowars gab er nun zu Protokoll, man solle Demokraten, Liberale, Journalisten, Schauspieler und andere wie Kojoten abknallen: “Don’t ask why. Just know that evil, dishonesty, and scam artists have always been around and that right now they’re liberal, they’re Democrat, they’re RINOs, they’re Hollywood, they’re fake news, they’re media, they’re academia, and they’re half of our government, at least. So come to that realization. There are rabid coyotes running around. You don’t wait till you see one to go get your gun. Keep your gun handy, and every time you see one, you shoot one.” Newsweek schrieb das auf und sammelte damit über 110.000 Facebook- und Twitter-Interaktionen ein.

#trending // Worldwide

Ein skurriler Kunstdiebstahl sorgt in Kanada für Lacher in den sozialen Netzwerken. Eine ältere Dame, die auf den Fahndungsfotos ein bisschen so aussieht wie Miss Marple, soll in einem Museum einen Stein geklaut haben, dessen Wert inzwischen mit 17.000 kanadischen Dollar (rund 10.800 Euro) angegeben wird. Es handelt sich nicht um einen Edelstein, sondern um einen runden grauen Stein, wie man ihm auf jedem Acker findet. Der Grund für den Wert: Yoko Ono hat “Love Yourself” drauf gekritzelt. Ein viel beachteter Tweet der Polizei von Toronto war der Ausgangspunkt vieler lustiger Tweets. Man lachte sich über den Wert kaputtbesorgte Ersatzfühlte Zuneigung zur Täterin und vieles mehr.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Der Postillon – “Bayern-Fan feiert Meisterschaft, indem er Mundwinkel für zwei Sekunden nach oben zieht” (31.500 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Welt – “Polizei verhindert Terroranschlag auf Berliner Halbmarathon” (4.600 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): stern – “Adam hat Angst

Google-SuchbegriffFormel 1 (200.000+ Suchen)

Wikipedia-SeiteMichael Edwards(22.800 Abrufe) [Eddie the Eagle – Film wurde bei ProSieben ausgestrahlt]

Youtube-Video: Mibu – “24 STUNDEN KATJA – DICKE LIPPEN ANHÖREN

Song (Spotify): Olexesh – “Magisch” (445.900 Stream-Abrufe aus Deutschland am Samstag)

Musik (Amazon): Capital Bra – “Berlin Lebt” (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): “Helene Fischer Live – Die Arena Tournee (Ltd. Fanedition)” (DVD)

Game (Amazon)PSN Card-Aufstockung | 10 EUR

Buch (Amazon): “Bürgerliches Gesetzbuch BGB” (Taschenbuch)

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

Was finden Sie gut an #trending? Was schlecht? Was fehlt Ihnen? Schreiben Sie mir!

Mehr Social-Media-Trends und -Themen lesen Sie in meiner nachmittäglichen Kolumne in der Handelsblatt-10-App. Erhältlich für iOS und Android.

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Alle Kommentare

  1. Einfach mal öffentliche Statements in die Welt setzen, bevor überhaupt irgendwelche Fakten klar sind, war noch nie besonders seriös. Wenn jetzt aber die Medien wegen Münster auf manche vorschnelle AFD-Politiker einprügeln, ist das einfach nur heuchlerisch. Es gibt zahlreiche Beispiele, wo sogenannte “Qualitäts”medien bei bestimmten Verbrechen sofort Rechtsextreme Hintergründe ausgemacht hatten, obwohl die Fakten noch völlig unklar waren.

    Nur ein Beispiel aus unserer Regionalpresse: Als mit scharfer Munition auf ein Asylbewerberhein geschossen wurde, war das der Aufmacher der Regionalzeitung, dazu ein Kommentar plus noch ein großer Bericht im Innern. Tenor owohl zu den Tätern damals nichts bekannt war: Eine neue Stufe des Hasses gegen Flüchtlinge, etc, etc. Beim Lesen ist noch der Geifer aus der Zeitung geflossen, den der Journalist beim Schreiben verloren hat.

    Als sich dann herausgestellt hat, dass nicht Flüchtlingshass, sondern eine Auseinandersetzung verfeindeter Wachschutzunternehmen dahinter steckt, gab es keinen Rücktritt der Verantwortlichen, keine Entschuldigung bei den Lesern, keine ähnlich prominente Richtigstellung, sondern nur einen kleinen Einspalter auf einer der hinteren Seiten. Und solche Beispiele lassen sich für viele der “Qualitäts”medien finden, die jetzt über die Hetze von Frau Storch hetzen.

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