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“Neue Marken- und Erlösstrategie”: Condé Nast Deutschland nimmt Print-Magazin Wired vom Markt

Kostenoptimierung bei Condé Nast: Moritz von Laffert nimmt die Print-Ausgabe von Wired vom Markt
Kostenoptimierung bei Condé Nast: Moritz von Laffert nimmt die Print-Ausgabe von Wired vom Markt

Das Münchener Magazinhaus Condé Nast steht vor großen Herausforderungen. Hohe Auflagenverlusten bei den Flaggschiffen Vogue, AD, Glamour, GQ belasteten 2017 das Geschäft. Jetzt plant Deutschland-Chef Moritz von Laffert nach dem Verkauf von myself und der Zentralisierung der Vermarktung die nächste unpopuläre Kostenmaßnahme. Er nimmt die Printausgabe des Tech-Magazins Wired zeitweise vom Markt.

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Die Magazin-Cover sind ein Hingucker. Fein säuberlich aufgereiht hat das Münchener Zeitschriftenhaus Condé Nast die meist schrill anmutenden Titelbilder der gedruckten Deutschland-Ausgabe von Wired auf seiner Webseite. Doch seit Anfang des Jahres wird die Galerie nicht mehr aktualisiert. Weil keine neue Ausgabe mehr erschienen ist. Und das wird auch so bleiben  – zumindest vorerst. Das Verlagshaus verzichtet in den nächsten sechs Monaten auf weitere Printausgaben. „Da wir aktuell die mehrteilige Marken- und Erlösstrategie von Wired neu aufsetzen, werden zumindest die beiden fürs erste Halbjahr 2018 geplanten Print-Ausgaben nicht erscheinen“, erklärt eine Verlagssprecherin auf Anfrage von MEEDIA. Unklar ist, wie die weitere Zukunft des gedruckten Heftes aussieht.

Der Rückzug des Technologiemagazins vom Gedruckten deutete sich bereits 2016 an. Damals drosselte Chefredakteur Nikolaus Röttger die Erscheinungsfrequenz. Statt bislang zehn Ausgaben pro Jahr, brachte der Verlag die Zeitschrift nur noch quartalsweise an den Kiosk, um bei einem auf 84 Millionen Euro in 2016 gesunkenen Gesamtumsatz (Minus gegenüber Vorjahr von 5,4 Prozent) die Ertragslage zu verbessern. Dazu heißt es wörtlich im Geschäftsbericht für 2016, der jetzt veröffentlicht wurde: „Durch gezielte Verringerung der operativen Kosten konnte der Erlösrückgang jedoch deutlich kompensiert werden. Ein wesentlicher Baustein hierbei war die Umstellung der Erscheinungsfrequenz des Magazins Wired“, heißt es dort an einer Stelle. Gleichzeitig machte auch der Copypreis einen kräftigen Satz von 4,50 Euro auf 6,80 Euro pro Ausgabe nach oben.

Die Maßnahmen bei der vergleichsweise kleinen Wired reichten allerdings nicht aus, um das Verlagshaus, das die deutschen Ausgaben international renommierter Titel wie Vogue, GQ oder Glamour verlegt, vor den roten Zahlen zu retten. Und es ist fraglich, ob die Pläne von Deutschland-Chef Moritz von Laffert, bei der gedruckten Ausgabe von Wired vorerst die Reißleine zu ziehen, daran etwas ändern kann. Denn das Unternehmen rutschte 2016 sogar noch tiefer in die Verlustzone. Der Jahresfehlbetrag wurde im Geschäftsbericht mit 2,7 Millionen Euro angegeben, ein Jahr zuvor betrug das Minus lediglich 1,16 Millionen Euro.

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Der Deutschlandchef der renommierten Magazinschmiede will von solchen Verlusten nichts wissen. Er betont, dass sein Unternehmen wirtschaftlich arbeite. Wörtlich: „Condé Nast Deutschland hat 2016 mit einem klar positiven operativen Gewinn abgeschlossen. Das handelsrechtlich ausgewiesene Ergebnis der G+V kann leicht zu einer Fehlinterpretation der Profitabilitätssituation führen, da unser positiver operativer Gewinn von konzerninternen internationalen Lizenzgebühren sowie schwankenden internationalen Konzernumlagen beeinflusst wird“, betont eine Verlagssprecherin auf MEEDIA-Anfrage. Dabei ergänzt sie: „Unabhängig davon wirkten sich die Investitionen in digitale  Innovationsprojekte sowie die markt- und branchenbedingte Entwicklung der Printanzeigen- und Vertriebserlöse – wie auch bei unseren Mitbewerbern – auf die Erlöslage aus.“ Digital soll auch Wired zulegen. Die Web-Präsenz des Magazins in Deutschland soll aufrecht erhalten bleiben, die Reichweite ausgebaut werden.

Einen operativen Gewinn will Laffert auch für das vergangene Geschäftsjahr einfahren. Dieser sei allerdings ebenfalls von Restrukturierungskosten und Investitionen in neue digitale Aktivitäten geprägt. Zur Erinnerung: der Unternehmenschef hatte im vergangenen Jahr die Vermarktung am Standort in München konzentriert. Von der Maßnahme waren zwölf Mitarbeiter betroffen, denen er ein Jobangebot in der Zentrale unterbreitete. Zuvor hatte sich der Geschäftsführer entschlossen, die Schlussredaktion aller Magazintitel an einen externen Dienstleister um den Hamburger Verleger Jan Wickmann auszulagern. Betroffen von der Maßnahme waren nach damaligen Angaben vier feste Arbeitsplätze. Auch das Magazin-Portfolio wurde etwas bereinigt. Von Laffert verkaufte die Frauenzeitschrift myself an die Funke Mediengruppe, da der Titel nicht in die Strategie des Conde Nast-Konzerns passte.

Für 2018 hält sich von Laffert mit Vorhersagen bedeckt. „Wir sind vermarktungsseitig gut ins Jahr gestartet, für eine seriöse Prognose für 2018 ist es aber zu früh. Grundsätzlich gehen wir aber davon aus, dass die Vorteile unserer neuen Vermarktungsstruktur 2018 voll zum tragen kommen und sich entsprechend positiv auswirken“, äußert eine Firmensprecherin. Die Zurückhaltung ist verständlich. Denn der Verkauf der Magazin-Flaggschiffe ist katastrophal. So sank die verkaufte Auflage des Frauentitels Vogue laut PZ-Online im 4. Quartal auf 95.910 Exemplare, ein Minus gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum von 14,01 Prozent. GQ bewegte sich 4. Quartal bei 78.203 Exemplare (Minus 18,37 Prozent), Glamour bei 168.236 Stück (Minus 15,88 Prozent), Architectural Diges bei 65.243 Exemplare (Minus 11,88 Prozent). Nun verbreitet Laffert mit einem Umzug in ein neues Bürogebäude Aufbruchstimmung. Ob sich dies auch im Verkauf seiner Titel widerspiegelt, wird sich zeigen.

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Alle Kommentare

  1. Condé Nast-Magazine existieren nur wegen den Anzeigen und nicht wg. des Inhalts. WIRED eine Mischung aus 80er-OMNI und PM-Ga-ga-Themen, die heute eher auf dem FOCUS-, STERN- und SPIEGEL-Titel zu finden sind, und auch dort für miese Verkaufszahlen sorgen. “Digital-Themen” interessieren – wie z.B. das Google-Auto – keinen. Der Verkaufsfläche wird das Verschwinden von WIRED eher nutzen, ein Coffee-Table Magazin weniger!

    1. Wobei man sich die Frage stellen muss, warum es immer noch Werber gibt, die diese Magazine mit Anzeigen füllen. Schlechter kann man seine Budgets nicht investieren.

      Die nächste Konjunkturflaute wird (nicht nur) Condé Nast alle Licher ausblasen.

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