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Apple-Absturz: Der iPhone X-Superzyklus bleibt aus – fast 100 Milliarden Dollar Börsenwert vernichtet

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Plötzlich kritisch beäugt: Apples neues Smartphone-Flaggschiff iPhone X © Apple

Große Ernüchterung nach Apples erstem Quartal mit dem iPhone X. Zwar verhilft das bis zu 1320 Euro teure OLED-Smartphone zu einem Rekordergebnis in der Weihnachtsbilanz, doch Apples Hochpreiswette bleibt hoch riskant, weil in den kommenden Monaten die Anschlusskäufe fehlen könnten. Der Superzyklus scheint auszufallen. Die Wall Street reagiert höchst alarmiert und lässt Apple nach den schweren Verlusten der vergangenen Wochen weiter tief fallen. Aktionären droht ein schwieriges Jahr.

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Der erhoffte Befreiungsschlag währte nur ein paar Stunden. Als Finanzchef Luca Maestri gestern in der Telefonkonferenz, die sich der Geschäftsbilanz für das erste Quartal anschloss, andeutete, Apple wolle in Zukunft seine Geldpolitik “cash-neutral” gestalten, keimte noch einmal Euphorie auf. Binnen Minuten schoss die Apple-Aktie aus dem negativen Terrain ins Plus und legte um mehr als drei Prozent zu.

Doch schon am nächsten Morgen war klar: Es war nur eine Nebelkerze. Auch am heutigen Handelstag kehrte die angeschlagene Aktie des noch wertvollsten Konzerns in den bekannten Modus der vergangenen Wochen zurück – und notierte schon wieder im Minus. Nichts war es mit der erhofften Trendwende durch die Quartalsbilanz.

95 Milliarden Dollar Börsenwert in zwei Wochen vernichtet

Das Ausmaß des Kursrutsches ist indes bemerkenswert: Gleich um 14 Dollar (!) – von 174 auf 160 Dollar – sackte die Apple-Aktie heute gegenüber den Hochs des nachbörslichen Handels durch und muss auf Tagessicht weitere Verluste von rund 4 Prozent hinnehmen.

Nun schon um 11 Prozent notiert der Kultkonzern aus Cupertino unter seinen Allzeithochs, die der Techpionier gerade erst vor zwei Wochen aufgestellt hat. 95 Milliarden Dollar an Börsenwert hat Apple seitdem vernichtet – die magische Bewertungsgrenze von einer Billion Dollar, die noch vor Wochen anvisiert wurde, ist inzwischen zum Luftschloss geworden.

Neuer Kurssturz trotz Rekordquartal

Was sind die Gründe für den Apple-Absturz? Wieder einmal stehen Apple-Fans vor einem vermeintlichen Paradoxon: Da verbucht der iKonzern den größten Konzerngewinn der Wirtschaftsgeschichte, verdient 20 Milliarden Dollar in gerade einmal drei Monaten – also rechnerisch 6,66 Milliarden jeden Monat bzw. 222 Millionen Dollar am Tag! –, doch der Wall Street ist es wieder einmal nicht genug.

Blöde Börsianer? Tatsächlich riecht der Markt, dass etwas faul ist im Apfelland. All die Hiobsbotschaften der vergangenen zwei Wochen, über die Zuliefererfirmen, Analysten und am Ende das Wall Street Journal in Form von massiven Produktionskürzungen berichteten, haben sich bewahrheitet. Der “volle Panikmodus” war gerechtfertigt.

iPhone X ist zu teuer, um einen neuen Superzyklus zu entfachen

Apple konnte sich zwar über ein starkes Weihnachtsgeschäft mit dem größten Nettogewinn aller Zeiten freuen, doch bereits die nach Stückzahlen rückläufigen iPhone-Verkäufe waren als Warnsignal zu verstehen. Mit dem März-Quartal bestätigen sich nun die Befürchtungen der vergangenen Wochen: Das iPhone X ist schlicht zu teuer, um einen neuen Superzyklus zu entfachen.

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In Dollar und Cent können Tim Cook und Finanzchef Luca Maestri die nach Stückzahlen rückläufigen iPhone-Verkäufe fürs Erste zwar vermeintlich egal sein, weil Apple wegen des stark gestiegenen Durchschnittsverkaufspreises mehr verdient. Der Effekt ist erheblich: Trotz einer Million weniger verkaufter iPhones hat Apple im Dezember-Quartal wegen des hochpreisigen iPhone X in seiner Smartphone-Sparte sieben Milliarden Dollar mehr umgesetzt. Wieder einmal scheint Apples Hochpreis-Trick zu funktionieren.

Wall Street sorgt sich weiter um das iPhone X

Doch der Applaus der Investoren blieb aus. Der massive Abverkauf am heutigen Handelstag, der die Aktie auf ein 4-Monatstief zurückwirft, bringt die Sorgen der Wall Street zum Ausdruck. Der Verdacht besteht weiterhin, dass der schnelle Verkaufserfolg des iPhone X in den Wochen nach dem Launch durch die getreuen Fanboys in der westlichen Welt zustande kam, die kein Problem damit haben, an Apple bis zu 1320 Euro für ein überteuertes Smartphone zu überweisen, nur weil das Apfel-Logo auf dem Rücken zu sehen ist.

Nach dem weihnachtlichen Kaufrausch setzt sich nun anno 2018 jedoch eine neue Realität an der Wall Street durch: Die Anschlusskäufe fehlen. In den Schwellenländern – allen voran China und Indien – dürfte der Preisaufschlag von 250 bis 300 Dollar / Euro zum bislang teuersten Modell als empfindliche Kaufbremse wirken.

Dass Apple die iPhone X-Produktion nun plötzlich halbiert, ist eine große Sache, die verdeutlicht, dass sich der Verkauf des hochpreisigen OLED-iPhones nach nur zwei Monaten nicht ansatzweise so entwickelt wie erhofft. Entsprechend schmallippig äußerte sich Cook in der Telefonkonferenz über die momentane Absatzsituation.

Entwickelt sich das iPhone – zumal das Flaggschiff – nicht wie erhofft, hat Apple ein Problem

Für Tim Cook kommt die abebbende Nachfrage nach dem iPhone damit ungewöhnlich früh und tatsächlich viel zu früh. Eine Ausblicksverfehlung von bis zu 6 Milliarden Dollar hat es bei Apple lange nicht mehr gegeben. Natürlich hat Tim Cook andere Pfunde, mit denen er wuchern kann: die Wearables (Apple Watch und AirPods) und Servicesparte, die zweistellig zulegen, und das Auslandskapital, das heimgeholt und möglicherweise zum Großteil an Aktionäre zurückgegeben wird. Doch das sind nicht mehr als Nebenschauplätze.

Entwickelt sich das iPhone – zumal das Flaggschiff – nicht wie erhofft, hat Apple an der Börse ein Problem, weil das Smartphone-Segment weiter über 60 Prozent der Erlöse und zu einem noch höheren Teil die Gewinne generiert. Es sieht nun so aus, als würde Apple-Aktionäre dieses Problem zumindest bis zum Launch des iPhone X-Nachfolgers begleiten. Doch der wird frühestens im September erwartet.

Bis dahin drohen immer neue Hiobsbotschaften um weitere Produktionskürzungen, Prognose-Anpassungen nach unten, Analysten-Downgrades und reduzierte Kursziele. Das letzte Mal, als Apple in ähnlichen Dimensionen seine iPhone-Produktion reduzierte, ist fünf Jahre her: Nach dem enttäuschenden iPhone 5-Launch halbierte sich seinerzeit dann auch fast die Aktie.

Für Apple-Aktionäre, die sich 2017 noch über üppige Kurszuwächse freuen konnten, droht 2018 zu einem langen, zähen Jahr zu werden. Genau das hatte die japanische Investmentbank Nomura Ende 2017 bereits vorausgesagt.

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