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Nach Abgang von Koordinator Ainetter: Bild-Chef Julian Reichelt baut Orga der Regionalausgaben um

Will nach dem Ausscheiden von Wolfgang Ainetter die Regio-Koordination umbauen: Bild-Chef Julian Reichelt
Will nach dem Ausscheiden von Wolfgang Ainetter die Regio-Koordination umbauen: Bild-Chef Julian Reichelt

Mit dem Wechsel Wolfgang Ainetters in die politische Kommunikation braucht Bild einen neuen Leiter für die Koordination der 16 Regionalausgaben. Chefredakteur Julian Reichelt will die Gelegenheit offenbar nutzen, um das Zusammenspiel zwischen lokalen Zulieferern und zentralen Planern neu zu definieren. Damit soll die Qualität der Regionalseiten verbessert werden. Der Plan sorgt intern für Unruhe.

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Seit Februar dieses Jahres hat Julian Reichelt, zuvor bereits Vorsitzender der Bild-Chefredakteure, auch bei der gedruckten Zeitung das alleinige Sagen. Durch den Machtzuwachs steht der 37-Jährige, der für seine Entscheidungsfreudigkeit bekannt ist, intern wie extern unter besonderer Beobachtung. Auch deshalb ist in der sonst so stressresistenten Bild-Redaktion eine neue Sensibilität eingekehrt, weshalb bei manchen gar nicht so weit reichenden Entscheidungen gleich große Veränderungen – positiv wie negativ – erwartet werden. Ein aktueller Fall: eine Umstrukturierung in der Organisation der Regionalausgaben von Bild.

In der vorvergangenen Woche berichtete MEEDIA über den Abgang von Wolfgang Ainetter, Koordinator der Regionalausgaben, der dem Ruf in die politische Kommunikation gefolgt ist. Der Wechsel war überraschend und sorgt seit Bekanntwerden für Spekulationen. Denn auf den Fluren des Axel Springer Hochhauses in Berlin heißt es, Reichelt wolle nun umbauen, die Organisation der Regionalausgaben nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten. Dafür habe sich der Bild-Chef etwas Kurioses ausgedacht: Zukünftig sollten die 16 Regionalausgaben nicht mehr nur von Berlin aus koordiniert, sondern zugleich auch geleitet werden. Dafür, so heißt es, habe der Chefredakteur die Leiter der fünf Regio-Büros Süd (München), Südwest (Frankfurt), NRW (Köln), Nord (Hamburg) und Ost (Leipzig) darüber unterrichtet, dass er die Blattmacher künftig in Berlin zusammenzuziehen werde.

Der vermeintliche Plan klingt nicht nur kurios, sondern bei einem Blatt mit derart starker regionaler Verankerung wie der Bild mit ihrer Vielzahl von Außenstellen geradezu wahnwitzig.  Entsprechend hoch schlugen die Wellen der Erregung. Regionaler Boulevard ist schließlich einer der wichtigsten Teile der DNA von Bild und Lieferant zahlreicher Aufmacher für die Bundesausgabe. Aber entsprechen die hausinternen Gerüchte auch der Wahrheit?

Trotz zahlreicher Sparmaßnahmen in den vergangenen Jahren leistet sich keine andere überregional erscheinende Tageszeitung ein so großes Netzwerk an Außenredaktionen, die Inhalte für insgesamt 40 bis 60 Seiten täglich liefern. Der dort zu leistende Output ist immens. Dass dieses Netzwerk funktioniert, ist am Markt, wo Bild mit Medien regionaler Verlage konkurriert, überlebenswichtig. Gute Journalisten und Redaktionsleiter sind vor Ort unabdingbar, möchte man meinen.

Im Bild-Lager herrscht nun aber die Sorge, den Redaktionen könnte es wie den Layoutern ergehen. Diese wurden bereits vor einigen Jahren aus den Regionen abgezogen und in Berlin zentralisiert. So wie auf den Fluren der Berliner Zentrale gemunkelt wird, kommt es wohl aber nicht. Nach Informationen von MEEDIA will Reichelt die Vakanz in der Koordination der Regionalausgaben zwar tatsächlich für Optimierungen nutzen. Von einem Abzug der Blattmacher aus den Regionen, um diese demnächst aus Berlin arbeiten zu lassen, sei aber keine Rede, heißt es aus seinem Umfeld.

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Ein Bild-Sprecher erklärt es wie folgt: „Wir arbeiten ständig daran, Abläufe zu verbessern und unsere verschiedenen Ausgaben durch noch bessere Koordination und Verteilung all unserer Inhalte noch besser zu machen. Dazu gehört auch, dass wir überlegen, wie wir nach dem Wechsel von Wolfgang Ainetter ins Verkehrsministerium die Stelle des Regiokoordinators neu besetzen.” Die im Haus kursierende Version sei aber „so nicht zutreffend“. Neben Ainetter ist Karsten Witzmann Leiter der Koordination. Dem Vernehmen nach geht es darum, einen Nachfolger mit weitreichenderen Kompetenzen aufzubauen. Die Koordination, so heißt es, solle dabei auch aktiv ins Tagesgeschäft eingreifen beziehungsweise dieses dirigieren.

Hintergrund sind nach MEEDIA-Informationen die Volatilität von Umfang und Qualität der einzelnen Ausgaben. Wie viele Seiten Lokales in einer Regionalausgabe gedruckt werden, ist abhängig vom Anzeigengeschäft, entscheidet sich manchmal tagesaktuell. Für die Redaktionsleiter vor Ort bedeutet das, mal mit drei Seiten zu planen, mal mit fünf. Nicht immer sind passende Inhalte für entsprechend viele Aufmacherplätze verfügbar.

Die neue Koordination soll hier aktiv eingreifen. Beispiel: Verfügt die Regionalausgabe aus München über fünf Seiten, aber zu wenig gutes redaktionelles Material, sollen die Koordinatoren geeignete Inhalte aus anderen Regionen oder Ressorts (Ratgeber, Vermischtes) finden. Den Regionalen soll damit die Not genommen werden, auf noch nicht ausgereifte oder ungeeignete Themen zurückzugreifen. Derzeit werde überlegt, wie die Umsetzung erfolgen könnte, heißt es weiter.

Darüber hinaus wird offenbar parallel überlegt und getestet, die regionalen Ausgaben optisch an die Bundesausgabe anzugleichen. Für diese Aufgabe hat Reichelt unter anderem Thomas Liebenberg berufen, in dessen Ausgabe Ost bereits einige Tests gelaufen sind. Ziel sei es, das einheitliche Markenbild zu stärken. Seit der Preiserhöhung im Februar hat sich zudem der Umfang der Regionalseiten um zwei erhöht, von denen eine an den Sport gegangen ist und die andere mal lokal, mal von der Bundesausgabe bespielt wird.

Klar ist damit, dass Reichelt die für die Zeitung wichtigen Regionalausgaben als Baustelle identifiziert hat und offensichtlich Optimierungsbedarf sieht. In Redaktionskreisen wird es nicht für ausgeschlossen gehalten, dass der Chefredakteur noch mehr anfassen wird und weitere personelle Entscheidungen getroffen werden. Das darf sogar als gesetzt gelten: Neben der Vakanz in der Regio-Koordination entsteht demnächst nämlich eine weitere: In der Südwest-Redaktion in Frankfurt verabschiedet nach mehr als 44 Dienstjahren dessen Redaktionsleiter Horst Cronauer in den Ruhestand.

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Alle Kommentare

  1. “…Beispiel: Verfügt die Regionalausgabe aus München über fünf Seiten, aber zu wenig gutes redaktionelles Material,…”
    Wie bitte? Eine Regionalredaktion in einer Großstadt sollte doch wohl in der Lage sein, täglich mindestens zehn Seitenaufmacher (incl. Fußball und Sport) zu finden…
    Das würde ich zumindest für M, B und HH erwarten.

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