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Das #miomiogate-Protokoll: So arbeitet die Titanic den Juso-Satire-Coup gegen die Bild auf

Von der Titanic reingelegt: Bild-Chefredakteur Julian Reichelt
Von der Titanic reingelegt: Bild-Chefredakteur Julian Reichelt

Print-Mühlen mahlen etwas langsamer. Während online das #miomiogate, mit dem das Satire-Magazin Titanic der Bild-Zeitung einen gefälschten Mailwechsel zwischen Juso-Chef Kevin Kühnert und einem Russen-Troll unterjubelte, schon fast wieder vergessen ist, befasst sich die Print-Titanic erst in ihrer aktuellen Ausgabe mit dem Coup. Das Protokoll der Satire-Aktion enthält ein paar neue Aspekte.

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Die Titanic hatte der Bild einen gefälschten Mailwechsel zwischen Juso-Chef Kevin Kühnert und einem angeblichen russischen Troll zugespielt. In dem Mailwechsel wird der Anschein erweckt, Kühnert würde auf das Angebot einer verdeckten Online-Kampagne gegen den damaligen SPD-Vorsitzenden Martin Schulz und die SPD-Mitgliederabstimmung zur GroKo eingehen.

Die Bild fabrizierte daraus die Seite-1-Schlagzeile “Neu Schmutzkampagne bei der SPD” und wies im dazugehörigen Text nur beiläufig darauf hin, dass es für die Echtheit der Mails keine Belege gibt. Wie die Titanic nun schreibt, hatte die Redaktion den Mailwechsel zunächst auf der Whistleblower-Seite der Bild (www.wissen-sie-mehr.de) hochgeladen – allerdings ohne Reaktion. Erst als die Titanic einen Bild-Redakteur direkt via Twitter ansprach, kam die Geschichte ins Rollen.

Ursprünglich wollte sich der Bild-Mann mit dem angeblichen Informanten “Christopher” (in Wahrheit Titanic-Redakteur Moritz Hürtgen) vor einer Veröffentlichung persönlich treffen. Doch dazu kam es nicht. Die Bild brachte die “Schmutzkampagne”-Story noch bevor das vereinbarte Treffen stattfand. Grund: Die SPD hatte – von der Bild mit den gefälschten Mails konfrontiert – gegenüber der Zeitung erklärt, Strafanzeige stellen zu wollen. Für die Bild war dies dann Grund genug, die Story zu bringen.

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Nachdem die Titanic den Fake enthüllt hatte, gab Redakteur Hürtgen dem russischen Propagandasender RT ein vielfach kritisiertes Interview zu der Aktion. Im Titanic-Protokoll wird auch dies erwähnt, allerdings sind sich die Satiriker hier keines Fehlers bewusst. Die Titanic schreibt zu dem “herrlichen Satire-Spektakel”:

Andere Journalisten plagen hingegen schlimme Bauchschmerzen: Erst war man überfordert von der Frage, on #miomiogate ein Fake-Fake ist; jetzt wissen einige nach anfänglicher Freude über vermeintlichen Schaden bei der Bild nicht mehr, was es bedeutet, wenn Titanic tatsächlich die Russen ins Spiel bringt. Se fühlen sich um ihr Happy End betrogen. Herrje, es ist alles ach so kompliziert! Wann wird wieder alles so einfach, wie es früher einmal war?

Immerhin für die Titanic gab es offenbar ein “Happy End”. Nach der Enthüllung der Aktion bekam die Redaktion zwei Kisten MioMio Mate Ginger frei Haus.

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