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Nippel nein, Hakenkreuze ja: Ein Cartoon macht sich über Facebooks prüde Regeln lustig und wird selbst zensiert

Der Zeichner Martin Perscheid wurde von Facebook gesperrt

UPDATE am Ende des Textes mit Entschuldigung von Facebook: Es hat den Charme eines billigen Kinderstreiches. Aber weil Facebook so berechenbar humorlos ist, macht es gerade viel Spaß, das US-Netzwerk in seiner ganzen Fadheit immer wieder vorzuführen. Ständig schafft es die Plattform aufs neue, Cartoons zu zensieren, die sich über die prüden Löschregeln lustig machen. Neuestes Beispiel: ein Bilderwitz, der mit dem Nippel-Verbot und den laschen Nazi-Regeln bei Facebook spielt.

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Tatsächlich ist der Cartoon von Martin Perscheid so etwas wie eine sich selbsterfüllende Prophezeiung. Der Witz erklärt Unwissenden die Gemeinschaftsstandards von Facebook (Nippel nein, Hakenkreuze ja). Gerade wegen eines Verstoßes gegen die Gemeinschaftsstandards wurde er nun gesperrt – allerdings mit einem langen Verzug. Denn Perscheid postete den Cartoon bereits Ende 2016.
Diesen Cartoon löschte Facebook
Die Folge: Derzeit ist die gesamte Facebook-Seite von Perscheids Abgründe nicht zu erreichen (Stand: Freitag 12.00 Uhr). Warum allerdings das US-Netzwerk gerade jetzt auf seine Zeichnung aufmerksam wurde, kann er sich auch nicht erklären. “Da kann ich nur mutmaßen. Vielleicht hat FB einen Algorithmus entwickelt, welcher gezeichnete Kreise als Nippel identifiziert”, meint er nicht ganz ernst gegenüber MEEDIA.
Für den Zeichner ist es weder das erste Mal, dass Facebook ein Werk von ihm zensierte, noch dass er die Plattform in seinen Cartoon thematisiert. Überhaupt funktionieren Bilderwitze über Facebook bei Facebook immer besonders gut. Zum ersten Mal wurde Perscheid nun jedoch komplett gesperrt.
Auf die Frage, ob er wütend auf Facebook sei, antwortet er süffisant: “Nein, ich finde es absolut vorbildlich, wie Facebook mit Kritik umgeht. User neben dem Löschen der Beiträge auch noch durch Sperren zu bestrafen, daran kann sich jede Diktatur ein Beispiel nehmen.”
Facebook kann aber nicht nur nicht über sich selbst lachen, sondern versteht auch in Sachen Werbung keinen Spaß. So war es beispielsweise dem Zeichner Michael Holtschulte nicht möglich einen Plattform-kritischen Cartoon zu bewerben, obwohl es Facebook selbst noch vorgeschlagen hatte – um die Reichweite des Postings zu erhöhen.

Sein Posting hatte sich kritisch mit dem Cambridge Analytica-Komplex und der Rolle des US-Netzwerkes auseinandersetzt. Auf seinem Bild ist ein gelangweilter Mann zu sehen, der einen intelligenten Lautsprecher von Amazon fragt: “Alexa, erklär mir doch einmal den Facebook-Datenskandal.”
Update (Montag, der 9. April):
Jetzt war alles nur ein Fehler: Nach der MEEDIA-Berichterstattung hat sich Facebook bei Martin Perscheid gemeldet und sich entschuldig. So heißt es in einer Einblendung an den Zeichner: „Ein Mitarbeiter unserer Teams hat versehentlich einen Beitrag von dir auf Facebook entfernt. Es handelt sich dabei um einen Irrtum und wir entschuldigen uns für diesen Fehler. Wir haben den Inhalt wiederhergestellt und du müsstest ihn jetzt wieder sehen können.“

 

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