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Nach einem Jahr in türkischer Untersuchungshaft: Welt-Korrespondent Deniz Yücel kommt wieder frei

Welt-Korrespondent Deniz Yücel saß seit über einem Jahr in Haft
Welt-Korrespondent Deniz Yücel saß seit über einem Jahr in Haft

Es hat exakt ein Jahr und zwei Tage gedauert, am Freitagmorgen dann die erlösende Nachricht Deniz Yücel: Der Journalist und Welt-Korrespondent soll wieder frei kommen. Das berichtet der Axel Springer Verlag unter Berufung auf den Anwalt seines Reporters, der in der Türkei wegen Terrorvorwürfen ohne konkrete Anklage inhaftiert gewesen war.

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„Endlich hat das Gericht die Freilassung meines Mandanten beschlossen“, twitterte Anwalt Veysel um 11.22 Uhr. Ein Gericht in Istanbul verfügte offenbar die Freilassung für die weitere Dauer des Verfahrens. Wie die Welt weiter berichtet, wurde keine Ausreisesperre verhängt. Yücel soll sich einstweilen noch in einem Gefängnisgebäude befinden.

Die Bundesregierung hat die Freilassung des Welt-Korrespondenten Deniz Yücel in der Türkei bestätigt. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte gegenüber der dpa: “Jetzt müssen wir natürlich abwarten, was in den nächsten Minuten, Stunden passiert.” Er dankte der türkischen Justiz und sagte, Bundesaußenminister Sigmar Gabriel habe sich in den letzten Tagen “intensiv bemüht, zu einer Lösung beizutragen”.

Hintergrund für die Freilassung ist offenbar, dass die Staatsanwaltschaft eine Anklageschrift vorlegte. In ihr werden 18 Jahre Haft für den Reporter gefordert. Das Gericht soll die Anklageschrift angenommen und die dann Yücel-Entlassung angeordnet haben.

Zuletzt hatte der türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim, der sich am gestrigen Donnerstag erst mit Angela Merkel getroffen hatte, Signale gesendet, dass Bewegung in den Fall Yücel kommen könnte.

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Yildirim sagte den ARD-Tagesthemen nach einer Übersetzung des Senders: „Ich hoffe, dass er in kurzer Zeit freigelassen wird. Ich bin der Meinung, dass es in kurzer Zeit eine Entwicklung geben wird.“

Yücel war am Mittwoch vor einem Jahr in Istanbul festgenommen worden. Kurz darauf war wegen Terrorvorwürfen Untersuchungshaft gegen ihn verhängt worden. Bis heute hatte die Staatsanwaltschaft keine Anklageschrift vorgelegt. Die Bundesregierung fordert seitdem die Freilassung des deutsch-türkischen Journalisten. Der Fall belastet die deutsch-türkischen Beziehungen schwer.

In einer ersten Stellungnahme kommentierte Springer-CEO Mathias Döpfner:

Wir freuen uns und sind unendlich erleichtert, dass Deniz Yücel nach mehr als einem Jahr in Haft endlich frei sein wird. Ich möchte allen danken, die mit unermüdlicher Energie für ihn da waren und sich für seine Freilassung stark gemacht haben – seinen Kollegen, seinen Freunden, der Bundesregierung und dort vor allem Sigmar Gabriel. Die große partei- und ideologieübergreifende Solidarität mit Deniz Yücel unterstreicht die Bedeutung von Pressefreiheit und unabhängigem Journalismus für unsere Gesellschaft. Sein Fall zeigt aber auch, dass wir immer wieder bereit sein müssen, beides zu verteidigen. Wir wünschen heute Deniz Yücel und seiner Frau, dass sie bald die schrecklichen Monate der Haft und Trennung hinter sich lassen und die lang vermisste Zeit miteinander in Freiheit genießen können.

Am 14. Februar, den Tag seiner Inhaftierung, hatten noch viele deutsche Redaktionen mit besonderen Aktionen protestiert. So stellt beispielsweise DWDL.de seinen Dienst für einen Tag gänzlich ein. Statt der normalen Startseite empfängt die Leser nur ein Bild von Yücel und der Text: “Ohne Pressefreiheit kein Journalismus”. Zudem erklären die Kölner, dass sie zum Jahrestag die Berichterstattung aussetzen werden.

Die Redaktion von T-Online und auch die der taz ließen sich mit jeweiligen Solidaritätsbekundungen fotografieren.

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