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Flugtaxis, Programmieren, Datenschutz, Frauen: der massive und schnelle PR-Ausbau der digitalen Dorothee Bär

Sie hat “Flugtaxi” gesagt: Dorothee Bär im Interview mit Marietta Slomka
Sie hat "Flugtaxi" gesagt: Dorothee Bär im Interview mit Marietta Slomka

Mariette Slomka hat die neue Staatsministerin für Digitales, Dorothe Bär (CSU), in gewohnt konfrontativer Manier im "heute journal" befragt. Dabei wollte sich Bär nicht auf die Kritik am schleppenden Breitband-Ausbau in Deutschland festnageln lassen und erwähnte unter dem Stichwort Visionen auch "Flugtaxis". Der Spott folgte sogleich. Das Interview war nur eines von vielen, die die Politikerin aktuell medial omnipräsent machen.

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Marietta Slomka beharrte darauf, dass die Versorgung in Deutschland mit schnellen Internet-Zugängen weit im internationalen Vergleich hinterherhinkt. Dabei hat sie recht. Recht hat die “heute journal”-Moderatorin auch damit, dass die Politik diesen Umstand seit vielen Jahren beklagt, es sich aber vergleichsweise wenig ändert. Zuletzt war die von ihr interviewte Dorothee Bär im von Alexander Dobrindt geleiteten Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur als Staatssekretärin tätig. Der Breitband-Ausbau wäre also genau in ihren Bereich gefallen. Fragen danach sind also bei ihr an der richtigen Adresse. Als Bär im Verlauf des Interviews erklärte, dass Infrastruktur nicht alles sei und eines Tages auch Flugtaxis umherschwirren sollen (Stichwort: Visionen), war das natürlich eine Steilvorlage für die stets alerte Marietta Slomka. Die parierte damit, dass der deutsche Mittelständler wohl lieber erst einmal eine schnelle Datenleitung hätte, bevor er mit einem Flugtaxi herumdüst.

Das ZDF verbreitete die knallige Interviewsequenz und setzte den griffigen Hashtag #Flugtaxi in die Welt:

Was dankbar aufgegriffen wurde. Hier nur ein Beispiel von vielen:

Das ZDF-Interview war beileibe nicht das einzige, das Dorothee Bär in jüngster Zeit gab. Sie sprach auch mit der Bild und beklagte, der deutsche Datenschutz sei irgendwie 18. Jahrhundert. Dabei hatte sie nicht zuletzt die für Unternehmen lästige E-Privacy-Verordnung der EU im Visier: “Wenn aber von der gut gemeinten, doch schlecht gemachten E-Privacy-Verordnung nur Google und Facebook profitieren und alle anderen Unternehmen leiden, ist das genau der falsche Weg”, sagte sie der Bild-Zeitung. Unternehmen fürchten, nach Implementierung der E-Privacy-Richtlinie Einbußen bei der Online-Werbung, da Nutzer dann vor dem Einsatz von Tracking-Technik ihr Einverständnis erklären müssten.

Der Einfluss der Industrie ist übrigens auch beim Thema Breitbandausbau nicht von der Hand zu weisen. So ist die schleppende Versorgung mit Glasfaser-Infrastruktur hierzulande durchaus im Sinne des ehemaligen Staatsunternehmens Deutsche Telekom, das gerne weiter Gewinne mit bestehenden Kupferleitungen abschöpft. In den “Tagesthemen” erklärte Frau Bär, ganz im Style von FDP-Chef Christian Lindner, dass ihr alles viel, viel zu langsam gehe. Auch vor Phrasen schreckt sie nicht zurück: Sie wolle Unternehmen helfen, “Champions League zu spielen, Weltmeister zu sein”. Fußball-Metaphern gehen immer. Nebenbei forderte sie gleich noch, dass Programmieren lernen an Schulen so wichtig sei wie Lesen und Schreiben. Eine ebenso griffige wie abgegriffene Forderung, die seit vielen Jahren immer mal wieder erhoben wird.

Um den Themen-Kanon komplett zu machen, gab sie gegenüber dem BR dann noch zu Protokoll, dass die eigene Partei “tatsächlich an dem Thema Frauen und auch Frauen in der CSU noch arbeiten” müsse. Flugtaxis, Datenschutz, Unternehmensförderung, Bildung und Frauenrechte innerhalb kürzester Zeit medial abgefrühstückt. Den Vorwurf, langsam zu sein, kann man Dorothee Bär jedenfalls nicht machen. Wenn es stimmt, was FDP-Chef Christian Lindner süffisant anmerkte, dass der Posten einer Staatsministerin für Digitales, hauptsächlich ein PR-Job ist, dann ist sie offenbar eine Idealbesetzung.

 

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