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Die 65-Jahre-Auflagen-Bilanz der Bild: Rekorde in den 1980ern, seit 2002 geht es rasant nach unten

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Durch die endgültige Entscheidung im Machtkampf zwischen Julian Reichelt und Tanit Koch bekommt die Print-Bild nun ihren 15. Chefredakteur: Julian Reichelt. Den Auflagenverfall des Blattes wird auch er nicht aufhalten können. Seit ca. 2002 geht es stetig bergab, seit 2011 in verschärftem Tempo. MEEDIA blickt auf die bewegte Auflagenentwicklung aus 65 Jahren Bild.

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Die erste Ausgabe der Bild erschien am 24. Juni 1952. Bis ins Jahr 1960 hieß der offizielle Titel des Blattes “10 Pf Bild Zeitung”. Zwar kostete das Blatt auch anschließend vorerst weiter 10 Pfennige, doch der Titel änderte sich Mitte 1960 auf “Bild Zeitung”, später auf “Bild”.

Ihre verkaufte Auflage meldete das Springer-Blatt erstmals im zweiten Quartal 1953 an die IVW. Bereits 532.682 mal ging es damals über die Tresen – ein schneller Achtungserfolg nach weniger als einem Jahr. Schon Ende 1953 – im vierten Quartal – knackte Bild erstmals die Mio.-Marke, im zweiten Quartal 1955 schon die 2-Mio.-Marke. Chefredakteur Rudolf Michael, der bis 1958 amtierte, hatte zusammen mit Axel Springer aus der Zeitung schnell einen gigantischen Erfolg gemacht.

Die nächsten Schallmauern durchbrach Bild in den 1960er-Jahren unter den Chefredakteuren Karl-Heinz Hagen (1960-1962) und Peter Boenisch (1961-1971). So wurden im dritten Quartal 1960 erstmals mehr als 3 Mio. Zeitungen pro Tag verkauft, im dritten Quartal 1964 sogar bereits mehr als 4 Mio.

In der Zeit der Studentenbewegung geriet Bild massiv in die Kritik, was sich auch auf die Verkaufszahlen auswirkte: Bis 1971 fiel die verkaufte Auflage auf unter 3,3 Mio. Exemplare. Als Folge übernahm Günter Prinz die Chefredaktion von Peter Boenisch und riss das Ruder in relativ kurzer Zeit wieder herum. Schon im zweiten Quartal 1974 verkaufte sich Bild wieder mehr als 4 Mio. mal pro Tag. In der Folge stieg die Auflage weiter und durchbrach im dritten Quartal 1979 erstmals sogar die 5-Mio.-Marke.

Ihre größten Erfolge feierte Bild unter Prinz’ Nachfolger Horst Fust: Zwischen dem zweiten Quartal 1982 und dem vierten Quartal 1985 fiel sie nie unter die 5-Mio.-Marke, der Rekord für die Ewigkeit wurde im dritten Quartal 1983 mit 5,54 Mio. verkauften Exemplaren pro Tag aufgestellt. Letztmalig gab es im dritten Quartal 1987 mehr als 5 Mio. Verkäufe, danach folgten erneute Verluste, doch unter den vergleichsweise vielen Chefredakteuren der 1990er-Jahre, Peter Bartels, Hans-Hermann Tiedje, Claus Larass und Udo Röbel, blieb die verkaufte Auflage stets über der 4-Mio.-Marke. Im dritten Quartal 1997 näherte sie sich mit 4,89 Mio. Exemplaren sogar noch einmal der 5-Mio.-Marke.

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Weniger als 4 Mio. verkaufte Exemplare gab es dann erstmals seit 1974 wieder Ende 2002. Unter Kai Diekmann, der 2001 die Chefredaktion übernahm und bis 2015 amtierte, sank die Bild-Auflage stetig. Ende 2006 unter 3,5 Mio., Ende 2010 unter 3 Mio., Anfang 2013 unter 2,5 Mio., Ende 2015 erstmals seit 60 Jahren unter 2 Mio.

Allein Kai Diekmann zuschreiben kann man die rasante Talfahrt natürlich nicht. Ein Blick auf die Auflagenentwicklung anderer Zeitschriften, Zeitungen und vor allem Boulevard-Tageszeitungen zeigt, dass sich Bild nicht viel anders entwickelte als andere. Das Internet mit Boulevard-Journalismus an jeder Ecke klaute Bild – natürlich auch durch das eigene Online-Angebot – Millionen Käufer, allein in den Jahren 2011 bis 2016 jeweils um die 200.000 pro Jahr.

Auch unter Tanit Koch setzte sich die Entwicklung fort, im aktuellen vierten Quartal 2017 fiel die Auflage der Bild – inzwischen inklusive Fußball Bild, deren Zahlen nur gemeinsam mit Bild ausgewiesen werden, die man also nicht heraus rechnen kann, auf 1,57 Mio. verkaufte Exemplare. Sollte sich die Entwicklung unter Julian Reichelt als alleinigem Chef so fortsetzen, dürfte Bild je nachdem wie optimistisch oder pessimistisch man rechnet, in drei bis fünf Jahren unter die verkaufte Million fallen – zum ersten Mal seit 1953. Reichelts Aufgabe kann nur darin liegen, diesen Zeitpunkt möglichst lang herauszuzögern, verhindern wird er das Erreichen des Punktes nicht können.

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Alle Kommentare

  1. Dass die Auflagen von Zeitschriften und Zeitungen allgemein zurückgehen, liegt natürlich vor allem am Internet und der Möglichkeit, Informationen kostenlos online zu erhalten. Diekmann hat aber den großen Fehler gemacht, die Rolle von Bild als “Anwält der kleinen Leute” aufzugeben, der sich reglemäßig mit den Mächtigen anlegt und gesellschaftliche Fehlentwicklungen – zugegebenermaßen aus journalistischer Sich oft fragwürdigen Stil – aufzuzeigen.
    Unter Diekmann ist das Blatt zum Anhängsel der Bundesregierung geworden. Besonders augenscheinlich wurde das, als die alternativlose Klanzlerin die Grenzen für eine völlig unkontrollierte Zuwanderung öffnete. In früheren Jahren hätte BILD zum Sturm auf eine solch verantwortungslose Politik geblasen, die vor allem die einfachen Menschen massiv trifft. Stattdessen hat man einen Pranger eröffnet, um alle anzuklagen, die Kritik an der Regierung geäußert haben. Die Marke BILD hat bei vielen ihrer Käufer einen nicht zu korriegierenden Imageschaden bekommen, der den Niedergang des Blattes massiv beschleunigt hat. Die BILD hat sich selber überflüssig gemacht.

      1. Sicherlich hat die Bild in den vergangenen Jahren etliche Fehler gemacht und sich zu weit von Stammtisch-Themen und ihren Stammlesern entfernt. Von “linksliberal” ist sie aber vermutlich genauso weit entfernt wie Sie von der bürgerlichen Mitte.

  2. Kompetente Leute wie Tanik Koch kommen überall unter. Es gibt soviele zeitungen die von ihren Fähigkeiten profitieren könnten.

    Und solch erfahrene Frauen sind auf dem Arbeitsmarkt immer begehrt. Hoffentlich bekommt sie als nächstes eine Anstellung bei der Zeit oder beim Spiegel um dort versteckte Potentiale zu entdecken;D.

  3. Der war gut!
    Ich denke nicht das der Springer Verlag diese Millionenschwere Auflagen-Windel dieses Jahr noch halten kann.
    Mann muss kein Mathematiker sein um zu wissen wann endlich Schluss mit lustig ist und selbst andere Zeitungen zur Gefahr in der eigenen Reihe wird…Kunden bestimmen was gelesen wird, und was nicht, oder ehr was glaubwürdiger erscheint zum lesen.
    Mann kann sich das ganze natürlich auch alles “schön” reden, und Ich bin gespannt ab welcher Auflage der Springer Verlag über den Verlust der Kundschaft, welcher ja schon seid Jahren andauert, berichtet und welcher Grund dafür genannt wird.

  4. Gibt es eine Erklärung für die jährlichen Spitzen, meist im dritten Quartal? Sind sie Bild-spezifisch oder über die ganze Branche hinweg zu beobachten?

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