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Scott Galloway zerlegt Facebook: “Am schlechtesten gemanagte Krise in der modernen Wirtschaftsgeschichte”

Facebook-Chef Mark Zuckerberg
Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Rom brennt, doch der Kaiser schweigt. Das ist das Bild, das Facebook-Chef Mark Zuckerberg in der völlig aus dem Ruder gelaufenen Krise um Cambridge Analytica abgibt. Das desaströse Krisenmanagement hat Facebook noch weitaus mehr geschadet als die Datenaffäre selbst, glaubt Marketing-Professor Scott Galloway. Der Bestseller-Autor ("The Four") schilt vor allem die Führung des Social Network: „Zuckerberg und Sandberg haben sich in die Höhlen von Kandahar zurückgezogen."

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Tag fünf nach den bahnbrechenden Enthüllungen im Cambridge Analytica-Skandal – und immer noch kein Lebenszeichen von Mark Zuckerberg. Was in den vergangenen 96 Stunden passierte ist, klingt nach einer Netflix-Desaster-Doku:

• Facebook erfährt von der Guardian-Enthüllung und versucht die Veröffentlichung mit rechtlichen Schritten zu stoppen.
• Facebook schickt seinen längst zurückgetretenen Sicherheitschef  Alex Stamos auf Twitter mit ein paar Tweets vor, die das Social Network reinwaschen sollen: Ein Datenleck gäbe es nicht, die Cambridge Analytica sind ausschließlich die Bösen, Facebook das Opfer. Stunden später verschwinden die Tweets wieder.
• Das Konto des Whistleblowers Christopher Wylie wird gesperrt.
• Facebook engagiert am Montag ein externes Sicherheitsteam, das am Montag im Büro von Cambridge Analytica aufschlug, um Beweise zu sichern – nur um durch Intervention der britischen Datenschutzbehörde zurückgepfiffen zu werden.
• Unterdessen ringt sich der Internetgigant doch noch zu einer Erklärung durch – und verfiel reflexartig in die Opferrolle (“Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden”)
• In der Zwischenzeit kündigten die US-Verbraucherbehörde FTC und die EU Ermittlungen an, während US-Investoren das Social Network verklagen.
• Facebook verliert in der Folge an der Wall Street über 50 Milliarden Dollar an Börsenwert.

Das Facebook-Imperium brennt, doch der Kaiser zog es vor zu schweigen

Selbst für eine Desaster-Doku über ein aus den Fugen geratenes 10-Mann-Start-up fünf Tage vor der Zahlungsunfähigkeit würde der Plot wohl zu konstruiert erscheinen. Allein: Es ist keine Fiktion, sondern die Realität des immer noch siebtwertvollsten Konzerns der Welt, einem 500 Milliarden Dollar schweren Koloss der im vergangenen Geschäftsjahr 40 Milliarden Dollar umsetzte und per Ende 2017 über 25.000 Mitarbeiter beschäftigte.

Doch nicht einmal vor die eigenen Leute traut sich der völlig verunsicherte Konzernchef mehr. Wie ein verängstigter Hund mied Zuckerberg gestern das eilig einberufene Town Hall Meeting – was in der Belegschaft gar nicht gut ankam, wie Business Insider berichtet. Entsprechend vernichtend fällt die Kritik an Facebooks Krisenmanagement durch eine der markantesten Stimmen der Internetbranche aus.

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„Zuckerberg und Sandberg haben sich in die Höhlen von Kandahar zurückgezogen“, watschte Marketing-Professor Scott Galloway die beiden Führungsfiguren des Social Networks gnadenlos beim Finanznachrichtensender CNBC ab. Sein Urteil: „Das ist eine der am schlechtesten gemanagten Krisen in der modernen Wirtschaftsgeschichte.“

Schließlich müssen Mark Zuckerberg und seine Berater erkannt haben, dass man einen unglückseligen CEO trotzdem nicht ewig verstecken kann. In den nächsten 24 Stunden soll nun ein Statement Zuckerbergs folgen, heißt es. Das kommt jedoch 120 Stunden zu spät…

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