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"Differenzen in wesentlichen Fragen": Was Verleger Dieter von Holtzbrinck über die Trennung von Gabor Steingart sagt

Verleger Dieter von Holtzbrinck (re.), Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart: "Unterschiedliche Beurteilung journalistischer Standards"

Nach einer Spiegel-Exklusivmeldung von Donnerstag wucherten die Spekulationen, nun ist es Gewissheit: Gabor Steingart, Herausgeber und Vorsitzender der Geschäftsführung des Handelsblatts verlässt das Unternehmen. Um 15 Uhr teilte Verleger Dieter von Holtzbrinck der Düsseldorfer Belegschaft mit, welche Gründe zur Trennung führten – der Fall Martin Schulz spielte wohl eher eine untergeordnete Rolle.

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In einer Erklärung der Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH, die MEEDIA vorab vorliegt, heißt es wörtlich: „Nach sieben Jahren äußerst erfolgreicher und freundschaftlicher Zusammenarbeit haben sich Handelsblatt-Verleger Dieter von Holtzbrinck und der Vorsitzende der Handelsblatt-Geschäftsführung, Gabor Steingart, der zugleich auch Herausgeber des Handelsblatts war, auf eine Beendigung ihrer beruflichen Partnerschaft verständigt.“
Die Gründe seien zum einen „Differenzen in wesentlichen gesellschaftsrechtlichen Fragen“. Hinzu sei aber „eine – nicht generell, aber im Einzelfall – unterschiedliche Beurteilung journalistischer Standards“ gekommen. In seiner Vorabmeldung am Donnerstagnachmittag hatte Der Spiegel berichtet, der Verleger habe sich an Formulierungen Steingarts im Morning Briefing über SPD-Chef Martin Schulz gestoßen. Der Handelsblatt-Herausgeber hatte die Wendung des „perfekten Mordes“ gebraucht und geschrieben, Schulz wolle Außenminister Sigmar Gabriel „zur Strecke bringen“, um dessen Job zu ergattern. Das Nachrichtenmagazin zitierte aus einem Entschuldigungsschreiben Holtzbrincks an Schulz: „Das heutige Morning Briefing von Gabor Steingart hat mich schockiert. Inhalt und Stil des Sie betreffenden Textes entsprechen weder meinen publizistischen Qualitäts- und Wertevorstellungen noch denen der Handelsblatt-Redaktion.“
Nach der Mitteilung von heute Nachmittag „bedauern“ der Verleger und der scheidende Handelsblatt-Chef die Trennung. Man wolle, wie es heißt, „den freundschaftlichen Kontakt aufrechterhalten“ und „eine andere Form der Zusammenarbeit“ für die Zukunft nicht ausschließen. Das von Gabor Steingart gestartete und eng mit seinem Namen verbundene werktägliche Handelsblatt Morning Briefing werde wie gewohnt weiter erscheinen. Darüber hinaus, so die Medienholding, wird Gabor Steingart in eigener Eigentümerschaft sein eigenes Morning Briefing an die mittlerweile rund 700.000 Abonnenten als unabhängige journalistische Stimme herausgeben.
Zur Trennung sagt Dieter von Holtzbrinck: „Das Multitalent Gabor Steingart hat in wenigen Jahren zunächst das Handelsblatt, danach die gesamte Handelsblatt Gruppe auf großartige Weise weiterentwickelt und erneuert, was höchsten Respekt und größten Dank verdient. Dabei hat sich der preisgekrönte und breit gebildete Publizist als äußerst kreativer und dynamischer Unternehmensstratege gezeigt, als mutiger und charismatischer Führer. So wurde aus der altehrwürdigen Verlagsgruppe Handelsblatt eine auf vielen Medienkanälen marktführende Handelsblatt Media Group. Diesen erfolgreichen Weg werden wir mit Kraft und Begeisterung weitergehen.“
Gabor Steingart wird in der Mitteilung wie folgt zitiert: „Dieter von Holtzbrinck ist ein wunderbarer Mensch und erfahrener Verleger, dessen Geduld ich über so viele Jahre nicht nur strapaziert, sondern oft genug auch überstrapaziert habe. Dass unsere dennoch – oder deshalb? – so erfolgreiche Zusammenarbeit jetzt abrupt endet, lässt uns beide nicht unberührt. Unsere Freundschaft und meine Wertschätzung ihm gegenüber bestehen unvermindert fort. Im Interesse der Handelsblatt Media Group und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihrer Kunden und nicht zuletzt ihrer Leserinnen und Leser arbeiten wir gemeinsam an einem reibungslosen Übergang.“
 
MEEDIA ist ein Tochterunternehmen der Handelsblatt Media Group.

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