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Di Lorenzo schrumpft sein Blatt – zumindest testweise: Zeit überrascht Abonnenten mit Tabloid-Ausgabe

Leser, er hat die Wochenzeitung geschrumpft: Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo
Leser, er hat die Wochenzeitung geschrumpft: Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo

Beim großen Lesertreffen “Tag der Zeit” überraschte Chefredakteur Giovanni di Lorenzo die Anwesenden im Oktober 2017 mit der Präsentation eines Dummys für eine geschrumpfte Tabloid-Ausgabe. Jetzt gehen die Hamburger den nächsten Schritt hin zu einer möglichen Format-Revolution. Ausgewählte Abonnenten erhielten am gestrigen Mittwoch eine erste Testausgabe mit der Bitte um Feedback. MEEDIA liegt eine solche Nullnummer vor, die vor allem mit einem schlauen Titelumschlag überrascht.

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Die Reaktionen im Herbst des vergangenen Jahres waren eindeutig. Die Wochenzeitung hatte zum “Tag der Zeit” in die Uni Hamburg geladen. Höhepunkt des Events war das große Leser-Parlament im Audimax der Hochschule. Während dieser launigen Aussprache zwischen Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und seinen Abonnenten, griff der Blattmacher auf einmal in seine Tasche und holte zwei Ausgaben hervor, die “es so noch gar nicht gibt”, wie MEEDIA damals berichtete.

Bereits im Oktober 2017 präsentierte di Lorenzo die “Heftrevolution”

Di Lorenzo präsentierte eine Tabloid-Version seines Blattes. Auf Cover war Angela Merkel zu sehen. Die Zeile lautet: “Was für ein Jahr!”. Die anwesenden Leser schienen begeistert und votierten mit großer Mehrheit für die “Heftrevolution”.

Damals fragte MEEDIA nach, wie konkret die Format-Pläne sind. Antwort:

Wir beschäftigen uns seit einiger Zeit damit, wie wir die Beziehung zu unseren Lesern intensivieren können. Uns interessiert natürlich auch, welche Wünsche die Leser an die Zeit haben. Dazu hat Giovanni di Lorenzo im Leserparlament auch die Abonnenten direkt befragt, u. a. ob sie für eine Formatveränderung wären. Wir sind noch in einer frühen Testphase, es ist nichts entschieden.

Am gestrigen Mittwoch folgte nun der nächste Schritt. In den Briefkästen ausgewählter Abonnenten steckte eine kleine Überraschung. Via E-Mail informierte sie die ForschungsWerk GmbH im Auftrag der Zeit:

Schon heute erhalten Sie per Post oder Zeitungszustellung eine Ausgabe der ZEIT in einem möglichen neuen Format. Damit Sie diese besondere ZEIT mit der ZEIT aus dieser Woche vergleichen können, erhalten Sie morgen – passend zum Erscheinungstag der neuesten Ausgabe – ebenfalls per E-Mail einen Link zu unserer Online-Befragung. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns dann mitteilen, in welchem Zustand die besondere ZEIT bei Ihnen angekommen ist und was Ihnen aufgefallen ist.

Zudem bitten die Forscher darum “vertrauensvoll mit der Ausgabe umzugehen und diese nach dem Ausfüllen der Umfrage zu entsorgen”. Ein weiterer entscheidender Satz der Mail lautet: “Ob und wann dieses neue Format der Zeit eingeführt wird, steht noch nicht fest.”

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Beim ersten Blick dürften die meisten Tester wohl erst einmal staunen, denn die Tabloid-Zeit sieht tatsächlich sehr magazinig aus, zudem überrascht sie mit einer schlauen Cover-Lösung. Die Titelseite funktioniert nämlich auch als Umschlag-Mappe für alle Zeitungsbücher, bei denen jeweils zwei Ressorts zusammengefasst sind. In der Test-Version besteht die Zeit aus dem Büchern Politik & Titelthema, Wissen & Dossier, Wirtschaft & Chance und Feuilleton & Entdecken.

Die Titelseite der Tabloid-Zeit fungiert gleichzeitig auch als Mappe für die einzelnen Ressort-Bücher

Das Gesamtpaket umfasst 148 Seiten und ist trotz des halben Formates noch immer ein ganz schön dickes Ding. Beim Lesen der Testausgabe dürften die meisten Abonnenten jedoch ein gehöriges Déjà-vu erfahren. Denn alle Inhalte stammen aus dem Herbst des vergangenen Jahres. Als Datum steht über allen Stories 23. November 2017. Das beigelegte Zeit Magazin stammt gar aus dem Oktober.

In der Theorie könnten sowohl Leser, wie auch Geldbeutel des Verlages von der Umstellung profitieren. Die Leser hätten es auf einmal mit einer wesentlich handlicheren Wochenzeitung zu tun, während der Verlag einiges Druck- und Papier-Kosten sparen würde. Gerade Papier ist derzeit erheblichen Preissteigerungen unterworfen. Andererseits würde eine solche auch erst einmal hohe Investitionen in neue Drucktechniken bedeuten.

Die Titelseite der Tabloid-Test-Ausgabe

Andererseits zieht die Zeit auch einen Teil ihres Images aus dem Überformat und der großen Menge an unhandlicher Papiermasse aus der jede Ausgabe besteht. Das ganze Produkt schreit dem Käufer förmlich entgegen: Hier bekommst Du eine ganz dicke Packung bester Informationsware. Immerhin soll eine wöchentliche Ausgabe in etwa so viele Wörter umfassen wie ein dicker Roman von Thomas Mann.

Ob und wann eine zumindest im Format geschrumpfte Zeit kommt, scheint derzeit noch völlig offen. Auf MEEDIA-Anfrage teilte der Verlag diesmal Ähnliches mit wie vor einem halben Jahr: “Wir möchten Die Zeit gerne beständig weiterentwickeln, um den sich wandelnden Bedürfnissen unserer Leserinnen und Leser gerecht zu werden. Deshalb führen wir derzeit eine umfassende Leserstudie durch, auch zu einer eventuellen Formatveränderung. Wir sind jedoch noch in einer Testphase, in der nichts entschieden ist.“

Neben den Lesern dürften wohl auch die Vermarktungsabteilung, die Agenturen und Werbekunden ein Wörtchen mitreden. Denn auch auf die Werbewirkung der Anzeigen hätten haptische und formative Veränderungen immense Auswirkungen. Wie auch immer die Entscheidung der Verlagsmanager ausfällt. Bis es tatsächlich zur Format-Revolution kommen könnte und eine geschrumpfte Zeit an den Kiosken und in den Postkästen liegt, würde es noch einige Monate dauern. Mutmaßlich läge ein solcher Termin erst im kommenden Jahr.

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Alle Kommentare

  1. Schrumpfen bis zur Unleserlichkeit stünde diesem Blatt auch besser zur Gesicht.
    Von der objektiven, wahrheitsgemäßen Information des Lesers ganz zu schweigen

  2. Schrumpfen, warum Schrumpfen? DER ZEIT ging es noch nie so gut wie heute.

    Das Blatt hat eine unerschütterliche Stammleserschaft, die dem Blatt selbst dann noch geschlossen die Treue halten wird, wenn di Lorenzo das Kalifat für Deutschland fordert. Da bin ich mir sicher. Ich meine, ich bin mir sicher, dass di Lorenzo es eines Tages fordern wird und ich bin mir auch sicher was die Treue der Leser betrifft.

    1. Vom Briefkasten ungelesen direkt neben das Scheisshaus. Dort stört eben das große Format, auch wenn der Inhalt der Umgebung angemessen erscheint. Immerhin vergisst man nach dem Abgang den Vorsatz der Abokündigung.

      1. Sie kennen sich sehr gut aus in der Fäkalienecke. Ob das eher kein Zufall ist? Jeder, wo er zu Hause ist.

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