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“Aggressivste Firmen der Geschichte”: Marketing-Guru Scott Galloway kritisiert auf der OMR die US-Tech-Firmen

Scott Galloway: Scharfer Kritiker der großen US-Internetkonzerne
Scott Galloway: Scharfer Kritiker der großen US-Internetkonzerne

Marketing-Guru Scott Galloway wurde als einer der besonderen Gäste auf dem OMR Festival erwartet. Das Wetter in den USA verhinderte seine Anwesenheit in Hamburg. Per Schalte lieferte er dem Publikum dennoch seine pointierten Thesen. Die großen Tech-Unternehmen sollten zerschlagen werden, forderte er. Sie seien zu mächtig.

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Um sechs Uhr morgens US-amerikanischer Zeit saß Scott Galloway in einem Fernsehstudio an der Ostküste und referierte in seinem unterhaltsamen Stil über die Marktmacht von Facebook, Amazon, Apple und Google. Dass er nicht live auf der OMR-Bühne in Hamburg stand, lag an einem schweren Schneesturm in den USA, der einen Flug unmöglich machte. Dies hatte OMR-Festival-Chef Philipp Westermeyer am Donnerstagabend in einer Mail an alle Konferenzteilnehmer mitgeteilt. Gemeinsam mit seinem Team organisierte Westermeyer kurzerhand einen Übertragungswagen, um einen der renommiertesten Gäste der diesjährigen OMR wenigstens auf die Videoleinwände zu bekommen.

“Soziale Medien sind der Sauerstoff von Falschnachrichten”

Während seines rasanten, mit vielen Informationen gespickten Vortrags hangelte sich Galloway an seinen 2016 auf der OMR gemachten Vorhersagen entlang. Zum Beispiel zum Social-Media-Dienst Snapchat, dem er eine schwere Zeit voraussagte. Evan Spiegels Unternehmen, so Galloway, sei mittlerweile von Instagram und damit Facebook in der Kategorie Werbeaufwendungen abgehängt worden. Für 2019 wird Instagram im US-Digitalmarkt seinen Vorsprung gegenüber Snapchat beibehalten. Galloway kam immer wieder auf die großen US-Firmen zu sprechen und erneuerte seine erst kürzlich auf der DLD-Konferenz in München aufgestellte Forderung.

“Big tech should breaken up”: Die Marktmacht der großen US-Tech-Firmen sollte zerschlagen werden. Ein Wettbewerb, wie er in kapitalistischen Systemen grundlegend ist, gebe es gar nicht mehr. Außerdem seien die Netzwerke böse, wie er ironisch bemerkte. “Fake News werden durch soziale Medien gefördert “, sagte er und fügte ein weiteres Statement an: “Soziale Medien sind der Sauerstoff von Falschnachrichten.”

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Was die größte Erfindung im Jahr 2016 gewesen sei, fragte der Marketingprofessor das Publikum. Weder Amazons Echo noch die Apple Watch oder irgendeine andere Erfindung der großen US-Firmen zählten dazu, sondern Russlands trojanisches Pferd, das sie durch Facebook in die USA geschleust haben. “Diese Plattformen können von Dritten als Waffe genutzt werden.”

“Eine der am schlechtesten gemanagten Krisen”

Damit verwies er auf die jüngsten Enthüllungen rund um Facebook und die britischen Datenfirma Cambridge Analytica. Diese Entwicklungen und vor allem das fünftägige Schweigen von Mark Zuckerberg nach Bekanntwerden des Datenlecks hatte der US-Amerikaner erst kürzlich kritisiert. “Das ist eine der am schlechtesten gemanagten Krisen in der modernen Wirtschaftsgeschichte”, sagte er gegenüber dem Fernsehsender CNBC.

Am frühen Morgen hatte Mark Rabkin in seinem Vortrag auf der OMR lediglich kurz über die jüngsten Ereignisse gesprochen. Der Chef der Facebook Ad-Plattform wiederholte die von seinem Chef gemachten Äußerungen, dass man derzeit die Apps auf der Plattform prüfe und es grundlegende Änderungen geben werde. “Wir haben die Nachteile des Netzwerks lange Zeit übersehen und müssen nun das Schlechte minimalisieren.”

Dass sich Facebook weiterhin nicht als Medienunternehmen sieht, sorgt bei Galloway ebenfalls für Kopfschütteln. Es sei offensichtlich ein riesiges Medienunternehmen, betonte er mit viel Leidenschaft und charakterisierte die US-Tech-Firmen wie folgt: “Es sind Wölfe im Schafspelz. Sie sind die dominantesten, aggressivsten Firmen der Geschichte.” Kritik äußerte Galloway indes auch an der staatlichen Regulierung, beispielsweise durch die Europäische Union, die zukünftig gegenüber den großen Unternehmen härter durchgreifen müsse.

Nach Ende der Live-Schalte richtete Philipp Westermeyer einige Worte an das Publikum. “Wir sollten daran denken, dass Galloways Argumente nur eine Seite der Wahrheit abbilden”, erklärte der Festival-Chef. Er habe viele gute Punkte gebracht, betonte er, aber diese hätten Vertreter von Facebook, Google und Co. auch, wenn sie bezüglich ihrer Marktmacht befragt werden würden. “Wir dürfen nicht vergessen, dass Galloway eine Marke für sich ist und seine Thesen stets sehr gut rüberbringt.”

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