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Warum die Telekom mit ihrem Smart-Speaker Magenta (mal wieder) scheitern wird …

Telekom-CEO Timotheus Höttges: träumen von Alexa …
Telekom-CEO Timotheus Höttges: träumen von Alexa ...

Die Telekom versucht es mal wieder. Während sich die beiden us-amerikanischen IT-Riesen Amazon und Google ein Wettrennen darum liefern, wer die leistungsfähigste Künstliche-Intelligenz-Plattform etabliert (Alexa vs. Google Assistant), kommt die Deutsche Telekom hinterhergetrottelt. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona hat CEO Timotheus Höttges einen eigenen Smart Speaker von der Telekom angekündigt, der auf den Namen Magenta hört. Die Erfolgsaussichten sind aus vielen Gründen leider sehr überschaubar. Ein Kommentar.

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Zunächst einmal ist die Telekom mit ihrem Magenta-Lautsprecher, der irritierenderweise in weiß präsentiert werden soll, schlicht zu spät dran. Schon Apple hat den Smart-Speaker-Zug mit seinem verschobenen HomePod eigentlich verpasst. Der Magenta-Speaker soll nun aber erst im Sommer auf den Markt kommen. Das sind weitere Monate, in denen Google und vor allem Amazon die interessierte Kundschaft mit ihren Geräten bedienen können. Der Markt der schlauen Lautsprecher ist ein spezieller, denn es handelt sich nicht einfach um Hardware, sondern um Plattformen. Vielleicht tut sich darum auch der Hardware-Spezalist Apple vergleichsweise so schwer. Die Kalifornier versuchen die besondere Audio-Qualität ihre HomePod als USP zu betonen – damit dürften sie aber nur bei einer relativ kleinen Nischenzielgruppe Gehör finden. Der Masse reicht die Audioqualität, die Google und Amazon anbieten vollkommen aus.

Die Sache mit Plattformen ist die, dass es einen unfassbaren Sog gibt, sobald eine bestimmte Größe erreicht ist. Facebook und WhatsApp sind riesig und ziehen allein aufgrund der schieren Größe immer neue Nutzer an, weil alle andere eben auch schon da sind. Sobald einmal eine kritische Masse an Haushalten mit Alexa-Lautsprechern von Amazon versorgt ist, steigt der Nutzen des Systems für neue Kunden exponentiell. Mit jeder neuen Installation lernt das Alexa-System außerdem dazu und wird ständig besser. Drittanbieter werden angelockt und stellen eigene Anwendungen (bei Alexa “Skills” genannt) zur Verfügung, was wiederum die Attraktivität des Systems steigert usw.

Die Telekom war schon immer mies in diesem Plattform-Business. Unvergessen sind die vielen Versuche des rosa Riesen, einen eigenen Messengerdienst zu etablieren. Mit joyn wollte die Telekom vor Jahren WhatsApp das Wasser abgraben. Vergeblich. Mittlerweile versucht sie es mit einem Produkt, dass auf den “griffigen” Namen Telekom Message+ (RCS) hört. RCS steht für Rich Communications Service und soll eigentlich die Nachfolgetechnik für die olle SMS sein. Man kann damit, Achtung Innovation!, Bilder, Videos und Töne verschicken. Pure Science Fiction! Kann sich irgendjemand eigentlich an die MMS erinnern? Vorsichtshalber wird bei der Telekom schon mal verbreitet, man wolle Amazon & Co. ja gar keine Konkurrenz machen. Der Magenta-Speaker sei “komplementär”. Also, bitte! Wer stellt sich denn einen Telekom-Speaker ins Haus, um dann darüber Amazon-Dienste laufen zu lassen? Das ergibt doch keinen Sinn. Dann kann man sich auch gleich einen Alexa-Speaker zulegen.

Während die Telekom mit neuen Standards der Marke Dead-on-Arrival herumwurstelt, hat sich WhatsApp längst als Quasi-Standard etabliert. Als letztes Argument verbleiben der Telekom dann stets technische Gründe oder der gute alte Datenschutz. RCS-Dienste knabbern nicht am Datenvolumen des Kunden und bieten angeblich besseren Schutz der Privatsphäre. Gut und schön, aber versuchen Sie mal, ihrer Mutter eine Nachricht mit dem Telekom Messenger+ (RCS) zu schicken. Das wird vermutlich nicht klappen, weil sie den nicht benutzt. WhatsApp dagegen – alles kein Problem. Und was den Datenschutz betrifft: Haben Sie schon mal von massiven Daten-Skandalen bei Google oder Amazon gehört? Bei der Telekom soll es da schon mal was gegeben haben.

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Auch beim nun angekündigten Magenta-Speaker taucht das Datenschutz-Argument wieder auf. Unternehmen, wie etwa Versicherungen, hätten bereits signalisiert, sie hätten Interesse an einer deutschen Sprachsteuerung, bei der die Daten nicht im Ausland landen, berichtet Wiwo.de. Ja, klar. Von der breitflächigen Verwendung des Konjunktiv mal abgesehen: Da kann man dann eine Hausratsversicherung über den Magenta-Lautsprecher direkt vom Sofa aus abschließen. Glaubt wirklich jemand, bei der Telekom oder in der übrigen Welt, dass das in absehbarer Zeit passieren wird?

Viel wahrscheinlicher ist, dass Magenta, der Lautsprecher, das Schicksal anderer Telekom Adabei-Projekte teilt. Seien es die Messenger, das digitale Männer-Magazin wanted.de (erinnert sich jemand? Irgendjemand?), die Wetter-App, die Fußball-App oder die Baufinanzierungs-App. Teils sind diese Apps im deutschen iTunes-Store gar nicht mehr aufzufinden, obwohl sie im Dickicht der Telekom-Websites noch als heißer Scheiß (“App geht die Telekom“) feilgeboten werden.

Die Telekom hat hart an ihrem Kern-Produkt gearbeitet (Mobilfunk, Festnetzanschlüsse, DSL) und bietet heute deutlich besseren Service als früher. Die Orchideen-Projekte rund um Apps oder künstliche Intelligenzen (Gruß an Robert T. Online), die bei Events wie dem Mobile World Congress präsentiert werden, muss man wohl nicht allzu ernst nehmen. Genau dasselbe, was hier über den Magenta-Speaker steht, gilt übrigens auch für die Telekom-Datenbrille, die in einer Forma namens Tooz gemeinsam mit Zeiss entwickelt wird. Google Glass anyone?

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Alle Kommentare

  1. Es wird sicherlich ein Nischenprodukt werden. Allerdings finde ich persönlich einen Speaker, der Alexa, Google Home Assistant und Magenta beinhaltet durchaus attraktiv. An für sich ist es auch nicht verkehrt als europäisches Unternehmen in Sprachsteuerungsdienste einzusteigen (wenn auch spät). Die Sprachsteuerung wird künftig nicht nur bei Heimanwender immer wichtiger.

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