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US-Chef kehrt Axel Springer den Rücken: Was hinter dem Rückzug von Jens Müffelmann steckt

Verlagschef Mathias Döpfner (li.), Springer-Auslandsmanager Jens Müffelmann: Seitenwechsel eines engen Vertrauten
Verlagschef Mathias Döpfner (li.), Springer-Auslandsmanager Jens Müffelmann: Seitenwechsel eines engen Vertrauten

Er galt als enger Vertrauter von Springer-Chef Mathias Döpfner: US-Chef Jens Müffelmann verlässt überraschend den Berliner Medienriesen. Sein Posten soll nicht neu besetzt werden, heißt es. Dagegen übernimmt jetzt Vorstandsmitglied Jan Bayer übergreifend seine Aufgaben. Analysten werten dies als Signal, dass Döpfner in den USA vorerst keine größeren Investments ins Visier nimmt. Stattdessen werde er seine Kräfte stärker auf das Classified-Geschäft fokussieren, vermuten sie.

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Mehr als 20 Jahre ist Jens Müffelmann für Axel Springer tätig – davon zuletzt zwei Jahre als Chef des US-Geschäfts in New York. Nun kehrt der gebürtige Hamburger und Maschinenbauingenieur, der gerne einen Drei-Tage-Bart trug, dem Berliner Medienunternehmen den Rücken. Für die Konzernspitze von Axel Springer kommt die Personalie angeblich nicht überraschend. Denn der Auslands-Aufenthalt von Müffelmann war zeitlich begrenzt und der Manager hatte wohl zuletzt kein Interesse gezeigt, in die Firmenzentrale in Berlin zurückzukehren und dort einen neuen Job anzunehmen, heißt es in Unternehmenskreisen. Müffelmann wollte lieber in den USA bleiben. Dorthin hatte er nach seinem Umzug bereits seinen Lebensmittelpunkt verlegt. Nun will der ehemals enge Vertraute von Springer-Chef Mathias Döpfner selbst im Private Equity und Risikokapital-Geschäft mitmischen.

Für den Posten des US-Chefs sucht Döpfner keinen Nachfolger, heißt es in Springer-Kreisen. Die Aufgaben von Müffelmann soll stattdessen New Media-Vorstandsmitglied Jan Bayer langfristig übernehmen. Das ist hier jedoch nicht seine einzige Aufgabe. Bayer soll dem Vernehmen nach auch für die Springer-Seite des frisch gegründeten Gemeinschaftsunternehmens Varsavsky Axel Springer GmbH & Co. KG verantwortlich zeichnen. Zum Hintergrund: Die Berliner waren im vergangenen Jahr mit dem Internet-Unternehmer und Springer-Aufsichtsratsmitglied Martin Varsavsky ein Joint Venture eingegangen, um in einer frühen Phase in Medienunternehmen zu investieren. Doch bei dem Joint-Venture handelt es sich eher um überschaubare kleinere Investments, die mittelfristig keine großen Erträge zum Konzernergebnis beisteuern dürften.

Dabei dürfte es bleiben. Denn Frankfurter Wertpapier-Analysten gehen nicht davon aus, dass größere Investments in den USA wie einst Business Insider und die Marktforschungsfirma eMarketer auf Döpfners Agenda stehen. Sie gehen eher davon aus, dass der Springer-Chef in den weiteren Ausbau des Classified-Geschäfts investiert. Der Grund für die Kaufzurückhaltung in den USA ist klar: der Wettbewerb in journalistische Digital-Produkte wie beispielsweise Business Insider ist hier knochenhart. Ein weiteres Problem sind die Preise, die für zum Verkauf stehende Gesellschaften aufgerufen werden. Auch das Springer-Investment in Business Insider war  in der Fachwelt von Anfang an nicht unumstritten. Der Chefredakteur des bestens vernetzten US-Mediendienstes Digiday, Brian Morrissey, hatte sich zuletzt in seinem Jahresrückblick 2017 kritisch über das Investment des deutschen Verlagshauses geäußert.

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Eigenkapitalstarke Investoren sowie Tech-Unternehmen, heißt es nun aus Insiderkreisen, würden die Kaufsummen in teils irrwitzige Höhen treiben. Springer-Chef Döpfner muss sich daher sehr genau überlegen, ob sich hier weitere Investments in dreistelliger Millionenhöhe dauerhaft lohnen. In den vergangenen Jahren hatte der Konzernherr eine hohe dreistellige Millionensumme für diverse US-Engagements ausgegeben. So übernahm der Verlag 2015 für 300 Millionen Euro Business Insider und 2016 für mehr als 210 Millionen Euro Emarketer, eine Marktforschungsfirma, die Daten liefert.

Zudem dürfte der Springer-Chef auch nach den Problemen mit Bonial in den USA vorsichtig geworden sein. Zwar ist hierfür Vorstandsmitglied Andreas Wiele zuständig. Doch im vergangenen Jahr zogen die Berliner dort bei dem US-Shopping-Angebot Retale den Stecker. Grund hierfür war die fehlende wirtschaftliche Perspektive.

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Alle Kommentare

  1. Tja, Tafelsilber bei Springer ist verscherbelt und die Kasse leer. Die Auflagen der noch vorhandenen Print-Produkte sind im freien Fall. Warten auf das Ende…

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