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Pressetext aus der Phrasenhölle: die maßlos überdrehte Selbstdarstellung des neuen Edel-Edekas “The Crown”

“The Crown”: In einem alten Kaufhof-Gebäude entsteht in Düsseldorf gerade ein neuer Gourmet-Tempel
"The Crown": In einem alten Kaufhof-Gebäude entsteht in Düsseldorf gerade ein neuer Gourmet-Tempel

In Düsseldorf macht Edeka gerade aus einem alten Kaufhof-Betonbunker mit "The Crown" einen der größten Gourmet-Tempel Deutschlands. Die dazugehörige Meldung in eigener Sache liest sich allerdings wie aus dem siebten Kreis der Phrasenhölle. Der Eröffnungstermin des “Schlemmer-Schlaraffenlands”, des “Glaspalastes beispielloser Strahlkraft” soll noch im März sein. Oder wie der Autor schreiben würden: “Guten Morgen, übermorgen!”

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Die Fakten an sich sind schon einmal interessant. In der ehemaligen Kaufhof-Filiale an der Berliner Allee in der südlichen Düsseldorfer Innenstadt entsteht ein Shopping-Glaspalast mit dem pompösen Namen “The Crown”. Ankermieter wird der Edeka-Händler Zurheide. Die Feinkost-Spezialisten planen, auf zwei Etagen und rund 10.000 Quadratmetern einen riesigen Gourmet-Tempel zu errichten, bei dem zahlreiche Gastro-Inseln jeweils ein besonderes Schlemmer-Erlebnis versprechen. Insgesamt sollen rund 200 Mitarbeiter in Vollzeit beschäftigt werden.

Alleine diese Fakten reichten bislang für eine recht positive und umfassende Berichterstattung der Regionalpresse. Ende Januar gingen die Lebensmittelhändler so richtig in die vollen und veröffentlichten eine Meldung in eigener Sache, die komplett gegen eine der wichtigsten Gourmet-Regeln verstößt, die da heißt: niemals von allem zuviel.

Bereits der Einstieg macht klar, wohin die Text-Reise geht: in die Zukunft. Denn: “In den Mega-Märkten von Zurheide ticken die Uhren anders. Sie gehen stets ein wenig vor.”

Der Umbau des alten Warenhauses liest sich dann so:

Wie ein Phönix wird die neue Dependance im März aus dem Bauschutt des alten Kaufhofes steigen, der für diesen Zweck rekultiviert wurde – in ein 12.000 Quadratmeter großes Schlemmer-Schlaraffenland.

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Falls Sie sich fragen, wie wohl so ein Supermarkt der Zukunft genau aussieht. Hier die Antwort: “Den Masterplan für den Supermarkt der Zukunft hat die Natur selbst erstellt. Er ist zugleich Bauplan für unseren Traum von einer besseren Welt.” Was dann folgt ein kleiner Exkurs über feine Sensoren, Photovoltaik-Anlagen, Solarstrom und Regenwasser.

Was können wir also nun ganz genau erwarten? Das Fazit lautet: “Es ist einfacher, alles vielfach besser als nur eine Nuance besser zu machen. Denn wer sich nur in Trippelschritten vorwärtsbewegt, kommt nie auf eine radikal bessere Idee. Im Schulterschluss mit unseren Kunden können wir den Raum des Machbaren neu vermessen und mit etwas Glück sogar punktgenau in der Wirklichkeit landen.”

Die Kommunikation zum neuen Schlemmer-Markt ging jedenfalls schon einmal punktgenau daneben. Tatsächlich liest sie sich fast schon wie der Gewinnerbeitrag der Weltmeisterschaft in Bullshitbingo.

Das Posting wurde bereits Ende Januar im Blog von Zurheide Feine Kost veröffentlicht. Jetzt erst, kurz vor der geplanten Eröffnung zieht das Posting virale Kreise. Digitalberater Thomas Knüwer kommentiert erbost: “Bisher war ich gespannt auf die Eröffnung des Edeka Zurheide – aber wer mit solchen bekoksten PR-Texten arbeitet, kann auf mein Geld warten.” Carmen Hillebrand fasste den Text als “selbst-verliebt krönende Hybris aka Edeka” zusammen und ein Kommentator merkt an: “ Dagegen war ja eine Parteitagsrede von Erich ein kritisches Manifest. Es ist so absurd, dass es schon wieder lustig ist.”

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