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ZDF-Serie “Bad Banks”: Die deutsche Antwort auf “Margin Call” spielt die nächste Finanzapokalypse in Frankfurt durch

Bad Banks: Wenn Millennials mit Milliarden jonglieren / Foto: © ZDF
Bad Banks: Wenn Millennials mit Milliarden jonglieren / Foto: © ZDF

Die Börse scheint eine Einbahnstraße zu sein: Seit nunmehr neun Jahren kennen die Kurse nur eine Richtung – nach oben. Was den nächsten großen Crash auslösen könnte, zeigen Arte und das ZDF in der sechsteiligen Miniserie "Bad Banks", die im Frankfurter und Luxemburger Bankenmilieu spielt, in dem eine ambitionierte Jungbankerin zwischen die Fronten der Großkopferten gerät. "Bad Banks" ist der Versuch der Öffentlich-Rechtlichen, mit einer dynamischen Serienproduktion mit Millennial-Charakteren die Netflix-Generation zu erreichen.

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Nach Jahren – Jahrzehnten eigentlich –, in denen dem deutschen Fernsehen nichts, aber auch gar nichts außer Weihnachtsdreiteilern  und “Tatort” gelungen ist, tut sich etwas. “Deutschland 83”, mit Abstrichen “You are wanted”, vor allem aber “Dark” und “Babylon Berlin” stehen für den gelungenen Aufbruch des deutschen Fernsehens ins Streaming-Zeitalter.

Nun legen auch die Öffentlich-Rechtlichen mit einer ambitionierten, acht Millionen Euro teuren Produktion namens “Bad Banks” nach, die in einem vertrauten Genre spielt, das man aus Hollywood-Klassikern wie “Wall Street” (1+2), “Margin Call”, “The Wolf of Wall Street”, “The Big Short” und zuletzt auch der großartigen Showtime-Serie “Billions”  kennt: den Abgründen der Börse.

Bad Banks: Finanzkrise reloaded

Das Thema ist aktueller denn je. Das Crash-Gespenst, vor dem sich Anleger im laufenden Jahrzehnt bislang kaum fürchten mussten, war Anfang Februar an der Börse plötzlich wieder präsent. Drei Wochen später scheint die Sorge vor dem nächsten großen Crash zwar schon wieder verdrängt, doch knapp ein Jahrzehnt nach der Lehman-Pleite, in dem die Kurse steil nach oben geklettert sind, erscheint die nächste große Finanzkrise fast überfällig.

Wie sie ausgelöst werden könnte, zeigt der Sechsteiler “Bad Banks”, der von der Hamburger Filmproduktionsgesellschaft Letterbox und The Iris Group aus Luxemburg für Arte in Kooperation mit dem ZDF produziert wurde (Regie: Christian Schwochow). Es geht wieder einmal um faule Kredite, um Schrott in den Bilanzen, der bei Banken entladen wird, die sich am Ende als Briefkastenfirmen entpuppen.

Der Titel spielt auf einen Begriff aus der Finanzkrise an, als Großbanken durch die Aufspaltung in zwei Teile gerettet wurden: Die Good Bank war weiter lebens- und wettbewerbsfähig, in der Bad Bank wurden die faulen Kredite ausgelagert, die oft genug durch staatliche Interventionen (oder die der Notenbanken) gestützt wurden.

Nach dem gleichen Muster verläuft der Plot in “Bad Banks”: Es ist das Jahr zehn nach der Lehman-Krise, am Ende hat sich nichts geändert – außer der Dynamik und Verkettung der globalen Kapitalmärkte. Es wird noch enthemmter gezockt und raffinierter Derivate geschnürt, hinter denen sich am Ende Schrottpapiere verstecken.

Désirée Nosbusch mit tollem Comeback

Symbolisiert werden die Wirren der nimmersatten Finanzwelt von der aufstrebenden Bankerin Jana Liekam (gespielt von Paula Beer, bekannt aus dem François Ozon-Film “Frantz”), die bei der luxemburgischen Bank Crédit International als Assistentin für den Geschmack ihres Chefs, der gleichzeitig Sohn des Vorstandsvorsitzenden ist, zu viele Ambitionen hat. Es kommt, wie es kommen muss: Sie verliert den Job, doch nur um im Handumdrehen ein viel lukrativeres Angebot bei der Deutschen Global Invest im Investmentbanking in Frankfurt angeboten zu bekommen, die offenkundig der Deutschen Bank nachempfunden ist.

Tatsächlich ist Jana Liekam nicht mehr als eine Schachfigur im Gefecht der beiden Großbanken und ihrer Top-Manager: Den Job hat Liekam nämlich nur auf Initiative der Bank Crédit International-Direktorin Christelle Leblanc (tolles Comeback: Désirée Nosbusch) bekommen, die dafür einen Gefallen bei der Schwächung des Konkurrenten Deutsche Global Invest erwartet.

Dabei hat Leblanc allerdings nicht die Rechnung mit Liekams neuem Chef, dem charismatischen Investmentbanker Gabriel Fenger (großartig: Barry Atsma) gemacht, der als renditegetriebener Investmentbanker anglo-amerikanischer Schule (inklusive branchenüblichem Trashtalk) seine Leute antreibt und in seinen Ansprachen an Leonardo DiCaprio in “Wolf of Wall Street” erinnert: “I need your balls, I need your brains, I need your vision.” Liekam erliegt seinem ausbeuterischen Charme – und gerät zwischen die Fronten.

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Keine Banker-Beziehung endet im Sechsteiler glücklich

Es entspinnt sich über viereinhalb Stunden ein moderner Finanzthriller, der einmal mehr mit dem Mythos aufräumt, wie Banken ihre Gewinne maximieren: weniger durch Trading-Genies als vielmehr durch “Bullshitter” wie Luc Jacoby, die ihren Kunden strukturierte Produkte aufschwatzten. Mittendrin: der deutsche Immobilien-Wahnsinn, der im vier Milliarden Euro schweren Wohnungsbauprojekt Leipzig 2025, dessen Finanzierung Liekam in vier Wochen “closen” muss, seinen Ausdruck findet.

Überhaupt das globale Bankermilieu: Die eigentliche Stärke des Sechsteilers besteht in der authentischen Skizzierung des Lokalkolorits zwischen Luxemburg, Frankfurt und am Ende auch London – luxemburgischer und holländischer Akzent inklusive. Natürlich sucht der moderne Banker in “Bad Banks” auch anno 2018 noch nach Koks und schnellem Sex und zahlt für seine obsessive Arbeit einen hohen Preis – keine Banker-Beziehung endet glücklich.

Die eigentliche Stärke des Sechsteilers liegt unterdessen in den Nebenrollen, die Millennials auch jenseits der gängigen Klischees zeigen. Janas Kollegin Thao Hong (Mai Duong Kieu) bewegt Hunderte Millionen, stalkt aber einen Studenten. Kollege Adam leidet unter seltsamen Allergien und seiner Ehe, die er nach einem Sex-Ausflug mit einem Kunden verliert, als Beweisfotos auf dem Laptop seiner Frau landen.

Wie die Golden Boys und Girls die nächste Finanzkrise auslösen

Die Rolle der Hauptfigur Jana Liekam ist indes problematisch. Einerseits wird sie in ihrer Zerrissenheit und Getriebenheit authentisch von Paula Beer gespielt. Der Knackpunkt der Handlung besteht allerdings darin, dass die Drehbuchautoren ihre Hauptfigur zu einer Alphabankerin hochgeschrieben haben, deren Handeln schlicht nicht glaubhaft ist.

So groß die Sehnsucht nach einem Banking-Thriller hochmodernen Zuschnitts ist, ist diese Verquickung handwerklich schlicht schlecht gemacht. Natürlich gibt es im Alter von 25 Jahren Golden Boys – und Girls – in den Handelsräumen, die mit gigantischen Short- oder Long-Positionen und Schrott-Derivaten manche Bankbilanz an den Rand des Armageddons – und darüber hinaus – bringen können, wenn man sie denn lässt.

“Ihr Geld ist sicher”

Aber eine Jungbankerin, deren Praktikum kaum zwei Jahre hinter ihr liegt, die nach ihrer Kündigung im Weinkrampf schnurstracks zur Finanzdirektorin läuft, immer wieder unter Panikattacken leidet, soll binnen acht Wochen plötzlich zur Protagonistin werden, die wiederholt  die Topmanager der beiden Großbanken ausspielt, auf Parkplätzen plötzlich abgezockt die Finanzveteranin Leblanc stehen lässt und mit ihrem irrationalen Geltungsstreben (“Weil ich’s brauche”) die nächste Lehman-Krise auslöst? Es wäre die schnellste Lernkurve der Finanzwelt. Hier ist im Writer’s Room eindeutig etwas schiefgelaufen.

Für den Plot ist das aber fast egal. Was zählt, ist das Ausmaß der nächsten Finanzapokalypse, für die es am Ende auch 99 andere Auslöser gibt. Was dann passiert, zeigen bereits die ersten drei Minuten von “Bad Banks”. Der viel zitierte Bankrun hat nun auch Deutschland ergriffen, Geld ist an den Bankautomaten nicht mehr zu bekommen, obwohl der deutsche Finanzminister beteuert: “Ihr Geld ist sicher”. Genau wie vor zehn Jahren, als Angela Merkel und Peer Steinbrück vor Journalisten den unvermeidlichen Satz aussprachen  – die Geschichte hat sich wiederholt. Der Ausgang der neuen deutschen Bankenkrise hätte unterdessen eine weitere Staffel verdient.

„Bad Banks“ läuft am 1. und 2. März bei Arte und am 3. 4. und 5. März im ZDF. 

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