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Wochenrückblick: ein alter Daten-Skandal, der Beef rund um Kollegah & Kollegen und Maschis Quotensorgen

“Die Medien-Woche” mit Stefan Winterbauer (MEEDIA) und Christian Meier (DIE WELT)
"Die Medien-Woche" mit Stefan Winterbauer (MEEDIA) und Christian Meier (DIE WELT)

Der Datenskandal, den die Bild am Sonntag rund um die Deutsche Post ausgegraben hat, ist geradezu ein Evergreen in der Skandal-Berichterstattung. Der Gangsta-Rapper Kollegah wundert sich, dass "die Medien" seine Ausfälligkeiten nicht toll finden mögen. Carsten Maschmeyer versenkt seine Sat.1 und Correctiv bettelt um einen Auftritt bei "Anne Will". Die MEEDIA-Wochenrückblicks-Kolumne plus Podcast.

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Da war die Bild am Sonntag aber einem echten Skandal auf der Spur: “DAS ERINNERT AN FACEBOOK – So verhökert die Post Kundendaten an CDU und FDP” schrieb die Zeitung am vergangenen Sonntag. Zitat: “Dem Zeitungsbericht zufolge verfügt die Deutsche Post über 57 Millionen Datensätze, die sie an Versandhäuser, Autohändler oder Lotterien verkauft.”

Öch, Moment. Das ist ja gar kein Zitat aus der aktuellen BamS, sondern eines aus der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahre 2010. Ja sagemal! Hier noch ein Zitat, diesmal aus Spiegel Online vom 31. Januar 2012:

“Und diese 37 Millionen Adress-Sätze werden von der Reklametochter Deutsche Post Direkt GmbH gewinnbringend versilbert. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein machte jetzt darauf aufmerksam, wie die Post ihre Dienste anpreist …”

Und dass diese Post-Tochterfirma die Daten an politische Parteien verkauft hat, ist das wenigstens neu und total skandalös? Ne, auch nicht. Berliner Zeitung vom August 2017:

Nach Informationen der Berliner Zeitung nutzen die Kampagnenstrategen der CDU nicht nur öffentlich zugängliche Quellen für ihre Statistiken, sondern auch kommerzielle Datenbroker. Aus der CDU-Zentrale heißt es dazu: „Wir haben über die Deutsche Post Direkt GmbH eine Potenzial-Analyse auf Straßenzugebene eingekauft. Das bedeutet, dass für einen Wohnblock eine statistische Wahrscheinlichkeit errechnet wurde, mit der dort die CDU gewählt wird.”

Der ganze Post-“Skandal” erinnert tatsächlich an den Facebook-Skandal. Allerdings nicht wegen dem Skandal, sondern wegen der Art und Weise, wie die Geschichte zum brandneuen Skandal hochgegeigt wird.

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Noch ein Skandal aus dieser Woche. Der allseits bekannte deutsche Gangsta-Rapper Kollegah ist zusammen mit seinem Kollegen Farid Bang für einen Echo für das gemeinsame Album “JBG3” (Jung Brutal Gutaussehend) nominiert. Nachdem die Bild-Zeitung über antisemitische und gewaltverherrlichende Textpassagen in dem Bonustrack 08/15 berichtete, prüft nun der Ethik-Beirat des Musikpreises – ja, den gibt es – die Nominierung. Kollegah rechnet derweil mit der Bild und RTL ab und ruft seine Fans zum Kampf gegen die “Mainstream-Medien” auf. In seinem Rant beschwert sich Kollegah auch, dass die bösen Medien einzelne Zeilen immer wieder aus dem Zusammenhang reißen würden. Hier darum nun die kritisierte Textzeile mit “Auschwitzinsassen” im Kontext:

“Mach’ dein Bahnhofsghetto zu Charlie Hebdo
Deutschen Rap höre ich zum Einschlafen
Denn er hat mehr Windowshopper als ein Eiswagen, ah
Und wegen mir sind sie beim Auftritt bewaffnet
Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen
Ich tick’ Rauschgift in Massen, ficke Bauchtaschenrapper
Wenn ich will, macht Genetikk ein Auslandssemester, ah
Wenn Farid bei dir einläuft mit Pumpgun
Suchst du Anis im Wald, als wärst du Heilkräutersammler
Dann kommt ein deutscher Gammler und bumst dich im Wald schnell
Und nimmt dich von hinten wie Bullen die Handschell’n (ah)”

Dieser Kontext macht die Sache natürlich viel besser. Da wird einem diese Kultur, von der die Gangsta-Rapper so gerne reden, gleich klar. Kollegahs Mit-Rapper Farid Bang hat sich mittlerweile via Facebook immerhin bei der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano entschuldigt, falls sie diese Zeilen verletzt haben sollten. Es habe nicht in seiner Absicht gelegen, sie zu kränken. Tja. Dann hat Farid Bang Frau Bejarano noch angeboten, mit ihm ein Lied aufzunehmen. Darauf hat sie aber wohl keine Lust. Komisch.

In derselben Kategorie wie Kollegah und Farid Bang sind für den Echo übrigens Helene Fischer, Ed Sheeran, die Toten Hosen und die Kelly Family nominiert.

+++

Carsten Maschmeyers Show “Start up!” will nicht so recht fliegen. Mittelmäßig gestartet, hat sich die Sendung nach Folge 3 zum veritablen Flop entwickelt. Vergangenen Mittwoch schalteten 650.000 Zuschauer ein, nochmal 70.000 weniger als in der Vorwoche. Und da waren ja laut Bild angeblich Tonprobleme schuld an der miesen Quote. Maschi und die Bild – da kennt und hülft man sich, bzw. versucht es wenigstens. Die Bild ist jedenfalls auffällig bemüht, Maschmeyers Flop-Show schönzuschreiben. Zuerst mit einem launigen Doppel-Interview vor dem Start mit ihm und seiner Frau, der Ferres Vroni. Dann mit solch hanebüchenen Erklärungs-Artikeln für den Quoten-Rückgang. Ob es hilfreich ist, dass der frühere leitende Bild-Mann und ehemalige Sprecher von Maschmeyers alter Firma AWD, Bela Anda, wieder PR für Maschmeyer macht? Dem Maschi helfen Profis auch beim Twittern. Genau solche Dienstleistungen bietet zum Beispiel der frühere Bild-Chef Kai Diekmann mit seiner Firma StoryMachine an. Diekmann retweetet übrigens auch fleißig Maschis gestanzte Tweets. Ob es da einen Zusammenhang gibt? Zuletzt zahlte Maschmeyer für die “fiesesten” Twittersprüche über sich und seine Show fast 20.000 Euro.

Für die Plätze 2 bis 10 lobte Maschmeyer dann noch jeweils 1.000 Euro aus. Sollte die Aktion darauf abgezielt haben, Maschmeyer in den Sozialen Medien als selbstironisch und cool darzustellen, dann ist das jedenfalls gründlich in die Hose gegangen. Die 10.000 Euro gab es übrigens für diesen Gag:

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Das dürfte einer der bestbezahlten, schlechten Witze aller Zeiten sein. Micky Beisenherz hat bei stern.de die richtigen Worte dafür gefunden:

Du lädst dazu ein, den gemeinsten Tweet über Dich und deine fehlvertonte Ideenschmiede zu verfassen. Dem Gewinner winken 10.000 Euro. Ein Hauch von Haffenloher liegt in der Luft.

Hat da gerade irgendwer “Prinz Marcus von Anhalt” gesagt? Absurder Vergleich, ich weiß. Der hat ja lediglich iPads verlost. Für ein bisschen Zuwendung. Außerdem hat der ein klares Geschäftsmodell.

 

+++

Der stern hat zusammen mit dem Recherchebüro Correctiv ein Sex-Affärchen beim WDR aufgedeckt. Ein Korrespondent soll einer Praktikantin im Hotel Schampus gereicht und einen Porno auf seinem Laptop gezeigt haben. Außerdem soll der Mann einer weiteren Mitarbeiterin anzügliche Mails geschickt haben. Sie sehen schon: Zu einem neuen Fall Wedel reicht es nicht ganz. Dass die Sache Anne Will bei Twitter ein “Wie bitte?” entlockte, veranlasste Correctiv-Chefredakteur Oliver Schröm, ihr das Thema plus Top-Gast gleich für ihre Talksendung feilzubieten:

Und was macht die Anne Will? Talkt diesen Sonntag einfach über Hartz IV. Menno! Vielleicht sollte Herr Schröm mal bei der StoryMachine anrufen …

Schönes Sonnen-Wochenende!

PS: Mein Podcast-Kollege Christian Meier von der WELT befindet sich im Urlaub, darum habe ich diese Folge alleine bestritten. Fast alle Themen aus diesem Wochenrückblick gibt es auch zum Hören im Podcast plus ein persönliches Bashing zum ZDF-“Traumschiff”. Würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

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