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Polit-PR 2.0: Wie es das SPD-Groko-Selfie von WhatsApp auf die Titelseiten von taz & Co. schaffte

Die alte Tante SPD hat sich wohl gedacht: Was jeder Sport- und Kegelverein kann, können wir schon lange. Also legten die Genossen eine WhatsApp-Liste an. Statt über die aktuellen Trainingstermine, informierte die Parteispitze über den Fortgang der GroKo-Verhandlungen. Am gestrigen Mittwoch passierte jedoch Erstaunliches: Das Selfie der glücklichen SPD-Verhandler, schaffte es über WhatsApp auf die Titelseiten einiger Tageszeitungen und wurde sogar zum erfolgreichen Web-Meme.

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Entstanden ist die WhatsApp-Broadcast-Liste (einige Medien sprechen auch fälschlicherweise von einer “WhatsApp-Gruppe”) auf Intention des neuen Generalsekretärs Lars Klingbeil. So sollten die Genossen schnell und unkompliziert über den Fortgang der Koalitionsverhandlungen informiert werden.
Anfang des Monats umfasste die Liste bereits über 16.000 Abonnenten und schon da warnte Klingbeil laut Stuttgarter Nachrichten, dass „sich hier inzwischen auch viele Journalisten angemeldet haben.“
Tatsächlich kann sich jeder interessierte in den Verteiler aufnehmen lassen. So heißt es auf der Aufnahmeseite: “Sei ganz nah dran: Wir informieren Dich direkt aus den Koalitionsverhandlungen!
Die typischen Meldungen aus dem WhatsApp-Channel sahen dabei beispielsweise so aus, dass sich die einzelnen Verhandler vor den Smartphones vorstellten oder kleine Wasserstandsmeldungen über den Vorgang des Pokers lieferten.
https://twitter.com/olegitsch/status/959734809353388032
Bundesweite Bekanntheit erlangte nun die WhatsApp-Liste der Genossen am gestrigen Mittwoch mit folgender Statusmeldung:
https://twitter.com/WolfLorenz/status/961182096143372288
Da hieß es nämlich auf einmal: “Müde. Aber zufrieden. Der Vertrag steht! Jetzt werden noch die letzten Details in den Text eingearbeitet. Danach bewertung in der Gruppe der 35 SPD-Verhandler. Weiter Infos folgen.” Dazu lieferte die Partei-Spitze ein Selfie mit den Top-Genossen.
Bereits die Anordnung dieses Fotos ließ erahnen: Martin Schulz steht künftig am Rand. In der Mitte der Partei sind Andrea Nahles und Olaf Scholz. Besonders interessant auch wer fehlt: Außenminister Sigmar Gabriel.
Schnell wurde das Foto unter den Berliner Politik-Journalisten herumgereicht. Immerhin sagt es es mehr über die neuen Machtverhältnisse innerhalb der SPD, als tausend Worte. Und so schaffte es das Selfie aus der WhatsApp-Liste unter anderem auf die Titelseite einiger Tageszeitungen.

Zudem lieferte es auch gleich noch die Vorlage für einige lustig bis böse Web-Witze. So postete der Spiegel-Online-Digital-Stratege Torsten Beeck das Bild mit dem Untertitel: „War ein cooler Abend mit der Gang! Grüße nach Goslar! #Squadgoals# BestFriends #Grokodile #WorkHardPlayHard„
https://twitter.com/TorstenBeeck/status/961325407025926145
Ein anderer Nutzer klebte Ellen DeGeneres mit auf das Foto, Sophie Passmann kommentierte: „Seit Bushido nicht mehr dabei ist, ist der Abou-Chaker-Clan einfach nicht mehr dasselbe“ und Christian Helms verband das Selfie mit dem beinahe schon legendären „Riot Hipster“ vom G20-Gipfel aus Hamburg.
https://twitter.com/ChristianHelms/status/961329503535542273
https://twitter.com/uniwave/status/961334605688332288
https://twitter.com/jessenphil/status/961332793350422529
Der alten Tante SPD ist mit dem Selfie ein kleiner Social-Media-Erfolg inklusive Aufmacher-Stories in der Tagespresse gelungen. Der Einfluss dieser kleinen Selfie- und WhatsApp-Schmonzette auf die kommenden Kommunikationsstrategien der SPD sollte man dabei keinesfalls unterschätzen. Denn schon heute scheint klar: Die WhatsApp-Guppe, auch wenn sie eigentlich eine Liste ist, ist ein voller Erfolg – zumindest aus PR-Sicht.

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