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Deniz Yücel sitzt seit einem Jahr in Haft: So zeigen deutsche Redaktionen ihre Solidarität

Seit exakt einem Jahr ist Deniz Yücel in türkischer Haft. Bis heute liegt keine Anklageschrift vor. Ebenfalls seit einem Jahr zeigt die deutsche Presselandschaft ihre anhaltende Solidarität. Immer wieder starten einzelne Redaktionen und Titel besondere Aktionen für den Welt-Korrespondenten. Am Jahrestag seiner Verhaftung fordern eine Vielzahl von Zeitungen “free Deniz”. Zudem protestieren mehrere Web-Portale.

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So stellt beispielsweise DWDL.de am heutigen Aschermittwoch seinen Dienst für einen Tag gänzlich ein. Statt der normalen Startseite empfängt die Leser nur ein Bild von Yücel und der Text: “Ohne Pressefreiheit kein Journalismus”. Zudem erklären die Kölner, dass sie zum Jahrestag die Berichterstattung aussetzen werden.

Anders geht T-Online.de mit dem Thema um. Auch die Berliner Redaktion rückt auf ihrer Homepage – zumindest auf den ersten Blick – Yücel in den Mittelpunkt. In Anlehnung an die Charlie-Hebdo-Proteste zeigen die Redakteure und Reporter ihre Solidarität mit dem inhaftierten Kollegen. Erst nach einem ersten Scrollen folgen die Nachrichten des Tages.

Auch die taz lehnt sich optisch etwas an die Charlie-Hebdo-Solidarität an und zeigt sich unter dem Motto: Wir sind alle Deniz Yücel. Statt Schilder in den Händen zu halten, tragen bei der Tageszeitung die Protestierenden Tücher auf dem Kopf, die mit dem Porträt von Yücel bedruckt sind – natürlich inklusive Zigarette im Mundwinkel. So wollen die ehemaligen Kollegen zeigen, dass sie sich “einen Kopf” für den Reporter “machen”.
In seinem Kommentar schreibt taz-Chefredakteur Georg Löwisch:
 

Als die deutschen Medien damit konfrontiert wurden, dass ein Korrespondent in der Türkei als Geisel gehalten wird, war das neu. Es gab den Impuls, sich zu solidarisieren, indem man Artikel schreibt oder twittert oder hupt. So ist die medienübergreifende Kampagne entstanden, die FreeDeniz heißt.
Aber vor allem am Anfang zögerten einige. Riskieren Journalisten, die mit einer Kampagne verschmelzen, nicht ihre Glaubwürdigkeit? Es heißt doch, dass sich kein Reporter mit einer Sache gemein machen soll, auch nicht mit einer guten? Die Frage ist beantwortet. Die Pressefreiheit ist unsere Sache. Wenn ein Journalist eingesperrt wird, schweben alle in Gefahr.

 

Die Welt hat den Jahrestag natürlich ebenfalls auf ihre Titelseite gehoben. Im Blatt wie auch online hat die Redaktion Stimmen von anderen politischen Gefangenen gesammelt, die erzählen wie sie ihre Zeit im Gefängnis erlebt und überlebt haben.

Die Berliner Zeitung setzte auf der ersten Seite Yücel hinter Gitterstäbe, die sich über die gesamte Seite ziehen.

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