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Rolle der ARD bei der Affäre Wedel: SR gründet Recherche-Einheit und Task-Force zur Aufklärung

SR-Intendant Thomas Kleist, Zeit-Dossier über Vorwürfe gegen Dieter Wedel: Sender verspricht größtmögliche Transparenz
SR-Intendant Thomas Kleist, Zeit-Dossier über Vorwürfe gegen Dieter Wedel: Sender verspricht größtmögliche Transparenz

Die in der Zeit dokumentierten massiven Vorwürfe gegen den Regisseur Dieter Wedel bringen auch den Saarländischen Rundfunk unter Erklärungsdruck. Der Sender ließ Anfang der 80er Jahre eine TV-Produktion weiter laufen, obwohl Ausfälle Wedels gegen eine Schauspielerin bekannt waren. Vermutlich war sogar die Intendanz damals informiert. Der Sender setzt nun eine eigene Einheit zur Aufklärung ein und hat Kontakt zu den mutmaßlichen Opfern aufgenommen.

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Die Lektüre des aktuellen Zeit-Dossiers „Der Schattenmann“, in dem Zeuginnen massive körperliche Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung durch den Regisseur Dieter Wedel schildern, lässt einem den Atem stocken. Die Schwere der Anschuldigungen ist das Eine. Fassungslos macht auch, dass offenbar der damals verantwortliche Sender, der Saarländische Rundfunk, u.a. durch Anwaltsschreiben und ärztliche Atteste über das mutmaßliche Treiben des Star-Regisseurs informiert war und trotzdem die Produktion der Serie „Bretter, die die Welt bedeuten“ weiterlaufen ließ.

Der SR wurde nach eigenen Angaben durch eine Anfrage von Zeit-Redakteur Christian Fuchs Mitte Januar auf die Vorgänge aufmerksam, die da in den Archiven des Senders schlummerten. Die Zeit hatte zuvor schon in ihrem Magazin über einen Vergewaltigungsvorwurf und weitere Vorwürfe gegen Wedel berichtet. Nach diesem Bericht hatten sich mehr Zeugen und Frauen gemeldet, was zur neuen Recherche auch beim SR führte.

Der Sender zeigte sich kooperationsbereit. Offenbar war man sich nicht bewusst, was da im Archiv lag. Warum die Vorfälle damals, Anfang der 80er Jahre, nicht angezeigt wurden, lässt sich laut SR noch nicht rekonstruieren. „Aber bereits jetzt steht fest, dass sich die TFS und der SR  1981 nicht richtig verhalten haben“, teilt der SR auf Anfrage von MEEDIA mit. TFS ist die Telefilm Saar, die damalige Produktionsgesellschaft von „Bretter, die die Welt bedeuten“. Die TFS stand übrigens auch im Mittelpunkt eines handfesten Skandals um Luftbuchungen und gefälschte Produktionsverträge mit einem Gesamtschaden von rund 25 Mio. Euro. Die Tochterfirma des SR wurde nach dem Finanz-Skandal 2007 aufgelöst.

Auf die Frage, ob der damalige Intendant Hubert Rohde über die Vorwürfe gegen Wedel informiert war, heißt es von Seiten des SR: „Auch das wissen wir nicht mit endgültiger Sicherheit. Aber wir müssen davon ausgehen, da es einen Revisionsbericht gab. Die Revision wird im Auftrag des Intendanten tätig. Spätestens mit dem Revisionsbericht vom 1. Dezember 1981 hatte der damalige Intendant positive Kenntnis.“

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Der benannte Revisionsbericht war auch Bestandteil des Zeit-Dossiers. In dem Bericht wurden die „besondere Ereignisse“ bei der Produktion von „Bretter, die die Welt bedeuten“ aufgelistet. U.a. ist in dem Bericht akribisch festgehalten, wie viele Tage die Produktion stillstand, weil zuerst die Hauptdarstellerin und anschließend auch ihre Nachfolgerin ausfielen.

Nachdem der SR durch die Anfrage der Zeit auf die Archiv-Dokumente aufmerksam gemacht worden war, hat Intendant Thomas Kleist eine kleine Reporter-Rechercheeinheit ins Leben gerufen, ihr ebenfalls Akteneinsicht gewährt und den Kontakt zur Zeit hergestellt. Bereits am Mittwoch zeigten die ARD-Programme Ergebnisse der Aufarbeitung des Falls. Außerdem wurde eine Task Force unter Federführung des Haus-Justitiars Bernd Radeck sowie der Leiterin der Intendanz und dem Kommunikationschef gebildet, die weiter die Akten untersuchen soll. Der SR erklärt, dass zu den beiden im Zeit-Bericht genannten mutmaßlichen Opfern Kontakt aufgenommen wurde. Auch weitere Zeugen will der Sender kontaktieren.

„Ziel ist es nicht, auf voyeuristische Art mögliche Vergehen von Dieter Wedel anzuprangern, die womöglich strafrechtlich verjährt sind, sondern die Systeme, Mechanismen und Verhaltensweisen auszuleuchten, die damals solche Delikte ermöglicht haben, um gegebenenfalls in Verantwortung für jetzige und kommende Generationen Kontrollmechanismen sowie eine Atmosphäre der Transparenz und des Miteinanders zu schaffen“, so der Sender auf Anfrage von MEEDIA. 

Auf Betreiben des SR soll der Fall auch auf die Tagesordnung der nächsten Intendantensitzung Anfang Februar in München gesetzt werden. „Wir als SR gehen mit dem Ziel in diesen Tagesordnungspunkt, dass auch alle anderen betroffenen Sender die Transparenz üben, um Licht ins Dunkel zu bringen“, so der SR.

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