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Wochenrückblick: Aufregung um einen Kuss von Katy Perry und die Königspudel des Dr. Döpfner

Des Königspudels Kern, Kuss-Monster Katy, die Schrumpel-Zeit und Islam-Provo Horst
Des Königspudels Kern, Kuss-Monster Katy, die Schrumpel-Zeit und Islam-Provo Horst

Katy Perry hat bei "American Idol" einen 19-Jährigen mit einem Kuss überrumpelt und schon ist sie "Katy Weinstein". Horst Seehofer gibt medial wirksam den Islam-Provo. Die Zeit ist auf Schrumpf-Kurs und Doktor Döpfner erzählt über seine Königspudel. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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She kissed a boy and he didn’t like it! Die Verballhornung von Katy Perrys erstem großen Hit (“I kissed a girl and I liked it”) lag nach dieser Kuss-Kiste natürlich auf der Hand. Was war passiert: Pop-Sängerin Katy Perry hat in der US-Show “American Idol” (Vorbild von “DSDS”) als Jury-Mitglied einem 19-jährigen Kandidaten ein Bussi gegeben. Bussi? Klingt blöd. Aber sorry, ich kann es nicht anders beschreiben. Schauen Sie sich bitte diesen Original-Ausschnitt aus der Sendung mal an:

Der junge Mann redet davon, dass er noch nie ein Mädchen geküsst hat und Katy Perry fordert ihn auf, vorzutreten. Es ist allen, auch dem jungen Mann, offensichtlich klar, dass sie das ändern will. Er küsst sie zuerst schüchtern auf die Wange. Katy Perry beschwert sich, dass es da noch nicht mal einen “Smoosh Sound” gegeben habe und hält ihm die Wange nochmal hin. Er will sie erneut auf die Wange küssen nur diesmal dreht sie schnell den Kopf und küsst ihn kurz auf den Mund. Er ist überrumpelt und stolpert, alle lachen. “Katy!” ruft der junge Mann lachend. Dann fragt er noch “how was it?” Traumatisiert wirkt er dabei nicht, jedenfalls vermag ich das nicht zu erkennen. Die Sache wurde anschließend zum großen Hysterie-Tribunal in den sozialen und sonstigen Medien hochgejazzt. Vergleiche mit dem Fall Harvey Weinstein (bei dem es um Vorwürfe der Vergewaltigung geht!) wurden gezogen. Es war die Rede vom “sexual aussault”.

Vergleichen Sie doch mal en oben eingebundenen Ausschnitt mit dem, was zum Beispiel das notorisch aufgekratzte US-Medium “Now this” daraus macht:

Katy Perrys Kuss-Attacke mag vielleicht unpassend gewesen sein aber “Katy Weinstein” – bitte mal halblang machen!

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Im Erregungsmodus war das so genannte soziale Netz auch wegen einer Interview-Aussage unseres Heimatministers Horst Seehofer in der Bild. Dort sagte er “der Islam gehört nicht zu Deutschland.” Bzw. vollständig sagte er:

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Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Deutschland ist durch das Christentum geprägt. Dazu gehören der freie Sonntag, kirchliche Feiertage und Rituale wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Die bei uns lebenden Muslime gehören aber selbstverständlich zu Deutschland. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir deswegen aus falscher Rücksichtnahme unsere landestypischen Traditionen und Gebräuche aufgeben.

Das ist sinngemäß in etwa dasselbe, was schon Ex-Bundespräsident Joachim Gauck 2012 in einem Interview mit der Zeit sagte. Bezogen auf den Ausspruch seines Amtsvorgängers Christian Wulff, der Islam gehöre zu Deutschland, sagt Gauck damals, er könne diesen Satz so nicht übernehmen: “Ich hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland.”

Jetzt sagt der Horst also etwas ganz Ähnliches und Riesen-Aufregung, Katastrophe, Untergang des Abendlandes usw. Sogar die Kanzlerin greift ein und erklärt, dass Muslime zu Deutschland gehören und damit auch der Islam. Dass Muslime zu Deutschland gehören, ist ja selbstverständlich. Was Seehofer meint, wenn er die hier lebenden Muslime vom “dem Islam” abgrenzt ist vermutlich der politische Islam. Da hätte er sich präziser ausdrücken können. Aber mei, in Bayern ist halt bald Landtagswahl. Die Republik ist von 2012 bis heute jedenfalls nicht weniger nervös geworden. Eher im Gegenteil.

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Zu entspannteren Themen: Die Zeit hat ausgewählten Abonnenten eine Test-Ausgabe im verkleinerten Format mit der Bitte um Feedback zugeschickt. Chefredakteur Giovanni di Lorenzo ließ im vergangenen Herbst schon einmal eine Schrumpf-Zeit beim so genannten Leser-Parlament antesten. Die Ergebnisse damals waren wohl in Summe positiv gegenüber dem kleineren Format und auch jetzt finden sich Stimmen, die eine verkleinerte Zeit begrüßen würden.

Ich bin der Meinung, dass dies ein Holzweg wäre. Natürlich wäre eine handlichere Zeitung praktischer und der Verlag würde womöglich Druck- und Papierkosten sparen. Aber das Praktische war eben auch schon immer der Feind des Schönen. Stapelbare Plastikstühle für den Garten sind auch praktisch. Aber schön? Für mich macht das Großformatige, altbacken Unhandliche einen Teil des Charmes einer gedruckten Zeitung aus. Mit einem handlicheren Format, würde sich eine Zeitung wie die Zeitung nicht nur optisch kleiner machen. Ich bin gespannt, welchen Weg die Zeit wählt.

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Bei Axel Springer sind sie nicht nur auf diesen Podcast-Trichter gekommen, sondern auch auf den Hund. Erster Gesprächspartner des neuen Springer-Corporate-Podcasts “Inside Pod” war CEO Mathias Döpfner, von dem gleich zu Beginn des Gesprächs zu erfahren war, dass er nicht nur einen, sondern zwei Hunde besitzt. Die beiden Königspudel (natürlich) hören auf die Namen Plisch und Plum – nach dem beliebten Hunde-Gedicht von Wilhelm Busch. Döpfner musste die beiden kapitalen Viecher neulich sogar mit ins Büro bringen, was aber kein Problem war, da er als Hundefreund ausdrücklich Vierbeiner im Haus gestattet. Die Hündischen brauchen dann nur einen Hundeausweis, damit nicht jeder dahergelaufene Straßenköter in die Kantine trabt. Ordnung muss sein. Ich frage mich: Haben die Hunde-Hausausweise bei Springer auch Lichtbilder? Bitte um Foto-Belege!

Schönes Wochenende!

PS: In der aktuellen Folge des Podcasts “Die Medien-Woche” spreche ich mit Christian Meier von der Welt mit taz-Chefredakteur Georg Löwisch über die Zukunft seiner Zeitung. Außerdem bequatschen wir die Premiere von “Late Night Berlin” und es gibt eine Schalte nach Texas mit der Bilanz zur SXSW. Viel Spaß beim Reinhören!

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