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Klaas Heufer-Umlauf über seine neue Late-Night-Show: “Ich will es nicht wegen einer unangebrachten Coolness vergeigen.”

Klaas Heufer-Umlauf präsentiert ab 12. März “Late Night Berlin” bei ProSieben
Klaas Heufer-Umlauf präsentiert ab 12. März "Late Night Berlin" bei ProSieben

Am kommenden Montag. 12. März, startet bei ProSieben mit "Late Night Berlin" ein wichtiges neues Format mit Klaas Heufer-Umlauf. Wie der Name der Sendung sagt, handelt es sich um ein klassisches Late-Night-Format, allerdings (zumindest zunächst) im wöchentlichen Rhythmus. Im Gespräch mit MEEDIA erzählt Klaas, warum vor diesem Neustart eine gewisse Aufregung angebracht ist, wie politisch seine Show werden soll und ob mit Witzen über Staubsauger-Verkäufer zu rechnen ist.

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Bist Du nach den vielen Jahren im TV-Geschäft vor dem Start einer neuen Show noch aufgeregt?
Klaas Heufer-Umlauf: Auf jeden Fall, vor allem vor dieser Show ist eine gewisse Aufregung ganz gut. Ich finde Aufregung auch gar nicht schlecht. Ich mache mir eher Gedanken, wenn mir alles wurscht ist. Kommt allerdings so häufig nicht vor. Es ist ganz wichtig, dass man ab und zu etwas macht, bei dem man noch aufgeregt ist. Das kann einem auch Konzentration bieten, wenn man richtig damit umgeht.

Wieso findest Du es gerade vor dieser Show ganz gut, aufgeregt zu sein – vielleicht, weil es eine Late-Night-Show ist und dieses Format in Deutschland als besonders schwierig gilt?
Es ist was anderes eine Sendung zu machen von der man weiß, sie läuft zweimal und ist dann wieder weg. „Late Night Berlin“ ist ein Format, das ich gerne so machen würde, dass es ein bisschen länger existiert. Das ist auch eine Show, auf die ich schon lange Lust habe und die mir persönlich wichtig ist. Deswegen gibt es unabhängig vom externen Druck auch einen gewissen Druck, den ich mir selbst mache. Alles aber auf entspanntem Niveau. Ich will es halt nicht wegen irgendeiner unangebrachten Coolness vergeigen.

Wird es eine klassische Late-Night werden mit Standup, Gästen am Schreibtisch, Musikauftritt, Einspielern?
Diese Elemente gibt es schon, das heißt für mich aber nicht, dass es unbedingt klassisch wird. Wenn man sich einem Genre zuwendet, dann finde ich auch gut, gewisse Regeln einzuhalten. Ob es dann eine ganz klassische Late-Night wird, liegt vielleicht auch an der Art und Weise, wie man die einzelnen Dinge umsetzt. Ich glaube, die Zeiten, dass man rauskommt und erstmal 25 Minuten labert, die sind seit Peter Frankenfeld vorbei.

Viele meinen, dass Harald Schmidt der bisher einzige wirkliche Late-Night-Moderator in Deutschland war. Zumindest hat er das sehr lange gemacht. Andere sind mehr oder weniger spektakulär gescheitert. Es gibt nun auch eine Reihe von Late-Night-Sendungen, die statt täglich nur wöchentlich laufen. “Late Night Berlin” wird auch ein wöchentliches Format. Ist das ein Kompromiss?
Ich komme ja von einer wöchentlichen Show, mir liegt dieser Rhythmus ganz gut. Zumindest in diesem Moment ist das für mich das Richtige. Wenn man sich die Programmierung über verschiedene Sender hinweg anschaut, dann gibt es in Deutschland vielleicht nicht jeden Tag dieselbe Late-Night-Show, aber wenn wir so weitermachen gibt es jeden Tag eine andere Late-Night-Show auf einem anderen Sender. So nähern wir uns auch langsam einer Vollversorgung.

Wie politisch soll “Late Night Berlin” werden?
So politisch wie es die Zeit und die Geschehnisse notwendig machen. Momentan gibt es bestimmt mehr politischen Redebedarf als noch vor ein paar Jahren. Ich glaube, dass diese Show ein Kommentar dessen ist, was Leute bewegt. Das kann politisch sein, muss es aber nicht. 

Hast Du Erfahrungen aus Deinem ProSieben-Politik-Experiment “Ein Mann, eine Wahl” von vor der Bundestagswahl für das neue Format mitgenommen?
Ein Grundinteresse an Geschehnissen aus der Welt der Politik sollte da sein, eine Haltung und ein Verständnis für gewisse Zusammenhänge. Das war aber bei mir schon vorher da und so etwas geht auch nicht mehr weg. Die Gespräche für “Ein Mann, eine Wahl” hatten natürlich einen ganz anderen Zweck. Das war ja gar kein Format, bei dem ich irgendetwas herausfinden wollte, was noch keiner weiß. Ich wollte da den Status quo abbilden: Wer will was, wo sind die Unterschiede zwischen Politikern und Parteien, warum soll man an der Wahl teilnehmen? Das war bei ProSieben vor der Bundestagswahl der richtige Ansatz für so eine Show. Bei einer Late-Night-Show ist natürlich der Unterhaltungsfaktor wesentlich höher, die Gespräche sind kürzer und haben eine andere Funktion.

Es gibt eine hübsch gemachte Kampagne für “Late Night Berlin”, bei der Axel Prahl Dich als Taxifahrer herumkutschiert und über die Show redet. Dabei gibt es auch Anspielungen auf Promis wie Bülent Ceylan, Mario Barth oder Helene Fischer, die so ein bisschen ironisch durch den Kakao gezogen werden. Ist das eine Distanzierung vom Mainstream-Publikum?
Bei der Kampagne geht‘s nicht um Abgrenzung. Man darf nicht vergessen, dass wir da auch einfach mal einen Witz machen. Mir hat die Kampagne sehr großen Spaß gemacht, wir haben da mit Axel Prahl die halbe Nacht herumimprovisiert. Und da kommt dann sowas bei raus.

Helene Fischer dürfte also kommen?
Naja, sagen wir mal so: Wenn Helene Fischer eine sehr gute Idee hat oder einer sehr guten Idee von uns gegenüber aufgeschlossen ist, dann würden wir schon was hinbekommen. Aber die hat glaube ich auch noch andere Hobbys als „Late Night Berlin“. 

Ist mit Auftritten von alten Bekannten aus dem Joko & Klaas/Circus HalliGalli-Umfeld zu rechnen?
Es wurden jedenfalls keine Hausverbote erteilt. Das Ensemble, das wir bei „Circus HalliGalli“ hatten, hat sich ja über Jahre ergeben, das war nicht am Reißbrett geplant. Leute wie Udo Walz sind uns zugelaufen, andere Menschen wie Oma Violetta sind mehr oder weniger vom Himmel gefallen. Sabine, die früher mal zufällig Putzfrau im Studio war, ist mittlerweile feste Mitarbeiterin unserer Produktionsfirma Florida TV. Ich habe kein Problem damit, wenn Leute, die uns ans Herz gewachsen sind, auch in Zukunft da nochmal stattfinden. Dennoch sollte man einer neuen Show auch die Chance geben, sich ein Ensemble selbst aufzubauen. Und das kann man nicht planen, das muss man zufällig passieren lassen. Darum: Warten wir’s mal ab!

Wird es einen Sidekick für Dich als Moderator geben?
Ich habe tatsächlich jemanden, den ich gerade bearbeite und der das machen soll. Im Idealfall ist das jemand, der nie den Wunsch hatte, ins Fernsehen zu kommen und entsprechend schwer ist die Überzeugungsarbeit. Aber ich bin dran und lasse nicht locker.

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Da es noch nicht in trockenen Tüchern ist, kann man wohl auch nicht sagen, wer das ist?
Nein, das kann man noch nicht sagen. Ich bin dran und habe noch ein paar Argumente im Köcher. Wenn ich das schaffe, dass er das macht, dann gnade uns Gott! 

Jahrelang waren Joko & Klaas so eine Art Doppel-Personenmarke, jetzt beschreitet Ihr auch teilweise getrennte Wege …
Wir sind jetzt einzeln buchbar … auch für große Möbelhäuser.

Gibt es da so etwas wie eine sportliche Konkurrenz, wessen Solo-Show besser läuft?
Überhaupt nicht. Diese Konkurrenz haben wir schon dadurch ausgehebelt, dass wir eine gemeinsame Produktionsfirma haben. Das heißt, wenn meine Show scheiße läuft, ist das für ihn auch nicht so gut und andersherum. Und wir haben tatsächlich auch so eine Konstellation, dass wir hinter den Kulissen über alles sprechen. Joko und ich haben nie irgendeine Form von Konkurrenz gespürt. Das war am Ende doch immer sehr brüderlich.

Wird Social Media für die neue Show eine große Rolle spielen?
Ja, und ob die Show für Social Media eine Rolle spielt, ist sicher auch nicht ganz egal. 

Dass Twitter, Facebook und so weiter bedient werden, ist ja klar. Da läuft ja auch schon ein bisschen was. Aber wenn ich mir zum Beispiel Jan Böhmermanns “Neo Magazin Royale” anschaue, dann lebt die Show auch viel davon, dass einzelne Teile über das Internet viral verbreitet werden.
Wenn die Sendung das Album ist, braucht es von Zeit zu Zeit eine Single zum auskoppeln. Das weiß Jan, das wissen wir. Das Herz ist aber die Show. Aber man muss heute auch nicht mehr antreten, wenn man sagt: Das hier ist die Show, die läuft genau eine Stunde montags um elf und ansonsten herrscht die restliche Woche über Schweigen im Walde. 

Du bist selbst schon lange bei Twitter unterwegs und wirst dort von Fans und Medien stark wahrgenommen. Wie ist das, wenn alles, was man twittert von Medien und Anhängern aufgenommen, bewertet und weiterverbreitet wird?
Twitter mache ich ja schon ewig und dadurch habe ich damit einen recht organischen Umgang entwickelt. Man darf das nicht zu ernst nehmen, aber man muss sich schon bewusst sein, was man da macht. Was ich gar nicht gut finde ist, wenn die Leute das Gefühl haben, da twittert sonst wer, da steht zwar der blaue Haken und der Name dran aber das ist nicht wirklich derjenige. Dann kann man das auch sein lassen.

Also Du twitterst alles selbst?
Auf meinem Account schon. Es gibt natürlich noch den Account der Show @latenightberlin das mache ich nicht, aber ich bin trotzdem darüber im Bilde, was da geschieht. Bei einer größeren Zahl an Followern muss man natürlich überlegen, was man twittert, sonst nervt man die Leute ja auch.

Es ist vielleicht auch manchmal eine Gratwanderung. Wenn man beispielsweise einen spontanen Gedanken für einen Gag hat und dann aber vor dem Veröffentlichen zurückzuckt, weil es einen Shitstorm geben könnte …
Nein, mir rutscht jetzt nicht in einer Sektlaune ein sexistischer Witz raus oder so. Erstens habe ich kein Interesse daran, eine Taktik zu fahren, bei der man provoziert und hinterher wieder einfängt. Und zweitens sind bei meiner Grundidee von Humor keine Sachen dabei, bei denen ich mich zurückhalten müsste. Manchmal ist es aber so, dass mir morgens unter der Dusche etwas einfällt, das ich später beim ersten Kaffee dann gar nicht mal mehr so lustig finde. Da warte ich dann mal so ne Stunde. Vor dem Twittern erstmal richtig aufwachen. Das wäre ein wichtiger Tipp. Auch für Präsidenten.

Von Harald Schmidt hätte man wahrscheinlich erwartet, dass er auch Witze darüber macht, dass der neue ProSiebenSat.1-Chef vorher Staubsauger verkauft hat. Kann man das von Dir auch erwarten?
Ich glaube ehrlich gesagt, dass das eher die Kollegen von MEEDIA oder DWDL erwarten und dann sagen würden: Hach, das war ja jetzt ein herrlich erfrischender Gag! Ein 26-jähriger Student aus Göttingen interessiert sich aber wahrscheinlich nicht so wahnsinnig doll dafür, ob der CEO vorher den DirtDevil an den Mann gebracht hat. Eine Late-Night-Show hat ganz klar den Auftrag, das zu kommentieren, was von außen kommt. Da kann man sich natürlich auch eine eigene Welt aufbauen und einen Gag mal über einen längeren Zeitraum ziehen. Aber es wird eben weniger in der eigenen Soße gerührt.

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Alle Kommentare

  1. “Ist das eine Distanzierung vom Mainstream-Publikum?”

    Klaas Heufer-Umlauf & Co. sind Mainstream aus der Privat-TV-Mainstream-Produktion!

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