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UKW-Radios vor dem Aus? Beirat der Netzagentur fürchtet um Zukunft des Antennen-Marktes

Ungewisse Zukunft: Auch UKW-Sendeantennen auf Fernsehtürmen könnten bald keine Signale mehr ausstrahlen
Ungewisse Zukunft: Auch UKW-Sendeantennen auf Fernsehtürmen könnten bald keine Signale mehr ausstrahlen

Erst hatte der Gesetzgeber den Markt der UKW-Infrastruktur für Wettbewerber geöffnet, jetzt sorgt sich der Beirat des Netzagentur nach dem Verkauf der Antennen an Finanzunternehmen und Übertragungs-Dienstleister um die Zukunft des Segments. Denn das von hochkarätigen Politikern besetzte Beratungsgremium sieht die wirtschaftliche Existenz vieler Marktteilnehmer bedroht.

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Im Dezember vergangenen Jahres hatte sich Media Broadcast (MB) von allen UKW-Sendeantennen getrennt. Ob Übertragungsdienstleister oder Finanzunternehmen – eine Vielzahl von Gesellschaften erwarb die Antennen-Infrastruktur von der Kölner Freenet-Tochter. Die Gesellschaft hatte sich hiervon aus strategischen Gründen getrennt. Anlass hierfür war vor allem die veränderte Konkurrenzsituation. Denn jahrelang befand sich der Dienstleister als Quasi-Monopolist in einer komfortablen Lage. Als jedoch 2012 das Telekommunikationsgesetz geändert wird und die restriktive Vergabe von Sendelizenzen endet, öffnet sich die Branche. Erstmals treten Wettbewerber auf den Markt – darunter der Düsseldorfer Dienstleister uplink Network.

Jetzt treibt der gewollte Öffnung und der Verkauf der UKW-Radioantennen an diverse Unternehmen dem Beitrat der Bundesnetzagentur die Sorgenfalten ins Gesicht. Denn die Ziele der Regulierung drohen „ins Leere zu laufen“, stellt dieser jetzt fest. Der Grund: die neuen Eigentümer der UKW-Antennen sollen Preise aufgerufen haben, die „deutlich über dem bisherigen Niveau“ liegen. Einigen sich die neuen Inhaber der UKW-Antennen nicht bei der Preisgestaltung, könnten die UKW-Stationen und die neu auf den Markt getretenen Übertragungsdienstleister vor dem Aus stehen. Wörtlich. „Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, steht die Weiterverbreitung der Signale beziehungsweise die wirtschaftliche Existenz der Wettbewerbsunternehmen und damit auch der Erfolg des bisherigen Regulierungsregimes in Frage“, betont der Beirat. In diesem Fall könnte Media Broadcast „wieder konkurrenzloser Betreiber“ werden – sprich Wettbewerber wie Uplink Network gerieten hierdurch in die Bredouille.

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Der Beirat fordert deshalb die Bundesnetzagentur auf, die „bereits begonnenen Gespräche mit den Beteiligten mit Hochdruck fortzusetzen“, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Der Druck auf die Netzagentur ist groß. Denn die Mahnung des Beirats hat Gewicht, zudem ist er prominent besetzt. Das Beratungsgremium besteht aus 16 Mitgliedern des Bundestags und 16 Vertretern des Bundesrats. Zum neuen Vorsitzenden des Beirats wurde vor Kurzem Joachim Pfeiffer ernannt. Er ist seit 2014 wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Sein Stellvertreter ist Olaf Lies, Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz in Niedersachsen.

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Alle Kommentare

  1. Das treibt mir glatt das Grinsen ins Gesicht, denn zum Käufer heißt es: “Neuer Eigentümer ist die Kölner Milaco GmbH, die bisher im Rundfunk-Geschäft keinen Namen hatte, die über keine Homepage verfügt und von der man weder im Netz noch im Telefonbuch eine Nummer findet. Laut Eintrag im Handelsregister beschäftigte sich die Firma bisher vorwiegend mit Finanzdienstleistungen.”
    ……tja und jetzt will da wohl jemand richtig cash machen…..nur mal so eine Vermutung.

  2. Ich halte grundsätzlich einen freien Markt mit Wettbewerb bei vielen Szenarien für die beste Möglichkeit, optimale Lösungen, optimale Preis-Leistung bzw. maximale Innovation zu erzielen. Bei vielen anderen Szenarien jedoch versagt der freie Markt, z.B. Eisenbahn, Strom-, Wasser-, o.ä. Grundversorgung haben sehr hohe Investitionskosten, parallele Strukturen für Wettbewerb lohnen sich nicht.

    Das moderne, kurzfristige Denken wie bei börsennotierten Unternehmen führt in die Katastrophe, siehe Railtrack, Thames Water, Deutsche Bahn, etc. Finanzhaie haben bei vielen Beispielen kurzfristig große Gewinne eingefahren, nach massiven Problemen bleibt nur die öffentliche Hand, um den aufgelaufenen Investitionsstau aufzulösen.

    UKW-Sendestationen sind zum Glück nicht mehr Engpass für Radiosender, die Verbreitung über das Internet als webradio ist eine wachsende Alternative. Aus diesem Grund hoffe ich, dass hier die Anbieter und Zuhoerer gewinnen und die Glücksritter, die eine weitere Runde des großen Abzockens versucht haben, baden gehen.

  3. Das ist wieder einmal typisch für die freie Marktwirtschaft.
    Erst wir man durch die Diesel-Affäre praktisch enteignet. – Jetzt wird man wieder einmal enteignet: im Auto hat man keinen Radio-Empfang, die Radio-Geräte im Haushalt werden praktisch nutzlos.
    Ich bin Rentner und werde mich nie mit dem Internet-Radio anfreunden können.
    Ich frage mich nur, wofür bezahle ich Rundfunkgebühren.
    Da ich an der tschechischen Grenze wohne, kann ich dann immer noch den CR-Rundfunk empfangen (ein Trost !)

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