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“Ich mach mir kurz die Hose wieder zu”: Die zweite Staffel “Jerks” bietet Fremdschämen für Fortgeschrittene

Sie sind wieder da: Fahri Yardim und Christian Ulmen als “Jerks”
Sie sind wieder da: Fahri Yardim und Christian Ulmen als "Jerks"

Christian Ulmen und Fahri Yardim sind wieder da: als Christian Ulmen und Fahri Yardim in der Maxdome-Serie "Jerks". Wer nach Staffel 1 gedacht hat, peinlicher oder politisch inkorrekter kann es nicht mehr werden, wird eines besseren gelehrt. Wieder einmal grandios von Ulmen und Yardim gespielt, manövrieren sich die zwei "Vollidioten" auch in den neuen Folgen von einem Fremdscham-Highlight ins nächste.

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„Bist du Cristian Ulmen?“, fragt eine fremde Frau verpennt. Ulmen, nur in Unterhose und Hemd bekleidet, antwortet: „Ja. Ich, äh, bin hier aufgewacht… und mach mir noch kurz die Hosen zu.“

Mit diesen Worten lässt Ulmen genau wie in der ersten Staffel der ProSieben/Maxdome-Serie „Jerks“ (zu Deutsch etwa “Idioten” oder “Trottel”) auch in den neuen Folgen direkt zu Beginn buchstäblich die Hosen runter. Und damit ist die Marschrichtung von Staffel 2 schon in den ersten Minuten wieder eindeutig: Dieser Serie ist nichts zu intim und nichts zu peinlich. Wer pointiert-feinsinigen Humor sucht, ist bei „Jerks“ an der falschen Adresse. Denn Christian Ulmen und Fahri Yardim sind die Könige des Volltrottel-Humors – und landen damit einmal mehr einen fernsehkomödiantischen Volltreffer.

Kopfüber in die Abgründe der Schamlosigkeit

Inhaltlich knüpft die zweite Staffel „Jerks“ an die erste an. Immer noch beruhen alle Geschichten angeblich auf „wahren Begebenheiten“. Das heißt: Ulmen und Yardim spielen sich selbst, leben mit ihren Freundinnen Pheline und Emily (verkörpert von den beiden Schauspielerinnen Pheline Roggan und Emily Cox) in Potsdam. Von Collien Ulmen-Fernandes, mit der Christian Ulmen im echten Leben verheiratet ist, hat sich der „Jerks“-Ulmen bereits scheiden lassen; das Sorgerecht für die zwei Kinder teilen sie sich. Die Serie begleitet die beiden Buddies in ihrem Alltag und zeigt, wie sie von einer fürchterlich-peinlichen und für die Zuschauer fürchterlich-witzigen Chaos-Geschichte in die nächste stolpern. Jede Idee, die die beiden haben haben und die ihnen auf den ersten Blick als genial erscheint, endet verlässlich in einer Katastrophe.

Nach dem Ende der ersten Staffel konnte man es sich zwar kaum vorstellen – doch Christian Ulmen und Fahri Yardim schaffen es in den neuen Folgen tatsächlich, zu noch größeren Jerks zu werden. Sie finden noch mehr Grenzen, die sie gnadenlos übertreten. Und während sich Staffel 1 noch langsam an die politische Inkorrektheit heranarbeitete, in dem sie sich von Folge zu Folge unaufhaltsam steigerte und erst ganz zum Schluss schließlich jede Rest-Vorsicht fallen ließ, gewähren die neuen Folgen keine Schonfrist mehr. Es geht sofort kopfüber tief hinein in die dunkelsten Abgründe der Schamlosigkeiten, die den einen oder anderen Zuschauer sicher dazu bewegen werden, sich wahlweise verhalten kichernd oder hysterisch lachend die Decke über den Kopf ziehen zu wollen.

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Demontage der überholten Macho-Männer

Doch es ist nicht nur die radikal-witzige Schamlosigkeit, die “Jerks” zu etwas Besonderem in der deutschen Fernseh- und Streaminglandschaft macht. Auch in der zweiten Staffel verzichten alle Darsteller wieder auf ein Drehbuch und improvisieren die Dialoge im Rahmen eines vorgegeben Handlungsrahmens. Mit dem Ergebnis herrlich realistischer Gespräche, die im deutschen TV nur allzu oft schmerzlichst vermisst werden. Offensichtlich sagen die Schauspieler nebenbei auch einfach mal das, was ihnen gerade so durch den Kopf geht. Da sagt dann Fahri Yardim zum Beispiel in einer Szene im Supermarkt an der Obst-Waage: “Guck mal, das heb ich hier immer so ein bißchen an, da spar ich immer ‘n paar Euros.” In einer Fernsehwelt, in der jeder Satz eine Bedeutung haben muss oder mindestens auf etwas Wichtiges hinarbeitet, ist das eine Wohltat. Gleichzeitig erlaubt die Improvisation Ulmen und Yardim, ihr komödiantisches Talent auszuleben: Hier stimmt jeder Gag, jedes Timing.

Währenddessen demontieren die Darsteller gesellschaftlich vorherrschende Bilder von Prominenten (“Du, wir sind Schauspieler. Wir sind Prominente. Das ist ein ganz anderes Leben. Das kannst du als Otto-Normalverbraucher nicht so wirklich nachempfinden.“) und veraltete Vorstellungen von Männlichkeit gleichermaßen. Ulmen und Yardim halten krampfhaft an Rollenbildern fest, die längst überholt sind. Alle wissen das: ihre Partnerinnen, Ex-Partnerinnen, der Zuschauer – und auch sie selbst spüren es. So tritt Yardim nur noch wie eine Karikatur des urtypischen, Sperma in der Weltgeschichte verteilenden Ober-Machos auf. Und das auch nur im kleinen, sozusagen geheimen Raum, wenn seine Freundin nicht anwesend ist. Christian hingegen, der in der ersten Staffel schon unerträglich unsicher war, ist jetzt völlig angekommen in seiner ganz persönlichen Anfang-40er-Männer-Depression. Eigene Entscheidungen kann er nicht mehr treffen und so lässt er sich bereitwillig wahlweise von Fahri, seinen (Ex-)Frauen oder seinen Töchtern hin und her scheuchen.

Wer mal wieder völlig hemmungsfrei lachen und dabei richtig gute Comedy sehen will, dem sei “Jerks” wärmstens ans Herz gelegt. Alle zehn Folgen der zweiten Staffel sind ab Donnerstag bei Maxdome abrufbar. ProSieben zeigt die Serie im Free TV ab 8. Mai, 22.15 Uhr.

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