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Neues Jugendportal Watson: Ströer rollt den Content-Teppich für die Generation Mobile aus

Macht bei Ströer Journalismus für die Generation Mobile: Watson-Chefredakteurin Gesa Mayr
Macht bei Ströer Journalismus für die Generation Mobile: Watson-Chefredakteurin Gesa Mayr

Watson ist on. Mit der deutschen Variante des ursprünglich aus der Schweiz stammenden Nachrichtenportals stößt ein weiterer Anbieter in den umkämpften Markt der so genannten Jugendportale hinzu. "News ohne Blabla" verspricht das von Ströer platzierte Medium, das vor allem einen großen Konkurrenten hat: Bento von Spiegel Online. Zum Start funktioniert zumindest die Marketing-Maschine bestens.

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Das große W mit dem blauen Unterstrich hatte auf dem Messegelände für Aufmerksamkeit gesorgt: „News ohne Bla Bla“ – für die Gäste des OMR Festivals war dieser Slogan nicht zu übersehen. Zum Start von Watson in Deutschland hat Ströer vor allem eines bewiesen: Die Marketing-Maschine funktioniert. Bereits auf dem Weg zur Messe kündigten die Litfasssäulen und öffentlichen Screens das neue Nachrichtenportal an. Bundesweit bespielte Ströer in den vergangenen Tagen zahlreiche seiner verfügbaren Werbeflächen mit der Ankündigung für Watson. In den Hallen des Hamburger Messegeländes, wo das OMR Festival am Donnerstag startete, zeigte sich ein ähnliches Bild – vor allem rund um den Stand des Konzerns, für den das Geschäft mit journalistischen Inhalten ein vollkommen Neues ist, dominierte eine Marke: Watson. Passend zum Event, bei dem sich die Medien- und Marketingbranche dieser Tage konzentriert, fiel der Startschuss für die deutsche Version des Imports aus der Schweiz.

Mit Watson will Ströer vor allem an die junge Zielgruppe ran. Das Nachrichtenportal stößt damit in den bereits stark umkämpften Markt der so genannten Jugendportale (u.a. Bento, Zett, BuzzFeed, Neon.de) und dient als Erweiterung des Nachrichtenflaggschiffes T-Online, dessen Nutzerschaft ein deutlich höheres Durchschnittsalter aufweisen dürfte. Beim OMR Festival sollte eigentlich Gesa Mayr, Chefredakteurin von Watson Deutschland, auftreten, um ihr Vorhaben und die Strategie des Portals näher zu erklären. Der große Auftritt aber fiel aus – aufgrund des kurzfristig vorgezogenen Starts, wie es schließlich hieß. Mayr blieb beim Team in Berlin.

Das nahm im Laufe des Tages Fahrt auf. Mit einer Redaktionsstärke von 25 Frauen und Männern findet sich die Watson-Redaktion personell gut aufgestellt, übertrifft damit bereits etablierte Portale wie BuzzFeed und kann mit Spiegel Onlines Bento mithalten. Bereits nach wenigen Stunden lief die Inhaltemaschine auf Hochtouren, nach und nach ersetzten eigene Stücke die zu Beginn auf die Seite gestellten Agentur-Meldungen und Textübernahmen der Mutterseite T-Online.

Inhaltlich setzt die Redaktion auf einen soliden Themenmix, der sich im Stil von der Konkurrenz – wenig überraschend und auch nicht notwendig – kaum unterscheidet: Neben dem Top-Thema Facebook bietet das Team am Starttag Stücke unter den Überschriften “Diese Torhüter könnten Manuel Neuer im Notfall ersetzen” (Sport), “‘Keine Panzer mehr für Erdogan’ – 4 Schlagzeilen über die SPD, die wir gerne lesen würden” (Politik), “Alexander ist Autist und findet kein WG-Zimmer – jetzt startet sein Vater einen Aufruf” (Leben) oder “Warum der Bahnstreik in Frankreich dich auch in Deutschland treffen kann” (International). Aufmacher, die sich so auch bei der Konkurrenz finden lassen oder zumindest vermuten ließen – kein Wunder, hat Ströer mit Mayr immerhin eine der verantwortlichen Redakteurinnen des Konkurrenten Bento verpflichtet.

Während sich beim Festival der OMR die Erkenntnisse über eine inhaltliche wie auch strategische Ausrichtung des neuen Portals, das sich an die Zielgruppe der 20- bis 35-Jährigen richtet, aufgrund der Abwesenheit der Chefredakteurin in Grenzen hielten, haben die Ströer-Verantwortlichen in den vergangenen Tagen bereits Vorarbeit geleistet. “Unsere Zielgruppe ist die ‘Generation Mobile’, also die Leute, die mit dem Smartphone und sozialen Medien groß geworden sind”, hatte Marc Schmitz, Geschäftsführer der Ströer Content Group, angekündigt. Michael Wanner, Geschäftsführer des Originals aus der Schweiz, ergänzte: “Unser Erfolgsmodell: Wir sprechen die Sprache der Zielgruppe, die mit Social Media aufgewachsen ist und passen uns den Nutzungsgewohnheiten dieser Generation an. Unser Content ist so aufbereitet, wie es die Generation Social Media gewohnt ist – mit allen Facetten des digitalen Storytelling.”

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Um dem Versprechen nachzukommen, muss nach dem ersten Blick aufs deutsche Produkt jedoch noch ein bisschen etwas geschehen. Nach Tag eins ist Watson.de noch deutlich textlastig unterwegs, zeigt sich vor allem im Storytelling ziemlich monoton – kreative Erzähl-Elemente wie Gifs sind noch nicht wirklich zu finden, implementierte Kachel-Elemente sind nicht teilbar. Wohl nicht zuletzt wegen des Lizenzgeschäfts mit den Watson-Gründern aus der Schweiz finden sich auch in der deutschen Version eher weniger glückliche Verarbeitungen wieder. Ströer hat für den Import Redaktionskonzept, Design und Technologie von watson.ch übernommen. Das hat den Spielraum für Verbesserungen des Produkts womöglich eingegrenzt – so hätte man mit dem Launch in Deutschland beispielsweise Ungereimtheiten im App-Design beheben können. Wie im Schweizer Original zerschiessen die Headlines aber auch in der deutschen App oft die Bilder. Auch der Slogan “News ohne Blabla” ist eher – wie auch in der Schweiz – Marketing-Bla als Programm: Natürlich kommt ein Portal, das sich an eine junge Zielgruppe richtet ohne Unterhaltung (die ebenfalls Teil des Konzeptes ist) nicht aus.

Eine eigene Handschrift aber ist angekündigt. So will Watson Deutschland ein eigenes Kolumnisten- wie auch Influencer-Netzwerk aufbauen und mit den Stars aus dem Internet intensiv kooperieren. Zusammengeschlossen hat man sich deshalb mit dem Network von 2nd Wave, das Influencer wie PietSmiet oder Lefloid unter Vertrag hat. Sie werden für Watson eigene Formate entwickeln. PietSmiet zählt mit seinen Gaming-Videos rund 2,2 Millionen Abonnenten bei YouTube. Er wolle bei Watson „Formate ausprobieren möchte, die mein Team und ich auf YouTube aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung nicht umsetzen können”, erklärte er auf der OMR-Bühne. Eines dieser Formate, so der YouTuber, soll ein Polit-Talk sein, bei dem „ungezwungene Gespräche mit Politikern“ stattfinden.

Um die mittel- bis langfristigen Chancen von Watson Deutschland zu bewerten, ist es wohl noch zu früh. Klar ist, dass das Portal aufgrund der Verwandtschaft von T-Online beste Voraussetzungen mitbringt, um sich am Markt zunächst über Reichweite durchzusetzen. Es liegt nahe, dass die Verantwortlichen um T-Online-Chef Florian Harms die gleiche Strategie verfolgen wie Spiegel Online und Bento. Für das junge Portal war die Einbindung auf der Startseite von Spiegel Online wichtigster Marketingkanal. Auch T-Online bindet Watson-Inhalte in seinem Portal ein.

(tb/ms)

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