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Selbst das Bahnportal ist nutzerfreundlicher: Der unnötig komplizierte Meldevorgang der VG Wort

Ohne Fleiß kein Preis: Wenn Autorinnen und Autoren von den alljährlichen Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaft Wort profitieren möchten, müssen sie dort rechtzeitig ihre Print-, Funk- und Online-Veröffentlichungen des Vorjahres melden. Wer für viele verschiedene Medien schreibt, ärgert sich dabei über das wenig benutzerfreundliche Meldeportal der VG Wort. MEEDIA hat nachgefragt, ob sich das nicht ändern lässt.

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Von Eckhard Stengel

Welch ein Segen für Autorinnen und Autoren, dass es die VG Wort gibt! Mindestens einmal jährlich verteilt der Münchener Verein Tantiemen an jene Urheber, deren Werke zum Beispiel für den Schulunterricht kopiert, in Pressespiegeln nachgedruckt oder im Klinikfunk gesendet wurden. Ohne die VG-Wort-Gelder könnte sich so mancher Schreibender keinen richtigen Urlaub leisten.

Wer an den Ausschüttungen des Füllhorn-Vereins teilhaben möchte, muss ihm bis zum 31. Januar mitteilen, wo im Vorjahr seine Beiträge veröffentlicht wurden: in welchen Zeitungen, Fachzeitschriften, Büchern, Rundfunksendungen oder auf welchen Onlineportalen. Daneben werden noch weitere Angaben abgefragt, etwa zum Umfang der Texte. Rund 150.000 der 500.000 bei der VG Wort registrierten Texturheber geben alljährlich solche Meldungen ab. Bei Vielschreibern ist dieser Akt ungefähr so beliebt wie das Anfertigen der Steuererklärung. Aber dafür winkt ja eine Belohnung in Form von meist drei- bis vierstelligen Euro-Beträgen.

Im analogen Zeitalter lief das System einst so: Man bestellte sich bei der VG Wort stapelweise Meldevordrucke, füllte sie aus und schickte sie per Post zurück nach München. Da war es schon ein Fortschritt, als die VG Wort 2005 ein elektronisches Meldeportal namens Athena einführte; inzwischen nennt es sich T.O.M. („Texte Online Melden“).

„Wir hoffen“, schreibt der Verein auf seiner Homepage, „dass Sie mit T.O.M. schnell und effizient Ihre Meldungen abwickeln können.“ Nein, können wir nicht. Jedenfalls nicht in allen Medienkategorien. Beiträge für Fachzeitschriften oder Rundfunksender lassen sich noch relativ komfortabel eintragen, weil jeweils Vorlagen erstellt werden können, die sich in den Folgejahren als Grundlage für neue Meldungen nutzen lassen. Doch bei Internet- und Zeitungstexten muss man immer wieder von vorn anfangen. Denn für die sogenannte METIS-Sonderausschüttung für Onlinetexte und für die Pressereprographie-Ausschüttung muss jede Internetadresse und jeder Zeitungtitel samt einigen ergänzenden Angaben alljährlich wieder völlig neu eingegeben werden – auch wenn sich seit dem Vorjahr nichts oder fast nichts geändert hat.

Wäre es da nicht sinnvoll, einen Button zur Übernahme der Meldungen des Vorjahres einzuführen, natürlich mit der Möglichkeit, dies und jenes noch zu aktualisieren? Nein, findet Rainer Just, eines der beiden hauptamtlichen Vorstandsmitglieder. „Die VG Wort möchte gerne, dass die Meldungen durch die Autoren jedes Jahr bewusst erfolgen“, antwortet er auf Anfrage von MEEDIA. „Bei einem Übernahmebutton befürchten wir falsche Angaben zu provozieren. Autoren könnten dann argumentieren, der Übernahmebutton sei die Ursache gewesen.“

Ließe sich nicht jedenfalls das Ausfüllen der einzelnen Meldeformulare etwas erleichtern? Bisher muss man jedes Mal immer wieder dieselben Zusatzangaben machen – bei Internettexten zum Beispiel die Bestätigung, dass sie nicht kopiergeschützt sind oder dass man die Teilnahmebedingungen akzeptiert. Bei Dutzenden von Meldungen am Stück kommt da mancher ins Fluchen über die eigentlich segensreiche VG Wort.

Doch Vorstand Just verteidigt auch diese Regelung: „Wir möchten, dass der Autor sich bewusst entscheidet, was er meldet. Eine Übernahme von Einstellungen sollte nicht als Argument für falsche Meldungen herangezogen werden.“

Wenn die Eingabe jedenfalls reibungslos liefe. Aber im Bereich Presserepro tut sie das nur, wenn man den präzisen Zeitungstitel im Kopf hat. Wer zum Beispiel Berichte aus dem Tagesspiegel melden möchte, darf nicht den Fehler machen, in das Feld für den Zeitungsnamen einfach nur „Tagesspiegel“ einzutragen. Dann erscheint nämlich ein Auswahlmenü mit den drei Angeboten „Tagesspiegel am Sonntag“, „Tagesspiegel Genuss“ und „Tagesspiegel Themenhefte“ – nicht aber der werktägliche Tagesspiegel. Der lässt sich nur eintragen, wenn man den offiziellen Titel „Der Tagesspiegel“ eintippt. Auf diese Idee muss man selber kommen; das Auswahlmenü hilft einem dabei nicht auf die Sprünge. Selbst die viel gescholtene Bahn ist da kundenfreundlicher: Wer auf bahn.de zum Beispiel nach „Karlshaven“ sucht, wird anstandslos auf das korrekte „Bad Karlshafen“ verwiesen. Probleme macht T.O.M. auch bei der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ): Das Portal akzeptiert nur die Schreibweise „Neue OZ Osnabrücker Zeitung“.

Dazu Vorstand Just: „In der Medienliste bei Presserepro nehmen wir die Titel unter dem offiziellem Namen auf. Die Medien heißen so, wie es auf dem Produkt aufgedruckt ist. Unterschiedliche Schreibweisen und Abkürzungen aufzunehmen, führen zur Unklarheit und Mehrdeutigkeiten im ganzen System.“

Und dann ist da noch die Sache mit den Internetadressen (URL): Für das Melden von Onlinetexten muss die URL des jeweiligen Onlineportals angegeben werden – aber bitte mit allem Drum und Dran: nicht nur mit „www“, sondern auch noch mit „http://“ vorneweg, was ein bisschen an die Anfangsjahre des Internets erinnert. Wenn es einem gelungen ist, das Zeichenungetüm „http://“ fehlerfrei einzutippen, dann ploppt bei einer der nächsten Adressen garantiert die Fehlermeldung auf, dass man in diesem Fall doch bitte „https://“ statt des schnöden „http://“ eingeben muss.

Während sich Vielschreiber und -melder spätestens jetzt die Haare raufen, hält Vorstand Just es „für sinnvoll und zumutbar, dass der Autor die vollständige URL eingibt. Das sind nur 7 bis 10 Zeichen mehr pro URL. Inzwischen haben wir das System bereits soweit vereinfacht, dass nicht mehr jeder einzelne Text gemeldet werden muss, sondern die Anzahl der Texte pro URL.“

Aber es gibt noch Hoffnung. Just beendet sein Statement mit den Worten: „Wir werden nicht zuletzt Ihre Anfrage zum Anlass nehmen, Ihre Anregungen im Hause zu diskutieren. Das Meldeportal wird regelmäßig jedes Jahr nach Meldeschluss kritisch geprüft und es wird überlegt, ob Verbesserungen sinnvoll und umsetzbar sind.“ Bisher allerdings sei das Meldeportal „so gut wie nicht kritisiert“ worden. Dann wurde es jetzt vielleicht mal Zeit.

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