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Hype-App Vero: Der Instagram-Herausforderer scheitert noch am Server

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Vero

Die Sehnsucht ist groß: Nach Jahren im Facebook-Instagram-Twitter-Snapchat-Kosmos wünschen sich viele Nutzer ein neues Social Network jenseits von Algorithmen und Werbeeinblendungen. Vero heißt die neue App-Alternative der Stunde, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, weniger Social Media, dafür aber mehr Social Life zu bieten. Im Gegensatz zu Facebook und Instagram erscheinen Posts in chronologischer Reihenfolge – und ohne Anzeigen-Unterbrechungen. Dafür müssen Nutzer ihre Telefonnummer preisgeben – und eine Abo-Gebühr bezahlen, wenn sie sich nicht schnell genug anmelden.

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Der Verdruss wächst. Alles scheint gepostet, fotografiert und gelikt. Facebook selbst nervt immer mehr Mitglieder, junge Nutzer kehren Mark Zuckerberg (zumindest in den USA) vermehrt den Rücken zu – wie gut, dass sich der Facebook-Chef 2012 mit Instagram für gerade einmal eine Milliarde Dollar die denkbar beste Lebensversicherung für seinen Internet-Konzern gesichert hat.

Instagram und Stories-Pionier Snapchat sind die angesagten Apps der jüngeren Nutzerschaft, die inzwischen jedoch auch schon einen beträchtlichen Reifegrad erreicht haben: Snapchat wurde 2011 gegründet, Instagram sogar ein Jahr zuvor. Im Jahrzehnt der Social Networks scheint es überraschend, wie wenig Innovationen in Form von neuen Angeboten auf den Markt gekommen sind.

Vero: Abkehr von der Allmacht des Algorithmus

In die Nische versucht nun ein neuer Player zu stoßen: Vero. Die App wurde tatsächlich bereits 2016 gelauncht, beginnt aber erst in diesen Tagen medialen Buzz zu erzeugen. Der Name soll Programm sein: “Vero” bedeutet auf Lateinisch nämlich Wahrheit. Um das Dogma noch klarer zu machen, wurde die App mit dem Begleittitel “True Social” gelauncht und verspricht “weniger Social Media, mehr Social Life”.

Das Alleinstellungsmerkmal der sozialen Wahrhaftigkeit besteht für Vero vor allem in der Abkehr von Algorithmen. Seit Facebook, Instagram und auch Twitter die Posts im Newsfeed / der Timeline algorithmisch anzeigen, haben viele Nutzer das Gefühl, bevormundet zu werden. Unterschwellig besteht der Grundverdacht, dass Posts verloren gehen, weil der Algorithmus so entschieden hat.

“Wir kuratieren nicht, wir manipulieren nicht, wir fügen keine Werbung ein”

Gleichzeitig bleiben Anzeigen, die nach Nutzer-Interessen ausgespielt werden, für viele ein Ärgernis. Beides findet bei Vero nicht statt. “Es gibt keine Werbung, keine Algorithmen und keine Datensammlerei in der App”, stellt Vero im Image-Clip klar. “Wir kuratieren nicht, wir manipulieren nicht, wir fügen keine Werbung ein, wir halten keine Posts zurück”, versucht sich Vero als das gute Social Network zu positionieren.

Zudem versucht die neue Social-App die Grenzen der Privatsphäre mit einer klareren Unterteilung zwischen engen Freunden, Freunden, Bekannten und Followern spezifischer zu ziehen (was in Theorie auch bei Facebook möglich ist, wenn man sich die Mühe macht, entsprechende Freundeslisten zu erstellen).

Inhaltlich versucht Vero über den reinen Foto-Beitrag von Instagram hinaus zu kommen: Gepostet werden können am Ende auch Links, der aktuelle Standort, aber auch Musik-, Film-, Serien- und sogar Buchempfehlungen. Nutzer können dabei z.B. angeben, ob sie einen Film gerade sehen, gesehen haben, sehen wollen, empfehlen oder eben nicht empfehlen – per Klick auf einen Button oder mit zusätzlichem Kommentar. Gefunden werden interessante Inhalte nach dem bekannten Hashtag-Prinzip.

Mischung aus Facebook und Instagram – mit Anleihen an Path, Ello und ein bisschen MySpace

In der Theorie klingt Vero wie eine gut gemeinte Weiterentwicklung von Facebook und Instagram – mit Anleihen an MySpace, Path und Ello. In der Praxis begegnen der neuen Hype-App, die in diesen Tagen vor allem von Influencern gepusht wird, jedoch viele Fragezeichen. Zunächst beim Anmelde- und Nutzungsprozess, der höchst holprig verläuft. Anmeldungen schlagen fehl, Posts können nicht abgesetzt werden –  angeblich wegen Server-Überlastung.

Für eine neue App, die den etablierten Playern den Kampf ansagen will, ein unverzeihlicher Lapsus: In einer Welt, in der es niemals eine zweite Chance für den ersten Eindruck gibt, erscheint es äußerst fraglich, ob Nutzer, die einmal beim Anmeldeversuch gescheitert sind, nochmals zurückkehren. Ebenso ein Aufreger: Zur Anmeldung ist die Angabe der Telefonnummer zwingend nötig – angeblich aus Sicherheitsgründen. Das Social Media-Echo fällt entsprechend aus:

Geld verdienen mit Medienkooperationen und Abo-Modell

Darüber hinaus bleiben viele Fragezeichen: Social Media-Müdigkeit wird immer mehr zum Massenphänomen – wer hat da Lust und Muße, beim Aufbau des Freundesnetzwerks nochmals von vorn zu beginnen?

Und schließlich die Gretchenfrage, mit der sich die Social Media-Pioniere Twitter und Snap, die bekanntlich den Löwenanteil ihrer Umsätze durch Werbung generieren, bis heute herumschlagen müssen: Wie sieht es irgendwann mit der Profitabilität aus? Veros Geschäftsmodell, sofern erkennbar, soll aus Kooperationen mit Medien-Unternehmen (etwa: bei Kauf eines Films / Buches, u.a.) und einem Abo-Modell bestehen.

Die erste Million Mitglieder nutzt Vero kostenlos, danach wird eine bislang nicht definierte Jahresgebühr fällig.  Angesichts der Allmacht des Facebook-Universums spricht aktuell nicht viel für Vero – aber vielleicht liegt für Erstbenutzer der App ja gerade darin der Reiz…

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