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Maschmeyers “Start up”-Show bei Sat.1: Zwischen “Löwen”-Abklatsch und “The Apprentice”-Aufguss skaliert nix

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Carsten Maschmeyer in der Sat.1-Show "Start up!"

Nun hat also auch Sat.1 mit "Start up" eine Show ins Programm genommen, die ein bisschen was vom Erfolg des Vox-Formats "Die Höhle der Löwen" ("DHdL") abbekommen will. Mit Carsten Maschmeyer wurde sogar ein "Löwen"-Juror als Protagonist gewonnen. Was man bei "Start up" aber vor allem lernen kann ist, dass sich der "DHdL"-Erfolg nicht einfach in ein anderes Format übertragen lässt. Die Maschmeyer Solo-Show hatte zeitweise eher den Charakter einer Realsatire.

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Da ist zunächst einmal dieser unangenehm aufdringliche Personenkult rund um Carsten Maschmeyer, der sich hier als eine Art Gottkaiser der Startup-Szene inszenieren lässt. Der Maschmeyer-Tower auf der “Upper West”, nein nicht in New York, sondern im ollen Berlin. Maschmeyer im Privatjet mit Champagner. “Da unten ist Apple”, sagt er im tönenden Trailer vor dem eigentlichen Showstart. Der spätere Sieger der Sendung darf mit Maschi im Jet ins Valley (diesmal ins echte) düsen, Schampus schlabbern und das Apple-Ufo vom Flieger aus dann wohl auch mal von oben knipsen. Lustig ist das Gründer-Leben.

In solchen Sendungen braucht der Gottkaiser stets ein paar Mundschenke, die ihm mit hilfreichen Phrasen zur Seite stehen. Diesmal ist es sein grauköpfiger Finanzchef (“Startup-Unternehmer brauchen drei Dinge: Persönlichkeit, Persönlichkeit und Persönlichkeit.”) und eine Frau mit stechendem Blick und interessanter Stimme, die auf gar nicht mal gute Art an Heidi Klum erinnert und irgendein Kunst-Startup auf die Beine gestellt hat. Dann wäre da noch Matthew Mockridge (Maschi: “Mässjuu…”), ein Spross aus der Mockridge-Family, der als Startup-Visionär eingeführt wird und anscheinend für gute Stimmung sorgen soll. In der Auftaktsendung zeigt er in erster Linie, dass er diverse Hipster-Kopfbedeckungen (Wollmütze, Basecap verkehrt herum) und Bartpflege-Produkte augenscheinlich fehlerfrei bedienen kann.

Den ersten Schreck bekommt man schon, bevor die Show überhaupt losgeht, nämlich wenn man in der Programmzeitschrift liest, dass die ganze Chose von 20.15 Uhr bis 23.30 Uhr geht! Was zur Hölle? Okay, es ist für die Sender ökonomisch vielleicht sinnvoll, teure Shows auszuwalzen (Grüße an “Let’s dance!”) aber denkt irgendjemand auch mal an die armen Zuschauer? Über drei Stunden ist für diese Startup-Sause natürlich viel zu lang. Aber dafür sind es dann auch (mindestens) zwei Shows in einer. Begonnen wird mit “Die Höhle der Löwen” für Arme. In der Humboldt-Uni in Berlin empfängt Team-Maschmeyer die hoffnungsvollen Startup-Aspiranten, die teils mit erschreckend blöden Ideen aufwarten. Da wird ein Zeug präsentiert, das man meint, Maschmeyer wird jetzt gleich mit Reptilien-Gesichtsausdruck einen “Goldenen Scheißhaufen” aus der Jackett-Tasche ziehen. Aber wir sind ja nicht bei “DSDS”.

Am Ende sind 14 Gründer weiter mit teils zweifelhaften Ideen. Zum Beispiel einer Mischung aus Fidget-Spinner und Kugelschreiber oder ein Papp-Trinkbecher mit integrierter Papp-Abdeckung. Die Männerduftkerze mit Räucherspeck-Aroma hat es nicht weiter geschafft. Komisch eigentlich. Bei “DHdL” wäre solcher Tinnef vermutlich nicht in die Sendung gekommen. Aber bei “Start up” stehen auch nicht die Produkte und Ideen im Vordergrund. Ungefähr zur Hälfte der Show ändert sich das Konzept und aus dem “DHdL”-Abklatsch wird ein “The Apprentice”-Aufguss. “The Apprentice” ist die US-Reality-Show, der der amtierende US-Präsident einen Großteil seines Ruhms verdankt und in der hoffnungsvolle Jung-Unternehmer zum Plaisier des Publikums geknechtet wurden. In Deutschland lief das auch mal unter dem Titel “Big Boss” mit Reiner Calmund, der u.a. die zu allem bereite Kandidaten-Ware dazu verdonnerte, Wiener Würstchen zu verkaufen.

Fun-Fact am Rande: Assi von Calli war damals u.a. der damals noch als Wirtschaftsjournalist firmierende Rechtsaußen-Publizist Roland Tichy. The Times they are a changin.

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Bei “Start up” müssen die Kandidaten-Würstchen nun Passanten zu Fotos drängeln und in zwei Teams einen Geld-Einsatz mit einer Stadt-Rundfahrt maximieren. “Es wird um Performance gehen”, sagt Gottkaiser Maschi.

Anschließend Einzelgespräche. Maschmeyers “You are fired!”-Satz lautet hier “Und darum werde ich mit ihnen kein Unternehmen gründen.” Der “The Apprentice”-Teil von “Start up” ist wegen dem Gruppen-Gezicke sogar amüsierlicher anzusehen als die öde erste Hälfte aber viele Zuschauer waren da eh schon weg. In der ersten halben Stunde waren 1,31 Mio. Zuschauer dabei, zwischen 21 Uhr und 21.30 Uhr noch 1,40 Mio., in der letzten halben Stunde von 23 Uhr bis 23.30 Uhr nur noch 710.000. Irgendwann muss man ja auch mal in die Heia.

Warum aber ist “Start up” denn nun eigentlich so viel schlechter als “Die Höhle der Löwen”? Die bisherige Rezension der Sendung mag einige Gründe vage angedeutet haben. Bei “DHdL” geht es aber in erster Linie um die Produkte und Ideen der Gründer. Die Ideen/Produkte sind dabei viel weiter entwickelt als der teils unausgegorene Quatsch aus “Start up”. “DHdL” hat eine klare Struktur: Kandidat stellt sich vor, Bewertung/Gespräch mit der Jury, Entscheidung. Zack. Nächster Kandidat. Am Tag darauf kann man viele der vorgestellten Produkte oft sogar kaufen und ausprobieren. Eine geniale Mischung auch Marketing-Masche und gutem Unterhaltungsfernsehen.

In diesem recht engen konzeptionellen Korsett funktioniert sogar der traditionelle Unsympath Maschmeyer ganz gut. Die Idee, dass er alleine eine solch lange TV-Sendung tragen kann, erweist sich als Irrweg. “Start up” bei Sat.1 wird aller Voraussicht nach keinen Erfolg werden und über die erste, vorproduzierte Staffel nicht hinaus kommen. Um mit “DHdL”-Juror Frank Thelen zu sprechen: Da skaliert nix. Und darum bin ich raus!

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