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“Textaufbau, Einstieg, teilweise ganze Passagen kopiert”: Focus Online löscht Artikel und entschuldigt sich für Inhalte-Klau bei Welt

 Focus Online-Chefredakteur Daniel Steil
Focus Online-Chefredakteur Daniel Steil

Als sich Hubert Burda Media und Axel Springer im Streit über "systematischen Inhalte-Klau" durch Focus Online, wie Bild es formuliert hatte, außergerichtlich geeinigt hatten, war eine Entspannung der Lage und Besserung seitens des Burda-Portals erwartet worden. Dass Focus Online aber weiterhin nicht davor zurückschreckt, Recherchen und Text-Inhalte einfach zu übernehmen, zeigt ein aktueller Fall der Welt. Erst nach Beschwerden nahm Focus Online seine Kopie wieder offline.

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Die Welt hatte sich in einem Stück mit dem Geschäfts der Heiratsvermittlung in Osteuropa auseinandergesetzt. Dafür hatte die Tageszeitung unter anderem einen Mann begleitet, der eine Agentur beauftragt hatte, ihm in der Ukraine eine Frau zu suchen. Gleichzeitig porträtierte die Autorin die Betreiberin der Agentur, die ihren deutschen Ehemann selbst in der Ukraine kennengelernt hatte. Unter der Headline „Überlegen Sie gut, ob Sie sich eine Ukrainerin leisten können“ ist eine umfassende Reportage über das Bedürfnis mancher Männer, im Ausland Frauen kennenzulernen, die kulturelle Differenzen und auch die finanzielle Belastung durch Integration beleuchtet. Bei der Welt erschien das Stück hinter der Bezahlschranke und war damit nur für Abonnenten sichtbar  – umso größer ist der Ärger, als die Redakteure die Recherche wie auch Teile des Artikels auf einem Nachrichtenportal der Konkurrenz entdeckt haben.

Focus Online hatte sich an dem Artikel bedient und, wie sich ein Welt-Redakteur bei Twitter beklagte, “Textaufbau, Einstieg, teilweise ganze Passagen vom WELT-Original kopiert” (MEEDIA berichtete).

Es hat offenbar erst die Beschwerde gebraucht, damit die Redaktion handelt. Nach Erscheinen am Donnerstag nahm Focus Online den Artikel am Freitag wieder offline. Unter der deutlich zugespitzten Headline “2500 Euro für Liebe, Sex und Ehe: Wie Deutsche mit Ukrainerinnen verkuppelt werden” heißt es nun:

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Der Artikel, der hier für kurze Zeit abrufbar war, entsprach durch die Übernahme diverser Passagen aus dem lesenswerten Beitrag „Überlegen Sie gut, ob Sie sich eine Ukrainerin leisten können“ nicht unseren professionellen Standards, weshalb wir ihn gelöscht haben. Wir entschuldigen uns bei den Kollegen der „Welt“ und besonders bei der Autorin Sarah Heidi Engel.

Bei Twitter reagierte Katja Hertin, stellvertretende Chefredakteurin von Focus Online. Sie schrieb:”Fehler passieren.”

Es ist nicht das erste Mal, dass Focus Online aufgrund großzügiger Zitierungen negativ auffällt und kritisiert wird. Im vergangenen Jahr eskalierte eine Auseinandersetzung mit der Bild-Zeitung so extrem, dass Axel Springer rechtliche Schritte gegen das Burda-Portal eingeleitet hatte. Die Wettbewerbs- und Urheberrechtsklage wendete sich dagegen, „dass Focus Online systematisch exklusive Bezahl-Inhalte von BildPlus abschreibt und zum Teil des eigenen Geschäftsmodells macht, das Journalismus reichweitenorientiert vermarktet“, wie Springer bei der Einreichung der Klage erklärte. Im Streit ist es letztlich zu keiner Verhandlung gekommen. Die Unternehmen hatten sich außergerichtlich geeinigt.

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