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#trending: Organspender, Shaun White, der politische Aschermittwoch, Sebastian Schipper und der Valentinstag

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Guten Morgen! Diese Sache mit den so genannten "Influencern". Ich habe noch nie kapiert, warum Unternehmen Menschen Geld dafür zahlen, dass sie in meist peinlichen Posen Produkte in die Kamera halten - für ein Publikum, dessen Größe niemand seriös berechnen kann.

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Neuester Tiefpunkt dieser Entwicklung: eine “Medizin Studentin” aus “Heidelberg – Santa Barbara – Johannesburg”, die Bifis in der Badewanne isst. Bzw. so tut, als ob. [entdeckt bei Jonas Jansen] Man könnte heulen, wenn man solche Peinlichkeiten sieht.

#trending // News & Themen

Der deutschsprachige journalistische Artikel mit den meisten Facebook- und Twitter-Interaktionen war am Mittwoch ein ungewöhnlicher. Er war kein Aufreger, kein Text zu Themen wie Sex, Crime oder Tierquälerei. Stattdessen ging es um Organspenden. Spiegel Online berichtete über ein neues Gesetz in den Niederlanden, laut dem jeder Bürger als Organspender registriert wird, es sei denn, er widerspricht aktiv. “Jeder Volljährige wird automatisch Organspender” sammelte immerhin 7.200 Likes & Co. ein, darunter viele Kommentare, die eine solche Regelung auch für Deutschland fordern.

#trending // Olympia

Shaun White war am Mittwoch der Olympia-Held des Tages. Der Snowboarder gewann vier Monate nach einer schweren Verletzung seine dritte Gold-Medaille nach 2006 und 2010 – und gleichzeitig das 100. Winter-Gold der USA-Olympia-Historie. Eine Hollywood-reife Story, die zahlreichen US-Medien zigtausende Interaktionen bescherte, NBC sogar mehr als 100.000. Ein Video seines Wettkampfes, das ich hier nicht verlinken kann, weil es nur für US-Nutzer sichtbar ist, wurde auf der NBC-Olympics-Facebook-Seite 8,6 Mio. mal angeklickt, erntete 340.000 Likes & Co. Passend zur Hollywood-reifen Story gibt es auch einen “Bad Guy”-Aspekt an Shaun White, nämlich einen Prozess wegen sexueller Belästigung vor einigen Jahren. Ein Aspekt, der angesichts der aktuellen #metoo-Debatte wieder ans Tageslicht kam.

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#trending // Politik

Der politische Aschermittwoch ist eine dieser seltsamen Traditionen. Politiker trinken Bier und hauen auf niedrigem Niveau auf den politischen Gegner ein. In den sozialen Netzwerken waren die Reden kein allzu großer Hit, vielleicht ist den Leuten die Lage derzeit zu ernst, als dass sie sich für Aschermittwochs-Reden begeistern könnten. Selbst die AfD sammelte mit der Rede von Jörg Meuthen trotz “Jetzt seine Rede anschauen und teilen!“-Anbiederung nur vergleichsweise verhaltene 57.000 Views und 5.500 Interaktionen ein. Die Rede von Angela Merkel erreichte ausgerechnet bei RT Deutsch die meisten Views (61.300) – und natürlich tausende Anti-Interaktionen wie allein 2.600 mal die Facebook-Reaction “wütend”. Das Politiker-Zitat mit den meisten Interaktionen kam übrigens von Cem Özdemir: “Wenn ich meinen Sohn bitte, dass er endlich mal seine Hausaufgaben macht – wisst ihr, was er dann zu mir sagt? Lieber keine Hausaufgaben machen als die Hausaufgaben falsch zu machen.

#trending // Entertainment

Für mich ist Sebastian Schipper schon seit 1999 einer der ganz großen Helden des deutschen Films. Damals hat er nach einigen Jahren als Schauspieler sein Regie-Debüt in die Kinos gebracht: “Absolute Giganten” – der meiner Meinung nach beste deutsche Film, den ich je gesehen habe. In “Absolute Giganten” passt einfach alles – von der Besetzung über die Bilder, die Musik, die Story, die Stimmung. Perfekt.

Seit Mittwoch habe ich noch mehr Respekt vor Schipper. Der Grund ist ein Interview, das er Spiegel-Online-Redakteurin Hannah Pilarczyk gegeben hat. In dem Gespräch geht es um die #MeToo-Debatte, um Dieter Wedel, Ulrich Tukur und Männer im Allgemeinen. Schipper spricht sehr ehrliche Sätze wie “Was wir Männer zu lernen haben, ist: Diese Welt ist in ganz großen Teilen auf uns ausgerichtet. Was für ein unglaubliches Privileg das bedeutet, dass wir per se keine Angst haben müssen, dass man uns vergewaltigt, dass man uns lächerlich macht. Dass wir nicht ständig überlegen müssen, ob wir uns in bestimmten Situationen in Gefahr bringen! Das ist vielen von uns – inklusive mir – noch nicht in vollem Umfang bewusst.”

Das Interview hat nicht nur mir gefallen, mit 6.500 Interaktionen bei Facebook und Twitter war es einer der drei erfolgreichsten journalistischen deutschsprachigen Texte des Tages, mit 2.000 Tweets, Retweets und Likes sogar die Nummer 1 auf Twitter.

#trending // Worldwide

Der Valentinstag war am Mittwoch ein großes Thema im Netz. Mit über 200.000 Anfragen war er laut Google der meistgesuchte Begriff des Tages, die Wikipedia-Seite war mit 61.700 Klicks ebenfalls die meistgelesene des Tages. In anderen Ländern ist der Tag allerdings eine noch viel größere Nummer. Zahlreiche Posts und Tweets bevölkern die Spitzenplätze der Social-Media-Rankings des Tages. So sammelte Barack Obama mit seiner Valentine’s-Day-Liebeserklärung an seine Frau in nur zwei Stunden mehr als 500.000 Likes und Retweets ein, nach acht Stunden waren es schon 940.000. Der Top-Tweet des Tages. Auf der Facebook-Seite von Unilad sammelte eine amüsante britische Valentine’s-Day-Überraschung 6,6 Mio. Video Views und 300.000 Interaktionen ein – und auf Instagram sorgte Neymar mit 3,9 Mio. Likes für das erfolgreichste Foto des Tages.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Der Postillon – “Baby sagt sein erstes Wort und diskriminiert damit mehrere Minderheiten” (14.900 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Spiegel Online – “Regisseur Sebastian Schipper zum Fall Wedel: ‘Wie kann Tukur sagen, dass er nichts bemerkt hat?’” (2.000 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Frankfurter Allgemeine – “Tierfreund Adolf und die verklebte Zirbeldrüse

Google-SuchbegriffValentinstag 2018 (200.000+ Suchen)

Wikipedia-SeiteValentinstag (61.700 Abrufe)

Youtube-Video: WORLDSTARHIPHOP – “GZUZ “Was Hast Du Gedacht” (WSHH Exclusive – Official Music Video)

Song (Spotify): Bausa – “Was Du Liebe nennst” (257.700 Stream-Abrufe aus Deutschland am Dienstag)

Musik (Amazon): Various – “Bravo Hits, Vol.100 – Limited Special Edition Box-Set” (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): “Blade Runner 2049” (Blu-ray)

Game (Amazon)PSN Card-Aufstockung / 10 EUR

Buch (Amazon): Michael Wolff – “Feuer und Zorn: Im Weißen Haus von Donald Trump” (Gebundene Ausgabe)

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

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Mehr Social-Media-Trends und -Themen lesen Sie in meiner nachmittäglichen Kolumne in der Handelsblatt-10-App. Erhältlich für iOS und Android.

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Alle Kommentare

  1. Großartig Sebastian Schipper! Klug, reflektiert, empathisch und in-Frage-stellend. Damit könnte er den vielen Männern, die wie die Weltmeister posten und glauben, sich verteidigen zu müssen, sehr geholfen haben. Er hat es auf den Punkt gebracht, worum es eigentlich geht. Ein gutes Zeichen, dass Jens Schröder und viele andere das sofort kapiert haben.

    Und Schippers Satz “Wie kann Ulrich Tukur sagen, dass er nichts bei den Dreharbeiten gesehen oder bemerkt hat? Die Frauen, die keine Rollen bekommen haben, weil sie beim Casting mit Wedel nicht gefügig waren, kann man nicht sehen.”

    Man kann nur hoffen, dass möglichst viele Sender-Leute das lesen. Sie tragen die Verantwortung für alles, was bei “ihren” Filmen passiert. Und Sie sind es, die gesellschaftliche Relevanz für sich in Anspruch nehmen. Und sie sind es, die sowohl Regisseuren an den Lippen hängen (oder selbst ihren Stereotypen folgen) und sich wider besseres Wissen über deren “Entscheidungen” NICHT hinwegsetzen “wollen” (was fast nur Frauen trifft). Sie sind es auch, die den (selbst geschaffenen!!) “Hochkarätigen” in den Allerwertesten schlüpfen oder herumbetteln… und jenen auch noch Millionen-Gagen zuschieben, alljährlich erhöht. Was dagegen die jungen Frauen an Gagen “zugewiesen” bekommen (weil sie mit 30 % der Rollen viel seltener drehen als Männer und dadurch auch noch finanziell bestraft werden) ist eine weitere Diskriminierung.

    Und last but not least: Wenn Regie 85 % Männer machen, kann man sich gut vorstellen, was bei Besetzungen oder der Vorstellung, wer welche Rolle spielen darf oder soll, los ist. Wie sagt Sebastian Schipper zu dem, was die Studien von ARD und ZDF als “massibe Frauendiskriminierung” festgestellt haben: “”Was wir Männer zu lernen haben, ist: Diese Welt ist in ganz großen Teilen auf uns ausgerichtet. Was für ein unglaubliches Privileg das bedeutet, dass wir per se keine Angst haben müssen, dass man uns vergewaltigt, dass man uns lächerlich macht. Dass wir nicht ständig überlegen müssen, ob wir uns in bestimmten Situationen in Gefahr bringen! Das ist vielen von uns – inklusive mir – noch nicht in vollem Umfang bewusst.”
    Ich glaube, diese unglaubliche Dimension der Diskriminierung von Frauen haben viele in dieser Branche und vor allem bei den Sendern und den Aufsichtsgremien der ÖR aber auch die mit-entscheidenden Politiker immer noch nicht begriffen.
    Vielleicht hören sie Frauen einfach nicht zu.. es ist ihnen egal… dieses ewige Genöle über Diskriminierung, schlechtere Gehälter oder gar “Gleichberechtigung” wie im GG vorgesehen?!

    Vielleicht hören sie auf einen Mann wie Sebastian Schipper?

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