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Nach erfundener Terroranschlags-Meldung: Presserat liegen vier Beschwerden gegen Rheinneckarblog vor

Der Presserat rügt die Berichterstattung des Rheinneckarblog
Der Presserat rügt die Berichterstattung des Rheinneckarblog

Der Deutsche Presserat hat mittlerweile vier Beschwerden gegen das Rheinneckarblog vorliegen: Nun prüft das Gremium, ob das lokale Portal gegen Ziffer 1 des Pressekodex' und das Wahrhaftigkeitsgebot verstoßen hat. Das Blog hatte in der Nacht zum Sonntag eine Meldung über einen erfundenen Terroranschlag veröffentlicht. Dafür wurde es massiv kritisiert.

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“Die Beschwerdeführer werfen dem Rheinneckarblog vor, eine massive Unwahrheit verbreitet zu haben und die Bevölkerung mit Absicht verunsichert zu haben”, erklärt der Deutsche Presserat auf Nachfrage von MEEDIA. Sie kritisieren zudem, dass die Aufklärung der Sachlage hinter einer Bezahlschranke verborgen geblieben sei. “Wir prüfen jetzt, ob wir ein Verfahren gegen den Rheinneckarblog einleiten. Grundlage für unsere Prüfung ist, ob ein Verstoß gegen Ziffer 1 Pressekodex und das Wahrhaftigkeitsgebot der Presse vorliegt”, so der Presserat. In Ziffer 1 des Pressekodex’ heißt es, dass “die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit” sind das oberste Gebot. “Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.“

Der Rheinneckarblog, dessen Leiter Hardy Prothmann ist, hatte in der Nacht von Samstag auf Sonntag einen Artikel veröffentlicht, in dem von einem “massiven Terroranschlag” in Mannheim berichtet wird. Dort seien über 130 Menschen getötet und über 230 verletzt worden. Der Beitrag sorgte für Verwirrung und viel Kritik, weil nicht alle Leser verstanden und gesehen hatten, dass es sich um einen fiktiven Beitrag handelt. Prothmann hatte den Artikel als Gonzo-Journalismus charakterisiert, mit dem die Redaktion für mögliche Bedrohungslagen, aber auch für Falschnachrichten sensibilisieren wollte. Die Redaktion verteidigt ihr Vorgehen und beschuldigt nun andere Nachrichtenseiten der Verbreitung von Falschnachrichten und bewusst falscher Zitation.

Im Interview mit MEEDIA hat der lokale Blogger unter anderem auf die Kritik reagiert, nach der nur hinter der Bezahlschranke über die Fiktion des Artikels aufgeklärt wurde. Er sagt dazu: “Wir haben den Text um 3:47 Uhr veröffentlicht und über FB geteasert. Um 4:02 haben wir die Polizei informiert, die um 4:26 Uhr selbst dazu gepostet hat. Um 5:56 Uhr haben wir einen Screenshot der Polizei in den Text übernommen. Spätestens ab jetzt war erkennbar, dass es sich um Gonzo oder Fakenews handelt – diese Information war vor der Bezahlschranke erkennbar. Alle Medien haben falsch darüber berichtet, also Fakenews verbreitet.” Er betont zudem, wie wenig Medienkompetenz die Bürger hätten. “Die Mehrzahl der Kommentatoren ist entweder dumm oder stellt sich dumm. Wir machen dazu eine Aufarbeitung”, sagt Prothmann.

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Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes, sagte bereits am Sonntag gegenüber DLF24: „Der Text wurde ohne klare Kennzeichnung als Satire veröffentlicht. Es wurde sogar eine fiktive Nachrichtensperre erwähnt, so dass man den Eindruck gewinnen sollte, Klarstellungen von Polizei und Behörden seien nicht ernst zu nehmen. Die Bevölkerung mit einem derart realistisch beschriebenen Horrorszenario zu konfrontieren, ist allenfalls politischer Aktivismus, der geeignet ist, das Vertrauen in die Medien und ihre Macher nachhaltig zu gefährden“, urteilte er.

In einem Facebook-Posting am Sonntagnachmittag hatte Prothmann zu Überalls Aussagen Stellung bezogen und diesem vorgeworfen, er könne keine Stilformen unterscheiden. “Es handelt sich mitnichten um eine ‘Satire’, sondern um ‘Gonzo’, also eine fiktive, literarische Geschichte, die so tut, als sei sie journalistisch entstanden.” Außerdem hätten weder Überall noch der DLF mit dem Redaktionsleiter über die Angelegenheit gesprochen, so der Vorwurf.

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