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Die Mauer ist länger weg, als sie stand – aber: Die Leitmedien aus dem Westen haben es im Osten immer noch schwer

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Als 1989 die Mauer fiel, gab es für deutsche Verlage aus der alten Bundesrepublik plötzlich 16 Millionen potenzielle neue Leser und Kunden. Doch richtig erfolgreich sind sie mit ihren Produkten dort nicht geworden. Insbesondere traditionsreiche journalistische Titel wie Der Spiegel, stern, Die Zeit oder die überregionalen Tageszeitungen haben es seit jeher schwer. Eine Bestandsaufnahme der Printmedien-Unterschiede zwischen Ost und West.

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manager magazin, Zeit und stern sind drei Paradebeispiele für Printmedien, die es nie so recht geschafft haben, sich ein großes Publikum in den fünf neueren Bundesländern aufzubauen. Laut aktueller Zahlen der ma 2018 Pressemedien I erreicht das manager magazin zum Beispiel in den alten Bundesländern ohne Berlin eine Reichweite von 1,0%. In den neuen Bundesländern ohne Berlin nur 0,4%. Bei der Zeit liegen die Werte bei 2,3% und 0,9%, beim stern bei 10,2% und 4,8%. Die Reichweiten im Westen sind also jeweils mehr als doppelt so groß wie die im Osten.

Auch Der Spiegel und der Focus sind in den alten Bundesländern deutlich erfolgreicher als in den mittlerweile nicht mehr so ganz neuen Bundesländern: Der Spiegel kommt im Westen auf eine Reichweite von 9,3%, im Osten auf eine von 5,7%, beim Focus liegen die Werte bei 6,8% und 4,7%. Schaut man auf die Liste der 157 von der ma Pressemiedien erfassten Titel, so haben genau 100 eine größere prozentuale Reichweite in den alten Ländern, 57 sind in den neuen Ländern erfolgreicher in Sachen Reichweite.

Der Blick auf die größten Unterschiede sieht Titel wie Living at Home, Donna und burda style vorn, aber auch traditionsreiche Printmarken wie tv Hören und Sehen, Gong, manager magazin, Zeit, die zwei, Hörzu und essen & Trinken. Setzt man die prozentuale West-Reichweite der Magazine auf den Indexwert von 100, so kommen diese zehn allesamt im Osten nur auf einen Indexwert von 25 bis 40:

ma 2018 Pressemedien I: Die Flop-10-Zeitschriften mit der geringsten Reichweite Neue Bundesländer vs. Alte Bundesländer
RW in % N.B.* RW in % A.B.* Index
1 Living at Home 0,2 0,8 24,9
2 Donna 0,2 0,5 28,9
3 burda style 0,4 1,3 32,1
4 tv Hören und Sehen 1,9 5,4 35,5
5 Gong 0,8 2,1 36,3
6 manager magazin 0,4 1,0 37,3
7 Die Zeit 0,9 2,3 37,8
8 die zwei 0,2 0,6 38,6
9 Hörzu 2,3 5,7 40,1
10 essen&trinken 0,8 2,1 40,2
Quelle: ma 2018 Pressemedien I / Tabelle: MEEDIA

Die Liste der 57 Titel, die im Osten eine größere prozentuale Reichweite erzielen als im Westen wird von der Superillu angeführt. Sie kommt in den neuen Bundesländern auf 15,0%, in den alten Bundesländern nur auf 0,8%. Sie wurde 1990 von Burda speziell für die neuen Länder konzipiert – mit Erfolg. Platz 2 geht an “Guter Rat”, das schon seit 1945 existiert und nach der Wende mit geändertem Konzept aber alter Marke weiter geführt wurde – ebenfalls von Burda. Auffällig ist zudem, dass es diverse Frauenzeitschriften für ältere Zielgruppen in die Top Ten geschafft haben: Mini, Viel Spaß, mach mal Pause, Schöne Woche, Avanti und die illu der Frau. Natürlich ebenfalls vertreten: AutoStraßenverkehr, ein Titel, der es ebenfalls mit neuem Konzept aus der DDR in das wiedervereinigte Deutschland geschafft hat.

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ma 2018 Pressemedien I: Die Top-10-Zeitschriften mit der höchsten Reichweite Neue Bundesländer vs. Alte Bundesländer
RW in % N.B.* RW in % A.B.* Index
1 Superillu 15,0 0,8 1.899,9
2 Guter Rat 6,0 0,7 815,5
3 Mini 2,7 0,4 692,9
4 B.Z. am Sonntag 0,3 0,1 525,0
5 AutoStraßenverkehr 2,4 0,5 490,8
6 Viel Spaß 2,4 0,6 419,8
7 mach mal Pause 3,4 0,9 388,2
8 Schöne Woche 1,1 0,3 350,5
9 Avanti 1,1 0,4 297,8
10 illu der Frau 1,4 0,5 255,3
Quelle: ma 2018 Pressemedien I / Tabelle: MEEDIA

Auch wenn die Unterschiede insbesondere bei den großen journalistischen Marken noch groß sind, gibt es positive Zeichen, dass sich die Reichweiten doch etwas annähern. So hat Der Spiegel seine Reichweite im Osten beispielsweise in den vergangenen zehn Jahren laut ma von 5,2% auf 5,7% gesteigert, während sie im Westen von 10,1% auf 9,3% schrumpfte. Der stern steigerte sich im Osten von 4,2% auf 4,8% und fiel im Westen von 13,2% auf 10,2%, Die Zeit wuchs im Osten zumindest minimal von 0,8% auf 0,9%, verlor im Westen Reichweite von 2,7% auf 2,3%. Der Focus hingegen liegt auch im Osten im Minus (4,7% statt 4,9%), aber längst nicht so extrem wie im Westen (6,8% statt 9,6%).

Ohnehin entwickeln sich die Leserzahlen im Osten laut ma längst nicht so schlecht wie die im Westen. Die Brutto-Reichweite der 157 Zeitschriften sank in den neuen Bundesländern in den jüngsten zehn Jahren nur um 4,7%, im Westen um 16,3%.

Bei den überregionalen Tageszeitungen sehen die Unterschiede zwischen Ost und West teilweise noch extremer aus: Nur die taz hat mit 0,3% zu 0,2% in den neuen Bundesländern eine höhere Reichweite als in den alten Ländern – Berlin wie gesagt nicht mitgerechnet. Die Bild kommt in beiden Regionen auf eine fast gleiche prozentuale Reichweite, auch bei der Welt sind die Unterschiede noch okay. Beim Handelsblatt und vor allem bei der Frankfurter Allgemeine und der Süddeutsche Zeitung hingegen, ist die Ost-Reichweite  zum Teil verschwindend gering im Vergleich zur West-Reichweite. Natürlich muss man dabei beachten, dass die F.A.Z. und die SZ wegen ihrer regionalen Berichterstattung besonders stark rund um Frankfurt bzw. München sind.

ma 2018 Pressemedien I: Überregionale Tageszeitungen Neue Bundesländer vs. Alte Bundesländer
RW in % N.B.* RW in % A.B.* Index
1 die tageszeitung 0,3 0,2 147,2
2 Bild 13,9 14,1 98,9
3 Die Welt 0,8 1,0 86,6
4 Handelsblatt 0,3 0,7 47,5
5 Frankfurter Allgemeine Zeitung 0,3 1,2 23,9
6 Süddeutsche Zeitung 0,4 2,0 19,2
Quelle: ma 2018 Pressemedien I / Tabelle: MEEDIA

Insgesamt zeigen die Zahlen der ma, dass die Menschen in den 1990 hinzu gekommenen Bundesländern auch fast 30 Jahre nach der Wende noch nicht so warm mit den Leitmedien aus der alten Bundesrepublik geworden sind, wie sich die Verlage das erhofft hatten. Leichte positive Zeichen gibt es zwar, doch in Zeiten allgemein schrumpfender Auflagen und Leserzahlen ist das ein eher schwacher Trost.

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Alle Kommentare

  1. Liebes Meediateam, ist es nicht auffällig, dass vier von den fünf Westleitmedien explitzit eine linke respektive linksliberale Blattlinie haben? Ich meine, ich lese die oben genannten Medien ja selber, aber in anderen Ländern würde man tatsächlich von einer Einheitspresse schreiben. Wenn es solche Defizite in Deutschland gibt, nimmt man das offenbar klaglos hin, vielleicht wird das von vielen “Mächtigen” in Deutschland sogar insgeheim begrüßt, auch wenn das natürlich nur Spekulation ist.
    Vielleicht könnte man ein Spezial zur sowieso nur kleinen konservativen Presselandschaft machen. Auch wenn ich Leser der oben genannten Medien bin, will ich auch mal was anderes lesen.

    1. Lieber Herr Fischer, ja, das sicher auffällig, dass die große Mehrheit der Leitmedien keine konservativen sind.

      Wie kommt’s? Hat das die Verwaltungsstatthalterin Angela so verordnet, dass die gelesen werden müssen? Stecken die Großkonzerne dahinter, die sich die veröffentlichte Meinung kaufen? Gibt’s einfach keine anderen Medien?

      Nichts von dem, offenkundig: Die Verlagshäuser zwingen keinen einzigen Leser, sie müssen ihr Geld selbst verdienen und haben sich über Jahrzehnte am Markt durchgesetzt. Vielleicht ist es ja so, dass dumpfe Wiederholung der immergleichen Ressentiments gegen Neuerungen jeglicher Art einfach uninteressant sind, und dass sich mit der bloßen Akklamation für das Bestehende und die Mächtigen einfach kein guter Journalismus machen lässt.

      Denken Sie mal drüber nach. Und lesen Sie immer mal was anderes.

      1. Zum Glück wird keiner zum Lesen gezwungen. Man muss nur aufpassen, dass sich die Verlagshäuser nicht über sog. Rechercheverbünde an das Zwangssystem der GEZ andocken. Auch andere staatliche Subventionen müssen konsequent verhindert werden. Wenn das geschieht, wird sich der Markt in einigen Jahren bereinigen und ich bin sicher, dass es dann auch wieder eine größere inhaltliche Vielfalt geben wird und das bei geringerer Zahl an Blättern.

  2. Die Diktion des Beitrages amüsiert mich… Nicht mehr ganz so neuen Bundesländer, fünf neuere Bundesländer, neue Bundesländer – und dann kommt es knallhart: Osten und Westen

    Übrigens: Ich gehörte zu den 17 Millionen DDR-Bürgern!

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