Partner von:
Anzeige

Nach Chaos-Tagen um GroKo und Schulz: Anne Will muss Karnevalspause einlegen, weil Politiker vor Talk kneifen

In der vergangenen Woche verabschiedete sich Anne Will noch mit dem Satz: “Aber wenn was passiert, kommen wir natürlich zurück“
In der vergangenen Woche verabschiedete sich Anne Will noch mit dem Satz: "Aber wenn was passiert, kommen wir natürlich zurück“

Was für eine heftige Politik-Woche: Der GroKo-Vertrag steht, doch die SPD versinkt im Chaos, und selbst die Kanzlerin gerät mittlerweile unter gehörigen parteiinternen Druck. Reichlich Stoff also für eine spannende “Anne Will”-Sendung. Doch das Erste sendete einen Krimi und verordnete seiner Top-Talkerin eine unfreiwillige Auszeit – auch aus einem ziemlich kuriosen Grund: Es mangelte an Gästen.

Anzeige

Die politische Talkshow am Sonntagabend ist der traditionelle Abschluss eines TV-Wochenendes. Erst läuft der “Tatort”, dann bespricht Anne Will noch einmal das wichtigste Thema der vergangenen Woche und liefert erste Argumente für den montäglichen Büroschnack in der Kaffeepause – so sieht es zumindest in der Wahrnehmung der meisten TV-Zuschauer aus, besonders, wenn in der Vorwoche ein nachrichtenstarkes Thema die Schlagzeilen bestimmt hatte und in der Sendung aufgegriffen wurde.

Am gestrigen Sonntag allerdings fehlte Anne Will im ARD-Programm – die Sendung machte Pause. Weil die Narren sowie so schon das TV-Programm zu einigen jecken Umstellungen zwangen, hatten die öffentlich-rechtlichen Planer die Talksendung am Sonntag gestrichen. Sie hätten sich wohl keinen schlechteren Zeitpunkt aussuchen können, zumal sich Will am Ende der vergangenen Sendung mit folgendem Satz verabschiedet hatte:

Wenn nichts dazwischen kommt, sind wir nächsten Sonntag nicht da, sondern im Karneval. Aber wenn was passiert, kommen wir natürlich zurück.

Was ist seit letzten Sonntag passiert? Eigentlich nicht viel, außer vielleicht:

– Nach monatelangem Ringen steht ein Koalitionsvertrag
– Olaf Scholz verlässt Hamburg und soll Finanzminister werden
– Martin Schulz will Parteivorsitz abgeben, Andrea Nahles soll übernehmen
– Sigmar Gabriel ist wütend und schießt scharf gegen Schulz
– Schulz bekommt Druck, weil er noch vor kurzem gesagt hat, niemals unter einer Kanzlerin Merkel mitzuregieren.
– Schulz verzichtet auf Außenministerposten
– Die SPD muss um die Mitgliederzustimmung zum GroKo-Vertrag bangen
– In der CDU brodelt es gewaltig, weil Merkel viel zu schlecht verhandelt haben soll

Kurzfassung: Das Material hätte auch für mehrere Sendungen gereicht.

Das findet auch die Bild und eine Vielzahl von TV-Zuschauern im Social-Web.

Anzeige

Selbst die “Tagesthemen” konnten nicht verstehen, warum die Talk-Sendung ausfallen musste. So twitterte die WDR-Korespondentin Gudrun Engel unter dem Account der Nachrichtensendung. “Wer jetzt nach dem #Tatort schmerzlich und völlig zurecht @AnneWill in der #ARD vermisst…”

Tatsächlich hätte Will wohl trotz Fasching und Krimi-Programmierung gerne gesendet. Allerdings fand die Redaktion keine Gesprächspartner, die eine Sondersendung gerechtfertigt hätten. So antwortet die ARD auf eine MEEDIA-Anfrage: “Eine Ausgabe von ‚Anne Will‘ war am Sonntag im Programm des Ersten nicht vorgesehen. Gleichwohl hat die Redaktion ‚Anne Will‘ natürlich intensiv daran gearbeitet, außerplanmäßig zu senden. Allerdings hatten sich potenzielle Gäste für eine einstündige Gesprächssendung an diesem Sonntag offenbar Zurückhaltung auferlegt.“ Heißt wohl, dass vor allem im SPD-Lager seit dem Schulz-Rückzug Sprachlosigkeit vorherrscht.

Angela Merkel hätte möglicherweise Zeit und Redebedarf gehabt. So soll sich die Kanzlerin noch für die ZDF-Sendung “Berlin direkt” am Sonntagabend laut Bild selbst eingeladen haben. Ob Angela Merkel, dem Zweiten traditionell politisch eher zugeneigt, sich allerdings angesichts der vielen Unwägbarkeiten trotz GroKo-Einigung in eine Anne Will-Sendung getraut hätte, darf bezweifelt werden.


Übrigens: Auch “hart aber fair” wurde in den Karnevals-Urlaub geschickt. Allerdings läuft zur normalen Sendezeit der Talkshow diesmal immerhin auch wirklich eine Faschings-Sendung: “Karneval in Köln 2018”.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. ARD ist Mutti zu rot, da ist das 2DF als giftgrüne Bastion schon eher angenehm, man versteht sich traditionell auf hilfreiches Flötenspiel, zuletzt Blockflöte Elmar und NATO-Kesselpauke Claus

    Da ruft RegSp Steffen einfach bei Frollein berlindirekt an und schwubbs wird “eingeladen”, welche Ehre

    Wenn er so weitermacht wird er bestimmt IntendantIn wie sein Vorgänger

    Staatsferne RULEZ !!

  2. . . . das einzig Richtige – kein Talk zu Groko. Die Fragen der drei Mädels sind eh erbärmlich, der Wermelskirchener Jeck fühlt sich zu oft keck – die Antworten der geladenen Gäste entsprechen dem Niveau. Das braucht kein Mensch.

  3. Das verstehe wer will. Ich nicht . Anne Will hätte doch eigentlich nur fragen brauchen : z.B. B.von Storch, Björn Höcke , Prof Meuthen, Herr Alexander Gauland, Dr.Weidel, Herr Poggenburg usw. . Alles Parlamentarier. Ach stimmt ja, die sind alle bei der AfD…
    Na dann. Mhmmm. Wenn die nicht gewollt werden, wer braucht dann noch Anne Will?

  4. Man sieht in den Talkshows seit Jahren die gleichen Gesichter von Politikern, die in jeder Sendung ihre hohlen Phrasen wiederholen, kritisch nachgefragt wird sowieso nur selten. Es wäre super, wenn diese Sendungen dauerhaft aus dem Programm verschwinden, dann könnte man auch die Zwangsgebühren senken. Das wäre also gut für das eigene freie Denken und den Geldbeutel

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia