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„Der will nicht mit dir schlafen, der Mathias Döpfner“: Als die Bild-Dschungelshow mal komplett aus dem Ruder lief …

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"Die Besetzungscouch ist sehr groß." Patricia Blanco in der Bild-Dschungelshow. Außerdem: Journalisten, wie sie Trump gefallen und ein gelungener "Tagesthemen"-Kommentar zum Fall Wedel

Ex-Bewohner des RTL-Dschungelcamps sprechen in einer Facebook-Show der Bild ungehemmt über den Wunsch nach Sex mit Springer-CEO Mathias Döpfner. Ein Twitter-Kommentar des ARD-Chefredakteurs Rainald Becker irritiert einige innerhalb des Senderverbunds. Und der Chefredakteur des Blick gibt sich gegenüber US-Präsident Donald Trump als Autogrammjäger. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Na? Mitbekommen, dass gerade wieder die RTL-Dschungelshow läuft? “Ich bin ein Star, holt mich hier raus!” kämpft dieses Mal mit deutlich sichtbaren Abnutzungserscheinungen und auch etwas schwächelnden Quoten. Die besseren Gags finden sich teils auf Twitter (hier haben wir ein paar zusammengestellt) und die besseren Aufreger finden sich in der Dschungel-Berichterstattung.

Springers Boulevardzeitung Bild produziert schon traditionell eine eigene Show, die das Dschungelgeschehen begleitet, moderiert von Ingo Wohlfeil. Dabei sind meist ehemalige Insassen geladen, die das Treiben im Camp kommentieren. Nun ist die Sendung so gedacht, dass die TV-Zuschauer vor allem in den Werbepausen des RTL-Dschungels den Bild-Talk bei Facebook über den Bild-Kanal „Ich guck alles“ live verfolgen. Die Kameras und Mikrofone bleiben aber auch jenseits der Werbepausen auf Sendung. Irgendwie scheint es nun so, als ob den Protagonisten der Bild-Dschungelshow das nicht so recht bewusst ist.

Zur Auftaktsendung am vergangenen Freitag plauderten Ingo Wohlfeil, Walter Freiwald, Djamila Rowe (war noch nicht im Dschungelcamp, dafür bei „Adam sucht Eva“), Sarah Knappik und Patricia Blanco teils schon sehr frei von der Leber, wie Günther Oettinger sagen würde. Es entspann sich nach knapp zwei Stunden ein durchaus interessanter Dialog. „Hören“ wir doch mal rein:

Patricia Blanco: Ich hol mir ‘nen Redakteur von der Bild jetzt gleich.

Djamila Rowe: Das bringt dich doch nicht weiter. Redakteur von der Bild is’ doch für’n Arsch.

Patricia Blanco: Ich brauch’ den, der was zu sagen hat, wo is’n der überhaupt? Hallo von der Bild? Ich will mit dir schlafen, den größten wo’s gibt!“

Djamila Rowe: Mit der Bild-Zeitung brauchste nicht schlafen, bringt dir nix.

Sarah Knappik: Der will auch nicht mit Dir schlafen, der Mathias Döpfner.

Patricia Blanco: Wieso, weil der schwul ist oder was?

Sarah Knappik: Ou! Das ist das letzte Mal, dass du hier in der Sendung warst

Ingo Wohlfeil: Der is gar nicht schwul.

Walter Freiwald: Ist ja auch scheißegal, ob man schwul ist oder nicht.

Patricia Blanco: Eben, es gibt immer einen Weg. Die Besetzungscouch ist sehr groß.

An dieser Stelle „blenden“ wir uns dezent aus dem Geschehen aus. Springer-CEO Mathias Döpfner sollte sich sicherheitshalber in Acht nehmen, falls er mal auf derselben Medienparty zu Gast sein sollte wie Patricia Blanco.

Hier das ganze Video, die transkribierte Stelle beginnt ca. ab einer Stunde und 57 Minuten.

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Bitterernst ist dagegen, was die Zeit in ihrem aktuellen Dossier über die Affäre Dieter Wedel berichtet. Die Zeitung lässt weitere mutmaßliche Opfer des Star-Regisseurs zu Wort kommen – und die mit Fakten und Zeugenaussagen gespickte Lektüre ist haarsträubend. Was neben den Schilderungen von Gewaltausbrüchen und Demütigungen auch erschreckt, ist, wie Meldungen über die Vorfälle Anfang der 80er Jahre vom damals verantwortlichen Sender Saarländischer Rundfunk ignoriert wurden. Die Hauptsache schien zu sein, den Regie-Star nicht zu verärgern und die Produktion am Laufen zu halten. Die heutige SR-Führung zeigt sich von den Enthüllungen, die teils in den Archiven des Senders schlummerten, ebenfalls schockiert und hat sich daran gemacht, die Fälle aufzuarbeiten. Bereits am Mittwoch wurden die neuen Vorwürfe gegen Wedel auch in den ARD-„Tagesthemen“ berichtet und engagiert kommentiert. Es zeige sich hier die „Ignoranz männlicher Hierarchien“, so die NDR-Kommentatorin Britta von der Heide, „so etwas gibt es auch in der ARD.“

Kurz nach den „Tagesthemen“ mit dem Kommentar twitterte der ARD-Chefredakteur Rainald Becker mit Bezug auf einen Kommentar in der SZ zur AfD im Bundestag: „Guter Kommentar, hätten wir auch machen können.“

Innerhalb der ARD wurde diese Einlassung von einigen als Distanzierung von dem Wedel-Kommentar in den „Tagesthemen“ kurz zuvor gelesen. Wie auch immer: Die Selbst-Kritik, die aus dem „Tagesthemen“-Kommentar spricht, und der vom SR gezeigte Wille zur Aufklärung stehen der ARD jedenfalls sehr gut zu Gesicht.

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Von Burdas DLD, der am Montag zu Ende ging, zog die Karawane der Einflussreichen diese Woche weiter ins winterliche Davos. Dort landete gegen Ende der Woche auch US-Präsident Donald Trump. Am Rande kam es zu einer Begegnung zwischen Trump und dem Chefredaktor der Schweizer Boulevardzeitung Blick. Der Chefredakteur fragte artig nach einem Autogramm des Präsidenten auf einer Blick-Ausgabe („We made Special-Edition of our Newspaper.“ DT: „Oh, I like that …“). So viel servile Zuneigung kennt The Donald von heimischen Medien eher nicht. Und so kam er der Bitte sichtlich selbstzufrieden nach.

Ihnen auch ein sehr zufriedenstellendes Wochenende!

PS: Hier geht es zur aktuellen Ausgabe des wöchentlichen Podcasts “Die Medien-Woche” mit meinem Kollegen Christian Meier von der Welt und mir. Diesmal sprechen wir über die Formschwäche des RTL-Dschungelcamps, den Fall Wedel und die Rolle der Medien, den DLD und die Bedeutung des Facebook-Algorithmus für die Medien. Viel Spaß beim Reinhören!

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