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Hasskommentare auf Facebook: Wie rechte Aktivisten die Netzdiskussionen zur Bundestagswahl manipulierten

Aus Datenschutzgründen gewährt Facebook den Eltern keinen Zugriff auf das Profil ihrer verstorbenen Tochter
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Rechtsradikale Medienaktivisten haben im Bundestagswahlkampf Diskussionen im Internet gezielt manipuliert. Das belegten Daten aus einem Netzwerk, aus dem solche Kampagnen gesteuert worden seien, berichten ARD, WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung. Eine weitere Auswertung zeigt zudem, dass hinter vielen Hasskommentaren im Netz lediglich eine "verschwindend kleine Minderheit der Nutzer" steht.

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Auf der Plattform “Reconquista Germanica” beim Kommunikationsdienst Discord hätten sich im Wahlkampf zeitweise 5000 Nutzer organisiert, um gezielt Themen und Begriffe zu setzen und Gegner einzuschüchtern. Sie hätten Bewertungen von Videos oder Posts in sozialen Medien verfälscht, die Sichtbarkeit von eigenen, oft rassistischen Inhalten künstlich aufgeblasen und Autoren, Politiker und andere YouTuber beschimpft oder gedemütigt. So hätten sie im September 2017 die Diskussionen über das TV-Duell von Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Kandidat Martin Schulz gekapert und ausgewählte Begriffe wie #nichtmeinekanzlerin zu Twitter-Trends gemacht.

Die Aktivisten seien dabei kommandomäßig vorgegangen. Administratoren – benannt nach militärischen Rängen wie “Offizier der Heeresgruppe Ost” – hätten täglich Anweisungen ausgegeben, welche Ziele zu attackieren seien. Für ihre Recherchen kooperierten die Medien mit dem Institut für strategischen Dialog  in London sowie der Gruppe “Alt Right Leaks”. Dieser sei es gelungen, sich bei den sogenannten Internet-Trollen als vermeintliche Mittäter einzuschleichen und Material zu kopieren.

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Eine Datenanalyse, initiiert von Tagesschau Journalist Patrick Gensing, zeigt überdies, dass die meisten Hasskommentare im Internet von wenigen Nutzern unterstützt werden. “Sie wollen sich als Volkes Stimme inszenieren, doch tatsächlich steht hinter vielen Hasskommentaren im Netz nur eine verschwindend kleine Minderheit der Nutzer”, heißt es in einem Artikel. Die Ergebnis beruhen auf Hunderten Diskussionen auf Facebook zu Beiträgen von überregionalen Medienhäusern von Bild, Focus-Online, Kronen-Zeitung, Spiegel-Online, tagesschau.de, Welt sowie “ZDF heute”. “Lediglich fünf Prozent der Accounts waren im Januar für 50 Prozent der Likes bei Hasskommentaren verantwortlich”, so das zentrale Ergebnis der Auswertung.

Mit Material der dpa

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