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Warum die Paradise Papers beim Nannen Preis leer ausgehen: stern-Chef Christian Krug über die Nominierten 2018

Für die Nominierungen des Nannen Preises hatte stern-Chefredakteur Christian Krug einen Wunsch: “Nicht so viel Tod und Elend”
Für die Nominierungen des Nannen Preises hatte stern-Chefredakteur Christian Krug einen Wunsch: "Nicht so viel Tod und Elend"

Am 11. April zeichnet Gruner + Jahr wieder herausragende journalistische Leistungen mit dem Nannen Preis aus. Beim Blick auf die Nominierungen fallen Leerstellen auf: Es fehlen Award-Kandidaten beim Hype-Thema Paradise Papers und auch zu G20 oder Donald Trump. Im MEEDIA-Interview erklärt stern-Chef Christian Krug zudem, warum "Tod und Flüchtlinge" nicht mehr "das beherrschende Oberthema" sind.

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Angetreten ist der überarbeitete Nannen Preis, um den Journalismus zu feiern. Dazu wurden die Feierlichkeiten eingedampft und die Autoren in den Mittelpunkt gerückt. Jetzt findet die diesjährige Preisverleihung in der Elbphilharmonie statt. Ist das ein Zurück zum alten Pomp?
Christian Krug: Gar nicht. Wir sind ja im kleinen Saal. Da passen nur 500 Leute rein, und er ist vor allem der experimentellen Musik vorbehalten. Er steht für eine Reduktion auf die Kunst. Das passt also wunderbar zu unserer Konzentration auf den Journalismus.

Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Jahrgang?
Die Hauptjury hat in diesem Jahr den Vor-Juroren die Botschaft mit auf den Weg gegeben: Nicht so viel Tod und Elend. In den vergangenen Jahren standen die großen menschlichen Dramen sehr im Fokus. Für dieses Jahr haben wir uns ein breiteres Themenspektrum gewünscht.

Und: Haben Sie es bekommen?
Ich finde ja. Wir haben ein tolles Stück über die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus (Lorenz Wagner, „Nach ihrer Pfeife“) aus dem SZ-Magazin oder aber auch das Schulz-Portrait von Markus Feldenkirchen (“Mannomannomann”). Die Liste könnte ich noch lange fortsetzen. In diesem Jahr sind nicht mehr Tod und Flüchtlinge das beherrschende Oberthema.

Beim Blick auf die Liste der Nominierten fällt auf: Es fehlen die Paradise Papers?
Das ist richtig. Allerdings nicht, weil es eine schlechte Story ist, sondern weil andere besserer waren – in der Sprache, aber auch der eigenen Recherche.

Zudem fällt auf: Es ist mal der wieder alte Klub der großen Qualitätsmedien, die sich die Preise untereinander aufteilen. Sind die anderen so schlecht oder halten die Chefredakteure von stern, Zeit und Spiegel einfach zusammen?
Ich würde das Ergebnis anders interpretieren. Es zeigt sich, dass nur wenige Redaktionen die Zeit und damit verbunden auch das Geld haben, sich solche Recherchen leisten zu können. Wir sind uns durchaus bewusst, dass es alleine für Tageszeitungen schon schwer wird, weil man dort deutlicher weniger Zeit für eine Recherche hat. Um so beachtlicher ist es, dass Kollegen von den Ruhr Nachrichten und den Kieler Nachrichten es jeweils mit einem Stück in die Hauptjury geschafft haben. Das waren ganz hervorragende Stücke.

Braucht es dann eine weitere Kategorie?
Möglicherweise, ja. Auch der Lokaljournalismus kommt etwas zu kurz. Dabei gab es auch diesem Jahr ganz hervorragende Arbeiten.

Wissen Sie, was noch beim Blick auf die Themen der Nominierten auffällt?
Was denn?

Es gibt nicht eine Story zu G20…
…und Donald Trump. Das ist uns auch aufgefallen.

Ihre Erklärung. Woran liegt es?
Bei G20 fehlt noch die große, abschließende Geschichte, aber die wird noch kommen. Da bin ich mir sicher. Bei Trump ist es wohl ein Problem der direkten Zugänge. Niemand ist hierzulande nah genug dran. Man liest aus viel Texten zum US-Präsidenten geradezu die diffuse Quellenlage.

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Alle Nominierten für den Nannen Preis im Überblick:

Reportage (Egon Erwin Kisch-Preis):
– Markus Feldenkirchen, „Mannomannomann“, Der Spiegel
– Claas Relotius, „Löwenjungen“, Der Spiegel
– Lorenz Wagner, „Nach ihrer Pfeife“, Süddeutsche Zeitung Magazin

Investigative Leistung:
– Mohamed Amjahid, Daniel Müller, Yassin Musharbash, Holger Stark, Fritz Zimmermann und Mitarbeit: Sebastian Mondial, „Ein Anschlag ist zu erwarten“, Die Zeit
– Frank Dohmen, Dietmar Hawranek, „Das Auto-Syndikat“, Der Spiegel
– Marcus Bensmann, Hüdaverdi Güngör, Anna Mayr, Niklas Schenck, Bastian Schlange, David Schraven, Oliver Schröm, Michel Weigel, Simon Wörpel, „Alte Apotheke“, Correctiv

Dokumentation:
– Ullrich Fichtner, André Geicke, Matthias Geyer, Andreas Wassermann, „Made in Germany“, Der Spiegel
– Caterina Lobenstein, „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“, Die Zeit
– Lorenz Maroldt, Harald Martenstein, „Ins Scheitern verliebt“, Zeit Magazin

Web-Projekt:
– Simon Book, Alexander Busch, Lea Deuber, Hassân Al Mohtasib, Patrick Schuch, Martin Seiwert, Thomas Stölzel, Gerd Weber, „Für Dein Auto“, Wiwo.de
– Marc Brupbacher, Kaspar Manz, Christian Mülhauser, Dominik Osswald, Urs Wyss, „In eisigen Tiefen – Expedition in einen Gletscher“, Tagesanzeiger.ch
– Christian Bangel, Paul Blickle, Philip Faigle, Flavio Gortana, Andreas Loos, Fabian Mohr, Julia Speckmeier, Julian Stahnke, Sascha Venohr, „Stadt, Land, Vorurteil“, Zeit.de

Reportage-Fotografie:
– Daniel Berehulak, „Sie schlachten uns ab wie Tiere“, stern
– Pablo Ernesto Piovano, „In einem vergifteten Land“, stern
– Nikita Teryoshin, „Dossier Politik/ Wie weiter, German‘s?“, Business Punk, Taz.Futurzwei

Inszenierte Fotografie:
– Maurizio Cattelan, Pierpaolo Ferrari, „Was gibt es denn da zu lachen?“, Zeit Magazin
– Adam Ferguson, „Dem Jenseits entkommen“, stern
– Stéphan Gladieu, „Ihr Stolz ist ungebrochen“, Geo

 

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Alle Kommentare

  1. Als Einzelkämpfer (Freier Journalist) hat man bei solchen Preisen nicht den Hauch einer Chance, weil man gar nicht die Ressourcen hat, über die die großen Redaktionen verfügen (ja, auch Geld gemeint, und Zeit, Korrektoren…).
    Deshalb sind alle diese hochkarätigen Journalistenauszeichnungen eine Inzucht-Veranstaltung und in meinen Augen nicht viel wert. Beiträge werden schon in Hinblick auf mögliche Auszeichnungen recherchiert und geschrieben.
    Das harte Berufsleben der Freien wird nicht gewürdigt oder repräsentiert.

  2. Es sind doch hinreichend linksversiffte Stimmungsmacher dabei -Zeit, Spiegel, SZ, Correctiv… die Populisten stehen in Reihe stramm zur Ordensverleihung.
    Wo liegt das Problem?

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