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Dieter Wedel, Die Zeit und der „Kameltester“: Thomas Fischer über die “Selbstgerechtigkeit” eines Leitmediums

Zeit-Vizechefin und Justizexpertin Sabine Rückert, Kritik des früheren Kolumnisten und Ex-Bundesrichters Prof. Thomas Fischer: “Frau Oberstaatsanwältin lässt einvernehmen”
Zeit-Vizechefin und Justizexpertin Sabine Rückert, Kritik des früheren Kolumnisten und Ex-Bundesrichters Prof. Thomas Fischer: "Frau Oberstaatsanwältin lässt einvernehmen"

Als "deutscher Fall Weinstein" ging die Affäre um die schweren Vorwürfe von Schauspielerinnen gegen Dieter Wedel im Januar durch die Medien. Zwei Monate später ist es in der Debatte um den Regisseur eher ruhig. Sender und Produktsfirmen haben interne Ermittlungen ergebnislos eingestellt, bislang sind keine neuen Anschuldigungen bekannt geworden. Zurück bleibt ein unbewiesenes Kapitel #MeToo, aber auch Kritik an der Zeit, die die Vorwürfe recherchiert und öffentlich gemacht hatte. Der frühere Bundesrichter Thomas Fischer, selbst jahrelang Kolumnist bei Zeit Online, zieht eine vorläufige Bilanz, in der er dem Leitmedium "selbstgerechte und eifernde Berichterstattung" attestiert – mit weitreichenden Folgen für Wedel. Fischer: "Wenn die Zeit meint, dass einer schuldig ist, kommt es aufs Vernichten nicht mehr an."

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Ein Gastbeitrag von Thomas Fischer

Am 29. Januar 2018 habe ich mich an dieser Stelle zum Fall Wedel und seiner Darbietung durch die Zeit geäußert. Nach fünf Wochen, zahllosen anderen Stellungnahmen und mehreren Interviews von Beteiligten will ich einen zweiten Teil anschließen und etwas zum Stand der Dinge sagen.

Falls wieder jemand auf die Idee kommt, meine Kritik solle eine Art von inhaltlicher Stellungnahme oder Beweiswürdigung sein, wäre dies ein glatter Irrtum. Es übersteigt die Fähigkeiten eines pensionierten Strafrichters bei weitem, 30 Jahre alte Strafrechtsfälle durch das Lesen von Presseberichten oder aufgrund nacherzählter anonymer Zeugenaussagen zu lösen. Es ist mir daher auch vollständig unverständlich, auf welche Weise die große Vielzahl von in Deutschland tätigen Journalisten diese Fähigkeit erworben hat, zumal die meisten von ihnen noch nicht einmal die Rechtsfragen verstehen, um die es in der Sache geht.

Meine Intervention ist eine Kritik an der selbstgerechten und eifernden Attitude der Berichterstattung und an den abstoßenden Vermischungen, die – im Brustton des Gerechten und Guten – die Diskussion bestimmen.

„Verbrechen zu verfolgen, ist Sache der Justiz“

Die bei der Berlinale eingerichteten „Anlaufstellen“ für vor Ort anwesende Opfer von Sexualstraftaten blieben leer. Bei der Verleihung der Academy Awards am 4. März 2018 war The Weinstein Company nicht zugegen, Dieter Wedel ebenfalls nicht. Der Moderator Jimmy Kimmel lobte die auf der Bühne stehende überlebensgroße Figur des „Oscar“: Dieser sei, so sprach er, „der beliebteste und am meisten respektierte Mann, denn er hält seine Hände dort, wo man sie sehen kann (…) Er wird niemals ausfallend und hat keinen Penis.“ Diese mit Spannung erwartete Aufarbeitung des neben dem School Shooting und der Kleiderfrage derzeit wichtigsten amerikanischen Themas brachte Herrn Kimmel viel Lob ein. Trotzdem war noch immer nicht alles gut.

Vor etwa fünf Wochen hat die Zeit (24. Januar 2018) die zweite Folge des Wedel-Tribunals veröffentlicht: vier Fälle, davon zwei anonym und einer, der eine unverschämte Schikaniererei, aber keine Sexualstraftat beschrieb. Die erste Folge im Zeit-Magazin vom 4. Januar 2018 brachte drei Fälle von Sexualstraftaten, davon eine anonym. Der Chefredakteur der Zeit, Giovanni di Lorenzo, berichtete bei „Maybrit Illner“, man habe „bisher 18 Fälle dokumentiert“. Der Chefredakteur des Zeit Magazins, Christoph Amend, sprach in einem Interview des Medienmagazins journalist vor wenigen Tagen von „25 dokumentierten Fällen“ (siehe auch MEEDIA, 5.3.2018). Die Formulierung bewegt sich sprachlich im Graubereich zwischen Information und Desinformation, denn dokumentiert sind ja eigentlich nicht „Fälle“, sondern Behauptungen von Fällen, oder Bemühungen von Journalisten, solche Behauptungen für den Massenkonsum aufzubereiten. Dies beiseite gelassen, stellt sich dem Leser nun die Frage, ob, wann, wie und warum die noch ausstehende Sammlung von weiteren etwa 20 „Dokumentationen“ das Licht der Öffentlichkeit erblicken wird. Denn die Klarnamen sind, so Amend, Zitat:

wichtig, weil man den Frauen sonst hätte vorwerfen können, dass sie für ihre Vorwürfe nicht geradestehen.

Da wird es schon schwierig: Einerseits trifft 20 Frauen der Vorwurf, nicht geradestehen zu wollen, andererseits hat die Zeit „Verständnis für jede Frau, die … nicht in der Öffentlichkeit stehen möchte“. Die Leser können sich vorerst aussuchen, was ihnen lieber ist.

Aber das ist wahrlich nicht das Hauptproblem! Erinnern wir uns an den November 2017, als die Zeit Online-Journalistin Carolin Würfel einen Artikel mit dem Titel „Wir wissen es“ veröffentlichte, in dem sie von angeblichen Sexualstraftaten im Berliner „Kulturmilieu“ erzählte und behauptete, sie kenne Opfer und Täter. Daraufhin nahm die stellvertretende Chefredakteurin der Zeit sich die Kollegin Würfel öffentlich zur Brust: „Das soll Journalismus sein?“, fragte sie am 18.11. auf Zeit Online, und merkte an:

Ich will Euch nicht vor Gericht sehen‘, ruft Carolin Würfel im Text den ins Visier genommenen Männern zu (warum eigentlich nicht?), aber was Würfel will oder nicht will, ist dem Staat einerlei. Beim von ihr Geschilderten handelt es sich um Offizialdelikte, da müssen Zeugen vor dem Staatsanwalt oder dem Richter aussagen (…) Macht die Zeugin Würfel aber Angaben, dann wird denen nachgegangen: Ihre Informantinnen bekommen Vorladungen, die Beschuldigten Post von der Polizei. So kann es kommen, wenn aus einer Sache, mit der man sich vielleicht auch wichtigmachen wollte und die man eigentlich gar nicht so gemeint hat, plötzlich Ernst wird…

Das war im Ergebnis einigermaßen zutreffend. Nun fragt sich der Leser: Was hat das Rechercheteam der Zeit den mehr als 20 Frauen gesagt, die zwar (angebliche) Taten „dokumentieren“ ließen, aber anonym bleiben wollen? Fällt unter journalistischen Quellenschutz, wer die Opfer von Verbrechen des von der Zeit überführten Herrn Wedel sind? In der Folge „Der Schattenmann“  (Paid Content) vom 24.1.2018 war von (mindestens) zwei Taten gegen der Zeit bekannten Zeuginnen die Rede, die sich Ende der 90er Jahre ereignet haben sollen, also vermutlich wie die von der Zeugin Jany Tempel behauptete Tat nicht verjährt wären. Nimmt die Zeit die Verfahrenseinstellungen nun trotzdem selbst vor? Oder hat sie es vielleicht „gar nicht so gemeint“? Dagegen spricht, dass der Öffentlichkeit vielfach mitgeteilt wurde, man habe sehr ernsthaft ermittelt und geprüft. Der Chefredakteur der Zeit sagte bei „Maybrit Illner“:

Frage: „Gehen Sie mit einer solchen Verdachtsberichterstattung nicht ein zu hohes Risiko ein im Grunde für alle Beteiligten?“

Antwort: „Es gibt Verdachtsberichterstattung und Verdachtsberichterstattung. Der Vorwurf der sexuellen Gewalt … ist einer der schlimmsten, die man erheben kann, und deshalb ist man gezwungen, es ist auch eine Frage des Anstands, dass man es so gründlich wie es nur irgendwie geht tut.“

Und die stellvertretende Chefredakteurin der Zeit schrieb am 11. Januar 2018:

Wir haben uns das Vorgehen von Ermittlern zum Vorbild genommen und anschließend das Ergebnis von mehr als zwei Monaten Recherche und fast fünfzig Befragungen gewürdigt. Danach mussten wir das Tatgeschehen für hochwahrscheinlich halten… Was die Frauen erzählen, sind keine Bagatellen (…) Geschildert werden hochaggressive sexuelle Attacken, die Polizei und Staatsanwaltschaft auch damals auf den Plan gerufen hätten, wären sie … bekannt geworden.

Na denn: Dank der Zeit-Recherche sind diese ja nun bekannt, jedenfalls den Rechercheurinnen, die auch die Identität der mutmaßlichen Opfer kennen und den Täter für überführt halten und „deshalb“ berichten. Daher ist zu fragen, wer die der Zeit bekannt gewordenen schweren Sexualstraftaten, die allesamt Offizialdelikte sind, denn nun rechtlich – z.B. unter dem Gesichtspunkt der Verjährung – prüfen soll. Denn ob die Opfer lieber anonym bleiben möchten und „hier Lena Hein heißen sollen“, ist, wie Sabine Rückert die Kollegin Würfel im November 2017 belehrte, „dem Staat einerlei“:

Beim … Geschilderten handelt es sich um Offizialdelikte, da müssen Zeugen vor dem Staatsanwalt oder dem Richter aussagen. Wer sich weigert, dem drohen Ordnungsgeld oder bei hartnäckiger Weigerung Beugehaft (bis zu sechs Monaten)… Verbrechen zu verfolgen und zu bestrafen, ist Sache der Justiz. Nicht der Autorin Würfel.

Das ist wahr, und deshalb muss man recht genau darauf achten, ob vielleicht der (versuchten) Straftatbestand der Strafvereitelung ins Blickfeld gerät, wenn man den (angeblichen) Täter von Verbrechen öffentlich brandmarkt, die Identität der Opfer aber verschleiert. Aber bekanntlich ist die Presse ja frei, jemanden wegen „Fällen“ zu beschuldigen, die von vornherein unbekannt bleiben sollen.

Auch deshalb allerdings muss jemand, dem die Justiz, die Wahrheit und die Verbrechensverfolgung am Herzen liegen, ein paar Einwände gegen das Zeit-Tribunal formulieren, selbst wenn es weh tut und so ungern gehört wird, dass man dem Kritiker, mit dessen „kritischem Querdenken“ man sich drei Jahre lang geschmückt hat, wort-, erklärungs- und verständnislos den Stuhl vor die Tür setzt.

Ermittlungsergebnisse

Der Ansatz, die Recherche-Leistungen der Zeit an dem von ihr selbst genannten Anspruch zu prüfen, ist nur ein Nebenschauplatz, aber wichtig, weil die überdrehte öffentliche Diskussion mit einer atemberaubenden Selbstgewissheit alles durcheinander und über den Haufen wirft. Wie schon im Beitrag vom 29. Januar 2018 angemerkt, stimmt es eben nicht, dass die „Dokumentationen“, soweit sie veröffentlicht wurden, den Ansprüchen an eine professionelle Ermittlung genügen. Es handelt sich bei der Darstellung auch gar nicht um etwas, was man „Dokumentation“ nennen könnte, sondern um einen literarischen Text:

Wenn sie in ihrer Berliner Wohnung von jenem Tag mit Wedel erzählt, zieht sie die langen Ärmel ihres Wollpullovers über ihre Hände, als sei ihr kalt. Sie ist jetzt 48 Jahre alt und hat lange dunkle Locken.

Diese stimmungsvolle Beschreibung stammt nicht aus dem Goldenen Blatt, sondern aus dem Zeit Magazin; sie und schildert die Befragung einer Wedel beschuldigenden Zeugin.

Die Frau will, wie die Zeit mitteilt, „nicht zu viele Details über sich in der Öffentlichkeit ausbreiten“. Aber ein paar Details haben es mit Hilfe der Rechercheurinnen der Zeit dann doch auf den Marktplatz und für alle Ewigkeit ins Internet geschafft: „Missbrauchserfahrungen“ als Kind, ein Suizidversuch, eine rezidivierende psychische Erkrankung, die Unfähigkeit, „zwischen einvernehmlichem Sex … und erzwungenem Sex“ zu unterscheiden – das sind „Details“, die eine psychisch labile Person gewiss gern den Stammtischen berichtet, wenn es der guten Sache dient. „Das kleine hübsche Mädchen zu sein, das immer nett ist – das ist die Thematik meines Lebens“, hat sie dem Rechercheteam erzählt, und die stolzen Ermittlerinnen zitieren auch dies wörtlich. Sind sie sicher, dass sie mit so viel offenkundiger Unfähigkeit, Grenzen zu setzen, verantwortungsvoll umgegangen sind?

Das journalistisch aufbereitete Vorführen von Zeuginnen, die unter dem Namen „die Frauen“ in der Darstellung nur noch als homogene, der uneingeschränkten Solidarität und Fürsorge bedürftige Gruppe erscheinen, ist zweifelhaft. Es entwertet sie und stellt, wie Frau Illner zutreffend anmerkte, ein hohes Risiko gerade auch für die von der Zeit Betreuten dar.

Auf der anderen Seite Wedel. Er bestreitet. Er hat eine lange und eifrige Presseerklärung versenden lassen. Das freut jeden gegnerischen Presserechtsanwalt, denn damit hat er sich und seine Argumente freiwillig der Öffentlichkeit geöffnet; von nun an kann alles auf offener Bühne verhandelt werden.

Von Wedel erfahren die Leser weniger Herzerweichendes: Er hat „sechs Kinder mit sechs verschiedenen Frauen“; es gab (gibt?) „zahlreiche Plagiatsvorwürfe“ gegen ihn. Der Chefredakteur des Zeit Magazins beschreibt, wie „um den Kern der Recherche herum ein Bild von einem Menschen (entstand), der (…) Frauen nicht nur sexuell genötigt haben soll (…).“ Journalisten ist, wie Krimiautoren, das „Bild“ mindestens so wichtig wie sein Inhalt. Das ist nicht verwunderlich. Wer das Zeit Magazin zur Hand nimmt, möchte keine Ermittlungsakte studieren. Ungut und falsch wird es, wenn die Journalisten selbst beides nicht mehr auseinanderhalten können. Dann gewinnen das „Bild“, das „Klima“ und die Story allzu leicht die Oberhand. Man muss nur die merkwürdige Textmischung aus wörtlichen Zitaten, wertenden Beschreibungen und indirekten Reden unter Weglassen des „Stimmungs“-Brimboriums lesen, um auf erstaunliche Beweiswürdigungsfehler zu stoßen:

Ein Widerspruch

Der Fall Tempel ist der einzige der enthüllten Fälle, der wohl nicht verjährt wäre und wegen dessen die StA München II ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat; er stammt aus dem Jahr 1996. Das Zeit Magazin hat berichtet, Tempel habe mehreren Personen nach dem Vorfall eine „abgeschwächte Version“ erzählt; den Rat, Strafanzeige zu erstatten, habe sie aus Angst um ihre Karriere nicht befolgt. Später habe sie anderen Personen davon erzählt. Jedoch „erst jetzt fühle sie sich durch die #MeToo-Enthüllungen und die Beratung und Unterstützung durch einen Anwalt stark genug, ihre Erfahrungen öffentlich zu machen.“

Das steht offenkundig im Widerspruch zu einer zwei Seiten früher in demselben Artikel stehenden Schilderung, die von der Redaktion ebenfalls als Kennzeichen von Glaubwürdigkeit präsentiert wird:

Jany Tempel hat den Vorfall schon einmal aufgeschrieben, 2003, in einem Buchmanuskript… Das Manuskript, das dem Zeitmagazin vorliegt, war von einem bekannten Berliner Agenten interessierten Verlagen angeboten worden. Zu einer Veröffentlichung kam es nicht, unter anderem weil man Klagen der beschriebenen Männer befürchtete.

Die Zeugin fühlte sich also keineswegs erst jetzt, sondern bereits spätestens 2003 stark genug, an die Öffentlichkeit zu gehen; sie tat dies sogar auf bemerkenswert offensive Weise, indem sie, statt Wedel nun endlich anzuzeigen, ein Buch schrieb und „verschiedenen Verlagen“ anbot. Ihren Schauspieler-Beruf hatte sie bereits 1999 aufgegeben. Es gab also 2003 weder Angst vor der Öffentlichkeit noch Angst um die Karriere; ihre Freunde glaubten ihrer Darstellung.

In dem Satz: „…weil man Klagen der beschriebenen Männer befürchtete“ lässt der Plural aufhorchen: Das Manuskript enthält offenbar Beschuldigungen gegen mehrere Männer wegen unterschiedlicher Taten. Die Zeit berichtete überdies, die Zeugin sei schon in der Kindheit Opfer von Sexualstraftaten geworden; weiterhin, sie habe kürzlich eine „Ausbildung zur Begleiterin für Psychiatrie-Patienten“ absolviert.

Nicht nur das Übersehen des offenen Widerspruchs, sondern auch der Umstand ist erstaunlich, dass die Zeit-Ermittler nicht recherchiert haben, wie die Sach- und Verfahrenslage in den anderen von Tempel geschilderten Fällen ist, ob dort jemals Anzeigen oder Ermittlungen erfolgten (wenn ja: mit welchem Ergebnis; wenn nein: warum nicht?). Statt einen ungeklärten Vorwurf einer Person (Tempel) damit „beweisen“ zu wollen, dass es auch noch weitere ungeklärte Vorwürfe anderer Personen („die Frauen“) gebe, läge es nahe, sich mit von derselben Person gegen Dritte erhobenen Vorwürfen zu befassen.

Noch ein Widerspruch

Die zweite nicht anonyme Frau, deren Beschuldigung die Zeit am 4. Januar 2018 veröffentlichte, war Patricia Thielemann. Sie hat sich in einem am 26. Februar 2018 im Tagesspiegel veröffentlichten Beitrag selbst als „eine der beiden Anklägerinnen im Fall Wedel“ bezeichnet. Weiter heißt es:

Natürlich frage ich mich, warum gerade jetzt so viele Frauen den Mut aufbringen, übergriffigen Männern endlich die Grenzen aufzuzeigen, und ob ausgelöst durch diese Debatte tatsächlich ein gesellschaftlicher Wandel stattfinden wird.

Man könnte meinen, die Antwort auf den ersten Teil dieser etwas seltsamen Frage ergebe sich zwanglos aus dem zweiten Teil, der allerdings seinerseits ins Ungewiss-Zukünftige verströmt. Letzten Endes ist aber beides nicht Frau Tielemanns Hauptanliegen. Sie berichtet von den Aufregungen und Belastungen nach der Veröffentlichung:

Auch wenn der Wahnsinn um die Wedel-Geschichte meinen gewöhnlich bis auf die Minute durchgetakteten Alltag für sechs Wochen restlos aus den Fugen gehoben hat, bereue ich nicht, „me too“ gesagt zu haben.

Dass man nicht ahnen konnte, dass es zu Belastungen führen könnte, in der Presse die Geschichte eines (verjährten) Verbrechens durch eine öffentlich bekannte Person in allen Einzelheiten zu erzählen, ist wenig glaubhaft. Dass die Sache für großes Aufsehen sorgen würde, war klar und ist der Zeugin gewiss von der Zeit-Redaktion angekündigt worden. Sie hat ja auch die Gelegenheit genutzt, allen, die es noch nicht gelesen hatten, via „Maybrit Illner“ von ihrer Empörung darüber zu erzählen, dass Wedel Unterlassung gefordert habe und in Medien „Kritik“ an ihr geäußert worden sei.

Wie die Bürger inzwischen wissen, ist Frau Thielemann beruflich mit Stressbekämpfung beschäftigt. Die Zeit meldete, sie sei „Yogalehrerin“, was nicht falsch ist, aber die Sache nicht ganz auf den Punkt trifft. In ihrem Tagesspiegel-Artikel mit dem schönen Titel „Wie Yoga mir bei der Verarbeitung der Wedel-Geschichte hilft“ hat sie ausgeführt, es sei für Menschen in schwieriger Lage nützlich und heilsam, Yoga zu betreiben und ein wenig Unterricht und Yogastunden zu genießen. Da trifft es sich gut, dass sie unter der Firma „Spirit Yoga“ drei Yogastudios mit 200 Mitarbeitern in Berlin betreibt und „Yoga-CD’s und Videos vertreibt“, denn so kann umgekehrt auch die Wedel-Verarbeitung der Yoga-Geschichte ein wenig helfen.

Thielemann hat der Zeit berichtet, sie habe unmittelbar nach dem Wedel-Vorfall ihrem damaligen Freund davon berichtet; dieser habe ihr zur Strafanzeige geraten. Aus Angst um die Karriere und vor Kritik an ihrem ambivalenten Verhalten habe sie das nicht getan und gegenüber ihrem Agenten „den Übergriff verharmlost“. 1997 ging sie „nach Hollywood“. Dort sei sie ein – was immer man sich darunter vorstellen mag – „ambivalentes Fabelwesen mit wunderschön geschminkten Lippen und fantastischen High Heels“ gewesen, um „endlich als Frau, die jemand lieben könnte, gesehen zu werden“. Das Zeit Magazin meldete außerdem: „Sie ist eine Erscheinung.“ Was diese Intimitäten in der Ermittlungsakte zu suchen haben, bleibt offen. 2004 – nach sieben Jahren Hollywood – gab Thielemann die Schauspielerei auf. Angeblich „mitverantwortlich“ dafür sei, so die Zeit, der (damals 13 Jahre zurückliegende) Vorfall mit Wedel gewesen. „Erst die Weinstein-Debatte in den USA“ (2017) habe sie veranlasst, mit Freunden darüber zu sprechen und etwas zu unternehmen.

Das kann sein. Wirklich plausibel ist die Geschichte aber nicht. Bei „Maybrit Illner“ antwortete Thielemann auf die Frage, warum sie (erst) jetzt an die Öffentlichkeit gegangen sei: „Ich hätte mich damals nicht getraut, an die Öffentlichkeit zu gehen, weil mir sowieso niemand geglaubt hat.“ Das ist nun wiederum das gerade Gegenteil dessen, was im Zeit- Magazin stand: Dort sagte sie, sie habe den Vorfall überhaupt nur einem Menschen erzählt, und der habe ihr voll und ganz geglaubt.

Auf die Motivation kommen wir unten noch einmal zurück. Vorerst noch einmal Christoph Amend im Medienmagazin journalist:

Die Frauen, die sich bei uns äußern, haben doch überhaupt nichts davon. Nehmen Sie Patricia Thielemann. Sie ist schon lange keine Schauspielerin mehr und arbeitet als Yogalehrerin in Berlin und hat weder beruflich noch persönlich etwas davon, dass ihr Name jetzt mit dem Fall Wedel wieder und wieder in Verbindung gebracht wird.

Nun ja. Was das jammerige „wieder und wieder“ soll, bleibt angesichts der Umstände schleierhaft. Denn es war ja die Zeit selbst, die durch seitenlange Detailgeschichten das „wieder und wieder“ betrieben hat. Überdies ist Frau Thielemann auch nicht „mit dem Fall Wedel in Verbindung gebracht“ worden, sondern sie ist ja gerade der wesentliche Teil dieses Falles.

Und im Tagesspiegel erklärt Frau Thielemann, dass ihr „ernsthaften Aktionen“ zur Frauenpower Spaß machen würden: „Wenn Pussy Riot mich fragen würden, ob wir gemeinsam eine Yogasession im Olympiastadion geben wollen.“ Das Olympiastadion ist ja schon mal eine durchaus ambitionierte Verbindung zwischen dem nach 27 Jahren noch immer zu verarbeitenden Vorfall von 1991 einst und dem Unternehmensziel von 2018.

Die Ermittler

Die Argumentation der Zeit hat zwei Probleme: Sie muss zum einen erklären, wie sich der Aufklärungsfuror des Jahres 2018 mit früheren, etwas distanzierteren Stellungnahmen verträgt. Und sie muss zum anderen sagen, was das Ganze eigentlich soll, außer irgendeine Skandalgeschichte in die Welt zu posaunen und die Vortrefflichkeit der eigenen Moral zu loben. Denn, wir erinnern uns:

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‘Ich will, dass Ihr Euch ändert!‘ Ein großes Wort. Klingt nach Tugendtribunal. Und welche Beweise legen Sie vor? (…) Ihre Quellen seien “Geschichten, die sich Frauen flüsternd untereinander weitergeben, aber nie laut aussprechen”, schreiben Sie. Ist Erpressung und Rufmord jetzt eine neue Art des Journalismus?

Das schrieb die stellvertretende Chefredakteurin am 18. November 2017. Nun sind aber 20 der 25 „Fälle“, aus denen sich die Wedel-Beweise zusammensetzen, ebenfalls nur „Geschichten“, die nicht laut – genauer: anonym – ausgesprochen werden, und der „Beweis“ besteht darin, dass zwei Journalistinnen mit 160 Personen gesprochen haben und „überzeugt“ sind, und mit ihnen alle anderen Zeit-Journalisten, die offensichtlich allerdings weder mit den Zeugen noch dem Beschuldigten gesprochen haben. Herr Amend berichtet im journalist-Interview wie selbstverständlich in der ersten Person Plural über die Vernehmungen („wir“, „uns“). Er hat aber mit den Zeuginnen, die er für absolut glaubhaft hält, ebenso wenig je gesprochen wie Herr di Lorenzo, der bei „Maybrit Illner“ schilderte:

Wir haben wir das gemacht, was jeder aus seinem beruflichen und privaten Umfeld auch kennt, nämlich uns beraten, ob die Zeuginnen, die Opfer, glaubhaft sind. Das waren sie in unseren Augen, und dann erst haben wir uns entschieden…, mit der ersten Geschichte herauszukommen.

Man muss dem Chefredakteur hier widersprechen: Es kennt selbstverständlich nicht „jeder aus seinem beruflichen Umfeld“, dass man sich berät, ob Zeugen und Opfer glaubhaft sind. Mancher kennt es vielleicht aus der privaten Lebenswelt, in der Berichte, Darstellungen und Behauptungen aus zweiter und dritter Hand besprochen und beurteilt werden. Aber auch da geht mitnichten „jeder“ hin und veröffentlicht nach getaner Beweiswürdigung die Ansicht seines Freundeskreises darüber, wer ein Verbrecher sei.

Wir haben uns das Vorgehen von Ermittlern zum Vorbild genommen und anschließend das Ergebnis … gewürdigt. Danach mussten wir das Tatgeschehen für hochwahrscheinlich halten.

So erläuterte Sabine Rückert am 11. Januar 2018 das Vorgehen. Auch sie hat offenbar aber mit keiner der beteiligten Personen gesprochen. Sie würdigt zusammengeschriebene oder auf Diktiergeräte gesprochene Zeugenaussagen und ist überzeugt, alles richtig zu machen:

(Die Zeuginnen) haben sich wochenlangen intensiven Befragungen und Recherchen zweier Zeit-Reporterinnen ausgesetzt, intime Aufzeichnungen preisgegeben und eine Psychotherapeutin von der Schweigepflicht entbunden (…) Unbeteiligte Dritte, Kollegen und Lebensgefährten … wurden einvernommen.

Der schöne Begriff „einvernommen“, den in der Justiz seit 50 Jahren niemand mehr benutzt, offenbart auf rührende Weise, wie nah man sich der Staatsmacht und der Verfahrensherrschaft fühlt: Frau Oberstaatsanwältin lässt einvernehmen und würdigt die ferne Beweisaufnahme, bevor sie persönlich das Urteil verkündet. Im unweigerlich anschließenden Disclaimer wird dann versichert, die Einvernahme sei ganz bestimmt kein Tribunal und die Recherche keine Ermittlung, und selbstverständlich gelte die Unschuldsvermutung. Diese treuherzige Versicherung gilt allgemein bestenfalls noch als Witz, denn die Sache ist von den Qualitätsmedien abschließend und rechtskräftig geklärt:

Die Enthüllungen um Wedel belegen, dass es sich nicht um einen Einzeltäter handelt, sondern dass er von einem institutionellen Kartell des Schweigens gedeckt wurde. (Tagesspiegel, 25. Januar 2018)

Derart analysiert gilt es als „belegt“, dass Wedel „kein Einzeltäter“ ist. Der Rest des Satzes versinkt im Nebel, denn das Gegenteil eines Einzeltäters ist kein „Kartell des Schweigens“, sondern sind Mittäter, zumindest aber Tatbeteiligte. Deren Namen konnten erstaunlicherweise bislang offenbar nicht ermittelt und veröffentlicht werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit befinden sich einige von ihnen unter den 160 „Einvernommenen“.

Schuld und Unschuld

Ganz wichtig muss der Zeit sein, dass bei Wedel alles schon prinzipiell anders sei als einst bei Kachelmann. Denn damals tönte es ja aus Hamburg noch:

Der Kachelmann-Prozess zeigt, dass der Beschuldigte und seine Rechte ganz aus dem Blick geraten können, wenn die Hinwendung zum mutmaßlichen Opfer übermäßig wird. Und dass die Existenz eines Mannes, den ein Vergewaltigungsvorwurf trifft, allein schon durch die noch nicht bewiesene Bezichtigung vernichtet ist.

Ach ja! Das war O-Ton Rückert, 31. Mai 2011. Sie schreibt hier von den Folgen einer „übermäßigen Hinwendung zum Opfer“, hält dieses Phänomen also offenbar für möglich. Und sie schreibt, dass die Existenz vernichtet „ist“ (nicht: vielleicht sein könnte) durch eine nicht bewiesene Behauptung. Das ist ein (wahres) Wort. Sieben Jahre später veröffentlicht die Zeit drei unbewiesene Behauptungen und teilt stolz mit, sie habe noch 22 weitere – anonyme – auf Lager. Wie kann das zusammenpassen? Für die Zeit ist es ganz einfach:

Amend: „Es war (im Fall Wedel) komplett anders als im Fall von Jörg Kachelmann. Damals hat meine Kollegin Sabine Rückert früh herausgefunden, dass die Vorwürfe nicht stimmen können.“

So einfach kann es sein: Kachelmann war unschuldig, Wedel ist schuldig. Wenn die Zeit-Redaktion meint, dass einer schuldig sei, kommt es aufs Vernichten nicht mehr an. So kann man es machen. Aber man ist damit offenkundig genau da, wo man früher die Boulevardmedien, den Spiegel, Emma, die Justiz und überhaupt jeden als böswillig und blind beschimpfte, der meinte, die Anklage gegen Kachelmann sei vermutlich richtig. Warum sollten, was Frau Rückert darf, Frau Schwarzer und Frau Friedrichsen nicht dürfen? Die stellvertretende Chefredakteurin kannte im Jahr 2011 das Risiko ganz genau:

Dem Bürger muss die Vorstellung, in die Hände solcher Ermittler zu fallen, Angst machen. Kein Wunder, dass so viele Menschen anstanden vor dem Sitzungssaal. Jeder von ihnen könnte morgen durch die Anzeige seines Nachbarn, seiner Ehefrau, seines Kollegen, seiner Sekretärin in den Hexenkessel der Strafjustiz geraten.

Motive und Effekte

Niemand, der sich in Sachen Wedel äußert, verfolgt – angeblich – Zwecke der Rache oder hat überhaupt irgendwelche persönlichen Motive. Das finde ich überaus seltsam und eher fernliegend. Es gilt aber im Medienland als edel und daher als besonders seriös, die eigenen Vernichtungs-Aktionen als gute Werke zum Nutzen anderer zu beschreiben, am besten als Hilfe für die überall leidenden „Opfer“.

„Die Frauen“, wie sie durchweg heißen, wollen daher immerzu nur „anderen helfen“ und vor allem, „dass sich etwas ändert“. Noch einmal Patricia Thielemann:

Warum ich‘s jetzt getan hab, hat folgenden Grund: Ich wollte den Frauen damit Rückendeckung geben. Weil heute, wo ich in einer ganz anderen Position bin, wo ich unabhängig bin, schon lange nicht mehr in der Filmbranche tätig, kann ich ganz anders darüber sprechen. Und so geht es mir nicht um Vergeltung sondern es geht mir darum, diesen Frauen zu zeigen, dass sie Unterstützung brauchen.

Ein etwas rätselhaftes Motiv, wie ich finde: Darauf, dass sie „Unterstützung brauchen“, könnten „diese Frauen“ ja eigentlich auch selbst kommen.

Auch die Journalisten, die „zwei Monate lang nahezu rund um die Uhr“ (Amend) an der Einvernahme von 160 Zeugen zu 30 Jahre alten „Vorfällen“ arbeiteten, taten dies nicht um ihrer selbst und noch nicht einmal um eines rechtsstaatlichen Verfahrens willen, von dessen Einleitung in einem Fall sie sich überrascht zeigten. Sondern einzig und allein, um „Strukturen“ zu erhellen, „Muster“ zu klären, ein „System“ zu entlarven und zu verändern.

Damit haben wir nun wirklich den Kern der Dinge erreicht. Die (feministische) Philosophin Svenja Flaßpöhler stellte bei „Maybrit Illner“ eine entscheidende Frage:

Taten, die vor 30 Jahren stattgefunden haben – wie exemplarisch sind die denn für unsere jetzige, heutige Gesellschaft?

Darauf bekam sie keine sinnvolle Antwort, denn das lässt sich nicht in zehn Minuten Durcheinanderreden klären. Es gibt allerdings immerhin ein paar Anhaltspunkte:

Christoph Amend: „Es ist erstaunlich, dass es in Deutschland bisher nur einen Fall gibt. Als die Geschichten über Harvey Weinstein veröffentlicht wurden, haben ja alle großen deutschen Redaktionen recherchiert (…)”

Patricia Thielemann: „Es war wirklich erschütternd… Wenn von Dieter Wedel mit Unterlassungsklagen gedroht wird, und wir auf Facebook einen Shitstorm ernten, ständig in den Medien kritisiert werden, das war ‘ne verdammt schwere Zeit. Und es zeigt auch auf, dass diese Debatte dringend geführt werden muss, weil, wenn selbst Frauen wie mir nicht geglaubt wird, wie sollen sich Frauen, die in dem Beruf noch arbeiten, jemals an die Öffentlichkeit trauen?“

Das sind zwei Äußerungen, die verschiedene Perspektiven wiedergeben: Die Thielemann-Äußerung unterstellt, dass es weiterhin unendlich viele unaufgedeckte Fälle gebe, deren Offenbarung durch das so genannte „Schweigekartell“ und die „Machtstrukturen“ verhindert werde. Unzähligen in ihrer Opfer-Rolle unerkannt verharrenden Frauen muss immerzu „Mut gemacht“ werden, weil sie sich sonst weder wehren noch ihre Opfer-Rolle offenbaren können. Das ist eine weit verbreitete Sichtweise und Darstellung, an der man erhebliche Zweifel haben kann und die überdies in ihrer penetranten Opfer-Stilisierung keineswegs „die Frauen“ oder auch nur „die Schwachen“ stützt.

Jede und jeder der zahllosen Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, die täglich bekunden, dass sich „etwas ändern“ müsse, müssten doch Menschen kennen, die entweder Täter oder Opfer von sexuellen Übergriffen sind oder waren. Dennoch offenbaren sie diese „Fälle“ nicht, und die neu Überzeugten, die ihrerseits ebenfalls sagen, dass das „Kartell des Schweigens“ durchbrochen werden müsse, offenbaren meist nur eine Vielfalt von Behelligungen, Belästigungen und Unverschämtheiten, über deren Bedeutung man vielfach streiten kann.

Die Journalistin Ulrike Posche schrieb am 10. November 2017 im Stern:

Vom berüchtigten ‚Kameltester‘ bei der Zeit war viel die Rede, einem alten Redakteur, der beinahe jede Praktikantin nötigte.

Danach im journalist-Interview befragt, erklärte der Chefredakteur des Zeit Magazins:

Ich bin seit 2004 bei der Zeit. Ein solches Klima, wie von Ulrike Posche beschrieben habe ich nie erlebt.

Eine merkwürdige Antwort! Bei ZDF und ARD hat ja auch niemand seit 2004 „ein solches Klima erlebt“, und dennoch werden „Task Forces“ gegründet und öffentliche Aufrufe an unerkannte Opfer gerichtet, alsbald bei der Aufarbeitung der allen persönlich ganz unbekannten Strukturen mitzuwirken, die aber doch „alle gekannt“ haben sollen. Gleichgültig, welche Erleuchtungen hier noch bevorstehen: Zumindest von der Zeit darf man ja wohl erwarten, dass sie sich nicht mit einem billigen „habe ich nie erlebt“ aus der selbstverkündeten Affäre zieht.

Also: Wer war der „berüchtigte Kameltester bei der Zeit“? Gab es noch andere? Wo bleiben die Namen, die Einvernahmen, die Strafanzeigen und Vernichtungen? Wo sind die Enthüllungen der ehemaligen Praktikantinnen, die „alle genötigt“ wurden? Warum veröffentlicht die Zeit sie nicht, um „Strukturen“ zu erhellen und einen Wandel zu fördern? Welche Mitschuldigen schweigen, statt alte Akten zu öffnen?

Abklingen

Ich glaube, dass die furchterregenden Strukturen, verbrecherischen Kartelle, Spiralen der einverständlichen Erniedrigung, von denen immerzu von Menschen berichtet wird, die von sich selbst sagen, dass gerade sie sie nicht ertragen (müssen), in der behaupteten Form gar nicht existieren, oder jedenfalls in wesentlich geringerem Umfang. Es ist kein Zufall, dass selbst nach monatelangem Rundum-Spektakel sich noch immer keine Person findet, die gerade jetzt durch diese Strukturen zum Opfer wurde oder wird. Das heißt natürlich nicht, dass in der Film-, Fernseh- oder Medienbranche keine Sexualstraftaten vorkämen. Aber es gibt keinen Anhaltspunkt und keinen kriminologischen Nachweis dafür, dass sie dort häufiger wären als bei Lehrern, im Krankenhaus oder im Elektrohandwerk.

Selbstverständlich gibt es Sexualstraftaten. Vor 30 und vor 20 Jahren gab es, wenn die kriminologische Forschung nicht sehr täuscht, allerdings eindeutig weniger als heute. Um der Bevölkerung, wenn es denn sein musste, ins Gedächtnis zu rufen, dass es sexuell motivierte Straftaten gibt, hätte man vielleicht einen wirklichen, bewiesenen Fall nehmen können statt 25 unbewiesener. Aber das steht selbstverständlich der Presse frei.

ich bleibe dabei: Der „Fall Wedel“ wird in seiner Bedeutung überschätzt. Das Tribunal, dessen vernichtendes Ergebnis allseits schon festzustehen scheint und das von der Zeit-Redaktion sogar immer wieder ausdrücklich als Voraussetzung (!) der Veröffentlichung genannt wird („wir halten die Frauen für glaubhaft; deshalb berichten wir“), ist auf Maßlosigkeit angelegt. Es löst die Abgrenzungen zwischen Straftaten und Belästigungen, krimineller Energie und Alltag, Personen und Systemen auf und romantisiert die „Aufdeckung“ längst verjährter (angeblicher) Straftaten zum Dienst an einer besseren Welt.

Die Motive der Protagonisten halten dem Anspruch des Edelmuts nicht stand: Wenn es nicht darum geht, Herrn Wedel ins Gefängnis zu bringen, weil er vor 25 Jahren vielleicht eine Straftat begangen hat, sondern nur um eine Enthüllung eines „Systems“, das es offenkundig heute gar nicht mehr gibt, dann zahlt Wedel mit seiner sozialen Vernichtung einen hohen Preis für die Demonstration des guten Gewissens von Redaktionen, die zugleich ihre eigenen „Kameltester“ schützen und einstweilen weiter über die wunderschönen Frauen auf den roten Teppichen der Welt berichten.

Das kann einem vielleicht egal sein, wenn Wedel denn der verbrecherische „Schattenmann“ war, der als deutsche Antwort auf Weinstein herhalten muss, damit endlich „ein Name“ da ist und „die Diskussion in Deutschland ankommt“, wie albernerweise immer wieder gelobt wird. Das Problem ist: Wir wissen es nicht, und es wird unweigerlich und gewiss streitig bleiben. Und was Rechercheurinnen meinen, die anonyme Menschen „einvernommen“ haben, kann allen egal sein, wenn sich der Rauch verzogen hat.

Straftaten müssen verfolgt werden. Aber die Welt besteht nicht aus lauter Tätern und Opfern. Und entgegen mancher Annahme besteht sie auch nicht aus einer einzigen Verschwörung zur Erniedrigung von Frauen. FAZ, 25. Februar 2018: Harvey Weinstein und Heidi Klum beim verzückten Bussi-Bussi – schöner kann man es eigentlich nicht fotografieren. Von vorn küsst Frau Uma Thurman, die von Herrn Tarantino überredet wurde, mit dem Auto um eine Rechtskurve zu fahren. Lauter Opfer.

Die überaus populäre und oft kaum noch bestrittene Behauptung, Sexualstraftaten hätten „nichts mit Sexualität zu tun“ (sondern nur mit Gewalt), ist etwa so sinnvoll wie die Behauptung, Raubüberfälle hätten nichts mit Geld zu tun. Es ist schwer nachzuvollziehen, welche Erkenntnis- oder gefühls-Befriedigung durch die Behauptung erreicht werden kann oder soll: Möglicherweise soll „die Sexualität“ als „an sich“ etwas reines, schönes, nicht Bedrohliches dargestellt werden. Das hilft aber analytisch nicht weiter, und sozial auch nicht. Natürlich gibt es (rein) gewalttätige Motivationen, die sich sexueller Formen bedienen. Aber nicht jedes Sexualdelikt ist Gewalt oder gar ausschließlich durch ihre Ausübung motiviert.

„Strukturen“ der Macht, der Erniedrigung, der Ausbeutung, der Einschüchterung sind allgegenwärtig. Sie werden von Männern und Frauen getragen: In Unternehmen, Verwaltungen, Organisationen. Sie beherrschen die Welt und sorgen dafür, dass ein Viertel der Menschen auf Kosten der Übrigen drei Viertel im Überfluss leben. Daran zu erinnern sollte zulässig sein, selbst wenn es – zugegebenermaßen – nicht unmittelbar mit der Anzahl der Kamerafrauen beim ZDF zu tun hat.

Schluss

Ich schließe mit einer Meldung der FAZ vom 27. Januar 2018. „Zahl der sexuellen Übergriffe in der Truppe hat sich fast verdoppelt“, berichtet die Schlagzeile. Sodann lesen wir: Es sind im Jahr 2017 insgesamt “234 Fälle sexueller Belästigung gemeldet worden“, 80 Prozent mehr als 2016. Der Anstieg der (unbewiesenen) Fälle ist auf eine deutlich erhöhte Sensibilität zurückzuführen, außerdem wurden Altfälle mitgezählt. Gemeldete sexuelle Nötigungen/Vergewaltigungen: 14 (einschließlich Versuche). Der Rest betraf Fälle wie „das Zuwerfen eines Kusses, das Berühren einer Schulter oder eines Oberschenkels.“ Der Text zeigt also, dass die Überschrift schlicht gelogen ist. Es ist sehr schade, dass solche Meldungen inzwischen als ganz normal angesehen werden. Auch daran hat das Wedel-Tribunal einen Anteil.

Es ist übrigens auch wirklich schade, dass die Zeit diese Kritik nicht verstehen und ertragen möchte.

 

Anmerkung der Redaktion: Gastbeiträge geben generell die Meinung des Autors und nicht die von MEEDIA wieder. Thomas Fischer war Vorsitzender Richter des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe. Bei Zeit Online schrieb er die viel beachtete Kolumne „Fischer im Recht“, die teilweise auch als Buch veröffentlicht wurde. Hier geht es zu Fischers Texten bei der Zeit. Der promovierte Jurist hatte sich auf MEEDIA bereits am 29. Januar kritisch mit den Enthüllungen der Wochenzeitung im Fall Wedel auseinandergesetzt. Für die Zeit veröffentlichte Jura-Dozentin Elisa Hoven eine ebenfalls viel beachtete Replik.

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Alle Kommentare

  1. Der Text ist ein Genuss: Scharfsinn pur statt Blabla ohne Ende! Danke. Auch für den interessanten Textteil:”…dass man dem Kritiker, mit dessen „kritischem Querdenken“ man sich drei Jahre lang geschmückt hat, wort-, erklärungs- und verständnislos den Stuhl vor die Tür setzt.”

  2. Die juristisch-logisch stets zu 100 Prozent durchgestylten Texte von Thomas Fischer zeigen mir immer eines: die bundesdeutsche Rechtsprechung kümmert sich mit ihren zumeist hochkomplizierten Regularien und Definitionen viel zu sehr um das Ansehen der (möglichen) Täter – die Opfer derer sind ihr oft genug einfach wurscht. Wenn denn, wie Herr Fischer nie müde wird zu betonen, alle Journalisten mit ihren Texten so gar keine Ahnung von den rechtlich richtigen Darstellungen beweisen, dann wird es Zeit, die Rechtsprechung von ihrem bewusst kompliziert gebauten Sockel zu holen, sie verständlicher und vielleicht auch klein wenig gerechter zu gestalten. Sonst kann es passieren, dass sie samt ihrer Protagonisten irgendwann mal vom dummen und unwissenden Volk entnervt hinweggefegt wird.

    1. Das ist doch jetzt, mit Verlaub, ein pauschaler Quark.

      Es gibt viele Blickwinkel und Meinungen auf das Thema. Aber man kann nicht direkt unter dem Text glatt ignorieren, dass Herr Fischer sich in einem Teil seines Textes um genaue und differenzierte Würdigung der Einzelfälle bemüht, soweit diese Informationen öffentlich verfügbar sind.

      Mit Ihrem “immer” und “nie” und “gar keine” beweisen Sie vor allen Dingen Ihren Willen zum simplen Pauschalurteil. Ein bisschen mehr Nachdenklichkeit wäre angezeigt.

    2. 1. Es scheint, als hätten Sie den Text von TF überhaupt nicht verstanden, denn Sie lesen offenbar eine Verteidigung des “Täters” Wedel heraus, die aber an keiner Stelle stattfindet. Falls ich mich irre, deuten Sie bitte an, wo dies geschrieben steht.

      2. Wie soll man ihre Einlassung verstehen, dass man sich viel zu sehr um “mögliche Täter” schert? Etwa: Schuld ist wer angeklagt wird?
      Wenn dem so ist, wette ich, dass jeder ihrer Entwürfe eines “einfacheren” und “gerechteren” Rechtssystems sich als potenziell die Gesellschaft destabilisierende, kriminalitätsfördernde, erbarmungslose Willkürherrschaft entpuppt.

      3. Die überaus beliebte Fetischisierung bzw. Radikalisierung der Täter-Opfer-Dichotomie und ihre sehnsüchtige Projektion auf eine moralisch überlegenes, unzweideutiges Rechtssystem ist in etwa so feinsinnig wie die Einladung Horst Mahlers zum Vortrag einer Gedenkrede in Yad Vashem.

      C.c.: Ihr Kommentar ist zwiespältig. Im letzten Satz äußern sie affirmativ, dass der Rechtsstaat “hinweggefegt” gehört. Sie imaginieren also ein Täter zu sein. Doch im ersten Satz kritisieren Sie, dass der Rechtsstaat zu milde gegenüber Tätern sei. Befürchten Sie denn – nach der ersehnten gewaltigen Katharsis – gar nicht, was die Postjustiz mit ihnen anstellen könnte?

    3. Ixch nehme an, Sie zählen sich – im Namen der Gerechtigkeit – schon mal vorab zu den Hinwegfegern. Dsa ist ein Traum, den viele Menschen träumen: Mal so richtig aufräumen mit den “Regularien und Definitionen”, und deie unverfälschte Gerechtigkeit ans Ruder fegen.Das Problem ist nur, dass die “Gerechtigkeit”, die Sie meinen, schon von ihrem nächsten Nachbarn und Mitbürger ganz anders gesehen wird: Er hält erstaunlicherweise seine Sicht der Dinge für über die Maßen gerecht und möchte lieber Sie hinwegfegen.
      Am allergerechtesten ginge es natürlich zu, wenn man überhaupt keine “Regularien” mehr bräuchte und die Bösewichte und Verbrecher einfach dadurch vernichten könnte, dass in der Zeitung steht, jemand, den Sie nichgt kennen, habe mit jemandem gesprochen, den Sie auch nicht kennen, und der habe ihm glaubwürdig berichtet, das SIE vor 20 Jahren ein Kinde sexuell missbraucht haben.
      Dann könnten Sie einmal live und in Echtzeit erleben, wie es ist, “hinweggefegt” zu werden. Und wehe Ihnen, wenn Sie dann nach “Regularien” rufen!
      Mit den “Definitionen” ist das ähnlich. Sagen Sie uns einfach mal, was Sie dagegen hätten – und warum -, wenn man öffentlich behaupten würde, dass Sie ein “Kinderschänder” sind, oder ein “Verbrecher”. Und wenn man sagen würde, dass Sie mit ihren spitzfindigen Definitionen aufhören sollen.
      Man hat heute offenkundig – und unter lebhaftester Mithilfe der Medien – weitgehend vergessen, dass die “Regularien” und Definitionen des Rechts dazu da sind, die Bürger vor der puren Willkür der jeweils Mächtigen zu schützen.

      In der Türkei z.B., und in vielen anderen Ländern, wird zur Zeit “hinweggefegt”, was Sie stört: Eine Justiz, die sich an Regularien hält.
      Ob man Sie dann als “Terrorist” oder “Vergewaltiger” oder Verbrecher “definiert”, können Sie, wenn Sie Glück haben, der Morgenzeitung entnehmen. Natürlich super gut und “gerecht” recherchiert.

  3. Ich habe den Text sehr gerne gelesen. Weit über juristisch-fachspezifische Detailaspekte hinaus braucht das Tempo des aktuellen Zeitgeistes Autoren, die einerseits spürbar Haltung zeigen, Standpunkte vertreten und andererseits qualitativ gute Beiträge, für die man sich als Leser Zeit nehmen muss.

    1. … Ich ergänze: Zu diesem wie zu jedem von Herrn Fischer durchdrungenen Thema braucht es viel Zeit, die belohnt wird mit exakt Ihrer Wahrnehmung, Herr Lesko.

  4. Die Wedel-Kampagne war eine gezielte Nebelkerze, um die Aufmerksamkeit weg von der eingewanderten Gewalt hin zum politisch korrekten Sündenbock ‘alter, weißer Hetero-Mann’ zu lenken.

    Kachelmann, Lohfink… nurmehr Furor. Im Grunde ist diesbzgl alles mehrfach gesagt. Die immergleiche ‘Antwort’: wer sich nicht einreiht und mitmarschiert, ist ein Natsi mit kleinem Schwanz. So sieht er aus, der Kampf gegen Sexismus.

    Aktivismus statt Journalismus ist (mal wieder) die Parole.

    1. Ihrer Logik nach ist wahrscheinlich alles eine Nebelkerze, was sich nicht gerade mit der “eingewanderten Gewalt” beschäftigt. Das zeigt nur eines: wie monothematisch Sie unterwegs sind. Aber ob Sie es glauben, oder nicht: Es gibt noch andere gesellschaftlich relevante Themen.

      Und übrigens: Der politisch korrekte Sündenbock sitzt nach wie vor an so ziemlich allen Hebeln der wirtschaftlichen Macht, daran ändert auch Mutti Merkel nichts. Schreibt ein mittelalter, weißer Hetero-Mann.

      1. Monothematisch-metoo treibt die Dämonisierung von inkl. Entsolidarisierung mit Männern voran. Und wie der mächtige, weiße Hetero-Mann die Hebel zu bedienen hat, davon kann Ihnen James Damor ein Lied singen.

    2. Die meisten Frauen werden von Leuten missbraucht, die sie persönlich kennen. Die meisten deutschen Frauen kennen wohl deutsche Männer. Lesen Sie sich mal ein zu der Kritik an der 120db-Kampagne der Identitären.

      1. Monothematisch-metoo treibt die Dämonisierung von inkl. Entsolidarisierung mit Männern voran. Und wie der mächtige, weiße Hetero-Mann die Hebel zu bedienen hat, davon kann Ihnen James Damor ein Lied singen.

    3. Die Migranten dürfen das. Auch interessant, was in der Türkei passiert, und von der Lückenpresse kaum erwähnt wird. Die neue Fatwa richtet sich explizit gegen Frauen und erlaubt es Männern, diese zu verprügeln. Der Islam ist das größte Problem unserer Wertegemeinschaft, aber das wird nicht benannt.

  5. Dass es sich bei der “Die Zeit” um ein übles Kampagnenblatt handelt, dürfte dem weltmännischen Lesenden doch schon länger bekannt sein.
    Wer es mit Fakten nicht genau nimmt, dafür aber umso großzügiger mit Hass und Hetze vornehmlich von und für gesellschaftliche Randgruppen umgeht, ist eben kein seriöses Presseerzeugnis, auch wenn man gerade die Nähe zur Zivilgesellschaft sucht, die man doch so sehr bekämpft.

    1. Umso entlarvender, dass Herr TF dort jahrelang – im engen Schulterschluss mit der politischen Agenda der Zeit – kommentiert hat.)))

      1. Die Zeit hat sich mit TF geschmückt, was ja nicht verwerflich ist, im Gegenteil, er war ein Magnet. Wenn man seine Rechtskolumne eng gesehen als Aufklärung über den Rechtsstaat betrachtet und im Forum als Möglichkeit einer kritischen und erst auch konkret im Streit (durch Fehlannahmen, Fehleinschätzungen, Fragen)zu Erkenntnis gelangenden Diskursivitätsplattform, dann wüßte ich nicht was das mit einem engen Schulterschluss mit einer politischen Agenda der Zeitung zu tun hätte.

        Wozu man einen Herrn Wedel als mutmaßlich deutschen Wernsten anprangert (tatsächlich versucht Staatsanwaltschaft u Richter ERNSTHAFT (!!)zu mimen u dies der Leserschaft so vorgaukelte)und irgendwelche Geschichten von Frauen aus dem Hut zaubert, denen deren Lebensgeschichte, Lebensbeichte und Sichtweise der Erlebnisse ja auch zusteht u die sie ja klarerweise mit jedem besprechen können, ist mir jedenfalls nicht klar geworden. Dass Journalistinnen den Frauen glauben, ist ja gut und schön, aber es geht nicht um Verbrechen, die sie aufzuklären hätten. Es könnte ja auch ganz anders sein u eben so, dass sich so viele Frauen den Männern an den Hals schmeißen. Und anschließend bigottisch bitter bereuen. Was weiß man schon.
        Ich hoffe, die Betroffenen haben es geistig erfasst und intellektuell verstanden. Und ich hätte eine veröffentlichte Einsicht, Stellungnahme und Erklärung erwartet.
        Trotzdem bin ich dafür, dass man eine eigene Meinung haben darf und sich heimlich über jeden anderen u vor allem auch über jede(!) alles ausdenken u mutmaßen darf, was man nur will, aber eben nur ganz heimlich. Und nur selten und ausnahmsweise öffentlich.

  6. Kurzes Feedback zu einem langen Text: Thomas Fischer versteht den Kern des Themas nicht. Jura ist halt auch begrenzt 😉

    1. Der Geschlechter-Kampf ist nicht aufhebbar, weder durch allerneueste Erkenntnisse der Gender- Wissenschaft noch durch rechtsprechende Journalistinnen und Journalisten.

      Schlecht für Frauen, die ihrer Natur folgend glauben sich dagegen auflehnen zu können. Sie werden dann halt auf andere Weise zu Opfern, nun halt jener Männer, die sich durch deren vermeintliche Unterstützung ihre Vorteile sichern.

      Wenn man sich anstrengt kann man dies aus einer distanzierten Perspektive betrachten.

    2. Ja, kann sein. Um so besser, wenn Sie den Kern des Themas kennen.
      Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob Sie den Kern MEINES Themas erkannt haben.

      Sagen wir’s mal so, beispielhaft: Nehmen wir an, im Fußball würde ein Foul im Strafraum nicht nmit einem Elfmeter und eine Schwalbe nicht mit einer Gelben Karte bestraft, sondern mit fünf Jahren Freiheitsstrafe.
      Und nehmen wir an, fünf Menschen berichten Ihnen, dass Arjen Robben am letzten Samstag gefoult wurde, und 5 sagen Ihnen, dass das eine klare Schwalbe war: Wen würden Sie da zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilen? Und bedenken Sie bei Ihrem Urteil bitte, dass der “Kern des Themas” das Problem “Fairness im Sport” ist!

      1. @Thomas Fischer 09.03.2018 um 14:47 Uhr dürfte sich auf
        @Xenia Wörrlein 08.03.2018 um 18:24 Uhr beziehen, nicht auf den dazwischenliegenden Beitrag @E Ekat, 09.03.2018 um 07:26 Uhr

        Weiter oben steht unter Thomas Fischer 09.03.2018 um 16:16 Uhr die zentrale Frage:

        “Es bleibt letztlich die Frage nach dem SINN”

        @Der wahre Jakob äußerte erzieherische Motive. Ich meine eher im Triebbereich angelegte Kräfte zu erkennen, die sich einer vermeintlichen Rationalität bedienen.

        Also Bosartigkeit.

        Die sich in diesem konkreten Zusammenhang als eine erwünschte und notwendige Wortmeldung tarnt, in Erfüllung von Pflichten wirkendes Sendungsbewußtsein entfaltet.

        Gebe den Menschen die Gewißheit, für etwas wertvolles einzutreten, davon beseelt werden diese bei der Umsetzung vor nichts zurückschrecken.

        Die Zeiten brachten es mit sich, daß dies nun auch in Geschlechtertrennung umgesetzt werden kann.
        Absolut keine Chance, den Folgen zu entgehen.

        Die Frage nach dem Sinn, also wohin soll dies führen, wofür soll dergleichen gut sein etc, kann man womöglich allenfalls indirekt beantworten.

      2. Erst einmal Danke, dass Sie auf Kommentare reagieren. Das finde ich gut. Und ja, ich kenne – wie viele andere – den Kern des Themas gut. Und es geht nicht um IHR Thema sondern um das Thema der Debatte, das Sie kommentieren. Ich kenne den Kern der Debatte, weil ich als Frau in diesen Strukturen lebe und mich durch diverse Situationen durchlavieren musste wie die meisten meiner Geschlechtsgenossinnen, um nicht zu sagen Gender-Genossinnen. Allein der letztgewählte Begriff wird Sie wahrscheinlich nerven. Ich benutze ihn, um zu betonen, dass unsere Vorstellungen darüber, wie sich Frauen und Männer verhalten sollten, sozial konstruiert sind. Wir lernen das alle von klein auf. Nicht zuletzt deshalb ist der Kern des Themas, wie diskriminierende oder machtvolle Strukturen (als Platzanweiser für die Mitglieder einer Gesellschaft) einerseits vorhanden sind (nennt man gemeinhin Patriarchat) und wie diese Strukturen Männern und Frauen per se andere Plätze und auch Verhaltensweisen zuweisen. (=ist nur ein Teil des Problems.)

        Wenn man das Geschlecht (neudeutsch, das doing-gender) außen vor lässt, kommt man zu solchen zu kurz gegriffenen Schlüssen: Zitat Ihres Textes: „Strukturen“ der Macht, der Erniedrigung, der Ausbeutung, der Einschüchterung sind allgegenwärtig. Sie werden von Männern und Frauen getragen: In Unternehmen, Verwaltungen, Organisationen.

        Die “Strukturen der Macht” betreffen Männer und Frauen unterschiedlich. Das ist ein alter Hut – seit Jahrzehnten beschäftigen sich kluge Menschen mit der Thematik und liefern interessante Analysen. Die könnte man schon eimal zur Kenntnis nehmen, wenn man zu dem Thema Stellung bezieht. Also, raus aus dem Jura-Stübchen und rein in die pralle Welt der Soziologie und Psychologie.

        Sonst passiert genau das, was Sie monieren – Kurzschlüsse aufgrund mangelnder Sachkenntnis.

        Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht damit, dass so alle Frauen zu Opfern werden: Raus aus der Jura-Höhle.

      3. @Xenia Wörrlein:

        “Die „Strukturen der Macht“ betreffen Männer und Frauen unterschiedlich. Das ist ein alter Hut – seit Jahrzehnten beschäftigen sich kluge Menschen mit der Thematik und liefern interessante Analysen.”

        Ja, wenn sie doch nur klug (gewesen) wären, wie viel hätte uns da erspart bleiben können an ad-hoc-Philosophie und Cargo-Kult-Wissenschaft.

        Nicht von Ungefähr mussten diese “klugen Menschen” Leute wie Judith Butler, die wirklich denken konnten, gründlich fehlrezipieren, um zu dieser in manchen Kreisen heute so gängigen wie absurden Erzählung zu kommen, Strukturen der Macht betreffe Männer und Frauen, jeweils als homogene Gruppe und in einem grundsätzlichen Antagonismus gedacht, per se unterschiedlich.

        Die “letzten Jahrzehnte” haben da eher die Erkenntnis gebracht, dass die Leute, die sich so alles Wissenschaftler nennen nicht plötzlich alle auf dem Niveau eines Žižek denken können, nur weil man sie massenhaft studieren lässt.

      4. @Xenia Wörrlein:

        Auch schön, wie Sie einem Mann, der sich berufsbedingt Jahrzehnte lang in die Untiefen der Leben ganz realer Menschen begeben musste um über sie Recht sprechen zu können, empfehlen, er solle aus seinem Jura-Stübchen heraus kommen. Da haben Sie wirklich eine fehlgeleitete Vorstellung von der tatsächlichen Arbeitsweise der deutschen Justiz.

      5. Das Bezugnehmen funktioniert hier bei meedia leider nicht so toll. Meine Antwort war an Thomas Fischer gerichtet. Hier noch einmal an passender Stelle, s.u. (hoffe ich mal….)

        @Illen I: Was soll denn das für ein Argument sein? Žižek ist schlauer und deshalb ist es richtig, was er sagt? Woher wollen Sie wissen, dass er schlauer ist? Weshalb macht das seine Aussagen zu den “richtigeren”? Ich gucke mir da lieber die Argumentationslogik an.

        @Illen II: Herr Fischer argumentiert aus der juristischen Perspektive. Im Prinzip argumentiert er moralisch – da die Gefahr besteht, dass Personen zu Unrecht beschuldigt werden und ohne Strafverfahren/ ohne verurteilt worden zu sein, sozial geächtet werden können, sollte man nur innerhalb der rechtlich definierten Regeln darüber sprechen. Das meine ich mit “juristischer Höhle”. Warum sollten juristische Erwägungen das Maß aller Dinge sein, auch wenn es natürlich richtig ist, dass der potentielle Schaden berücksichtigt werden muss. (Ich bin sicher, dass die ZEIT und die Frauen, die interviewt haben, sich das sehr genau überlegt haben.)

        Mit Ausweitung der Perspektive meinte ich nicht der Alltag – na klar haben Herr Fischer und wir alle Ahnung davon – sondern z. B. andere Sichtweisen wie die Soziologie, die sich mit Macht, Diskrimierung und dominanten Gruppen beschäftigt.

        @Thomas Fischer
        Erst einmal Danke, dass Sie auf Kommentare reagieren. Das finde ich gut. Und ja, ich kenne – wie viele andere – den Kern des Themas gut. Und es geht nicht um IHR Thema sondern um das Thema der Debatte, das Sie kommentieren. Ich kenne den Kern der Debatte, weil ich als Frau in diesen Strukturen lebe und mich durch diverse Situationen durchlavieren musste wie die meisten meiner Geschlechtsgenossinnen, um nicht zu sagen Gender-Genossinnen. Allein der letztgewählte Begriff wird Sie wahrscheinlich nerven. Ich benutze ihn, um zu betonen, dass unsere Vorstellungen darüber, wie sich Frauen und Männer verhalten sollten, sozial konstruiert sind. Wir lernen das alle von klein auf. Nicht zuletzt deshalb ist der Kern des Themas, wie diskriminierende oder machtvolle Strukturen (als Platzanweiser für die Mitglieder einer Gesellschaft) einerseits vorhanden sind (nennt man gemeinhin Patriarchat) und wie diese Strukturen Männern und Frauen per se andere Plätze und auch Verhaltensweisen zuweisen. (=ist nur ein Teil des Problems.)

        Wenn man das Geschlecht (neudeutsch, das doing-gender) außen vor lässt, kommt man zu solchen zu kurz gegriffenen Schlüssen: Zitat Ihres Textes: „Strukturen“ der Macht, der Erniedrigung, der Ausbeutung, der Einschüchterung sind allgegenwärtig. Sie werden von Männern und Frauen getragen: In Unternehmen, Verwaltungen, Organisationen.

        Die „Strukturen der Macht“ betreffen Männer und Frauen unterschiedlich. Das ist ein alter Hut – seit Jahrzehnten beschäftigen sich kluge Menschen mit der Thematik und liefern interessante Analysen. Die könnte man schon eimal zur Kenntnis nehmen, wenn man zu dem Thema Stellung bezieht. Also, raus aus dem Jura-Stübchen und rein in die pralle Welt der Soziologie und Psychologie.

        Sonst passiert genau das, was Sie monieren – Kurzschlüsse aufgrund mangelnder Sachkenntnis.

        Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht damit, dass so alle Frauen zu Opfern werden: Raus aus der Jura-Höhle.

      6. @Xenia Wörrlein:

        Die Kommentarfunktion bei Meedia kennt nur 3 Ebenen, Sie haben schon richtig geklickt. Die Antworten in der dritten Ebene erscheinen alle untereinander, das ist dann etwas unübersichtlich.

        Ich schrieb nicht, dass das was (pars pro multis) Žižek sagt immer richtig ist, weil er schlauer ist. Sondern dass die Wahrscheinlichkeit, dass Analysen zutreffend sind oder überhaupt etwas Wahres über die Welt aussagen eben steigt, wenn man tatsächlich wissenschaftlich Denken kann und nicht bloß einen Lehrstuhl für Gender Studies besetzt.

        Sie müssen mir die Polemik bitte verzeihen; aber Sie ahnen wahrscheinlich nicht wie sehr Sie falsch liegen, wenn Sie in Ihrem apodiktischen Kommentar ex cathedra verkünden, die „Strukturen der Macht“ beträfen Männer und Frauen unterschiedlich, dass würden kluge Menschen schon seit Jahrzehnten analysieren.

        Das zu sagen ignoriert eine derartige Fülle von gegenteiligen Analysen und Befunden aus allen möglichen Fachgebieten, dass man es kaum in Worte fassen kann. Tatsächlich ist das, was Sie da beschreiben, ein feministisch bewegter Vulgär-Poststrukturalismus, der weder Foucault noch Derrida verstanden hat und außerhalb der eigenen Lehrstühle aus allen Richtungen fundierte Kritik erfahren hat, ohne dass so etwas wie wissenschaftliche Lauterkeit zu einer vertieften Beschäftigung mit dieser Kritik geführt hätte.

        Genauso doing-gender. Diese Idee ist in der Gesamtbetrachtung aller relevanten wissenschaftlichen Teilbereiche (Soziologie, Psychologie, Neurowissenschaften, usw.) schlicht unhaltbar, dass hat sich nur noch nicht bis in die Gender Studies herumgesprochen. Dort schmort man im eigenen Saft, zitiert sich einmal im Kreis herum und baut fleißig die Wagenburg auf, während man ihnen v ö l l i g zu Recht vorwirft, außerhalb des eigenen tönernen Theoriegebäudes seit Jahren jeden wissenschaftlichen Disput zu verweigern. Ein ganzer Fachbereich voller beseelter Gläubiger, denen zufällig Religion fremd war und die sich etwas anderes suchen mussten.

      7. Zu Xenia Wörrlein:
        Ich glaube, dass Sie es (sich) deutlich zu einfach machen.
        Meine Kritik daran, dass “mein Thema” nicht erkannt worden sei, hatte in der Tat nichts mit dem “Thema der Debatte” zu tun. Es ging (mir) bei dieser Bemerkung nur darum, der penetranten “Kritik” entgegenzutreten, ich würdige die Beweislage gegen Herrn Wedel nicht richtig. Denn um diese Beweislage geht es mir tatsächlich nicht; ich muss (und will) sie (leider und zum Glück) den Hundertausenden von Genies überlassen, die diese Kunst beherrschen.
        Es bleibt ja vor allem auch die Frage, wozu man eigentlich Strafverfolgungsbeghörden und Richter braucht, wenn doch jede(r), der/die “in (diesen) Strukturen lebt”, alles viel besser kann, und zwar ohne die geringste Mühe, durch bloßes Zeitunglesen.
        Erniedrigung, Ausbeutung und Missbrauch von Macht sind mitnichten sinnvoll reduzierbar auf einen Antagonismus zwischen Frauen und Männern. Dies ist eine religiös anmutende Behauptung von sehr geringter analytischer Intelligenz.
        Ich weiß nicht, ob Herr Wedel die Verbrechen begangen hat, die man ihm vorwirft. Ich kritisiere, dass die ZEIT so tut, als wisse sie es, und zwar aufgrund professionellster Arbeit, die sich “die Ermittler zum Vorbild” genommen hat. das ist offensichtlöich nicht der Fall: Die “Beweiswürdigung” der ZEIT-Artikel weist Mängel auf, die man Gerichten gewiss nicht durchgehen lassen würde; sie besteht in der Form aus zahlreichen tendenziösen sprachliche-journalistischen Tricks.
        DAS ist “mein Thema”, und dem können Sie nicht mit der Behauptung entgegentreten, dass Sie Strukturen kennen, in denen Frauen schlecht behandelt werden.
        Die Wedel-Enthüllungen sollen angeblich dazu dienen, bestehende Strukturen zu ändern und Missstände aufzudecken. Wenn Sie solche kennen: Warum benennen Sie sie dann nicht? Welche heutigen Opfer und Täter von sexuellen Nötigungen kennen (und decken) Sie?
        Die penetrante Gleichsetzung “der Frauen” als einer biologisch definierten Gruppe hilfloser Opfer empfinde ich als unerträglich. Frauen werden behandelt wie kleine Kinder, die per se unfähig sind, eigene Interessen überhaupt richtig zu erkennen und zu behaupten: psychisch Kranke, HIlfsbedürftige, “Opfer” von Natur aus.
        Dem entspricht die Dramatisierung und Hysterisierung der Täter-Seite: Unverschämtheiten werden zu Verbrechen; jede Belästigung zum “Trauma”, das angeblich Jahrzehnte des Lebens bestimmt. Das stimmt nicht; es verhöhnt letztlich die Opfer schwerer Straftaten.
        Unverständlich ist mir, was Sie – und andere – mit dem Vorwurf meinen, meine Kritik komme aus dem “Jura-Stübchen”, sei “typisch juristisch”, usw. Meint: weltfremd, praxisfern, lebensfeindlich. Das ist, mit Verlaub, dummes Zeug. ich argumentiere kein bisschen “juristisch” – es sei denn, Sie halten Grundandforderungen an Fairness und Kritik am öffentlich-medialen “Vernichten” von Personen für juristische “Spitzfindigkeiten”.
        Auch das ist eine recht typische Haltung für “populistisches” Eifern jeder Art: Angeblich sind es immer die “Formalien”, welche den Sieg der wahren Gerechtigkeit verhindern. Und stets sind die unsinnigsten und ungerechtesten Formalia , Gesetze und Regeln diejenigen, die den (jeweiligen) “Feinden” nützen. Wenn man selbst unter die Räder und ins Visier der Vernichtung und “Gerechtigkeit” gerät, können es gar nicht genug “Spitzfindigkeiten”, juristischen Formen und schützenden regeln sein.
        TF

      8. Also eines Mal vorweg – ich komme gar nicht aus den Gender Studies. Aber Schwamm drüber. Was meine ich mit “Jura-Stübchen“?

        Bestimmt nicht das:
        Zitat T. Fischer ” „typisch juristisch“, usw. Meint: weltfremd, praxisfern, lebensfeindlich. Das ist, mit Verlaub, dummes Zeug. ich argumentiere kein bisschen „juristisch“ ”

        Natürlich meine ich nicht, dass Jura weltfremd oder praxisfern ist. In der Rechtssprechung spiegelt sich Kultur und Gesellschaft wider – gar keine Frage.

        Allerdings führt es zu Fehlschlüssen, die Funktionsweise des juristischen Systems auf andere Systeme (wie z. B. das Mediensystem) übertragen zu wollen. (Luhmann lässt grüßen). Das passt nicht. Und das ist das, was Sie versuchen.

        Konkret: Sie können von Journalisten nicht erwarten, dass sie wie Juristen vorgehen. (Steht auch schon in Kommentaren der anderen Leser.)

        Aufgabe der Medien ist, die journalistischen Maßstäben einer Verdachtsberichterstattung anzulegen und einzuhalten. Massenmedien funktionieren nun einmal anders als das Recht und sie haben auch eine andere gesellschaftliche Funktion.

        Wo die Grenzen und Gefahren liegen, kann und sollte man natürlich diskutieren; aber nicht indem man die Regeln/ Funktionsweisen seiner eigenen Wissenschaft über alles stülpt.

        Mir war klar, dass Sie mit dem Opferargument kommen – Zitat:
        “Die penetrante Gleichsetzung „der Frauen“ als einer biologisch definierten Gruppe hilfloser Opfer empfinde ich als unerträglich. ”

        Genau darum geht es nicht. Es werden nicht alle Frauen zu Opfern definiert. Sondern die breite Medienbericht-Erstattung und vor allem die Reaktionen darauf, gibt vielen Frauen, die Opfer waren, überhaupt erst die Möglichkeit, endlich ernst genommen zu werden. Wieso haben Sie dafür überhaupt kein Verständnis?

        Das sieht nach einem Paradigmenwechsel aus. Sie finden das bedrohlich. Ich und viele andere nicht.

      9. @Xenia Wörrlein:

        Ich wollte Ihnen nicht unterstellen aus den Gender Studies zu kommen. Es ist nur so, dass die Aspekte, die Sie ansprachen (doing gender, das Patriarchat), heute ganz wesentlich von den Gender Studies vertreten werden. Diese bilden das pseudowissenschaftliche Rückgrat, auf das sich feministisch bewegte Kreise beziehen, wenn sie sagen, dieses oder jenes sei “wissenschaftlich längst erforscht”. Das sieht man ja gerade an Ihrem Kommentar sehr schön, der in einer Bestimmtheit formuliert ist, als gebe es an diesen Thesen keinen vernünftigen Zweifel (weil Wissenschaft und kluge Menschen). Das ist nur möglich, weil Widerspruch in den Gender Studies eben nur als Häresie rezipiert wird, wenn überhaupt.

        Wenn Sie im Übrigen in Ihrem letzten Kommentar sagen, Herr Fischer erwarte von der Zeit, dass Journalisten wie Juristen vorgehen sollten, dann haben Sie ihn schlicht missverstanden. Die Zeit selbst ist es, die behauptet, sie hätte bei der Recherche Sorgfaltsmaßstäbe der juristischen Strafverfolgung angelegt. Herr Fischer kritisiert, dass das offensichtlich nicht wahr ist. Ich weiß nicht, wie oft er das jetzt schon dargelegt hat.

        Nicht er hat also “die Regeln seiner Wissenschaft über andere gestülpt”, sondern die Zeit hat sich die Schuhe der Rechtswissenschaft angezogen, und Herr Fischer kritisiert (mit Beispielen), dass sie ihr evident zu groß sind.

      10. Xenia Wörrlein 12.03.:
        Ich glaube, dass Sie wirklich nicht verstanden haben, was ich meine, und dass wir daher aneinander vorbeireden.
        Ich meine keineswegs, dass Medien bzw. journalistische Arbeit so zu sein hat wie “das juristische System”. Sie meinen damit vermutlich “die Justiz”; und Herr Luhmann würde zwischen beidem gewiss eine Menge Unterscheidungen finden.
        Medien machen keine Ermittlungsverfahren und Prozesse, und Gerichte machen keine Verdachtsberichterstattung; das ist (mir) schon klar.
        Allerdings hat nun DIESES Mediium geschrieben: “Wir haben uns das Vorgehen der Ermittler zum Vorbild genommen und das Ergebnis gewürdigt…”
        Es bin nicht ich, der der Zeit vorwirft, NICHT wie die Justiz zu agieren, sondern es ist die ZEIT, die behauptet, eben dies habe sie getan. Sie hat “Zeugen einvernommen”, Weigepflicht-Entbindungen eingeholt, Sachverständige befragt, und dann Beweise “gewürdigt”; sodann kam sie zu einer “erdrückenden Beweislage”.
        Meine (eher unwichtigen) kleinen Nörgeleien hieran in der Sache betreffen allein die überhebliche Behauptung, ein quasi professionelles Ermittlungsverfahren geführt zu haben.
        Wichtiger ist (mir) die Kritik in der vermischjenmden Form: Die ZEIT präsentiert ihre Ermittlung nämlich eben nicht so, als habe sie das Vorgehen von Ermittlern zum Vorbild, sondern in journalistisch aufpepeppter, stimmungs-erzeugender Schreibe: Mit Halbzitaten, wertenden Unterstellungen, moralisierenden Hinweisen, ohne jede Trennung von “Dokumentation” und Meinung, Bericht und Würdigung.
        Ich weiß schon, was verdachtsberichterstattung ist, und die ZEIT-Artikel sind es in einer sehr grenzwertigen Weise: Sie überschreiten die Grenze zum “Zueigenmachen” mit der Beschuldigung teilweise eindeutig – was auch kein Wunder ist, denn die ZEIT selbst hat die Beschudigungen ja generiert.

        Das alles – und mehr – betrifft die journalistische Seite. Da bekleckert sich die ZEIT in diesem Fall nicht mit Ruhm, denn sie tut letztlich nichts anderes als viele Medien, die sie sonst mit Recht und mit Härte kritisiert (hat).

        Darüber hinaus / daneben gibt es die “Sinn”-Seite, also sagen wir: die gesellschaftspolitische. Sie sprechen von einer “breiten Mediendiskussion”. Welche meinen Sie hier konkret? Ich spreche über den “Fall Wedel”. Welche Möglichkeit gibt er “vielen Frauen, die Opfer waren”? Sprechen wir über das Jahr 1975, 1981, 1991, 1996? Oder über 2017/2018?
        Welche Frauen haben HEUTE nicht “die Möglichkeit, Ernst genommen zu werden”? Wieso muss man 40 Jahre alte, unbeweisbare Beschuldigungen en detail “erörtern”, um HEUTE bestehende “Strukturen” zu ändern?
        Ich habe nichts dagegen, wenn über Beschuldigungen berichtet wird – Das ist der Sinn der Verdachtsberichterstattung. Aber gegen öffentliche Tribunale, die von vornherein allein (!) den Sinn und Effekt der sozialen Vernichtung haben können, habe ich einiges.

        Bei der Sache mit der “Opfer-Definition” haben Sie nicht verstanden, was ich meine. Es geht nicht um fehlendes “Verständnis”” für Geschädigte, Verletzte, Straftat-Opfer. Ihc habe mit einiger Sicherheit mit hundertmal mehr von ihnen gesprochen als Sie und bin nicht vollständig blöd, einsichts- und empathiefrei.
        Es geht mir um die penetrante (!) Vermischung, Romantisierung, Stilisierung, und die m.E. wirklich nervende Attitüde der “Fürsorge” kraft Indentifizierung. Die Armen, die niemals die “Möglichkeit” haben sich zu artikulieren, zu wehren und zu verantworten, werden immerzu vertreten von denen, die nicht ganz so arm dran sind, aber ganz unbedingt auch ein Opfer sein wollen. Nicht unähnlich der früheren Avandgarde der Arbeiterklasse, die stellvertretend für die darbenden Massen durchs Westend zog.

        Ich sag’s mal mit Sabine Rückert: “Der gegenwärtige Feminismus kann für Frauen auch zur Falle werden. Er führt sie nicht unbedingt in die Freiheit und zu mehr Selbstbewusstsein, sondern oft in den dauerhaften Opferstatus. Man kann nicht immer die anderen (am liebsten die Männer) verantwortlich machen für alles, was einem an Zurückweisung widerfährt oder an Vorhaben misslingt. Ich suche in den feministischen Debatten inzwischen die Antwort auf die Frage: Woran bin ich eigentlich noch selbst schuld? Zur Selbstbestimmung gehört die Selbstverantwortung. Von der ist mir zu wenig die Rede.”
        (Rückert, ZON, 2016).

      11. Interessant – ich habe diese Sätze der ZEIT
        „Wir haben uns das Vorgehen der Ermittler zum Vorbild genommen und das Ergebnis gewürdigt…“
        nicht so ernst genommen wie Sie beide, weil eine Zeitung gar nicht ermitteln kann wie Juristen. Aber zum Vorbild kann eine Zeitung sich das – mit ihren begrenzten Möglichkeiten – ja trotzdem nehmen.

        Sie können mir glauben, dass es viele Varianten gibt, bei denen Frauen auch heute (immer noch) nicht ernst genommen werden.

      12. @Xenia Wörrlein
        Man (n, ich) glaube gern, dass es Ihnen um die große Debatte geht, die Sie gern diskutieren würden und in deren Namen Sie die hier von TF angestoßene Debatte, bei der es sachlich um völlig andere Inhalte als in der Ihren geht, zu okkupieren gedachten.
        Nennen wir es mal beim Namen: Sie “trollen” die hier geführte Debatte, um die hier sachbezogenen Argumente zu diskreditieren. Wenn man Sie dabei nicht ganz ernst nimmt, könnte es zumindestens auch daran liegen, dass sich auf sachliche Argumentation zur hiesig aufgeworfenen Fragen gar nicht erst einlassen. Buchstäbliche Bände spricht dabei Ihr letztes Statement vom13.03.2018 um 20:57 Uhr,
        wonach Sie die redaktionelle Rechtfertigung
        „Wir haben uns das Vorgehen der Ermittler zum Vorbild genommen und das Ergebnis gewürdigt…“
        nicht so ernst genommen hätten, weil eine Zeitung gar nicht ermitteln könne wie Juristen, sich deren Arbeitsweise jedoch –
        mit begrenzten Möglichkeiten – zum Vorbild nehmen könne.
        Man könne Ihnen glauben, dass es viele Varianten gäbe, bei denen Frauen auch heute (immer noch) nicht ernst genommen werden.
        Gut und schön, wir wissen dies sogar. Nur hat dieses Wissen leider nichts mit der Frage zu tun, ob eine Zeitung mal eben einen ” öffentlichen Pranger” (für welche Missetat auch immer) installieren darf. Sollte sie es dürfen, wenn damit die gute großartige Sache der Gleichstellung der Frau gesellschaftlich mehr Aufmerksamkeit erhält? Wie viel Rechtstaatlichkeit darf und sollte man über Bord werfen für die gute Sache? Was ist per Definition eigentlich eine gute Sache und wer entscheidet diese Frage später, wenn wir rechtstaatliche Prinzipien erst einmal aufgegeben haben?
        Ich gehe deshalb noch weiter: Es gibt gute Gründe, zumindest in diesem Fall Ihre Argumente lieber nicht ernst zu nehmen, soweit Sie schreiben: “Herr Fischer argumentiert aus der juristischen Perspektive. … Warum sollten juristische Erwägungen das Maß aller Dinge sein, auch wenn es natürlich richtig ist, dass der potentielle Schaden berücksichtigt werden muss. (Ich bin sicher, dass die ZEIT und die Frauen, die interviewt haben, sich das sehr genau überlegt haben.)”
        Denn die einzige juristische Perspektive, aus der TF argumentiert hat, ist die des Grundgesetzes. Ich bin unsicher, ob die Zeit und die Frauen, die interviewt haben, sich sehr genau überlegt haben, was der potentielle Schaden überhaupt sein könnte. In Bezug auf die irreparable Rufschädigung des Einzelnen als Schaden hängt es davon ab, ob die Beschuldigungen den Tatsachen entsprechen. Da stehts so 50:50, weil eine Beweiswürdigung aus der Ferne juristisch nicht möglich ist und die Zeit-Idealist*innen bisher keinen Anlaß gaben, auf ihr juristisches Beurteilungsvermögen zu vertrauen! Den übrigen potentiellen Schaden hat man bei der Zeit offenbar übersehen (wollen?).

      13. @barzer:

        Frau Wörrlein gleich mal Trollerei vorzuwerfen ist ein bisschen viel des Guten ich bitte Sie. Dass Leute andere missverstehen oder zu inhaltlich verwandten Themen überleiten wollen, ist alltäglich. Im Übrigen tritt sie sachlich auf. Statt wortreich zu betonen, wie sehr man ihre Argumente nicht ernstnehmen sollte, schlage ich vor Sie setzen sich inhaltlich mit ihnen auseinander. Das wirkt Wunder.

        @Xenia Wörrlein:

        Naja, es spricht sicher nichts dagegen, sich juristische Beweiserhebung zum Vorbild zu nehmen, nur muss man im Falle der Wedel-Geschichten dann eben konstatieren, dass die Zeit an diesem Vorbild kläglich gescheitert ist. 😉

        Dass es auch heute noch vorkommt, dass eine Frau nicht ernst genommen wird, weil sie eine Frau ist, da würde Ihnen denke ich niemand widersprechen. Nur über die Gründe dafür und ob es überhaupt ein Problem von ausreichendem gesellschaftlichen Ausmaß ist herrscht ja der Streit, gerade auch unter Frauen selbst übrigens.

      14. @ Illen
        Es mag gut sein, dass Frau Wörrlein nicht bewusst trollt, andererseits ist ihre Argumentation m.E. vordergründig auf emotionalisierende Provokation ausgelegt, wie sie sogar ausdrücklich selbst deutlich machte. Sie entzieht sich m.E. bewußt der Auseinandersetzung mit den vorgebrachten Sachargumenten bzw. missversteht diese bewußt. Möglicherweise nicht, um die Diskussion hier im allgemeinen zu verhindern, allerdings wohl aber, um ihrem eigenen Thema und ihrem Anliegen (Gleichstellung der Frau) Aufmerksamkeit zu verschaffen. Dabei verdient ihr Anliegen auch Aufmerksamkeit, keine Frage. Aber diese Aufmerksamkeit mit der Behauptung erzielen zu wollen, der Beitrag von TF würde wissenschaftliche Fakten ignorieren, sei aus der Höhle des (männlichen) Juristen geschrieben oder womöglich gar reaktionär letztlich gegen die Gleichstellung der Frau gerichtet, obwohl dies alles weder objektiv so gesehen werden kann und obwohl TF mehrfach erläutert hat, dass sein Beitrag auch subjektiv so nicht intendiert ist, das finde ich dann
        schon etwas trollig.

      15. Nein, Trollen war und ist nicht meine Absicht. Nur weil ich ganz anderer Meinung bin, ist das noch kein Trollen 😉 Mir ging und geht es darum, dass Medien eine Funktion für die Gesellschaft haben und mit anderen Mitteln arbeiten als das System Recht. Man kann nicht mit juristischen Maßstäben die journalistische Berichterstattung anprangern. Und ja, Journalisten müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein, wenn sie über Anschuldigungen berichten, wie sie gegen Dieter Wedel vorgebracht werden. Ich vertraue einem Medium wie der ZEIT, dass es das tut und die Stellungnahmen zeigen mir, dass sich die Zeit ihrer journalistischen Verantwortung stellt.

        Dass Herr Fischer sich so vehement gegen das “eigentliche Thema” der ZEIT wehrt, nämlich die sexuelle Belästigung von Frauen und sich wundert, dass sich viele Frauen (und auch Männer) sich erst Jahre nach den Erlebnissen melden, erstaunt mich. Es gibt viele sehr nachvollziehbare Gründe, warum das so ist. Ganz aktuell: mögliche Übergriffe beim Weißen Ring in Lübeck. Auf mich wirkt es so, dass jemand nicht verstehen will und auf Neben-Aspekte ausweicht.

        Wir sollten endlich in diese Debatte wirklich einsteigen:
        “Anders als in Deutschland, wo die Debatte über die grundsätzlichen Fragen von Sexismus und sexueller Gewalt eher schleppend und unwillig verläuft, ist Schweden mitten in einem Prozess, der alles verändern könnte, so die Hoffnung vieler,…
        UND:
        “Es geht uns nicht darum, einzelne Männer zu beschuldigen. Es geht uns darum, das System zu verändern. Wir alle haben die Zustände akzeptiert. Wir alle müssen uns zusammen verändern.”

        Genau darum geht es mir und ein paar anderen 😉

        http://www.spiegel.de/spiegel/sexismus-in-schweden-die-schwedinnen-gehen-in-die-offensive-a-1181501.html

      16. Xenia Wörrlein 17.3. 12.38:

        Durch bloßes Wiederholen wird’s ja auch nicht besser.
        Ihr Vorwurf, dass ich mich angeblich “vehement gegen das eigentliche Thema” der ZEIT-Veröffentlichung wehre, ist schlicht falsch. Er verdreht überdies die Dinge ein wenig. Denn eigentlich hatte ja ich – gegen Ihre und andere Kritik – eingewandt, es sei MEIN Thema (nämlich die Berichterstattungs-Form) nicht verstanden worden…

        Gegen das “eigentliche Thema”, dass “wir uns alle verändern sollten”, ist ja nun mal gar nichts einzuwenden. Ebensowenig gegen die Annahme, dass Nötigungen oder Machtmissbräuche aus sexuellen Motiven unakzeptabel sind und ggf. auch strafbar sein sollten.
        “Wir” sollten uns allerdings noch in vielerlei anderer Hinsicht “alle verändern”.

        Falls Sie mit Ihrem Hinweis auf die angeblich vorbildlichen Entwicklungen in Schweden die dort gerade Einzug haltende Umkehr der Beweislast bei Sexualdelikten meinen: Da bin ich in der Tat anderer Ansicht. Ich hielte das keineswegs für vorbildlich, sondern im Gegenteil für einen (weiteren) Schritt in Richtung des Ersetzens eines Rechtsstaats durch einen Sicherheits- und Polizeistaat.
        Sie können sich ja schon einmal in Vorfreude ausmalen, wie es ist, wenn die “Beweislast” bei Beschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern (und anderen) oder wegen “Belästigung durch Berühren” (§ 184i neuer Fassung) “umgedreht” wäre, und wie Sie es dann ggf. schaffen wollen, den “Beweis” zu führen, dass Sie das Kind ihrer Nachbarn NICHT vor drei Jahren missbraucht und dass Sie den glutäugigen Partygast von letzter Woche NICHT belästigend berührt oder “sexistisch” angequatscht haben.

        Das alles – ich wiederhole es gern auch zum fünften Mal – hat aber mit meinem Thema sehr wenig zu tun. Und selbst wenn Sie meiner Kritik nicht zustimmen wollen, ergäbe sich daraus keine Berechtigung für die Unterstellung, dass ich mich gegen eine Ausgrenzung oder Strafbarkeit von Sexuellen Übergriffen “wehre”.

        Nachdem Sie nun viele Male denselben Vorwurf wiederholt haben: Könnten Sie sich nicht einmal ausnahmsweise auf MEINE Kritik einlassen und mir sagen, ob und was Sie INSOWEIT auszusetzen haben? Anders gesagt: Halten Sie die “journalistische” Darstellung des “Falls Wedel”, an die man angeblich keine juristischen Maßstäbe anlegen darf, für gelungen, angemessen, geeignet? Wenn ja: Warum? Woher nehmen Sie die Überzeugung, dass die Personen, die Wedel beschuldigen, die Wahrheit sagen? Weil zwei Reporterinnen, die sie gar nicht kennen, ihnen gesagt haben, sie hätten mit den Zeuginnen gesprochen, die Sie ebenfalls nicht kennen?

        Frau Wahba, eine der Reporterinnen, hat in einem Interview des “Stern” den Umstand erwähnt, dass eine der Zeuginnen ihre Psychotherapeutin von der Schweigepflicht entbunden habe, und dies so gewertet: “Wenn jemand so weit geht, dass er tatsächlich alles offen legt, dann kann man davon ausgehen, dass die Person als glaubwürdig einzuschätzen ist.”
        Das ist ein so genannter “Erfahrungssatz”, der allerdings überhaupt nicht existiert und daher glatt falsch ist. Eine Beweiswürdigung durch ein Gericht, die so begründet würde, würde als rechtsfehlerhaft aufgehoben. Denn viele Menschen, die “alles offen legen”, lügen trotzdem, oder irren sich, oder geben verzerrte Erinnerungen wieder.
        Wenn die “Überzeugung” der Glaubwürdigkeits-Beurteilerinnen von der ZEIT auf SOLCHEN “Regeln” und Annahmen beruht, ist sie ziemlich wenig wert.
        Das das kann man nicht mit dem Argument beiseiteschieben, es seien ja “nur” journalistische Maßstäbe anzuwenden. Für “Wahrheit” und “Glaubwürdigkeit” gelten in Verbrechens-Vorwürfen nämlich immer dieselben Maßstäbe!

        Die ZEIT behauptet, nach dem “Vorbild der Ermittler” die Wahrheit herausgefunden zu haben, gibt aber zum Nachweis ihrer Kompetenz dazu laufend nur fehlerhafte oder sogar ganz falsche Erklärungen oder Erläuterungen. Das einzige, was “journalistisch” und perfekt ist, sind die Detailschilderungen der behaupteten Taten, die allerdings überhaupt nicht erforderlich gewesen wären, wenn es nur darum ging zu zeigen, “dass wir uns ändern” sollen. Denn jede(r) weiß ja, was eine Vergewaltigung oder der Versuch einer Nötigung ist. Das muss man keineswegs seitenlang ausschmücken, erst recht nicht, wenn es sowieso verjährt und gar nicht mehr beweisbar ist.

        Langer Rede kurzer Sinn: Schauen Sie nochmal auf den Titel meines Textes. Und fragen Sie die ZEIT, warum sie nicht die Geschichten von den zahllosen Praktikantinnen erzählt (hat), die in ihrer eigenen Redaktion (angeblich) sexuell genötigt und dransaliert wurden – mit allen Details, bitte, und den Schulderungen der psychischen Störungen, die das verursacht hat. Und warum sie nicht eine Geschichte von einem Sexualverbrechen in der heutigen, aktuellen deutschen Fernsehwelt erzählt. Natürlich nur, damit alle einmal sehen können, dass sich etwas ändern muss in Deutschland!

        Jedesmal wenn man fragt, wo denn die zahllosen Opfer sind, die HEUTE immer noch “schweigen” müssen, wird man darauf hingewiesen, dass Männer oft die besseren Stellen und höheren Gehälter haben, und dass “dumme Sprüche” und herablassende Missachtung von Untergebenen und Schwächeren vorkommen. Das ist mir alles ein bisschen zu allgemein und global, um daraus die Legitimation für das große deutsche Weinstein-Drama zu basteln, bei dem es dann vor lauter Gutmeinen und Empören auf irgendwelche Feinheiten nicht mehr ankommt und es auch irgendwie egal ist, ob man einen wegen eines oder wegen zwanzig angeblicher Verbrechen “vernichtet”.
        TF

    3. @Illen

      “Naja, es spricht sicher nichts dagegen, sich juristische Beweiserhebung zum Vorbild zu nehmen, nur muss man im Falle der Wedel-Geschichten dann eben konstatieren, dass die Zeit an diesem Vorbild kläglich gescheitert ist.”

      Ja, wenn man es so auffasst, dass die ZEIT 1 zu 1 eine juristische Beweiserhebung durchführen wollte, dann konnte das nicht gelingen.

      1. Man muss das gar nicht speziell auffassen, sondern nur die Formulierung beim Wort nehmen. Wenn “sich etwas zum Vorbild nehmen” irgendeinen Gehalt hat, dann ist die Zeit gescheitert.

        Wenn “sich etwas zum Vorbild nehmen” aber eigentlich gar nichts heißen soll, außer vielleicht einer gefühligen Assoziation ohne inhaltliche Konsequenzen, dann ist der Zeit natürlich nichts vorzuwerfen.

  7. zwei Antworten zu Fischer in Meedia zu Zeit-Wedel-#metoo.
    1) Fischer wieder viel, viel, viel zu lang, zu umständlich, zu geschraubt – eben Jurist nicht Journalist, eine kleinklabustrische Aufzählung, keine Analyse. Juristisch vielleicht ok, journalistisch: tendenziöses Ausweichmanöver.
    2) Die Zeit hin, deren Reputation her: beim ersten Beitrag der Zeit zum Thema Wedel #metoo notierte ich: Trau schau wem – alte Volksweisheit . . .

    1. 1) Welches Ausweichmanöver?
      Ausweichen vor WAS?

      Welche “Analyse” hätten Sie denn gern – und kurz! – gehabt?

      Was heißt “juristisch o.k.”? Welchen “juristischen” Teil meinen Sie?

      2) Verstehe ich nicht.

    2. Lieber ein langatmiger Jurist, der stringent argumentieren kann, als Journalistinnen, bei denen kurzatmig die Logik durch Selbstgerechtigkeit ersetzt wird.

    1. Ja, den kenne ich. Aber das sind ja nur “Geschichten” ohne Namen, Rufmord” vielleicht; unüberprüfbar.
      Wie lautet der Name? Welches “System” bestand bis 2000 oder länger bei der ZEIT? Wer war damals eigentlich Chefredakteur, wer Herausgeber, und wusste davon? Ober war am Ende gar selbst Teil des “Kartells”?
      Wie viele “Praktikanntinnen” wurden genötigt? Zu was? Wie konnten Sie damit leben? Wurden Sie von der ZEIT entschädigt? Warum erfahren wir ihre “Geschichten” nicht? Warum decken Sie die Schuldigen bis heute, anstatt dafür zu sorgen, dass “die Diskussion in Deutschland ankommt” und die “Strukturen” in allen anderen Redaktionen geändert werden?

      Man könnte natürlich sagen: Schwamm drüber, das war einmal und ist nicht mehr. So macht es Frau Radisch in ihrem Text von 2017. Das scheint mir plausibel und (wahrscheinlich) auch sinnvoll.
      Deshalb ist es ja so enttäuschend, dass dieselbe Redaktion loszieht und ein Spektakulum Grandiosum veranstaltet über 20 anonyme und drei unanonyme Fälle zwischen 1975 (!) und 1997 und so tut, als handle sie in der heiligen Mission, “den Frauen” und Opfern der pensionierten Kameltester bei ZDF und ARD endlich zu einem Forum zu verhelfen.

      Sie vergisst übrigens auch nicht zu erwähnen, dass ein 74jähriges (mögliches) Opfer “sorgfältig geschminkt” ist ebei der “Einvernahme”.
      Na so was! Da wird doch nicht etwa der böse Sexismus die Feder der Redakteurinnen geführt haben?

      1. Lieber Herr Fischer, in Radischs Text steht sehr wohl ein Name: Rudolf Walter Leonhardt († 2003), Ressortleiter unter den Chefredakteuren Josef Müller-Marein, Marion Gräfin Dönhoff und Theo Sommer.

        Über die Wedel-Berichterstattung in der ZEIT und die Motive der RedakteurInnen weiß ich viel zu wenig, als dass ich darüber urteilen oder auch nur spekulieren könnte. Dass die ZEIT aber nicht vorrangig Vergangenheitsbewältigung in eigener Sache betreibt, kann nicht wirklich verwundern. Welche Zeitung, die Wind von einem (natürlich mutmaßlichen) deutschen Weinstein bekommt, würde diesen Fall zum Anlass einer Nestbeschmutzung / Nabelschau nehmen, anstatt ihn so gut wie möglich zu recherchieren?

    2. Interessante (Schluss-)Frage!
      Mal zurückgefragt: Wenn Leonhard der Weinstein der ZEIT war (oder einer ihrer Weinsteins): Warum dann in der Ferne, beim Saarländicshen Rundfunk, suchen nach den “Strukturen” und “Schweigekartellen” und den “Opfern, die bis heute schweigen” aus Angst? Man hatte doch offenbar das Böse ganz nah und authentisch vor sich, Tür an Tür!

      Es bleibt letztlich die Frage nach dem SINN, nicht nach dem SCOOP, die mich interessiert.
      Wenn man weiß (und schreibt), dass es klar ist, dass schon jede unbewiesene Beschuldigung (der sexuellen Nötigung) den Beschuldigen “VERNICHTET”: Warum veröffentlicht man dann – in dramatisierter, mit zahllosen Details der angeblichen Taten ausgeschmückter Form – lauter Beschuldigungen wegen jahrzehntealter taten, die offenkundig gar nicht mehr bewiesen werden KÖNNEN, also für immer unbewiesen bleiben?

      Diese Frage beantworten weder die Wedel-Veröffentlichungen der ZEIT noch die erklärenden Artikel und Interviews von leitenden Redakteuren. Ich habe danach (natürlich) gefragt, aber – zurückhaltend ausgedrückt – – keine Antwort erhalten oder gefunden.

      Auch nachträglich erklärt die ZEIT ja nicht, WARUM sie das Kriminalstück Wedel in dieser Form erzählte. Außer mit dem Hinweis, Wedel sei ihrer Ansicht nach schuldig. Da das aber ganz überwiegend – wegen Verjährung – sowieso egal ist, muss der Sinn doch woanders liegen; man hätte ja auch einen verstorbenen oder noch lebenden ZEIT-Heroen nehmen können; und statt die psychischen Probleme der armen Frau Tempel durch den öffentlichen Dreck zu ziehen, hätte ja eine ZEIT-Journalistin die Details ihrer sexuellen Nötigung erzählen können.

      Wenn erklärt wird, das sei nicht nötig, weil die Strukturen sich ja geändert haben: Das ist doch beim ZDF offenkundig ebenso.
      Zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Harvey Weinstein liegt doch, wenn ich’s recht sehe, vor allem zunächst mal ein Zeitabstand von etwa 30 Jahren.

      1. @ TF

        “Warum veröffentlicht man dann – in dramatisierter, mit zahllosen Details der angeblichen Taten ausgeschmückter Form – lauter Beschuldigungen wegen jahrzehntealter taten, die offenkundig gar nicht mehr bewiesen werden KÖNNEN…”

        Der Umstand, dass Anschuldigungen in diesem Fall und vielen anderen weit zurückliegenden Fällen nicht mehr beweisbar sind, ist mir auch in den Sinn gekommen. Also warum veröffentlichen? Meine Antwort darauf:
        Obwohl in der #metoo Debatte munter eindeutig justiziables mit jeglichem als unangenehm, obszön, übergriffig empfundenes Fehlverhalten vermischt wird, dreht sie sich mE im Kern um die Ächtung des als unsensibel und nicht zumutbar wahrgenommenen gesellschaftlichen Klimas. Letzteres wird man nicht mit rechtlichen Mittel verändern können. Man kann aber durch das Mittel der Veröffentlichung eine – überspitzt formuliert – Drohkulisse aufbauen. Diese kann als Abhilfe gegenüber den scheinbar “zu unrecht” nicht (mehr) der Justiz zuführbaren Missetätern verstanden werden. Gelingt also die “Demonstration” der “Zeit”, müssen zukünftig Personen das Print-Tribunal fürchten, auch wenn die Verjährungsfrist für ihnen nachgesagte die Straftaten vergangen ist.

      2. Journalismus und die Sinnfrage – das lässt sich leider nicht en passant beantworten. Ich möchte nur zu bedenken geben, ob “Scoop” und “Sinn” überhaupt ein begrifflicher Gegensatz sein müssen.

        Eher wird andersherum ein Schuh daraus: Auch wenn Verlage mit einer besonderen Ware handeln, nämlich mit Inhalten, so erfordert doch die Konkurrenz um den Leser, einen Skandal à la Wedel (mal unterstellt, es sei einer) nach Kräften auszureizen. Auflage + Klicks = Erfolg. Die Verleger, die Eigentümer freut alles, was ihnen politisch nicht gegen den Strich geht. Insofern würden Scoop und Sinn nahezu ineins fallen.

        Seitens der Journalisten mögen auch andere sinnige Motive mitspielen, die von moralisch ehrenwerten Absichten bis hin zu eitlem Sendungsbewusstsein reichen und dem Wunsch, am Gang der Dinge zu drehen, Meinung zu machen, wichtig zu sein, dem eigenen Wertesystem Geltung zu verschaffen – und natürlich auch das eigene Standing in der Firma zu verbessern.

        Da kehrt doch keiner vor der eigenen Tür. Höchstens anstandshalber, aber nicht in den Ecken. Mit dem kleinen Radisch-Handfeger.

    3. Diesen Artikel finde ich schon durchaus selbstkritisch. Er ist, da hat Herr Fischer Recht, eher allgemein gehalten. Die Schärfe und Genauigkeit der Wedel-Berichterstattung fehlt, und man kann fragen, warum. Vielleicht kann man es so zusammenfassen: Es gibt offenbar zweierlei Maßstab bei der Methode, nicht aber zweierlei Maßstab bei der Moral.

  8. Liebe “ZEIT”: Wo bleibt denn bitte Ihr super-recherchierter Bericht über den “Kameltester”? Müßte doch einfach sein, jetzt, wo Sie professionelle Ermittler-Fähigkeiten entwickelt haben!

  9. Ich schätze die Texte und Darstellungen des Autors, ich mag die klare und präzise Sprache und die scharfsinnige Argumentation. Das Lesen dieses Textes jedoch fand ich sehr mühsam; Fehler in Orthographie, Zeichensetzung und Grammatik an der ein oder anderen Stelle haben den Lesegenuss zusätzlich beeinträchtigt.
    Das “Ausklingen” ab dem dritten Absatz gefiel mir, ich finde das dort Gesagte sehr treffend.

    1. Ich fand das Schreiben sogar noch anstrengender als das Lesen.

      Die Tippfehler gehen allesamt auf mein Konto; Entschuldigung!
      Man muss halt noch öfter Korrekturlesen. Allerdings: Ganz so furchtbar fand ich’ s nicht – obwohl schon noch ein paar blöde Fehler drin waren.
      Beim nächsten Mal wird’s besser.

      1. Sehr geehrter Herr Fischer,
        ich wünschte, die Nebenerwerbs-Ermittler der ZEIT hätten sich auch nur annähernd soviel Mühe mit der Recherche gemacht wie Sie mit dem Verfassen dieses Textes!

  10. Es ist so traurig, was mit dem ehemaligen Bundesrichter hier passiert. Er war mal klug und witzig und geistreich… und jetzt? Einfach nur traurig diese langatmigen und teilweise widersprüchlichen Aussagen. Warum beißt er sich so an dem Thema fest? Und was ist das für eine unangenehm persönliche Abrechnung mit der ZEIT? Aus jedem Wort liest man die Beleidigtheit des Verfassers. So schade um ihn…

    1. Ach, Zeit!
      Das ist aber ein schönes Psyeudonym! Aber warum denn so gschamig?
      Warum trauen Sie sich nicht, Ihrer Trauer und Ihrem tiefen Mitgefühl für den Ehemaligen, “mit dem etwas passiert”, unter Ihrem Klarnamen authentischen Ausdruck zu verleihen? Anonym aus dem Hinterhalt zu schmutzeln ist doch das Gegenteil der Mächtigen Souveränität, die Sie mit Ihrem traurigen Kommentar demonstrieren möchten!

      Interessieren würde mich, welche “widersprüchlichen Aussagen” (schon wieder so ein juristisches Wort!) mir unterlaufen sind. Vielleict können wir das ja noch klären.

      Interessant ist auch der Hinweis, der Ehemalige “beiße sich an dem Thema fest”. Welches ist denn “das Thema”, Ihrer traurigen Meinung nach?

      Eine krasse Selbstüberschätzung ist allerdings Ihre Ansicht, aus jedem Wort” etwas herauslesen zu können, was Sie als “Beleidigtheit” bezeichnen. Das ist, ehrlich gesagt, so ziemlich das letzte, was der Ehemalige empfindet.

      Denn nicht ich habe irgendetwas mit der ZEIT “abzurechnen”, sondern offenkundig hat es die ZEIT für angemessen gehalten, mit mir “abzurechnen”, weil meine Kritik störte. Das ist halt so.

      Das verlogene “schade um ihn” können Sie sich daher sparen. Es ist ja offenkundig nur eine niedrig angesiedelte Form, das, was man nicht ertragen will, als pathologische Verirrung zu diffamieren: Aggression pur, verpackt als Mitgefühl. Das eigentlich und unbedingt Wichtige, was Sie uns damit sagen möchten, ist ja nur die Großmächtigkeit von Traurig-traurig.

      1. Woher die Sicherheit, dass es sich bei “Traurig traurig” um die ZEIT handelt?

        Und wer ist nun wer?

    2. Gebe es denn einerseits Ihrer Ansicht nach irgendeinen verständlichen Grund, weshalb eine Zeitung mit einem Ex-Kolumnisten abrechnen wollte? Sehen Sie andererseits im modernen Rechtsstaat wirklich keinen Sinn?
      Sollten zukünftig Verfahren in medien abgewickelt werden, und sollten Journalisten die Arbeit von Ermittlern, Anklägern und eventuell auch Richtern übernehmen?

      Eine Berichterstattung ist ein Bericht von was auch immer, natürlich oftmals auch eine Schilderung von Subjektivem, journalistischen, nicht-wissenschaftlichen Interviews, Befragungen, und Äusserungen über Befindlichkeiten zu wichtigen, relevanten Themen um Einblick, Bewußtheit zu verschaffen, aber eben kein institutionalisiertes Strafverfahren oder nur ansatzweise der Versuch eines solchen.
      Niemals dürfen sich medien anmaßen einen gesetzlichen Schuldbeweis erbringen zu können bzw sich nur den Anschein geben, dies zu können.

      1. Mir ist nicht klar geworden, an wen sich Ihre Fragen richten. An mich?
        “Verständliche Gründe” gibt es irgenwie immer. Ich könnte (hier) sogar einen nahe liegenden nennen.

        Der Rest Ihres Kommentars bleibt mir unverständlich. Ich weiß, dass es einen Unterschied gibt zwischen Strafverfahren und Medien-Geschichten. Das ist doch gerade der Grund und Sinn meiner Kritik.

        “Traurig Traurig” findet, die Kritik sei eine “Abrechnung”, und noch dazu eine “unangenehm persönliche”. Das sagt die Richtige! Das einzige, was ihr einfällt, ist eine Verlautbarung über ihre Trauer über die höchst(!)persönlichen angeblichen Befindlichkeiten des von ihr kritisierten “einst klugen und geistreichen” Ehemaligen. Kein Wort zur Sache, kein Wort zum Thema, kein Argument in der Sache. Stattdessen aggressive geheuchelte Anteilnahme am angeblichen psychisch-geistigen Niedergang des Autors, dessen Meinung ihr nicht gefällt.

        Das ist genau die Stimmung und Weltsicht, der eine absurde Lagermentalität und ein Corpsgeist zugrunde liegen, die einen vor die Frage stellen, welchen Preis man für das Wohlgefallen der Traurig-Traurigs zahlen möchte.

      2. Sehr geehrter Herr Fischer,
        meine Zeilen richteten sich direkt an Frau/Herrn”Traurigtraurig”, mir ist nicht klar, weshalb mein Kommentar nicht unter diesem post steht, wo ich doch auf diesen geantwortet habe.

        Natürlich ist mir klar, dass Sie den Unterschied kennen und worauf Ihre Kritik logischerweise abzielt. Bin nicht “beschugge”.

        Wenn die Dame “Traurigtraurig” eine Abrechnung Ihrerseits behauptet, es aber um fachliche Kritik an einem Sachverhalt geht, dann versteh ich überhaupt nicht, wieso sie, die Dame dies (Befindlichkeit und so ein Schmarrn) an dieser Stelle veräussert.

        Das eine hätte ja ohnehin njchts mit der hiesigen Erörterung des Falles Wedel zu tun; also ich könnte sowas schon trennen, Persönliches, alte Geschichten, Ungeklärtes und eben eine Sache. Ich gehe davon aus, Sie ebenso.

        Ich habe jedenfalls Ihre hiesigen Artikel mit großem Interesse gelesen und finde es schade, dass es Ihre Kolumne nicht mehr gibt.

        Beste Grüße

    3. Mein post von 17:04 bezieht sich auf Sie:
      Gebe es denn einerseits Ihrer Ansicht nach irgendeinen verständlichen Grund, weshalb eine Zeitung mit einem Ex-Kolumnisten abrechnen wollte? Sehen Sie andererseits im modernen Rechtsstaat wirklich keinen Sinn?
      Sollten zukünftig Verfahren in medien abgewickelt werden, und sollten Journalisten die Arbeit von Ermittlern, Anklägern und eventuell auch Richtern übernehmen?

      Eine Berichterstattung ist ein Bericht von was auch immer, natürlich oftmals auch eine Schilderung von Subjektivem, journalistischen, nicht-wissenschaftlichen Interviews, Befragungen, und Äusserungen über Befindlichkeiten zu wichtigen, relevanten Themen um Einblick, Bewußtheit zu verschaffen, aber eben kein institutionalisiertes Strafverfahren oder nur ansatzweise der Versuch eines solchen.
      Niemals dürfen sich medien anmaßen einen gesetzlichen Schuldbeweis erbringen zu können bzw sich nur den Anschein geben, dies zu können.

      Ich bin der Meinung, man sollte Sache und Störungen auf der Beziehungsebene oder was Sie da immer auch meinen, trennen.
      Wenn man merkt, dass man zb unerwünscht ist, die eigene Meinung nicht gefällt u nicht erlaubt ist, dann vertschüsst man sich oder wird vertschüsst. Und schon ist das Problem erledigt. Wäre eine Idee, aber ich weiß ja nicht wozu Sie das alles schrieben und was man damit hier machen könnte.

      1. Keine Ahnung was hier los ist, mein Ursprungspost bezieht sich auf @ traurigtraurig.

      2. Eine kühne meedia-Layout-Reform könnte dieses notorische Kuddelmuddel beenden. Nur Mut!

      3. Hab’s jetzt verstanden (krit. Leserin).
        Wer jetzt wieder unter meinem Namen fragt: “Woher die Sicherheit?”, ist ein weiterer Witzbold.
        Ist ja auch egal… Von den traurigen Traurigs darf man sich sowieso nicht ins Bockshorn jagen lassen.
        Die deutsche Qualitätspresse hat gewiss viele Stärken. Aber (Selbst)Kritikfähigkeit gehört definitv nicht dazu.
        tf

  11. Der Tatbestand der Entführung fehlt noch…
    denn wie sollten die vermeintlichen Damen/Opfer sonst ins Hotel und von da außerdem weiter in die Hoteleigene Suite und dann unter weiterem Einsatz von Körper und Kraft des Täters also gewaltsam und unfreiwillig vom Wohnzimmer nunmehr ins separate Schlafzimmer verschleppt und auf’s Hotelbett gelangen…wenn nicht unfreiwillig und ganz ohne Hintergedanken.
    Ein Gericht könnte möglicherweise aber einwenden, diese Vorgänge widersprächen jeglicher Lebenserfahrung und damit Freispruch für den Angeklagten.

    Die Zeit sucht überhaupt nur Quote welche diese selbstherrliche Zeitung mit Ihrem Ex-Junkie mit dieser Berichterstattung auch erreicht hat…
    Medienbranche
    Zeit Verlagsgruppe wächst digital und steigert den Umsatz
    01. März 2018 , aktualisiert 01. März 2018, 11:18 Uhr | Quelle: Handelsblatt Online

    https://www.iqm.de/print/marken/die-zeit/

    Steige niemals freiwillig in fremde Autos und gehe nicht in fremde Schlafzimmer außer du suchst das Unbekannte…in Dir…das lernt man, sprich auch Frau, schon als Kind.
    Welch Schelm wer böses denke…

    denn MeeTo liegt doch voll im Trend und der Zeit lief doch schon die Leserschaft wegen langatmiger wie auch langweiliger Berichterstattung weg.

    1. “Die Zeit sucht überhaupt nur Quote welche diese selbstherrliche Zeitung mit Ihrem Ex-Junkie mit dieser Berichterstattung auch erreicht hat…”

      Was/wer ist mit “Ex-Junkie” gemeint?

  12. DIE ZEIT ist bekannt für eine gute Recherche. Seit einiger Zeit wird sogar die “Recherche-Methode” offengelegt. Wenn selbst eine hohe Repräsentantin der deutschen Filmwirtschaft (Iris Berben) mit eigenem Namen und ganz offen zugibt, dass Wedel in der Branche “Dr. Dieter Schwanzwedel” genannt wird, kann die Entscheidung der ZEIT, in dieser Sache gründlich zu recherchieren, nicht falsch sein.

    Gut ist, dass MEEDIA einem Gastautor zu diesem Thema ein Forum gibt. Toll, dass sich auch eine lebhafte Diskussion daraus ergeben hat.

    1. Haben Journalistinnen und Journalisten nichts interessanteres und wichtigeres zu tun als zu recherchieren, ob es vor 30 Jahren mal Sexgeschichten in einer Szene oder in einer Branche gab?

      Und wie sieht es jetzt aktuell aus? Wo sind all die Fälle für den Staatsanwalt?

    2. Was gibt Iris Berben ganz offen zu ?

      Sie reden von jener Iris Berben, die zur Verstärkung ihrer Argumentation auch schon mal den Blick auf ihren Schlüpfer freizugeben scheint ?

  13. Freue mich sehr, dass MEEDIA Thomas Fischer eine Möglichkeit gibt, kritisch sich zu Rechtsthemen weiter zu äußern, und ja, ich weiß, ich wiederhole mich … mein absoluter Respekt, wie im Nachgang Herr Fischer sich die Mühe macht, mit den Lesern und Kommentatoren in Kontakt zu treten und stets sachlich, höflich bleibt und zurückfragt wenn ein Kommentar ihm nicht verständlich ist. Diese vorbildhafte Geduld muss ich noch lernen …

    Nach dem Lesen des Artikels und der Kommentare: Auch für heute nehme ich mit, Macht bedeutet Verantwortung und wer die Macht hat auch Existenzen zu vernichten, muss (!) sorgsam mit dieser Macht umgehen.
    Eigentlich sind wir doch das Niveau von der BILD Zeitung gewohnt, sich mit überzeugter Meinung ein Urteil fällen zu dürfen, was aus meiner Perspektive eine große Rechtslücke darstellt. Wie viele Selbstmorde hat diese Zeitung schon auf dem Gewissen, wie viele Existenzen sind vernichtet worden, wie viele, über die, in Form des Rufmords berichtet wurden, haben ihre gesellschaftliche Stellung verloren? Und hat diese Gebaren ernsthafte Konsequenzen? Kann ich nicht sehen.
    Es ist eine Sache, über etwas neutral zu berichten: Beispiel: X wird beschuldigt … Y gemacht zu haben.
    Daran solange die Sachebene nicht verlassen wird, wäre erst einmal alles OK.
    Aber die Sachebene mit der Meinungsebene zu vermischen, ist eben nicht OK, gerade in Bezug auf die Machtmöglichkeiten und die Wehrlosigkeit der Betroffenen, gerade wenn keine Klärung über einen Prozess nicht mehr möglich ist.
    Die Kritik an ZM ist mehr als berechtigt. Gerade da sich die ZEIT auf Themen fokussiert und zum Beispiel es keine Rubrik “Promi & Klatsch” gibt.

    Es hat mich bei all berechtigter Kritik von Herrn Fischer, als er als Kolumnist für die Zeit tätig war, etwas befremdet, dass gegen die FAZ offenen geschossen werden durfte. Nun müsste eigentlich die FAZ Herrn Fischer auch eine Forum geben, um gegen die ZEIT schießen zu dürfen.
    Was kann ich als Leser daraus lernen? Nichts ist beständig. Nicht einmal der Qualitätsanspruch von Medien. Moral ist nun mal Moral und jeder empfindet anders. Allerdings finde ich sehr Schade, dass die selbst gewählten Standards der ZEIT nicht mehr greifen und nicht auf die lange Strecke geschaut wird. Für Medien wie BILD ist es eine Ermutigung genau so weiter zu machen, wenn selbst eine ZEIT sich auf das Niveau einer BILD begibt. War wohl nur eine “ZEIT”-Frage …
    Daher an ZEIT: Vielleicht den Namen ändern in “ZEITGEIST”. Passt besser.
    Jedes Medium berichtet doch inzwischen über das unsagbare Dschungelcamp. Vielleicht gibt es in der Redaktion von der ZEIT doch den oder die Sadisten*in, welche die Feder bzw. Tastatur in die Hand nehmen will und der Neigung nachgeben will, lästernd über die Menschenverachtung wortreich zu berichten …

    Bleibt nur die Hoffnung der Appell an die Selbstkritik.
    Wer weiß, vielleicht reift auch irgendwann bei der Mehrheit die Erkenntnis, dass die wenigsten Mitmenschen tatsächliche Machthaber sind, sondern das Gegenteil …

  14. Die Medien – gerne als 4. Gewalt bezeichnet – sind dabei, sich die Rolle der 3. Gewalt im Staate anzumaßen. Dies wird nicht nur im Falle Wedel sichtbar.
    Dieses Ansinnen wurde nachweisbar durch Äußerungen der Zeit, wonach man durch vermeintlich juristische Methodik eine Anklage zu einer abschließenden Bestrafung am Pranger durch gesellschaftliche Venichtung geführt hat. Zwar geschah dies (noch) nicht im Namen des Volkes, vielmehr im Namen unterdrückter Frauen.
    Ein ausgegebenes Ziel dieses Verfahrens war: dergleichen dürfe nie wieder geschehen, es müsse sich zumindest vieles ändern.

    Hierzu kann man bereits feststellen: es ändert sich viel.

    Wir beobachten mit dem Auseinanderfallen der Gewaltenteilung eine Auflösung von Strukturen, welche für demokratische Gesellschaften unverzichtbar sind. Bereits die Aufzählung der sich in Auflösung befindlichen Strukturen würde einen enormen Umfang erreichen, weswegen man eine derartige Aufzählung sanktionslos überhaupt nicht mehr wagen könnte.

    Wenn man sich das übrige Tagesgeschehen anschaut, so pendelt man zwischen der Vermutung einer dahinter befindlichen, absichtsvollen Strategie, oder einem kollektiv um sich greifenden Unvermögen, vielleicht aufgrund der Verselbständigung von individueller Überheblichkeit, welche sich bedrohlich zu einem Massenphänomen entwickelt hat.

    Das Versinken unsere Medien in ihre elitäre Rolle verstärkt dies, weil die in ihrer Anmaßung gleichgerichteten Medien die Wahrnehmung der Gesellschaft steuernd zu beeinflussen suchen.

    Im Fall Wedel wird dazu mit dem Zeitgeist gezündelt, aber man darf auch etwas Nachsicht üben mit den hierbei in der platonische Höhle befindlichen Wesen, die nur an ihren Gittern rütteln.

    Herausgeber der Medien, und deren Führungseliten haben der demokratischen Gesellschaft den Rücken gekehrt.

    Es ist wie bei den Immigranten. Die meisten von uns würden sich wie diese verhalten, sofern ein Land wie die BRD ihre Grenzen öffnet. Wem das nicht gefällt, der muß sich an die agierenden Politiker halten. Und an deren Transmissionsriemen, die Medien, die ja sicherlich unmöglich wissen können, mit welchen Formulierungen, mit welchen weckenden Vorstellungen man Menschen dazu bringt, etwas zu dulden, oder etwas abzulehnen.

    Derweil verläuft in der Schweiz eine (Frauen-freie) Vernichtungs-Attacke abseits jeder Rechtsstaatlichkeit, an der die insgesamt fragwürdige Rolle unserer derzeitigen Medien diskutiert wird.

    https://www.weltwoche.ch/ausgaben/2018-10/artikel/eine-gemeinheit-die-weltwoche-ausgabe-10-2018.html

    1. Ich will nicht so weit gehen und nicht so allgemein anklagen wie Sie.
      Völlig richtig ist der Hinweis, dass die öffentliche Kommunikation seit 20 Jahren beschleunigt zusammenbricht oder sich jedenfalls komplett ändert, und zwar eben nicht nur in der Form.
      “Leitmedien” verhalten sich inzwischen teilweise so wie “Social Media”. was vor 30 jahren als typischer Skandal-Journalismus galt, bringt heute Preise für vorbildliche Kulturleistungen ein. Etc. …

      Im konkreten Fall einmal mehr frappierend: Hunderttausende von menschen äußern – mehr oder minder begeistert – in immer gleichen Parolen und Statements ihr Mitgefühl über “die Frauen” und namentlich über die (bereits feststehenden) “Opfer” von Wedel. Niemandem – wirklich: niemandem – fällt auf, dass von der ZEIT ein “Opfer”, das das Opfersein auch noch selbst ausdrücklich als “Thema meines Lebens” bezeichnet, in intimsten Details der Lebensgeschichte, der psychischen Verfassung und der (behaupteten) Tatgeschehnisse vor Hunderttauisenden von sensationsgeilen Lesern vorgeführt wird.

      Egal, was im Strafverfahren gegen Wedel in Sachen Jany Tempel herauskommt – Sie selbst wird jedenfalls für immer auch ein Opfer voyereuristischer Berichterstattung und gnadenloser “Enthüllung” bleiben. Für die Beschuldigung, die Enthüllung von Strukturen, das “Brechen des Schweigens”, das “Ändern” – für all das hätte es keines Wortes darüber bedurft, dass und wie oft Frau Tempel psychisch krank, abgrenzungsunfähig, suizidal, unglücklich war oder ist.
      Eine Staatsanwaltschaft oder Polizeidienststelle, die solche Ermittlungsergebnisse in der Öffentlichkeit breittritt, würde von Empörung und Kritik zerrissen. Die ZEIT, die am Unglück von Frau Tempel ein paar Euro verdient, macht sich die Ermittler angeblich “zum Vorbild”. Da waren wir schon mal weiter, finde ich.

      Nehmen wir an, es tritt ein, was allein der Sache noch mal ordentlichen Schub geben kann: Anklage der StA München gegen Wedel und öffentliche Hauptverhandlung. Man wagt sich kaum vorzustellen, was dann medienmäßig abgeht.

      1. ad tf
        Ich denke, so manche Leute interessiert all das nicht wirklich was eine Frau Tempel über sich enthüllt und was die Zeit darüber schreibt. Das ist ein momentaner Hype, ein Aufreger für ein paar Tage und dann vergessen. Es ist auch schon lange her und jeder Mensch muss ohnehin selbst klar kommen mit seiner Lebensgeschichte. Oft mit Hilfe, oft ohne.

        Und:Die meisten Menschen interessieren sich für ihr eigenes Leben.
        Und das ist auch gar nicht so schlecht.

        Allerdings finde ich es dürftig, dass Die Zeit Kritikfähigkeit nicht zulässt und Ihre Darlegung nicht veröffentlicht, da ja genau kritische Berichterstattung das Markenzeichen dieses mediums sein soll. Versteh ich ganz und gar nicht. Diskursfähigkeit und Wille zum Nachdenken wäre für mich eine Pflicht. Aber sollen doch alle tun wie und was sie wollen.

  15. Seit den Sixties las ich gerne DIE ZEIT.
    Seit ein paar Jahren lade ich mir nur noch das Kreuzworträtsel runter.
    Aus Gründen.
    …die man inzwischen kennt (siehe z.B. hier oben Herrn Fischers Artikel).
    .
    Gleiches gilt für Tagesspiegel, SZ und SPIEGEL.
    .
    Man sollte diese Blätter (plus ARD/ZDF) den Doofen & Gendertr#ten (sorry, doppelt-gemoppelt) überlassen.

  16. Sagen Sie einmal, Herr Fischer,
    was ist das für ein Gefühl, von einem Podium vor (geschätzt) 5.000 Zuhörern in eine Dorfkneipe (mea culpa, Meedia)))) mit vielleicht 50 Zuhörern zu wechseln?
    Merken Sie nicht, ne? Bekommen Sie gar nicht mit, nicht wahr?
    Kommen Sie endlich aus Ihrer Filterblase heraus. Ihr Geltungsbedürfnis steht in einem krassen Gegensatz zu der öffentlichen Wahrnehmung Ihrer Person.

    1. Mit Verlaub Schlaumeier, entweder haben Sie die Zeilen im Suff geschrieben oder Sie sind wahrlich ein echter Trottel. Beides ist nur all zu menschlich.

      Ob saugemütliche Dorfkneipe oder nobles Elitenblattl, wer was Gescheites zu sagen hat, wird gelesen, und es macht sowieso die Runde.

      Alles ist dem Tratsch unterworfen und alles rächt sich irgendwann…so auch, wenn man sich dem Disput verweigert aus gekränktem Stolz und Hochnäsigkeit, wie es leider gerade ein typisch weibliches (?)Symptom zu sein scheint?

      Wenn beispielsweise eine Frau Berben Intelligenz tatsächlich sexy fände, dann würde sie auch nicht so einen Holler verzapfen.

      1. Da ist er/sie/es wieder beim Beschimpfen der anderen Posts. Aber selber so verballert sein, dass es einen schüttelt, wenn man das Geschwafel lesen muss. Wie war der Satz einer Walli an die Frauen “…typisch weibliches Symptom”… Ein Frauenhasser? Scheint so. Peinlich und wirklich ekelhaft. Brrrrr.

      2. Till, lassen Sie alles raus was Sie schon immer sagen wollten. Kotzen Sie soviel Sie können, tun Sie sich keinen Zwang an, es drückt Sie was, ich spür das – und es tut mir weh, Ihre Pein, der Ekel, der Sie martert und es tut mir leid, unendlich leid, wirklich.

        Schließen Sie sich sodann der stillen Revolution an, das stärkt das Gefühl von Solidarität und Identität.

    2. Hasswort: Filterblase!

      Über 200 Jahre soziologische Theoriebildung waren vollkommen umsonst, denn alles, was je über Gesellschaft zu wissen sein wird, schallt seit den 2010er Jahren unaufhörlich, prestissimo und mit der Kraft aller jemals getöpferten und nach Jericho übersiedelten Posaunen über den Äther bis in die subnukleare Struktur der einsamsten Straußenwirtschaft von Salzgitter-Ringelheim! Es ist: die Filterblase (oder für Leute die kein Französisch sprechen: “filter bubble”).

      Aus dem seinerzeit noch nicht restlos kondensierten Hauch des Konzepts einer Idee namens “filter bubble” hätte mit etwas mehr Zeit ein möglicherweise plausibler Erklärungsversuch zum Nutzungsverhalten ausgewählter Binärfetischisten (oder vllt. auch weniger gesundheitsschädlichen Kaugummis) werden können. Doch wie so viele Begriffe erlitt die “filter bubble” eine Inflation, die selbst der abseitigste Fantasy-Astronom für unvorstellbar gehalten hätte.

      Kurzum: Selbst mein Salbaderbedürfnis kann dem ihrem nicht im Entferntesten das Wasser reichen und ich bin noch nicht davon überzeugt, dass es auf ihren als Kommentar wiedergeborenen Ruktus eine Bessere als meine Antwort geben können wird.

    3. Lieber Leser,
      Ihr Pseudonym verrät mir, dass Sie sich wirklich anstrengen, ein echt lockerer Typ zu sein. Ich weiß, wie schwer das für Sie sein muss.

      Aber den Kennerblick des empathischen Juristen können Sie natürlich nicht täuschen: Da verbirgt sich, da bin ich sicher, hinter der harten Schale des Zupackers die zarte Seele einer verwundeten Schmelzflocke.

      Sagen Sie’s frei heraus, Bruder: Was haben Sie für ein Problem? Mag Ihre Mama Sie nicht mehr? Kriegen Sie nicht genug Liebe, Döner oder Vanillepudding? Haben Sie öfters das Bedürfnis, alte Menschen, die vor Ihnen auf der Straße gehen, zu schubsen? Haben Sie tatsächlich bis 01.16 Uhr gebraucht, um diesen Hilfeschrei auszuscheiden?

      Gehen wir es ganz langsam an: Gehen Sie ins Bad, blicken Sie in den Spiegel. Atmen Sie tief. Sagen Sie langsam. Gel-tungs-be-dürf-nis. Bitte nochmal. Bitte noch mal. Jetzt sagen Sie bitte:_ Wahr-neh-mung. Sieben mal. Schauen Sie: Es geht doch. Jetzt noch schnell die Zähnchen putzen und dann ab in die Heia.
      Morgen zeige ich Ihnen dann, wie man einen schönen Filterkaffee bläst.
      TF

      1. Danke lieber Herr Fischer!

        Hab Tränen gelacht. Auch die anderen.

        Sie erscheinen in gewohnter und schrecklich vermisster herzerfrischender, jugendlicher Natürlichkeit.

      2. Ach, Herr Fischer,
        auch die letzte kleine Kneipe wird bald schließen. Der – nach Aufmerksamkeit – dürstende Gast wird an der Tür rütteln; er muss doch seine Sucht befriedigen und will es nicht wahrhaben, dass ihm bald niemand mehr zuhört.

        Ich dagegen werde weiterhin brav meiner Arbeit nachgehen, mein schönes Leben mit meinen Kindern genießen und meinen Hobbies nachgehen.

        Und Sie?))))

        Sie tun mir leid.

  17. Uma Thurman wurde von ihrem Regisseur Tarantino und vermutlich von der Anwesenheit einer gesamten Filmcrew dazu genötigt, mit einem technisch kaputten Auto bei hoher Geschwindigkeit über eine unbefestigte Straße zu fahren. Dabei hatte sie einen Unfall, der bei ihr langwierige Probleme mit der Halswirbelsäule zur Folge hatte. Für diesen Unfall wurde niemand zur Rechenschaft gezogen, weder der Regisseur noch diejenigen, die für die technische Funktionsfähigkeit des Autos hätten garantieren müssen.

    Dieser Sachverhalt wird in dem obigen Artikel durch die Wortwahl durchaus ins Lächerliche gezogen.

    Vor der #metoo-Debatte hatten Frauen, die sich gegen sexuelle Belästigung, Nötigung und sexuelle Straftaten wehren wollten oder sich auch nur öffentlich beschweren wollten, äußerst schlechte Karten. Oft war die Beweislage hochgradig dürftig, weil nur Aussage gegen Aussage steht. Zudem wurde häufig der Frau die Schuld zugeschoben, üble Nachrede und berufliche Nachteile sind da noch die kleinsten Folgen.

    Tatsache ist aber, dass sexuelle Belästigung, und Nötigung und sexuelle Straftaten gegen Frauen sehr häufig vorkommen und dass die immernoch stark patriarchalisch geprägte Gesellschaft im Prinzip nichts dagegen unternehmen möchte, so hat man den Eindruck. Es kann doch wohl nicht sein, dass nicht einmal diejenigen Maßnahmen, die man realistisch einführen könnte, umgesetzt werden. So können Castings und Bewerbungsgespräche per Video dokumentiert werden und man kann Regelungen einführen, die eine Einladung des/der Bewerber/in durch den/die Chef/in oder Regisseur/in auf sein/ihr Hotelzimmer schlicht unter Strafe stellen. Das Versenden anzüglicher Emails oder pornografischer Emails im beruflichen Kontext kann auch unter härtere Strafen gestellt werden.

    Aber nichts davon passiert.
    Da sind die Frauen stinksauer geworden und haben die #metoo Debatte eröffnet und jetzt ist halt jeder Mann prinzipiell schuldig, wenn er nur angeschuldigt wird.
    Tja, … Früher war jede Frau eine Schlampe / selbst schuld, wenn sie sich gegen sexuelle Belästigung durch einen Kollegen/Chefs öffentlich gewehrt hat und musste berufliche Konsequenzen akzeptieren. Jetzt ist eben jeder Mann Schuld allein aufgrund von Anschuldigung und muss berufliche Konsequenzen akzeptieren.

    Ich finde diese Entwicklung im Prinzip bedauerlich, weil der Rechtsstaat auf diese Weise nicht verbessert wird. Aber mal ganz ehrlich: dachten die Männer wirklich, dass sich die Frauen im 21. Jahrhundert noch jahrelang zu Opfern machen lassen?

    Leider macht ja auch Herr Fischer keine konstruktiven Verbesserungsvorschläge.

    1. (zu BitteausbeidenSichtweisendie…)

      1. Vor metoo war Vergewaltigung noch nicht strafbar?
      Wo war denn das so?

      2. Wieso sollen Frauen generell einen besonderen Opferstatus erhalten? Männer müssen ja auch tagtäglich ihre Schädel hinhalten und dürfen sich abrackern, arbeiten bis zum Umfallen und dürfen nicht jammern, nicht klagen, müssen einfach funktionieren. Warum ist das so? Hat das was mit den Genen zu tun?

      3. Könnten Sie mich bitte aufklären? Soziale Unterschiede zwischen Mann und Frau… allgemein, generell, Benachteiligung des Mannes im Strafrecht u i d Jurisprudenz usw…

      1. Ach Geierwalli.. das ist doch fein, dass Sie vor allem die Seite der Männer und wie sie sich abrackern und wie sie benachteiligt werden, einnehmen. Sie scheinen aber nicht lesen zu können, denn Ihre Texte und Ihre Fragen auf so eine klare Mail wie die, auf die Sie hier antworten, sind einfach nur saublöde. Sie machen sich lächerlich. WAS bitte haben Sie nicht verstanden? Wenn das so bleibt, einfach mal zum Arzt gehen… vielleicht findet der was.

      2. Hi Till, Sie müssen sich gar nicht angesprochen fühlen, denn die Tillos meine ich gar nicht.
        jedenfalls: ich hab noch immer nicht verstanden weshalb man suggerieren will, die Frauen würden sich so gerne veropferisieren oder “die Schlampe” (als ob Frauen keinen Sinn für Selbstaktualisierung hätten, tzzz) geben. Ist das modern oder einfach nur stupide? Oder gibt es dafür extra Belohnungen und extra Knete? Wer zahlt? Es gibt ja unter den Männern auch fragwürdige Subjekte, ganz klar, da passt dann das eine zum anderen, aber mir ginge es um was anderes. Das dürfte aber zu Ihnen als unbelebtes Wesen, dem Dinge stets auch nur zugefügt werden, nicht durchgedrungen sein.

    2. Zu Fragen der Tarantino-“Nötigungen” kann ich nichts sagen. Sie scheinen mir allerdings die ‘MeeToo-Debatte auch nicht wirklich zu berühren. Von Frau Thurman kenne ich in diesem Zusammenhang nur ein Foto, auf dem sie vollkommen begeistert herrn Weinstein küsst.

      Was die “Verbesserungsvorschläge” betrifft: Ich finde, es gibt schon ziemlich viele davon. Vor 4 Monaten sind umfangreiche Neuregelungen und Verschärfungen des Sexualstrafrechts in Kraft getreten. Das “Berühren” (!) anderer Personen mit sexuieller Motivation ist jetzt mit Freiheitsstrafe bedroht.
      Die ZEIT schreibnt ein ums andere Mal, dass sie außer Wedel bisher keinen Täter finden kann. Und die Wedel viorgewörfenen Taten und Belästigungen liegen zwischen 20 und 47 Jahre zurück. Und alle, die sich äußern, sagen, dass das “heute ganz anders” oder “so nicht mehr möglich” sei, usw. Also was soll denn nun so dringend “verbessert” werden? Nachträglich geht es ja schwer.
      Ihre Vorschläge, das Einladen (!) unter Strafe zu stellen oder das Senden von anzüglichen EMails, halte ich für völlig überzogen; und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dafür – auch unter Frauen – eine Mehrheit finden ließe. Belästigungen am Arbeitsplatz (wo immer der sei) können heute vielfach gemeldet, arbeitsrechtlich sanktioniert werden und sind gesellschaftlich weithin als verächtlich angesehen.

      Man kann weder Straftaten noch gar Erniedrigungen und Machtmissbrauch nicht verhindern – es wird sie immer geben. Die Anzahl ist in den letzten Jahrzehnten stark verringert worden. Es gibt nach meiner Ansicht überhaupt keinen Anlass, die Lage zu dramatisieren. Man muss diese teilweise hysterische amerikanische Kampagnenkultuir um “Sozialhygiene” und moralische Reinheit nicht ständig imitieren. Das hat nichts mit fehlender Anteilnahme für Straftatopfer oder erniedrigte Personen zu tun. Aber ein bisschen was mit Realismus und dem Versuch, sich dem permanent überschlagenden Katastrophen-Geschrei entgegenzustellen, das die Gesellschaft zerstört statt sie besser zu machen.
      TF

  18. Sehr geehrter Herr Fischer,

    auch wenn ich erst jetzt auf diese Debatte hier gestoßen bin und sicherlich vieles schon gesagt wurde, so gilt doch mal wieder ein herzlicher Dank an Sie. Was habe ich Ihre Text auf ZEIT vermisst und die Anstöße an das eigene Gehirn sich mit den Themen ausführlicher zu befassen als nur unbeholfen und ohne kritischen Geist Zustimmung zu jubeln.

    Sie werden auch hier mit diversen Anfeindungen zurechtkommen müssen, weil der ein oder andere einfach nicht Ihre Intention und Motivation versteht. Die hier im Kommentarbereich geführte Diskussion verdeutlicht dies nur zu gut.

    Lassen Sie sich, wie bisher auch, nicht davon beirren und versuchen Sie weiterhin uns einen kritischen und zweifelnden Blick einzutrichtern. Mir scheint, das haben noch ganz ganz viele bitter nötig.

    Danke!

  19. So geschätzt viele Texte von Herrn Fischer in der Zeit oftmals waren. Mit diesem lag er nun einmal meilenweit daneben und es war eine wichtige, richtige Entscheidung der Zeit, diesen nicht anzunehmen. Und eine ebenso falsche Entscheidung von Meedia, ihn zu veröffentlichen und nebenbei auch Herrn Fischer damit nicht vor sich selbst zu schützen (insbesondere vor diesem peinlichen Nachtreten eines Geschassten). Hat er, hat Meedia nie darüber nachgedacht, warum die Zeit den Text ihres profilierten Autors abgelehnt hat? Man kan auch einmal irren. Hier trifft er voll daneben, hat nicht verstnaden, worum es geht und hat der sachlichen Auseinandersetzung einen Bärendienst erwiesen. Der Applaus kommt von der falschen Seite.

    1. “warum die Zeit den Text ihres profilierten Autors abgelehnt hat” – weil die Zeit darin ziemlich schlecht wegkommt und Kritik nicht ertragen kann. Zum Glück hat Meedia sich der Sache angenommen – und die jetzige Reaktion der Zeit, ihm direkt sein Freiabo zu streichen, wirkt einfach nur lächerlich kindisch.

      Herr Fischer begründet seine Gedankengänge übrigens ziemlich ausführlich, stichhaltig und nachvollziehbar. Sie sind somit das exakte Gegenteil Ihrer letzten zwei Sätze.

    2. Hallo Bauer,

      was hat denn TF in seinem Artikel geschrieben, das Sie nicht verstehen können?
      Bin ab und zu auch gerne Bäuerin aus Leidenschaft, ganz selten treff ich dann aber solche Bauern, die sich über Bundesrichtertexte den Kopf zerbrechen.
      Warum Kommentare, Texte und Schriebe abgelehnt (und gelöscht) werden, liegt in den Gehirnwindungen der betreffenden LöschmeisterInnen, ZeremonienmeisterInnen und WahrheitsinhaberInnen begründet. Da werden Sie fündig, sonst nirgendwo. Das ist gelegentlich so wie mit Schulaufsätzen, die von manch weiblichem, stets korrektem und überfürsorglichem Personal nicht verstanden wird, weil es ein Bub, oder ein etwas minderer zu beurteilender Mensch (das auch ein Mädchen aus der Gosse sein kann) geschrieben hat. Das soll dann kein gutes Argument gewesen sein (dabei war es in Wahrheit das allerbeste – das richtig gesessen hat!), es soll noch immer zu wenig klar ausgearbeitet worden sein und so weiter mit dem Käse.
      Aber warum? Bauer, das ist eine Preisfrage. Wenn man sehr tief schürft, dann merkt man wo jemand straucheln anfängt, wo jemand anfängt bös und immer böser zu werden, weil es halt sitzt. Fassadenmenschinnen sind ein großes Problem für die Umwelt. Das weiß im Grunde jeder schlaue Bauer.
      Viel Spaß beim “Saustall ausmisten”!

    3. @Bauer
      Lesen Sie die unten stehenden Antworten von Herr Fischer auf ähnlich gelagerte Vorwürfe, wie Sie diesen nun erheben. Vielleicht versehen Sie dann endlich um was es Herr Fischer eigentlich geht. Das hat nämlich mit dem, was Sie ihm vorwerfen nicht im geringsten zu tun.

      Manchmal soll es helfen eine Sache erst zu verstehen bevor man diese kommentiert.

    4. Verehrter Bauer!
      Ihr Sound kommt mir seltsam vertraut vor; aber vielleicht irre ich mich ja, wie so mancher.
      Vielen Dank, dass Sie wiederholen, man (meedia oderv wer immer) hätte mich vor “mir selbst” beschützen sollen. Damit werden die Entscheidungen der ZEIT ja nachträglich die zu einer wahren Hilfs-Aktion für den armen TF!

      Ziemlich erstaunlich finde ich Ihre Frage: “(Hat er), hat Meedia nie darüber nachgedacht, warum die Zeit den Text ihres profilierten Autors abgelehnt hat?”
      Soweit es Ihn angeht: Ja, hat er. Außerdem hat man es ihm ja auch gesagt: “Weil Wedel schuldig ist” und weil man “so einen Scheiß” wie seinen nicht drucken werde. Und weil er “illoyal” gegenüber den unbekannten Zeuginnen sei. Und weil er “keine Argumente” habe. Was gibt es da noch nachzudenken? Ob Meedia nachgedacht hat, kann ich natürlich nicht mit Gewiossheit sagen, halte es aber immer hinfür gut möglich.
      Aber Sie meinen das wahrscheinlich ein bisschen anders: Die Zeit werde schon ganz wichtige Gründe gehabt haben, hätte man sich denken müssen… Ja, kann sein. Vielleicht wird man sie ja noch einmal erfahren.

      Unter “peinlichem Nachtreten” verstehen wir offenkundig Verschiedenes. Es hat keinen aber Zweck, darüber zu diskutieren. Ich wüsste allerdings nicht, warum ich gegenüber der ZEIT “nachtreten” sollte. Ich sage ja in meinem zweiten und meinem dritten Text (Übermedien.de, 29.3.) nichts anderes als im ersten Text; und habe diese Meinung schon immer vertreten.
      Ob und warum Sie es “peinlich” finden, erschließt sich mir nicht so recht. Ich persönlich finde es eher etwas peinlich, öffentlich zu erklären, der Grund für die Zurückweisung der Kritik sei gewesen, dass ich “keine Argumente” gehabt und vorgetragen hätte. Abgesehen davon: Wer, wenn nicht ein wort- und begründungslos “Geschasster”, hätte Grund oder Recht zum “Nachtreten”?
      Sie formulieren einfach die Botschaft noch mal neu: “Halt’s Maul heißt halt’s Maul.” Das kann sich ja jeder in der Redaktion gefallen lassen; ein extener Autor muss es nicht.
      Und während relativ viele Menschen und Medien über die – richtig oder falsch gefundenen, begrüßten oder abgelehnten – Argumente von TF diskutieren, fällt der ZEIT nach sieben Wochen dazu ein, es gebe keine Argumente.
      Und nur ganz am Rande und zu Schluss: Selbstverständlich hat(te) die ZEIT das “Recht”, einen Text abzulehnen. Dass ein freier Autor, dessen Text abgelehnt wird, eine Veröffentlichung an derer Stelle nicht aus “Rache” unternimmt, sondern weil er ihn veröffentlichen will und dazu ebenfalls jedes “Recht” hat, sollte aber doch eigentlich klar sein.

      Deshalb sind die Vorwürfe doch vollkommen verdreht: Ich habe nichts veröffentlicht, weil ich “geschasst” wurde, sondern ich wurde geschasst, weil ich etwas veröffentlicht habe.

      Und zur Peinlichkeit: Kleinkarierter als mein Zeit-Abo einzustellen (statt es auslaufen zu lassen), ging es ja nun wirklich nicht mehr, oder?
      Und den kanpp hundert Autoren einer Festschrift mitteilen zu lassen, man stehe als Mitherausgeberin und Autorin nicht mehr zur Verfügung (nachdem man seinen Text schon eingereicht hatte!), dürften in der Rubrik “Souveränität durch Nachtreten” auch ziemlich weit oben im Ranking stehen. Nichts fur ungut!
      TF

  20. Von Sabine Rückert bin ich schwer enttäuscht, gerade bei diesen Sexualstrafrechtsthemen war sie ein Lichtblick. Was ist los mit der Frau?

    Die Meedia-Artikel von Thomes Richter sind die besten, die ich gelesen habe. Er verzichtet hier auf seine sonst manchmal überbordenden rhetorischen Schleifen und geht dafür richtig ins Detail. Klasse!

  21. Zu Wedel hatte ich bisher nur den Bericht von Frau Berben und ein Interview mit Frau Steeger gelesen. Die anderen Artikel hatte ich mir bis auf die Leadtexte verkniffen.
    In Erinnerung habe ich aber noch eine Spiegelstory zu Strauss-Kahn. Von der bald auch nichts mehr übrig geblieben war. Und die Zeit am 12.06.2015 schrieb: Unschuldig, aber politisch tot. Immerhin sei Frankreich vor einem politisch Untragbaren bewahrt worden. Toll.

    Nachdem ich jetzt die beiden Artikel von Fischer hier auf meedia.de gelesen habe, bin ich froh darüber die Zeit Artikel nicht gelesen zu haben. Es sind zu viele Fragen und Unzulänglichkeiten die der Autor hier aufzählt, die den Verdacht erhärten hier ist mit der ganz großen Medienkanone auf ein viel kleineres Arschloch geschossen worden.
    Das die Zeit tatsächlich eine Unmenge an negativen Aussagen und Anschuldigungen gesammelt hat, bezweifele ich nicht. Aber in diesem Betrieb der Eitelkeiten und einem System gegenseitiger Gefallen (wie es heutzutage fast überall praktiziert wird und weshalb Typen mit Pornobalken m Gesicht wie Maschmeyer zu Netzwerken empfehlen) , dass in einem solchen System die alpha Tiere sofort weggebissen werden, wenn sie Schwäche zeigen oder an Einfluss verlieren, das wundert mich nicht.
    Bei der von Wedel selbst zur Schau gestellten Persönlichkeit wundert es mich auch nicht, wenn die Opfer seines Egos es ihm heimzahlen wollen oder andere ganz profan auf dem Trittbrett medialer Beachtung durch Betroffenheitsshows surfen und sich so zum C oder B Promi hochleveln.
    Neu ist es auch nicht. Hitchcock soll auch schon so einer gewesen sein und vielleicht sollte Ridley Scott jetzt alle Hitchcock Filme nachdrehen, damit wir die ohne schlechtes Gewissen wieder schauen dürfen? Genau hier wird spätestens auch mein Kommentar wegene seines Sarkasmus fragwürdig: Denn mein angewidertes Wegdrehen ob des sabbernden Medienmobs schützt nicht nur Täter’innen von einst, sonden auch die Täter‘innen und Vergewaltiger’innen von morgen.
    Das ganze System wird durch eine solche schwarz-weiß gehaltene Debatten- und Diskussionskultur nicht ein Futz weniger korrupt. Im Gegenteil. So wundert es nicht, dass Stimmen wie die von Fischer an den Rand gedrängt werden, die sich eigentlich nur fragen: Seid ihr euch wirklich sicher? Habt ihr euch genügend hinterfragt) Wisst ihr wer ihr seid und wahrt ihr noch die nötige Distanz? Das sind Fragen, die bei der Hatz der Schweine durchs Dorf nur stören.
    Wer solche Fragen stellt, der ist dann auch ganz schnell ein Täter*innenversteher und Relativierer.

      1. Ist das nicht das gleiche System von Macht und Unterdrückung, das #MeToo eigentlich anprangern wollte? Oder ging es bei #MeToo gar nicht um Macht, sondern nur um schlechten Sex?

        Und ich frage mich ja immer noch, wie Filme aussehen würden, wenn die Schauspielerinnen sich nicht zum Star hochgebumst hätten, sondern tatsächlich aufgrund ihrer fachlichen Eignung genommen würden… aber dem Vernehmen nach gibt es das ja gar nicht.

      2. Natürlich geht es auch bei metoo um Macht und Unterdrückung.
        Bei einer aktuellen Studie sprachen sich 61 Prozent der Männer für die freie Meinungsäußerung aus. Bei den Frauen hingegen nur 35 Prozent.
        Für gewöhnlich wird davon ausgegangen, dass eine weniger von Männern dominierte Welt freier wäre. Die Campus-Umfrage und die Praktiken im Silicon Valley deuten allerdings darauf hin, dass diese Welt eher wie die von George Orwell beschriebene aussehen dürfte.

        https://www.nas.org/articles/from_suffrage_to_suppressing_speech_the_increasing_hostility_of_women_towar

      3. ReVolte (gutes Pseudonym!)

        Loyalität hat doch nichts mit absolutem Gehorsam, Unterwerfung, Anbiederung und stets gleicher Meinung haben müssen zu tun oder jemandem auf Gedeih und Verderb verpflichtet u ausgeliefert sein zu tun, ganz im Gegenteil, Loyalität ist, wenn man zu (s)einer, eigenen u der vielen gemeinsamen Sache steht, zu einem Menschen, Gruppe, Firma etc steht, gerade weil es um ein (gemeinsames) höheres Ziel, Werte, Ideal geht, das man teilt, verfolgt.

        Ich fände es höchst befremdend, wenn TF im Falle der vielen Anschuldigungen gegen Herrn Wedel plötzlich eine Haltung eingenommen hätte, die seinem fachlichen Wissen und seiner Kompetenz als Richter, als Rechtsstaatsikone widerspricht. Da geht es um Rechtsgrundsätze ( Unschuldsvermutung), Strafprozessordnung, Gesetzestreue, die er internalisiert hat.

        Ich wußte nicht, dass “die Zeit, zeitonline” immer und vollumfänglich hinter TF steht. Das hat sich nach außen hin etwas und dann völlig anders dargestellt. Andere Wahrnehmung eben.

        Vielleicht ist es nicht günstig, wenn sich zuviele Machtgierige (Männlein und Weiblein) einen ganz großen schönen Kuchen teilen müssen, da kommt die Gier durch, und das gegenseitige Gehacke, besser ist es wohl, wenn man bescheiden bleibt und sich mehr aus das Sein als das Haben besinnt.

        Offensichtlich hat das Medium “Zeit” einen Loyalitätskonflikt. Wertedilemma…

      4. Ja sicher hat das eine nichts mit dem anderen zu tun, liebe Geierwalli. Aber wie die NZZ richtig anmerkt, erwartet DIE ZEIT von TF bedingungslosen Gehorsam. Das Loyalitätsgerede ist – ähnlich wie bei dem von der FAZ verabschiedeten Don A. – nur ein fadenscheiniger Vorwand für den Rauswurf.

    1. Lieber ReVolte

      Wenn sich medien gehorsame und unterwürfige Kolumnisten und Kolumistinnen (und Leser und Leserinnen) erwarten, dann sollen sie diese doch haben.
      Es gibt genügend, die zu allem bereit sind, die drehen u wenden sich dann auch je nach Bedarf, mal so, mal anders, je nachdem was grad erwartet wird u wo sie Vorteile für sich scheffeln. Die verkaufen und verraten sich selbst und tun oft alles, nur um berühmt zu werden. Und das nicht nur zum Schein. Bei uns daheim nennt man sie gemeinhin “Tschopperln”, die man nicht ganz ernst nehmen darf.

      Fadenscheinige Argumente für einen Rauswurf? Wieso das denn? Dann soll man gleich sagen, Sie passen nicht zu uns, denn Sie haben zuviel Rückgrat, sind zu kritisch und zu lustig, zu streitsüchtig und viel zu wenig schleimig. Sozial unverträglich eben…(lach)

      Den Don A.? Der war unglaublich lustig, hat man sehr gerne gelesen.

  22. Die (kurze) Stellungnahme des Presserats ist hier zu finden.

    Darunter auch folgender Satz:

    “Die Berichterstattung zeigt die Dimension eines bislang wenig beachteten gesellschaftlichen Missstands auf, so das Gremium.”

    Tja, so läuft das eben mit den gesellschaftlichen Autosuggestionen. Die Berichterstattung der Zeit ist in Ordnung, weil sie einen gesellschaftlichen Misstand aufgreift. Existiert dieser Misstand überhaupt? Natürlich, denn die Zeit berichtet ja darüber! q.e.d.

    Unter der Argumentation des Presserats erscheint es plötzlich auch unglaublich, dass Kachelmann gegen Springer vor Gericht gewonnen hat. Denn schließlich hatte er auch immer ausreichend Gelegenheit zur Stellungnahme. Wie die Gerichte durch alle Instanzen da bloß zur Annahme einer unzulässigen Berichterstattung kommen konnten?

    Wahrlich keine Sternstunde journalistischer Selbstreflexion.

    1. Völlig unverständlich was der Presserat schreibt. Vorbildliche Verdachtsberichterstattung? Hinz u Kunz erzählen aus ihrer Vergangenheit. Das ist Verdachtsberichterstattung? Ich lach mich tot.

      Aber, dass man Frauen zuhört (gute Zuhörer werden geliebt, ich weiß das), was sie erzählen u es dann veröffentlicht, ist eben ein Verbreiten von Geschichten. Um sich in Szene zu setzen. Die Frauen u die Berichterstatter eben, Tratsch u Klatsch.

      Mein Gott, Gschichtelndrucken ist doch das Geschäft von manchen. Die können vieles so darstellen, dass sie immer als armes Opfer wegkommen, es drehen u wenden je nach Bedarf, vor allem immer dann, wenn es um Geld geht – u alle zum Weinen bringen mit ihrer angeblich traurigen Lebensgeschichte und ihren Dramen. Hinterrücks lachen die sich ins Fäustchen, dass es so viele Dumme gibt, die ihnen alles glauben. Aber zuhören heißt eben nicht, dass man alles glaubt bzw dass das was jemand sagt wahr wäre. Glaubwürdigsein (vortäuschen) ist oft was anderes als ehrlich, integer u seriös sein.

      Mich wundert sehr, dass man als medium Behauptungen, Erzählungen, die man für bare Münze nimmt als Beweis einer Schuld suggerieren darf. Das ist psychische Erpressung. Und bei Erpressungen wird mit grundsätzlich speiübel.

  23. Querdenken darf nicht illoyal sein?

    Das ist Blödsinn. Denken wird durch nichts begrenzt.
    “Die Gedanken sind frei..”, haben wir mal gesungen !

    Nur wenn das Ergebnis eines vernünftigen Gedankens
    einem Mächtigen zitternde Hände verschafft, dann
    wird Loyalität vom Getroffenen gegen den Denker gefordert !

    So was von TF zu fordern ist Unfug, der spricht was er denkt.
    Er dachte, Lockvögel ohne Gesicht sind suspekt und stellte ein.

    Morgen erfreue ich den V. Zivilsenat des BGH mit den Erkenntnissen aus
    dem Kommentar ‘Eyermann & Fröhler’ zur Verwaltungsgerichtsordnung.
    Dort wird zum §99 VwGO festgestellt, dass ein einfacher Mitarbeiter
    einer Behörde die Geheimhaltung von Unterlagen im Rahmen seiner
    Ermessensentscheidung bestimmt und das Überprüfungsgericht daran
    gebunden sei.
    Also, die Verwaltung schreibt dem Gericht die Entscheidung vor.
    Da krümmt sich der Art. 6 Abs.1 der Europäischen Menschenrechtskonvention und bestreitet, dass damit ein faires Verfahren gegeben sei. Und besonders schön ist, dass die Überprüfung ein InCameraVerfahren ist. Geschwärzte Behördenakten in meinen Sachen kenne ich, aber von der gerichtlichen Überprüfung erfahre ich nichts, auch nicht das es sie geben sollte oder gab, jedoch der Rechtsweg dagegen wird mir durch den §99 VwGO garantiert.
    Da spinnen einige und das sind keine Komiker.

    In der Sache ‘Airey gegen Irland’ gibt es in EGMR-E 1,414 das Kammerurteil vom 9. Oktober 1979. Dort steht unter der Randnummer 24:
    “Die Konvention will nicht Rechte gewährleisten, die theoretisch oder illusorisch sind, sondern Rechte, die praktisch und effektiv sind (…).”

    1. @Garbers

      Die Gedanken sind frei?

      Früh genug und bereits lang genug wird das ausgetrieben. Da zuerst das Denken und dann die Aussage kommt, kann man feststellen, dass vorher schon ausgesiebt wird. Von innen und außen. Meinungsverbot und -zensur ist aber kontraproduktiv, wenn es um berechtigte Kritik geht und um ein Mehr an Denken, also ein Denken, das weiterhilft u zu (Selbst-)Kritik weiterverhilft – und nicht eine Gewaltigste drübergebraten bekommt, sodass einem die Lust generell vergeht überhaupt noch was zu sagen. Man zum Untermenschen degradiert wird, der zu kuschen u sich letztlich zu schleichen hat.
      Wenn man weiß, was man wo nicht äussern darf, weil es verboten ist, dann wird man das Denken auch beschränken. Es darf eben nur gedacht werden was genehm und legitim ist und nicht das was sich an Gedanken bildet? Gelebte Demokratie hab ich mir anders vorgestellt.

      Frauen (auch Männer), die aua schreien u wenig Ahnung von was haben, ungebildet sind, werden gehegt, gepflegt, bewundert, fürsorglichst behandelt, auf Händen getragen, Frauen, die hart im Nehmen sind, die keinen Dreck scheuen, die alles ausleuchten, werden dagegen entsorgt. Wie Müll. Vor allem von den mächtigen Frauen, die am Schalthebel sitzen. Das nennt sich dann Solidarität.

      1. An “Geierwalli, die Erste”:
        1.) Haben wir nicht schon mal e-mails ausgetauscht?
        2.) Bei Frau Rückert drängt sich mir meine Erfahrung mit Frauenhinweisen auf:
        “Ja, mach das man.”
        bedeutet : Wenn du das machst gibt es Streit.

        Der Subtext ist entscheidend !

        Wenn Frau Rückert durch ihren Arbeitgeber oder durch wen auch immer gezwungen wurde gegen TF in der hier gerügten Art und Weise vorzugehen,
        dann lese ich in ihrem Hinweis:
        “.. keine Argumente”
        den Subtext: Ich habe so nicht vortragen wollen.

        Das ist für Männer immer wieder eine Informationsfalle
        und zwar wohl seit tausend Jahren.

        Das man einen Einzelnen durch die Staatsmacht auch heute im Jahre 2018 schwer schädigen kann, das kann ich durch Gerichtsentscheidungen belegen. NICHTIGE Forderungen werden zur Grundlage von Zwangsvollstreckungen gemacht und Artikel 6 Absatz 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention ist dann ungültig.
        Wenn es nur in der Türkei solche Menschenrechtsverletzungen gibt, ist Deutschland dann ein Protektoriat der Türkei ? Ok, mit dem Satz habe ich überzogen, aber er lengt Gedanken in die richtige Richtung. Wo ist der Aufstand der Anständigen gegen den §99 Abs 1 VwGO im modernen Femegerichtsverfahren?

      2. Lieber Herr Garbers,

        ich habe mich mit sogenannten Frauenthemen, mit Emanzipation, mit feministischen Theorien beschäftigt, immer wieder, hab mich reingedacht, reingelebt, reingefühlt, aber ich halte (etliche) Frauen und ihre Konzepte für tragisch.
        Manche, so wie auch ich sind eben nicht so wie die meisten sehr bedauernswerten Frauen in einer Familie groß geworden, wo ein Patriarch (oder/und eine Matriarchin) das Sagen hatte, deshalb denken die eben anders, deshalb sind sie auch selbst nicht unterwürfig. Deswegen sehen sie sich selbst nicht von Kindesbeinen als armes trauriges Mäderl, das sich seine Freiheit, seinen Lebenssinn erst mühsam erkämpfen muss. Und das endlos bis ins Grab. Immer noch stellvertretend gegen die bösen Eltern. Den bösen Vater. Dem man gehorchen musste. Niemals illoyal sein durfte, selbst heute als ältere Frau, älterer Mann noch nicht. Und das hat man so verinnerlicht, dass man es eben von anderen fordert. Und glaubt andere würden es erwarten bzw andere würden wie ein Hunderl zu gehorchen haben.
        Beachtlich. Und unreflektiert.

        Ja, mit Geierwalli05 gab es einen emailKontakt, bevor man sie bei zeitonline geschasst hat, u sie die Schnauze voll hatte, weil sie sich weder frotzeln, noch verheizen und unterbuttern lässt. Sie lässt sich auch nicht beschuldigen. Sie ist alles andere als unterwürfig u gehorsam.

      3. Ja, ist noch gar nicht so lange her, die gute alte ZEIT des Pluralismus.

        Vor dem Hintergrund des bundesparlamentarisch abgelehnten Antrages ‘Landessprache deutsch’ stellt sich die Frage, wie lange DIE ZEIT der Vielfalt hierzulande noch in ‘Natsi’-Sprache erscheint.

      4. ad ReVolte: (29.3. 18:38)

        Es ist doch völlig wurscht, ob NatsiSprech oder politisch Korrekter Sprech oder eben alle Sprachen der Welt.

        Wichtig ist, dass man sich versteht. Und sich mag. Und dem anderen immer Recht gibt, damit man wenigstens seine Ruhe und seinen Frieden hat. Streit ist so was hässliches, das ist für 99% der Frauen unerträglich, die wollen immer Harmonie und dass es allen gut geht und sich alle liebhaben. Niemals Konfrontation. Niemals Böses. Niemals Pauschalisierungen, niemals Kränkungen, niemals Unterdrückung, niemals Leute gegeneinander ausspielen, niemals unerfüllbare Erwartungen an andere, niemals lügen, niemals petzen, niemals ungerecht sein. Immer nur gute, allerbeste Gedanken. Immer schön gehorsam, immer schön devot, immer schön brav. Immer auf der Seite der Guten und Reinen. Immer Opfer. Opferlamm.
        Herrlich, das reinste Paradies.

    2. Ich hatte vor dem Lesen gar nicht geguckt, wer diesen Kommentar geschrieben hat. Beim Lesen dachte ich dann aber ganz schnell, das muss doch der Herr Garbers sein, kurz nach oben gescrollt und siehe da, ich lag richtig.
      Die Gedanken sind frei ist ein schönes Stichwort. Wie Herr Fischer darlegt, sind sie im Falle Frau Rückerts gar frei von Vereinbarkeit mit zuvor Gedachtem. Schade, entwertet diese Widersprüchlichkeit doch den alten wie den neuen Gedanken (Fälle Kachelmann versus Wedel) und beseitigt so zugleich die Glaubwürdigkeit ihres Urhebers. Man muss wohl selber denken, doch wer kann das schon wirklich und wer, wenn er es kann, macht sich die Mühe. Ich sehe schwarz.

      1. Ja, liebe Frau Klacksklacks,

        es ist nicht einfach zu verstehn was jemand meint. Vor allem fragt man sich oftmals wieso die Leut nicht einfach direkt sagen können was sie von einem wollen, also auch fair handeln, fair bleiben und wieso sie glauben man würde nicht begreifen was sie wiederum EIGENTLICH sagen wollen.
        Ins Hirn schauen ist schwer, sehr schwer, also welche Gedanken sich dort beim anderen WIRKLICH abspielen, bleibt verborgen, und ich versuch sowas gar nicht, aber wenn ich wissen will, welche message mir jemand zukommen lassen will, dann muss ich mich auf diesen Menschen schon einlassen und mich ihm widmen. Mit manchen geht das ganz gut, mit anderen wiederum gar nicht, weil die ohnehin nur auf sich selbst bezogen sind und sich alles unverschämt erlauben trauen. Meist eine Frage des Kommunikationsstils und der Mitteilungskompetenz. Und der Herzensbildung. Sei es drum. Und was die Glaubwürdigkeit betrifft, da bin ich zb ein tausendfach gebranntes Kind. Auch diesbezüglich sag ich: Sei es drum. Allerdings bleib ich hypersensibel was Tonalität, und vor allem falscheTöne betrifft. Das ist eines meiner Markenzeichen, dazu steh ich. Diesbezüglich konnte mir nicht nur ZO schon längst den Buckel runterrutschen.

  24. Als Strafverteidiger würde ich so etwas auch sagen, aber hier ist doch klar, dass sich der Widerspruch auflöst, wenn man “niemand glaubt” ersetzt durch: “ich hatte große Bedenken, damit gerichtlich durchdringen zu können.”

    Artikel: „Ich hätte mich damals nicht getraut, an die Öffentlichkeit zu gehen, weil mir sowieso niemand geglaubt hat.“ Das ist nun wiederum das gerade Gegenteil dessen, was im Zeit- Magazin stand: Dort sagte sie, sie habe den Vorfall überhaupt nur einem Menschen erzählt, und der habe ihr voll und ganz geglaubt.

  25. Es geht der ZEIT um Loyalität. Und um Gehorsam.

    Es geht um die altehrunwürdige “Nestbeschmutzung”.

    Da befinden sich ZEIT, Presserat und Qualitäts-Medien in Resonanz mit dem Zeitgeist, den irgendwer auf seine Weise zu prägen versteht. We can do. Übersetzung: Wir schaffen das. Facebook ist als Transportriemen hierbei übrigens unschuldig. Die derzeitige Prägung hatte eingesetzt, da bastelte Zucker noch nicht einmal an seinem Quellcode.

    Was gibt es eigentlich noch zu deuten, zu palavern?

    Sämtliche Strukturen, sämtliche Akteure, sämtliche Zielrichtungen sind mittlerweile hinlänglich ausgeleuchtet, wenngleich sie natürlich immer isoliert, also niemals in ihrem tatsächlichen, umfassenden Zusammenwirken thematisiert und dokumentiert werden dürften. Denn:

    Große Umbrüche tarnt man, indem man sie vor aller Augen ablaufen läßt. (Hat wer gesagt ? R.L. Hubbard).

    Herr Fischer hat eine Grenze übertreten. Deswegen hat man ihm das Abo gestrichen. Tragisch, auch kränkend, aber auch irgendwie lustig verglichen mit dem, was im Namen dieses Landes bereits alles durchlebt werden mußte.

    Man sollte also nicht mehr laut loslachen. Das könnte demnächst als heimtückischer, weil verdeckt zum Ausdruck gebrachter Hass interpretiert werden.

    Inzwischen läßt man anderen die Schädel eintreten, ächtet und diffamiert öffentlich aus Staatsämtern heraus.

    Herr Fischer wird sich die ZEIT künftig kaufen müssen. Das ist auf der einen Seite ein teures Vergnügen, auf der anderen Seite hinnehmbar für denjenigen, der an derartigem Vergnügen seinen Gefallen finden.

    Wenn die Rechtsstaatlichkeit zerbröselt, dann zeigt sich dies nicht an einem einzelnen Sachverhalt. Wenn dies nicht weiter stört, dann scheint Rechtsstaatlichkeit für die Ansprüche unserer fortgeschrittenen Gesellschaft nicht relevant zu sein.

    1. Ein Letztes:

      Wegen einzelner Einzelfälle kann eine Rechtsstaatlichkeit nicht zerbröseln, die zerbröselt, weil viele zusammenspielen und sich gegenseitig zustimmen. Es geht eben nicht um Aufdeckung von Unrecht, sondern um ganz bewußte Scheininszenierungen und falsche Behauptungen und Verdrehungen zwecks Machtanspruch.

      Dass die “Zeit” bzw eben zeitonline Unterstellungen macht und selbst Kommentatoren ständig Unterstellungen unterstellt, wo es oftmals um was ganz anderes geht (checkt man dort nicht, weil man eben nicht vom Fach ist), u konstruktive ehrliche Debatten nicht zulässt, eine Auseinandersetzung einigen nicht gewährt, weil man lieber ausgrenzt, über vieles hinwegfegt, ist sehr bedauerlich. Nicht mal Satire, Humor und heilsame Provokaktion ist den Kommentatoren erlaubt, welche nicht zur Kommentatorenelite gehören. Andererseits musste man sich als kleiner Leserfuzzi dort aber alles bieten lassen, sofern man eben Interesse an Auseinandersetzung hatte u nicht kleinlich war u wurde dann schnell u immer wieder von den Ermittlerspezialisten u der Forumspolizei ins sog Nazi-eck gestellt; da sind wohl die Nazi-weltmeister und Nazi-experten am Werk, obwohl Nazis in D gar nicht verboten sind…seltsam.

  26. Ich habe die “Verdachtsberichterstattung” in der “Zeit” mit Unbehagen gelesen.
    Thomas Fischer zeigt in diesem langen Artikel ganz präzise, warum die Recherchen von Journalisten keine Beweisaufnahme sind. Und nimmt auch die Motivation für den Wedel-Artikel zu Recht unter die Lupe.
    Erneut und immer wieder eine ganz große Lesefreude. Vielen Dank.

  27. Manche Sätze entfalten ihre Wucht erst beim zweiten Lesen und nach dem dritten Sinnieren über ihre Bedeutung:
    “Wenn die Zeit meint, dass einer schuldig ist, kommt es aufs Vernichten nicht mehr an.”

    Das war, im auslaufenden Bleizeitalter noch anders. Am Gründonnerstag vor genau fünfzig Jahren hatte die “Berliner Morgenpost” empfohlen: “Störenfriede ausmerzen”, “Terror in Berlin!” und animierte damit zum Attentat auf Rudi Dutschke.

    Da ist es heute doch einfacher. Kein Stein muss geworfen und kein Redner erschossen werden. Nach der Generalprobe während der Kachelmannisierung wurde nun bei #metoo das Meisterstück geliefert.
    Im Mäntelchen des Aufklärerischen wird hemmungslos gejgd und gehetzt … das war Anno ’68 auch schon so.
    Nur dass die damals scheinbar Guten heute zu Versursachern gehören.

    Damals wie heute: wenn einer “meint, dass einer schuldig ist,” … dann genügt das.
    Halali und Frohe Ostern!

    1. Sie haben gewiss eine Ahnung oder vielmehr Wissen davon was eine boshafte Anschuldigung, eine Verleumdung, eine Rufschädigung, eine öffentliche Behauptung über ein angebliches Vergehen, angebliches Fehlverhalten, eine Anprangerung und Verächtlichmachung, (An-)Drohungen, Erpressungen mit einem Menschen, einer ganzen Familie machen kann.
      Öffentlich, privat und im beruflichen Umfeld durch den Dreck gezogen werden ist bitter, man kennt das, und wer es gerade auch aus eigener Erfahrung kennt, weiß, dass man vielem und vielen (bei allem geforderten Respekt auch den Dümmsten und Falschesten und den eigenen Vernichtern gegenüber) keinen Glauben (mehr) schenken darf.

      Mich überrascht jedenfalls die Rolle u das Vorgehen der Zeit und ZO nach wie vor sehr, da ich den Eindruck hatte man legt gerade dort wo sich nicht nur unter den Journalisten und Moderatorinnen und ZensorInnen, sondern sich auch in den Foren mit nur wenigen Ausnahmen JustizexpertInnen und FachjuristInnen tummeln extremen Wert auf absolute Korrektheit. Man hatte immer die Gewissheit, dass gerade bei der Zeit und auf ZO ganz streng gegen Pauschalisierungen, gegen Polemik, gegen falsche Anschuldigungen, gegen alles was nur irgendwie undifferenziert und ganz dumm wäre oder keine guten oder gar keine Argumente wären ganz streng und völlig zu Recht vorgegangen wird. Man wusste immer, dass man schon ein ganz “dummer und mieser Charakter” sein muss, wenn man bei Zeitonline mehrfach unter Beobachtung gestellt oder rausgeworfen wird. Gegenrede und Kritik verboten. Versteht sich. Schließlich sitzen dort Experten, die wissen wann jemand schuldig ist. Da kann man sich dann gleich selbst exekutieren. Ein lustiges Spiel…
      Schöne Ostern!

  28. Wie kommt die Zeit nur auf die Idee, sie könnte einem echten Juristen, also einem Freidenker, die Meinungsfreiheit verwehren? Es täte allen Journalisten gut, Jura zu studieren. Weniger der Gesetze, als des hier zu Lernenden kompromisslos analytischen Denkens wegen.

  29. Sehr geehrter Herr Fischer,

    mit größtem Vergnügen las ich ihre Beiträge zu dieser ganzen geschmacklosen Treibjagd.
    Köstlich, wie sie den selbstbesoffenen Aufklärungsjournaillen in die empörte Parade fahren und Punkt für Punkt die Vorgehensweise und die “Beweise” sezieren, bis nicht mehr viel bleibt als eine fragwürdige Kampagne, labile TrittbrettfahrerInnen und ein cholerischer Regisseur.

    Ich habe in letzter Zeit vermehrt soviel hirnerweichenden Unsinn in den Medien gelesen, da tut es gut, mal etwas Sachliches, logisch nachvollziehbares, weil begründetes lesen zu dürfen.
    Vielen Dank dafür…

    Ganz toll auch die Diskussion in den Foren, welch rätselhafte Biestigkeit, welch krampfhaftes Nichtverstehenwollen, trotz teilweise mehreren freundlichen Erklärungen von Ihnen.

    Mir fiel jedoch auf, das Sie erst schreiben “die Welt besteht nicht aus lauter Tätern und Opfern”, was mich für mich als alter weißer Mann hoffen ließ,
    um mich dann doch wieder auf die Anklagebank zu setzten : ” ein Viertel der Menschen auf Kosten der Übrigen drei Viertel im Überfluss lebe”….

    Derlei Aussagen hätte ich dann doch nicht erwartet. Meinen Sie das Ernst?

    Mit freundlichen Grüßen
    H.Hemken

    1. Warum sollte er das nicht ernst meinen? Weil Sie es nicht so sehen? Er zieht doch einen klaren Bogen, wo diese Gewalt gegen andere durch beide Geschlechter alltäglich getragen wird, es mitnichten also auf das männliche Geschlecht begrenzt werden kann. Er deutet doch häufig und an vielen Stellen weite Zusammenhänge an und führt den Diskurs immer aus einer interessengeleiteten Engsicht heraus.

      Seb.

  30. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Service dieser mächtigen Clairvoyance Caster. Dr. otor. wenn du irgendeine Art von spirituellen Angriffen oder Leiden nachgehst oder deinen Ex-Mann oder deine Frau zurückbekommst? Dr. OTOR. THE GREAT ist ein traditioneller Kräuter- und spiritueller Arzt, der Ihnen helfen kann. Kontaktieren Sie ihn, um Ihnen zu helfen, Ihr Problem für Sie zu lösen. Adresse dr.otorpiapia@gmail.com ….

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