Partner von:
Anzeige

Wegen schwacher iPhone X-Nachfrage: Samsung sucht nach neuen Käufern seiner OLED-Displays


Apple CEO Tim Cook und Samsung CEO Oh-Hyun Kwon: Von Erzrivalen zu engen Geschäftspartnern
Apple CEO Tim Cook und Samsung CEO Oh-Hyun Kwon: Von Erzrivalen zu engen Geschäftspartnern

Das hatte sich nicht nur Apple anders vorgestellt: Das iPhone X schien eine sichere Wette zu sein – für den wertvollsten Konzern der Welt, aber auch für Samsung. Der langjährige Erzrivale aus Südkorea profitiert nämlich ironischerweise erheblich vom iPhone X, für das Samsung die OLED-Displays fertigt. Doch wer mit dem iPhone X nach oben fährt, fährt nun in der Schwächephase auch wieder nach unten: Seit Jahresbeginn notiert Samsung an der Börse im Minus – und sucht nach Informationen des Nikkei Asian Review nun nach Abnehmern der überproduzierten OLED-Displays.

Anzeige

Fünf Jahre nach dem Showdown im „Patentprozess des Jahrhunderts“ scheinen die Wogen zwischen Seoul und Cupertino wieder geglättet: Apple ordert wieder bei Samsung – und das im ganz großen Stil. Bereits Ende 2016 hatte Apple einen Auftrag in Höhe von kolportierten 4 Milliarden Dollar nach Südkorea vergeben, wie aus einer Pflichtmitteilung von Apple bei der US-Börsenaufsicht SEC hervorging.

Ausgerechnet der Erzrivale Samsung fertigt exklusiv die OLED-Displays für das iPhone X – und konnte Apple dabei Preis und Verfügbarkeit diktieren. Das Abhängigkeitsverhältnis mutete fast bizarr an, verzögerte und verteuerte sich der Launch von Apples Smartphones doch maßgeblich durch das teurere OLED-Display.  Wie das Wall Street Journal mit Verweis auf den Marktforscher Counterpoint Technology berichtete, dürfte Samsung inklusive der gelieferten Akkus und Kondensatoren nämlich 110 Dollar je iPhone X verdienen.

Samsung großer iPhone X-Profiteur

Und mehr noch: Wie Counterpoint Technology seinerzeit vorrechnete, dürfte Samsung als Zulieferer des iPhone X tatsächlich sogar besser verdienen als mit den Komponenten des eigenen Flaggschiffs Galaxy S8. Während Counterpoint damit rechnet, dass Samsung bis dahin 50 Millionen Modelle des Galaxy S8 absetzen kann, soll Apple bis zum Sommer 2019 130 Millionen iPhone X verkaufen können.

Unter dem Strich würde Samsung über einen Zeitraum von 20 Monaten damit 14,3 Milliarden Dollar aus Cupertino für die Komponenten für das iPhone X erhalten, während die Komponenten des Galaxy S8 „nur“ 10,1 Milliarden in die Kassen spülen dürften, wurde im vergangenen Herbst noch kolportiert.

Apple fährt iPhone X-Produktion überraschend schnell herunter

Das war vor dem iPhone X-Launch. Nur eineinhalb Monate später trafen jedoch aus Zuliefererkreisen in Asien die ersten Hiobsbotschaften ein. Überraschend schnell scheint Apple die Produktion seines neuen Kult-Smartphones schon wieder herunterzufahren. Spätestens seit Bekanntgabe der jüngsten Quartalsergebnisse herrscht an der Wall Street Ernüchterung über Apples neues Flaggschiff-Smartphone: Das iPhone X hat zwar im Weihnachtsquartal sein Soll erfüllt, doch nun drohen die Anschlusskäufe zu verebben.

Im ersten Quartal soll Apple demnach nur noch 20 Millionen Einheiten seines hochpreisigen OLED-Flaggschiffs fertigen lassen – die Hälfte des ursprünglich anvisierten Produktionsvolumens. Wie der gut unterrichtete KGI Securities-Analyst Ming-Chi Kuo prognostiziert, dürfte Apple im einjährigen Lebenszyklus des iPhone X nun lediglich 62 Millionen Einheiten verkaufen – danach dürfte das hochgehypte Smartphone schon wieder vom Markt verschwinden.

Samsung-Aktie rutscht mit Gerüchten um Order-Kürzungen des iPhone X ab
Anzeige

Entsprechend alarmiert haben Anleger auf die Gerüchte um eine Produktionskürzung reagiert und die Apple-Aktie in den ersten eineinhalb Monaten des Jahres um in der Spitze 16 Prozent nach unten geschickt, ehe in der vergangenen Woche eine größere Erholung einsetzte, die die Anteilsscheine des iKonzerns seit Jahresbeginn wieder ins Plus hievte.

Im negativen Terrain notiert dagegen der größte Komponentenzulieferer für das iPhone X – Samsung. Die Korrelation zum iPhone X ist bemerkenswert: In Erwartung des hochpreisigen Apple-Smartphones hatten die Anteilsscheine des wertvollsten Konzerns Südkoreas im vergangenen Jahr in der Spitze um 60 Prozent an Wert gewonnen – und damit noch mehr als Apple selbst.

Das Allzeithoch wurde praktisch auf den Tag genau mit dem iPhone X-Launch markiert, danach ging es bergab – und zwar auffällig synchron zu der Entwicklung der Apple-Aktie, vor allem aber seit Ende Dezember zu den aufkommenden Gerüchten um Produktionskürzungen beim iPhone X. Tatsächlich reagierte Samsung mit einem Minus von 5 Prozent seit Jahresbeginn noch sensibler auf die schlechten Nachrichten der vergangenen Wochen, was wiederum die Counterpoint-Berechnungen stützt.

Nikkei Asian Review: Samsung sucht nach neuen OLED-Abnehmern

Wie der Nikkei Asian Review am Wochenende berichtete, hat Samsung die OLED-Displays überproduziert – und sucht nach Apples Orderhalbierung nun nach neuen Abnehmern für die teuren Bildschirme. „Samsung verkauft vermehrt OLED-Displays an andere Kunden“, berichtet die japanische Wirtschaftszeitung.

Doch gleichzeitig soll sich die Suche nach Abnehmern schwierig gestalten, weil andere Smartphone-Hersteller vor der Verwendung der hochpreisigen OLED-Displays zurückschrecken und chinesische Anbieter mit weitaus geringeren Produktionskosten auf den Markt drängen.

Apples nächster iPhone-Kassenschlager dürfte mit LCD-Display von LG ausgeliefert werden

Und auch Apple scheint früher als erwartet umzuschwenken: Wie in den vergangenen Wochen immer wieder durch KGI Securities-Analyst Ming-Chi Kuo kolportiert wurde, scheint der iKonzern in rund einem halben Jahr auf eine kostengünstigere  iPhone X-Alternative mit LCD-Display von LG zu setzen, die zum Kassenschlager von Apples Weihnachtsgeschäft werden soll.

Samsungs iPhone-Wunder scheint damit nach einem Jahr schon wieder zu Ende zu sein.  Merke: Wer mit Apple als Kunden nach oben fährt, fährt nun auch schnell wieder nach unten, wenn der wertvollste Konzern der Welt seine Produktstrategie adjustiert.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia