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#Metoo-Affäre beim WDR: Sender stellt Korrespondenten nach weiteren Vorwürfen von Mitarbeiterinnen frei

WDR-Intendant Tom Buhrow
WDR-Intendant Tom Buhrow

Der WDR hat seinen Auslandskorrespondenten, gegen den mehrere Vorwürfe sexueller Belästigung vorliegen, jetzt freigestellt. Vergangene Woche war bekannt geworden, dass der Sender über einen Vorfall von 2014 bescheid wusste, seinen Mitarbeiter aber nicht einmal abgemahnt hatte. Mittlerweile ist bekannt: Der Korrespondent wurde bereits Anfang der 90er Jahre auffällig – ohne ernsthafte Konsequenzen.

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Das schreibt die Bild-Zeitung, die eigenen Angaben zufolge über die Identität des bislang nicht näher genannten Korrespondenten informiert ist. So habe die Bild am Sonntag bereits 1991 über Vorwürfe gegen den WDR-Journalisten berichtet. Dem Bericht zufolge soll er damals eine Kollegin unter einem Vorwand dazu gebracht haben, mit ihm im selben Hotelzimmer zu schlafen. Als Begründung habe er eine Überbuchung des Hotels sowie Sparmaßnahmen des Senders genannt.

Nach dem Vorfall sollen sich zwei weitere Kolleginnen mit ähnlichen Erfahrungen gemeldet haben, woraufhin der Korrespondent sein Fehlverhalten eingeräumt habe. Beim Sender werde derzeit geprüft, ob eine Eintragung in die Personalakte auf Intervention des Korrespondenten nach einigen Jahren wieder entfernt werden musste.

Parallel werden weitere Vorwürfe öffentlich. Am Wochenende äußerte sich eine Mitarbeiterin in der Süddeutschen Zeitung, die der Journalist mit Gesprächen über Fesselspielchen und Pornofilmen belästigt haben soll. Auf einer Sportveranstaltung soll er ihr zudem deutlich gemacht haben, dass eine Frau für eine Karriere mehr als Fleiß und Disziplin mitbringen müsse. Später habe er sie zu sich auf das Hotelzimmer eingeladen.

Gegenüber Bild habe sich der WDR-Korrespondent auf Nachfrage nicht äußern wollen. Intendant Tom Buhrow entschied am Wochenende, den Journalisten zu beurlauben. Aufgrund der Historie über fast drei Jahrzehnte stehen er wie auch seine Anstalt unter großem Druck, da der Journalist trotz erneuter Vorfälle im Jahr 2014, über die Correctiv und stern jüngst berichtet hatten, nicht einmal abgemahnt worden war.

Die Leitung des Westdeutschen Rundfunk und die involvierten Führungskräfte, darunter auch Chefredakteurin Sonja Mikich und Fernsehdirektor Jörg Schönenborn, steht nun in der Kritik, weggeschaut beziehungsweise nicht deutlich genug eingegriffen zu haben. Während die Chefredakteurin im Spiegel deutlich gemacht hatte, “wirklich alles” unternommen zu haben, “um rauszukriegen, was passiert ist“, erhob Ende vergangener Woche Personalrätin Christiane Seitz schwere Vorwürfe gegen die Führung.

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Allen voran Fernsehdirektion und Intendanz hätten sich Vorschlägen für Präventionen und weiteren Maßnahmen im Umgang mit Vorwürfen von Belästigung verwehrt und den extra eingerichteten Interventions-Ausschuss, in dem Seitz bis Freitag Mitglied war, nicht ernst genommen. ” Wir brauchen nicht nur digitalen Wandel, neue Geräte und neue Gebäude. Wir brauchen eine neue Unternehmenskultur, die unsere wichtigste Zukunfts-Ressource in den Mittelpunkt stellt: die Menschen, die hier arbeiten”, hatte sie in einer Mail geschrieben.

Diesen Vorwürfen hatte der Intendant, der sich mit eigenen Statements bislang zurück hält, noch am Wochenende widersprechen lassen. So erklärte eine Sprecherin gegenüber dem Tagesspiegel: “Der Intendant hat den Schutz vor sexuellem Missbrauch und Machtmissbrauch seit seinem Amtsantritt zur Chefsache gemacht. Nicht nur durch die Initiative einer entsprechenden Dienstvereinbarung – die Einrichtung des Interventionsausschusses 2015. Auch die Aufarbeitung möglicher Fälle in der Vergangenheit läuft seit einigen Wochen.”

Darüber hinaus habe sich Buhrow via Mail an feste und freie Mitarbeiter gewandt. In seinem Schreiben habe er zum Ausdruck gemacht, Übergriffe und Machtmissbrauch nicht dulden zu wollen.

 

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Alle Kommentare

  1. Beim Namen hält man seltsam ungewohnt dicht.
    Offenbar kennt der Mann sich bestens in dem Decksgeschäft Öffentlicher Rundfunk aus.

    1. Auf dem Facebook-Stream von Joachim Nikolaus Steinhöfel werden zwei Namen genannt, was aber gar nichts beweist. Genauso wenig, wie anonyme Anschuldigungen etwas beweisen, rechtlich betrachtet.

      Darum geht es aus meiner Sicht aber auch nicht in erster Linie. Viel wichtiger ist, dass ein Arbeitgeber laut Arbeitsschutzgesetz (AGG) Schutzpflichten gegenüber allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnem hat, und die fangen schon unterhalb der Strafbarkeitsgrenze nach Strafgesetzbuch an. Interessant dazu:

      https://www.arbeitsschutzgesetz.org/sexuelle-belaestigung-am-arbeitsplatz/

      Auch aus Paragraph 12 des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG) ergeben sich Schutz- und Handlungspflichten des Arbeitgebers:

      Unterabschnitt 2
      Organisationspflichten des Arbeitgebers

      Paragraf 11
      Ausschrei bung
      Ein Arbeitsplatz darf nicht unter Verstoß gegen Paragraf 7 Absatz 1 ausgeschrieben werden.

      Paragraf 12
      Maßnahmen und Pflichten des Arbeitgbers
      Absatz 1

      Der Arbeitgeber ist verpflichtet,die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz vor Benachteiligungen wegen eines in Paragraf 1genannten Grundes zu
      treffen. Dieser Schutz umfasst auch vorbeugende Maßnahmen.

      Absatz 2

      DerArbeitgebe soll in geeigneter Art und Weise, insbesondere im Rahmen der beruflichen Aus-und Fortbildung, auf die Unzulässigkeit solcher Benachteiligungen hinweisen und darauf hinwirken, dass diese unterbleiben. Hat der Arbeitgeber seine Beschäftigten in geeigneter Weise zum Zwecke der Verhinderung von Benachteiligung geschult,gilt dies als Erfüllung seiner Pflichten nach Absatz 1.

      Absatz 3

      Verstoßen Beschäftigte gegen das Benachteiligungsverbot des Paragrafen 7 Absatz 1, so hat derArbeitgeber die im Einzelfall geeigneten, erforderlichen und angemessenenMaßnahmenzur Unterbindung der Benachteiligung wie Abmahnung, Umsetzung,Versetzung oder Kündigung
      zu ergreifen.

      Absatz 4

      Werden Beschäftigte bei der Ausübung ihrer Tätigkeit durch Dritte nach Paragraf 7 Absatz 1 benachteiligt, so hat der Arbeitgeber die im Einzelfall
      geeigneten, erforderlichen und angemessenen Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten zu ergreifen.

      Absatz 5

      Dieses Gesetz und Paragraf 61 be des Arbeitsgerichtsgesetzes sowie Informationen über die für die Behandlung von Beschwerden nach Paragraf 13 zuständigen Stellen sind im Betrieb oder in der Dienststelle bekannt zumachen. Die Bekanntmachung kann durch Aushang oder Auslegung an geeigneter Stelle oder den Einsatz der im Betrieb oder der Dienststelle üblichen Informations-und Kommunikationstechnik erfolgen.”

      Die entscheidende Frage ist also: Trifft den WDR/die “Senderspitze” ein Organisationsverschulden, nachdem ihr die ersten Belästigungsfälle genannt wurden und sie dennoch keine wirksamen Massnahmen ergriffen hatte (wir sprechen von einem Zeitraum von mind. 25 Jahren – späte 80er Jahre bis 2015, evtl. sogar 2017)?

      Buhrow und Schönenborn berufen sich bislang immer darauf, dass ihnen mangels konkreter “Tatsachen und Namen” die Hände gebunden gewesen seinen. Mindestens eine der Journalistinnen wendete sich aber um 2010 herum namentlich an die “Senderspitze” und beschwerde sich konkret (über A. Nr. 2). Gleiches gilt für die junge Frau, die sich ebenfalls nicht-anonym 2017 bei Frau Mikich beschwerte (über Fall A. Nr. 1). D.h. es waren sehr wohl konkrete Namen bekannt – sowohl bezüglich der Belästigten, als auch bezüglich der “Täter” (= der beiden Herren A.).

      Was geschah daraufhin konkret?

      – Nach1991, bzw. 2010, als die ehemalige Volontärin/spätere Journalisten mit Zeitvertrag ihre Vorfälle meldete? Nicht viel, oder?

      Ach doch: A. Nr. 2 wurde auf eine Auslandskorrespondentstelle befördert.

      – nach ca.2017, als es das Interventionsteam schon seit 2 Jahren gab und die junge Prakikantin den Vorfall mit “Alpha” Nr. 1 bei Frau Mikich meldete?

      O-Ton: “Und was geschah? Nichts. Der Mann schaut mich immer noch aus dem Fernsehen an.”

      Und dies, obwohl Alpha Nr. 1 den Vorfall nach anfänglichem Leugnen (“Porno war dienstlich veranlasst”) sogar den Vorgesetzten gegenüber zugegeben hatte!

      Ergo: besonders effektiv waren die ergriffenen Schutzmaßnahmen der “Senderspitze” wohl nicht.

      @Presse: bitte an diesem Punkt nochmal ganz genau nachhaken! Danke!!

  2. Steinhöfel hat den Namen doch genannt, warum bringt Meedia ihn nicht ?

    Die unfähige Frau Mikich hat dem selben Mann übrigens schon folgende Aussage durchgehen lassen:

    “Gleich werden wir sehen, ob die Polen wirklich so dumm sind und die Rechten wählen. Sie würden es bitter bereuen.”

  3. Ich werden den Vorwürfen erst glauben, wenn man bei der “Zeit” wieder “nach den Grundsätzen von Ermittlern” verurteilt, Verzeihung, recherchiert hat.

    1. @Frank Meier

      Sagen Sie mal, dieses Ermittlungsverfahren gegen den cholerischen Herrn Wedel, was die “Zeit” da durchgeführt hat, ist das eigentlich nun eingestellt worden oder kommt da von denen noch was?
      Und glauben Sie, dass der Herr vom WDR deshalb frei gestellt wurde, damit die Ermittler und die Spusi von der “Zeit” ihn gleich direkt einvernehmen können?

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