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“Wie soll das vom Social Team der Grünen getoppt werden?”: die euphorischen Parteitags-Tweets der ARD-Journalistin Tina Hassel

Tina Hassel (li.) steht wegen ihrer freundlichen Tweets zu den neuen Grünen-Chefs (re.: Robert Habeck) in der Kritik

Ist Tina Hassel eine begeisterte Sympathisantin der Grünen? Die Chefin des ARD-Hauptstadtstudios twitterte am Wochenende von deren Parteitag und zeigte sich durchaus begeistert vom neuen Führungsduo. Damit löste sie eine heftige Debatte und viel Kritik aus. Spöttisch fragte Welt-Chef Ulf Poschardt beispielsweise: “Wie soll das vom Social Team der @grünen getoppt werden?”. Gegenüber MEEDIA erklärt Hassel ihre umstrittenen Tweets.

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Hassel fasste beispielsweise das Ergebnis der Wahl von Robert Habeck und Annalena Baerbock zu neuen Partei-Chefs der Grünen wie folgt zusammen:

Frische #grüne Doppelspitze lässt Aufbruchsstimmung nicht nur in Frankreich spüren. #Habeck und #Baerbock werden wahrgenommen werden! #Verantwortung kann auch Spaß machen u nicht nur Bürde sein Wichtiges Signal in diesen Zeiten! #bdk18

Ein weiterer Tweet von Hassel: “#Baerbock wird mit viel Applaus zur Wahl getragen, beim Rennen um #Parteivorsitz. Erfrischend lebendig, angesichts der lahmen #Groko Protagonisten #bdk18”

Es dauerte natürlich nicht lange, bis Hassel mit dem berühmten Zitat der “Tagesthemen”-Legende Hanns Joachim Friedrichs konfrontiert wurde, dass man sich als Journalist niemals mit einer Sache gemein machen sollte, auch nicht mit einer guten. Noch immer gilt dieser Satz – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung –  als so etwas wie der Artikel Eins des inoffiziellen ARD aktuell-Grundgesetzes.
Neben der Chefin des Hauptstadtstudios berichteten auch Arnd Henze und Kristin Joachim für die ARD vom Parteitag. Und auch sie mussten sich einiges an Kritik anhören.
Im Zuge der heftigen Schelte in den sozialen Medien fragte Berater und Blogger Thomas Knüwer jedoch auch: “Moment mal: Heißt das, Politiker dürfen von Journalisten nicht gelobt werden?” Weiter führt er aus: “Eine der ersten Regeln, die meine wunderbaren Redakteure mir als freier Mitarbeiter einer Lokalzeitung beibrachten war: wenn etwas gut ist, dann schreibt, dass es gut war. Wenn etwas schlecht war, dann schreib, dass es schlecht war. Leider möchte der Journalismus des Jahres 2018 viel zu häufig den ersten Satz negieren. ‚Alles ist Scheiße‘, steht heutzutage über den allermeisten Redaktionsstuben”
Den Hauptkritikpunkt an Hassel verknappt Christian Henne auf eine einfache Test-Frage: Könnten die Tweets auch eine PR-Meldung von den Grünen sein?
Ein Umstand, der in der Debatte durchaus bislang vernachlässigt wurde ist, dass man die Tweets nicht nur isoliert betrachten sollte. Sie sind Teil einer mehrere Kanäle umfassenden Berichterstattungsstrategie. Demnach würden die ARD-Journalisten bei Twitter eine andere Tonalität wählen, als in ihren „Tagesschau“-Berichten oder in einem „Tagesthemen“-Kommentar. Gegenüber MEEDIA erklärte Tina Hassel:

„Wir twittern seit Jahren von den Parteitagen aller Parteien und konzentrieren uns dabei ergänzend zu den Beiträgen für Tagesschau und Online vor allem auf atmosphärische Beobachtungen  und Eindrücke. Der Grünen Parteitag stand unter der Frage, ob es ein Signal des Aufbruchs und der Erneuerung geben würde. Was unsere Einschätzung vom Grünen-Parteitag angeht, gibt es eine große Übereinstimmung anderer Zeitungskollegen vor Ort – von SZ über Zeit bis zur Welt, die sich nun an die Spitze der Kritik gestellt hat. Gerade in Zeiten von zunehmender Politikverdrossenheit halten wir es für legitim, auch positiv zu würdigen, wenn einer Partei ein Führungs- und Generationswechsel souverän gelingt. Sie können sicher sein, dass wir den weiteren Weg der Grünen kritisch begleiten und an den geweckten Erwartungen messen werden.“

Gerade diese „positive Würdigung“ ging einigen Kollegen allerdings gehörig zu weit. So kommentierte  Ulf Poschardt, Chefredakteur der Welt, bissig und spöttisch zugleich: “Wie soll das vom Social Team der @grünen getoppt werden?”
https://twitter.com/ulfposh/status/957377408180588544
Gerade Poschardt arbeitet sich seit einiger Zeit durchaus heftig an den Grünen ab. Die direkte Antwort von Henze kam fix:

Lieber @ulfposh”, twittert der Hauptstadtstudio-Kollege von Hassel. “Ich habe Sie kürzlich gegen denunziatorische Tweets verteidigt. Bitte passen Sie auf, dass Sie nicht ebenfalls denunzieren. Ich habe die Grünen oft kritisiert und werde es wieder tun. Aber ihr Erneuerungsprozess ist beeindruckend und verdient Respekt.“

Replik vom Welt-Chef: “Danke, Sie müssen mich nicht verteidigen. Und denunzieren geht ganz anders. Sie dementieren ja nicht mal. Und Ihre Kollegin @TinaHassel ja auch nicht. Mich hat die Begeisterung amüsiert. Sehen Sie es mir nach.”
https://twitter.com/robinalexander_/status/957283361986433024
Ebenfalls amüsiert von der Begeisterung zeigte sich Poschards Starreporter in politischen Fragen, Robin Alexander. Dieser twitterte in Richtung der ARD-Journalisten: “Leider berichte ich nicht über @Die_Gruenen. Aber zum nächsten Parteitag fahre ich trotzdem. Diese Begeisterung, die aus den Tweets vieler Journalisten spricht, möchte ich auch einmal empfinden. #bdk18”
Die Ironie seines Statements entging Tina Hassel jedoch offenbar. Ihre ernsthafte Antwort: “Ich war da, Robin, und kann das nur bestätigen. Mal sehen, wie lange es hält.”

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