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Vice Media verpasst wegen TV-Kanal Viceland Umsatzziele um 100 Millionen Dollar – Börsengang 2018 nun unwahrscheinlich

Vice-Chef und Mitbegründer Shane Smith hat ein großes Medienunternehmen aufgebaut
Vice-Chef und Mitbegründer Shane Smith hat ein großes Medienunternehmen aufgebaut

Digital-Medien-Pionier Vice Media hat seine Umsatzziele 2017 deutlich verfehlt. Wie das Wall Street Journal berichtet, hat das privat geführte Medienunternehmen, das demntsprechend keine Börsenbilanz ausweisen muss, im vergangenen Jahr 805 Millionen Dollar erlöst – und damit 100 Millionen Dollar weniger als erwartet. Die Erlöse legten auf Jahressicht trotzdem zu. Verantwortlich für die große Umsatzverfehlung ist offenbar der TV-Kanal Viceland. Der Börsengang in diesem Jahr sei wegen der Geschäftsentwicklung nun nicht mehr zu erwarten.

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Das Umfeld für digitale Medienhäuser wird ruppiger. Das Techportal Mashable wurde im vergangenen November nach einer enttäuschenden Geschäftsentwicklung 2017 für gerade einmal 50 Millionen Dollar – und damit einen Bruchteil der einstigen Bewertung – an den Computer-Verlag Ziff Davis verkauft.

Zwei Wochen später musste auch ein anderer Pionier des Online-Journalismus eine schwächere Geschäftsentwicklung eingestehen: So konnte auch BuzzFeed seine Umsatzziele 2017 nicht erreichen – und kündigte Ende November vergangenen Jahres 100 Mitarbeitern.

Vice Media erlöst 100 Millionen Dollar weniger als erwartet

Nun sendet auch das Flaggschiff der Branche Hiobsbotschaften. Wie das Wall Street Journal heute berichtet, haben sich die Geschäfte bei Vice Media 2017 ebenfalls unter Plan entwickelt. Und zwar deutlich: Das US-Medienhaus hat demnach im vergangenen Geschäftsjahr 805 Millionen Dollar erlöst – und damit 100 Millionen Dollar weniger als erwartet. Trotzdem seien die Erlöse noch gewachsen.

Verantwortlich für die Erlösverfehlung sei die Anzeigenentwicklung beim TV-Kanal Viceland, der in Kanada zuletzt mit Rogers Media einen wichtigen Partner in einem 100 Millionen Dollar schweren Joint Venture verloren hatte. „Wir haben etwas Neues versucht, und es hat nicht funktioniert“, erklärte eine Sprecherin von Rogers gegenüber dem WSJ zum Scheitern des TV-Joint Ventures. Der Start von Viceland in Deutschland wird unterdessen in diesem Jahr erwartet.

Börsengang zunächst vom Tisch
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Das von Shane Smith 1994 in Montreal gegründete Skater- und Punk-Magazin hat sich in den vergangenen 23 Jahren zum digitalen Vorzeige-Verlag entwickelt, der inzwischen 3000 Mitarbeiter beschäftigt und mit 5,7 Milliarden Dollar bewertet wird. Mediengigant Disney ist mit 400 Millionen Dollar beteiligt.

Die Geschäftsperspektiven haben sich für Digital-Verlage durch die Übermacht von Facebook und Google, die immer mehr Werbedollars absaugen, indes zusehends eingetrübt. Die Folge: Ein möglicher Börsengang, über den in den vergangenen Jahren immer wieder spekuliert wurde, sei für 2018  „unwahrscheinlich“, erklärte eine mit dem Vorgang vertraute Person gegenüber dem WSJ.

Vorwürfe über sexuelle Belästigung bei Vice Media USA

Zuletzt hatte Vice Media für andere Negativschlagzeilen gesorgt. Ende vergangenen Jahres berichtete die  New York Times bei Vice Media über Fälle von sexueller Belästigung sowie einer „Boy Club“-Mentalität männlicher Führungskräfte. Einen Tag vor Heiligabend hatte die NYT sexuelle Übergriffe bei Vice Media publik gemacht.

Dem Artikel lag offenbar eine gewaltige Rechercheleistung zugrunde. So habe die US-Zeitung mit mehr als 100 Mitarbeitern von Vice Media gesprochen und zahlreiche belastende Dokumente und E-Mails ausgewertet. Das Blatt recherchierte auch, dass Vice Media in den USA  vier Betroffenen insgesamt 143.000 Dollar für eine diskrete Einigung gezahlt habe.

Vor einer Woche trat in der Folge der Belästigungsvorwürfe Vices Digitalchef Mike Germano zurück, der zuvor die Werbeagentur Carrot gegründet hatte, die dann von Vice Media übernommen wurde. Co-Präsident Andrew Creighton wurde im Zuge der Belästigungsvorwürfe ebenfalls beurlaubt.

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