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Nach erfundenem Terroranschlag: Staatsanwaltschaft prüft Verdacht auf Straftat beim Rheinneckarblog

Ein erfundener Terroranschlag hat am Wochenende für Verwirrung gesorgt
Ein erfundener Terroranschlag hat am Wochenende für Verwirrung gesorgt

Das Rheinneckarblog berichtet über einen angeblichen "massiven Terroranschlag" in Mannheim mit mehr als 130 Toten. Doch der Text ist reine Fiktion. Beim Deutschen Presserat gehen daraufhin vier Beschwerden ein – und jetzt prüft die Staatsanwaltschaft Mannheim, ob es einen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt.

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Der Bericht in einem Internet-Blog über einen angeblichen Terroranschlag beschäftigt die Staatsanwaltschaft Mannheim. Sie prüft, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat besteht, wie eine Sprecherin am Montag sagte. Details dazu nannte sie nicht. Das Rheinneckarblog hatte am Sonntag einen Text über einen angeblichen Anschlag mit 136 Toten in Mannheim publiziert – die örtliche Polizei in Baden-Württemberg hatte per Twitter widersprochen. In dem Blog war die Rede von 50 Angreifern, die für ein “Blutbad apokalyptischen Ausmaßes” verantwortlich seien.

Der Deutsche Presserat teilte am Montag auf Anfrage von MEEDIA mit, es seien vier Beschwerden gegen den Bericht eingegangen. Die Kritik am Rheinneckarblog laute, er habe eine massive Unwahrheit verbreitet und die Bevölkerung mit Absicht verunsichert. Außerdem kritisierten die Beschwerdeführer, dass die Aufklärung der Sachlage hinter einer Bezahlschranke verborgen bleibe.

“Wir prüfen jetzt, ob wir ein Verfahren gegen Rheinneckarblog einleiten”, so eine Presserats-Sprecherin. “Grundlage für unsere Prüfung ist, ob ein Verstoß gegen Ziffer 1 Pressekodex und das Wahrhaftigkeitsgebot der Presse vorliegt.” Darin heißt es: “Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse. Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.”

Der Redaktionsleiter des Blogs, Hardy Prothmann, erklärte in einem Beitrag am Montag: “Wir haben Fake News veröffentlicht, die morgen schon Realnews sein könnten.” Die “Story” sei erfunden und der Autor ein “Gonzo-Reporter, der Fiktion und Fakten mischt”. Als “Gonzo”-Journalismus, eine Erfindung des US-Autors Hunter S. Thompson, wird der Mix von Realem und Erdachtem bezeichnet. “Wir wollten definitiv keine Massenpanik erzeugen, wohl aber Aufmerksamkeit – für mögliche Bedrohungslagen, aber auch für Fake News.”

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Im Interview mit MEEDIA hat der lokale Blogger unter anderem auf die Kritik reagiert, nach der nur hinter der Bezahlschranke über die Fiktion des Artikels aufgeklärt wurde. Er sagt dazu: „Wir haben den Text um 3:47 Uhr veröffentlicht und über FB geteasert. Um 4:02 haben wir die Polizei informiert, die um 4:26 Uhr selbst dazu gepostet hat. Um 5:56 Uhr haben wir einen Screenshot der Polizei in den Text übernommen. Spätestens ab jetzt war erkennbar, dass es sich um Gonzo oder Fakenews handelt – diese Information war vor der Bezahlschranke erkennbar. Alle Medien haben falsch darüber berichtet, also Fakenews verbreitet.“ Er betont zudem, wie wenig Medienkompetenz die Bürger hätten. „Die Mehrzahl der Kommentatoren ist entweder dumm oder stellt sich dumm. Wir machen dazu eine Aufarbeitung“, sagt Prothmann.

Eine Sprecherin der Stadt Mannheim teilte mit: “Oberbürgermeister Peter Kurz wurde im Dezember von Herrn Hardy Prothmann über seine Absicht informiert, einen fiktionalen Text zu veröffentlichen. Er hat Herrn Prothmann darauf hingewiesen, dass der Text hoch problematisch sei, und bat Herrn Prothmann, diesen nicht zu veröffentlichen.” Der Bitte sei Prothmann zunächst nachgekommen. Deshalb sei die Veröffentlichung am Sonntag für die Stadt überraschend gewesen.

Mit Material der Dpa.

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