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Börsenwert bricht um 40 Milliarden Dollar ein: Warum der Cambridge Analytica-Skandal Facebook so schwer beschädigt

Cambridge Analytica-Chef Alexander Nix und Facebook-Boss Mark Zuckerberg
Cambridge Analytica-Chef Alexander Nix und Facebook-Boss Mark Zuckerberg

Schwerer Wirkungstreffer für Facebook: Monatelang schien die Kritik am weltgrößten Social Network zumindest an der Wall Street abzuprallen, doch die Enthüllungen über den Cambridge Analytica-Datenskandal ändern alles. Fast 40 Milliarden Dollar an Börsenwert verlor der nun nur noch viertwertvollste Internetkonzern gestern im Zuge des Kursrutsches von knapp 7 Prozent. Analysten befürchten, dass die Risiken eines regulatorischen Eingriffs durch den Vorfall gestiegen seien.

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Es geht gut, bis es schiefgeht. 14 Jahre seines Unternehmenslebens ging Mark Zuckerbergs Maxime „Move fast and break things“ auf. Dass sein 500 Milliarden Dollar schweres Facebook-Imperium darauf basiert, als 19-jähriger Student mal eben den Auftrag von Kommilitonen zu seiner eigenen Geschäftsidee zu machen – fast vergessen.

Die Wette ging schließlich auf. Zuckerbergs Aufstieg mit Facebook war im digitalen Hochgeschwindigkeitszeitalter von einem jahrelangen Rechtsstreit, der in einer Vergleichszahlung von 65 Millionen Dollar endete, nicht mehr aufzuhalten. „Mark Zuckerberg ist komplett skrupellos, ohne ein Fünkchen Moral und bereit, alles zu tun, um jemanden zu bescheißen“, wetterten die ausgebooteten Winklevoss-Brüder später über ihren Ex-Kommilitonen.

Entsprechend düster fiel das Hollywood-Porträt von Zuckerberg im Kassenschlager  „The Social Network“ aus: „Der Film zeigt Zuckerberg als unsicheren Mistkerl, der Leute übers Ohr haut, um ein viel reicherer, unsichererer Mistkerl zu werden“, watschte das TechBlog AllThingsD den Facebook-Chef vor rund sieben Jahren ab.

Der Zweck heiligte für Mark Zuckerberg die Mittel

Wie ein verzogenes Wunderkind hatte Zuckerberg die Maxime seines frühen Erfolgs zum Motto seines Unternehmens erhoben: Der Zweck heiligte für Zuckerberg die Mittel. Es war o.k., an den Profileinstellungen so lange herumzutricksen, bis am Ende kein Nutzer mehr verstand, was er eigentlich teilte.

Es war o.k., am Newsfeed-Algorithmus so lange herumzuschrauben, bis die Unternehmensposts immer weniger sichtbar waren, weil Unternehmen nun mehr Sponsored Posts buchen mussten. Es war nicht wirklich o.k., dass hochsensible Daten von Drittanbietern abgefischt werden konnten – aber solange niemand davon etwas mitbekam, who cares?

Alles das schien o.k., weil das Geschäftsgebaren Facebook zu einem 550 Milliarden Dollar schweren Koloss gemacht hatte, zum drittwertvollsten Internetkonzern und zum fünftwertvollsten Unternehmen der Welt. Alles schien für Mark Zuckerberg möglich, sogar die Präsidentschaft. Doch dann kam die US-Wahl 2016 – und mit ihr Donald Trump.

“Facebook ist in ernsthaften Schwierigkeiten – die Abwärtsspirale hat begonnen”

In den vergangenen Monaten hat Konzernchef Zuckerberg für Facebooks Rolle bei der US-Wahl, der Verbreitung von Fake News und der möglichen Spaltung der Gesellschaft immer wieder kräftigen Gegenwind bekommen – zuletzt sogar mehrfach von eigenen Mitarbeitern.

Zu spät erkannte Zuckerberg, dass er mit Facebook ein Monster geschaffen hatte – maßgeblich durch die von ihm vorgelebte Geschäftskultur des Gewinnens um jeden Preis. Diese Vergangenheit hat Zuckerberg in den vergangenen 18 Monaten mehr und mehr eingeholt.  „Facebook ist in ernsthaften Schwierigkeiten – die Abwärtsspirale hat begonnen“, sagte der gut vernetzte Techreporter Nick Bilton von Vanity Fair bereits vor Monaten eine Zeitenwende voraus.

Dabei sah es zunächst nach business as usual aus: Es schien, als würde der 70-fache Milliardär wie immer in der Vergangenheit mit seinen leicht zu durchschauenden PR-Stunts, die selbst sein ehemaliger Mentor Roger McNamee „unehrlich“ nennt, wieder einmal davonkommen. Ein paar demütige Status Updates und Schwamm drüber, so das Kalkül in Menlo Park.

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Dramatischer Kurseinbruch radiert 40 Milliarden Dollar Börsenwert aus

Die Wall Street und die Marketingindustrie hatte Zuckerberg weiter geschlossen auf seiner Seite: Wohin sollten die Werbemilliarden auch fließen, wenn nicht zum Branchenprimus, ein paar markige Worte von Unilever Marketing-Chef hin oder her. Hunde, die bellen, beißen schließlich nicht.

Doch dann kam der Datenskandal von Cambridge Analytica, der buchstäblich alles verändert, wie die Reaktion der Wall Street beweist, die seismografisch die Zukunftsperspektiven eines Unternehmens bewertet. So massiv wie seit Jahren nicht mehr kam die Facebook-Aktie gestern in Reaktion auf die Cambridge Analytica-Enthüllungen unter Druck.

Um knapp 7 Prozent bzw. 12,50 Dollar stürzten Anteilsscheine des 14 Jahre alten Internetunternehmens gestern an der Technologiebörse Nasdaq ab – nachbörslich ging es weiter auf 170 Dollar nach unten.

Das Ausmaß des Kurssturzes ist nicht weniger als dramatisch: Knapp 40 Milliarden Dollar an Börsenwert gingen binnen sechseinhalb Stunden an der Börse verloren – Platz fünf im Börsenranking zudem. In einer symbolträchtigen Wachablösung wurde Facebook an der Börse von Tencent überholt – dem wertvollsten Internetkonzern Chinas.

Verschärfte regulatorische Beobachtung möglich

Analysten, die Facebook in den vergangenen Monaten immer wieder gegen die scharfe Medienkritik verteidigt hatten, äußern sich plötzlich weitaus verhaltener gegenüber dem weltgrößten Social Network, weil die Risiken eines regulatorischen Eingriffs von staatlicher Seite, den Marketing-Professor Scott Galloway seit Monaten prognostiziert, durch den Datenskandal von Cambridge Analytica erheblich gestiegen seien.

„Die Episode dürfte Facebook PR-seitig ein weiteres, aber diesmal ernsthafteres blaues Auge bescheren und könnte zu verschärfter regulatorischer Beobachtung führen“, schreibt Wells Fargo Analyst Peter Stabler in einer Research-Note, die dem Finanzportal Marketwatch vorliegt.

GBH Insights-Analyst Daniel Ives rechnet als Konsequenz in den nächsten 12 bis 18 Monaten mit weiteren Anpassungen im Newsfeed und dem Werbe-Geschäftsmodell. Stifel-Analyst Scott Devitt befürchtet unterdessen, dass Facebooks Maßnahmen „ultimativ zu einem geringeren Engagement und negativen Einflüssen für die Monetarisierung führen könnten.“

Für Brian Wieser von der Pivotal Research Group, die eine Verkaufsempfehlung für die Aktie ausspricht, ist der Cambridge Analytica-Datenskandal ein weiteres Indiz für das Systemproblem von Facebook. Auch wenn sich Werbekunden nicht sofort abwenden würden, bestehe nun ein erhebliches Risiko für verschärfte regulatorische Eingriffe, die Marketer verschrecken könnten.

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