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Interview mit RT International zum Bild-Coup: Auftritt von Titanic-Redakteur bei russischem Staatssender stößt auf Kritik

"Kronzeuge im russischen Staats-TV"? Titanic-Redakteur Hürtgen hat sich bei RT International geäußert

Nach dem Satire-Coup legt die Titanic nach: Der leitende Redakteur Moritz Hürtgen hat im russischen Sender RT International ein Interview gegeben. Für den Auftritt erntet er nicht nur von Bild-Chefredakteur Julian Reichelt Kritik. Wie weit darf Satire gehen, fragt die Netz-Community. Hintergrund: RT International ist ein vom Kreml finanzierter Propagandasender.

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Die Affäre um angebliche E-Mails von Juso-Chef Kevin Kühnert sorgt auch international für Aufmerksamkeit. Nachdem das Titanic-Magazin sich am Mittwoch zu der Aktion bekannt hatte, die in eine Bild-Titelstory über eine „SPD-Schmutzkampagne“ mündete, äußerte sich der zuständige Redakteur in einem Interview mit dem russischen TV-Sender RT International zum Vorfall. In dem am Donnerstagmorgen veröffentlichten Beitrag gibt der Sender die Ereignisse wieder, die am 16. Februar ihren Anfang nahmen. Nachdem der Moderator die Einzelheiten von #miomiogate erklärt hat, beschreibt Hürtgen die Vorgehensweise der vergangenen Wochen. „It was a good laugh“, sagt Hürtgen im Gespräch mit dem Moderator. Das sei für sich genommen schon einiges wert, endet das Interview.
Sein Auftritt beim russischen Sender, der vom russischen Staat finanziert wird, sorgt bei Beobachtern im Netz für kontroverse Diskussionen. Im Fokus steht die Frage, ob das Satiremagazin damit eine Grenze überschritten hat oder ob es sich noch um Satire handelt. Allen voran Bild-Chefredakteur Julian Reichelt verurteilt den Auftritt Hürtgens. „Menschen, die Russia Today betreiben und finanzieren, verachten den Geist der Satire. Bild mag von Titanic und Hürtgen betrogen worden sein“, twittert dieser und fährt fort: „Hürtgen aber stellt sich wissentlich in den Dienst eines Regimes, das Journalisten verfolgt.“ Zustimmung findet er unter anderem von Welt-Reporter Robin Alexander. Die Bild-Zeitung zu foppen sei durchaus lustig, aber im russischen „Staats-TV als Kronzeuge auftreten“ sei schlicht dumm. Andere Beobachter zielen in eine ähnliche Richtung und betonen, dass sich das Satiremagazin durch den Auftritt instrumentalisieren lasse und es der „schmutzigen Agenda“ von RT International diene.
https://twitter.com/jreichelt/status/966593504737624065
https://twitter.com/robinalexander_/status/966589988329672704
https://twitter.com/aufmacher/status/966607581694382080
Demgegenüber stehen die Verteidiger der Aktion, die sagen, Satire sei wie ein Kunstwerk. Hanning Vogts von der Frankfurter Rundschau (FR) schreibt:“Das Interview mit RT beweist, dass es dem Satiriker um das Weiterspinnen seines Witzes geht, nicht um politischen Aktivismus.“ Erst durch das Gespräch mit dem russischen TV-Sender werde die Satire, der Gag, komplett, argumentiert der FR-Redakteur. „Die Titanic kümmert sich einfach um das, was sie gut kann: Satire.“
Journalist Michael Förtsch mutmaßt, dass es sich um Kalkül seitens der Titanic-Redaktion handeln könnte. Er urteilt: „Auf RT aufzutreten ist zwar legitim aber auch fragwürdig und der positiven Wirkung der Titanic-Aktion nicht zuträglich. Der RT-Auftritt hilft Julian Reichelt und der Bild leider eher.“ Förtsch sieht in dem Interview von Hürtgen vor allem eine Steilvorlage für das Boulevardblatt, um die Titanic und deren Aktion zu diskreditieren.
https://twitter.com/micha/status/966642863588159488
Der Titanic-Redakteur hatte den Auftritt bei RT International auf seinem Twitter-Account angekündigt. Über die Beweggründe des Interviews gibt es bislang keine Details. Auf Anfrage von MEEDIA erklärt Hürtgen dazu:“Derzeit möchte ich keine Stellungnahme zum RT-Interview geben.“
https://twitter.com/hrtgn/status/966403536199172096

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